Borsig (Eigenschreibweise: BORSIG GmbH) ist ein deutsches Maschinenbau- und Prozesstechnologieunternehmen mit Sitz in Berlin. Das 1837 gegründete Unternehmen entwickelte sich im 19. Jahrhundert zu einem der bedeutendsten europäischen Hersteller von Dampflokomotiven und war zeitweise der größte Lokomotivlieferant Europas sowie der zweitgrößte weltweit. Heute entwickelt und fertigt Borsig spezialisierte Technologien für industrielle Prozessanwendungen, darunter Abwärmerückgewinnung und Prozesswärmetauscher, Verdichter für Prozessgase, membranbasierte Trenn- und Rückgewinnungssysteme, Industriearmaturen sowie Lösungen für Wasserstoff, Kohlenstoffdioxid und industrielle Dekarbonisierung.

Gründung und erster Lokomotivbau mini|links|Zeichnung der ersten Dampflokomotive von Borsig, 1840 mini|Karl Eduard Biermann: Die Gießerei und die Werkstätten von Borsig am Oranienburger Tor, 1847. Das Gemälde stellt die Fabrik im Jahr 1837 dar. mini|Nachbau von 1912 der Beuth (Fabriknummer 24) im Deutschen Technikmuseum Berlin

August Borsig gründete nach seiner langjährigen Arbeit in der Eisengießerei von Franz Anton Egells am 22. Juli 1837 – dem Tag des ersten erfolgreichen Gusses – eine eigene Gießerei und Maschinenbau-Anstalt im Berliner Feuerland vor dem Oranienburger Tor, Chaussee-/Ecke Torstraße. Als Werkmeister holte er 1837 Johann Friedrich Ludwig Wöhlert,Friedrich Wöhlert’sche Maschinenbauanstalt und Eisengießerei Aktiengesellschaft. Bei: albert-gieseler.de; abgerufen am 5. März 2015. mit dem Borsig seit ihrer gemeinsamen Tätigkeit für Franz Anton Egells Neue Berliner Eisengießerei befreundet war. Wöhlert blieb bis 1841Katalog-30/F. Wöhlert’sche Maschinenbau-Anstalt und Eisengiesserei AG. gutowski.de und gründete darauf in unmittelbarer Nachbarschaft sein eigenes Unternehmen, die F. Wöhlert’sche Maschinenbau-Anstalt und Eisengiesserei.Messerschmidt: Taschenbuch Deutsche Lokomotivfabriken (1977), S. 218. In der Anfangszeit baute Borsig Dampfmaschinen für den eigenen Bedarf und andere Unternehmen, daneben Kunst- und Baugussteile. Für die Berlin-Potsdamer Eisenbahngesellschaft wurden 1839 erstmals Reparaturen an Dampflokomotiven ausgeführt.

Die erste eigene Lokomotive mit dem Namen Borsig und der Fabriknummer 1 baute das Werk 1840. Die Maschine hatte die Achsfolgebauart 2'A1, einen Innenrahmen und schrägliegende Außenzylinder. Am Bau war auch Wöhlert beteiligt, dieser behauptete später, deren eigentlicher Urheber gewesen zu sein, was Borsig bestritt.

Borsig ließ die Lokomotive am 21. Juli zu einer Wettfahrt von Berlin nach Jüterbog (63 km) auf der Anhalter Bahn gegen eine von George Stephenson gebaute Lokomotive antreten. Die Borsig gewann das Rennen mit zehn Minuten Vorsprung. Damit zeigte sich, dass es den Deutschen trotz fehlender Erfahrung möglich war, Lokomotiven zu bauen, die mindestens so gut waren wie die britischen Fabrikate. Somit war es nicht mehr nötig, Lokomotiven samt Technikern zu importieren. Weitere sechs Lokomotiven dieses Typs gingen 1842 an die Berlin-Stettiner Eisenbahn und die Oberschlesische Eisenbahn. Bis 1843 bestellten preußische Bahnen 18 Dampflokomotiven, und auf der Allgemeinen Deutschen Gewerbe-Ausstellung 1844 stellte Borsig seine 26. Lokomotive aus.Amtlicher Bericht über die Allgemeine Deutsche Gewerbe-Ausstellung zu Berlin im Jahre 1844, Band II, S. 544; uni-koeln.de (PDF).

Ausbau der Fertigung mini|Karl Eduard Biermann: Die Borsigsche Maschinenbau-Anstalt, 1847 mini|Lokomotive Borsig Nr. 5009, Baujahr 1901

Die Fabriknummer 14 des Unternehmens war die erste Lokomotive einer vergrößerten und verbesserten Bauart, von der in den Jahren 1843–1847 insgesamt 71 Stück gebaut wurden. Als Neuerung wies sie die von Borsig patentierte Schwingensteuerung mit veränderlicher Füllung auf. In dieser Bauform verließ 1846 auch die hundertste Lokomotive das Werk.

Im Jahr 1845 baute Borsig die erste Dampflokomotive mit gekuppelten Achsen, ab 1851 auch als Tenderlokomotive. Im gleichen Jahr erhielt das Unternehmen Auslandsaufträge von der Warschau-Wiener Eisenbahn und der Seeländischen Eisenbahn. Von 1845 bis 1847 wurden insgesamt 170 Lokomotiven gebaut.

Zur selben Zeit arbeitete Borsig an der Fontänenanlage in Sanssouci, für die er die Dampfpumpenanlage lieferte, an der Kuppel der Potsdamer Nikolaikirche und an der Kuppel des Königlichen Schlosses. Seine Firma vergrößerte sich in dieser Zeit massiv, weil in Deutschland zahlreiche neue Bahnstrecken gebaut wurden.

Zur Erweiterung der Fabrikanlagen an der Chausseestraße errichtete Borsig zwischen 1847 und 1849 auf einem Gelände zwischen der Elberfelder und der Stromstraße in Moabit ein Walzwerk und eine Kesselschmiede.

Borsig erwarb 1850 auch noch die Eisengießerei und Maschinenbauanstalt der Preußischen Seehandlungs-Societät in der Kirchstraße 6. Das Werksgelände reichte östlich der Kirchstraße von der Ecke Alt-Moabit bis zur Moabiter Brücke. Die drei Berliner Betriebe beschäftigten bereits 1800 Mitarbeiter und galten als Großunternehmen. Die Wirtschaftskrise von 1848 bis 1852 tangierte Borsig kaum.

Aufstieg zum weltweit zweitgrößten Lokomotivlieferanten mini|Lokomotive der KFNB von den Borsigwerken, Baujahr 1857 mini|Preußische T 12 von Borsig, Baujahr 1921

1854 lieferte Borsig seine 500. Dampflokomotive aus. Kurz darauf starb August Borsig im Alter von 50 Jahren an einem Schlaganfall. Sein Sohn Albert Borsig übernahm die Leitung des Unternehmens und setzte dessen Expansion fort. (PDF; 6,8 MB)

Bereits 1858 wurde die tausendste Lokomotive fertiggestellt. Anlässlich der Auslieferung der Borussia fand am 21. August 1858 ein großes Fest statt, an dem unter anderem Alexander von Humboldt teilnahm.Das Borsigfest in Berlin – Die tausendste Lokomotive „Borussia“ auf dem Wege nach ihrem Bestimmungsort am 21. August Zu dieser Zeit beschäftigte Borsig rund 2800 Arbeiter.

Das Unternehmen expandierte auch geografisch. Ab den 1860er Jahren wurden Teile der Produktion nach Schlesien verlagert. 1872 war Borsig der größte Lokomotivhersteller Europas und nach den Baldwin Locomotive Works in den Vereinigten Staaten der zweitgrößte Lokomotivlieferant weltweit.

Für seine Beschäftigten richtete Borsig früh soziale Einrichtungen ein, darunter eine Kranken- und Sterbekasse sowie eine Sparkasse. Darüber hinaus bestanden unter anderem Unterrichts- und Speiseräume.

Neben klassischen Dampflokomotiven produzierte Borsig ab den 1870er Jahren auch Dampftriebwagen und weitere Schienenfahrzeuge. Die Lokomotiven wurden zunehmend in zahlreiche Länder exportiert und machten Borsig zu einem international bekannten Hersteller.

Nach dem Tod Albert Borsigs im Jahr 1878 wurde das Unternehmen zunächst von einem Kuratorium geführt. Seine Söhne Ernst, Arnold und Conrad übernahmen 1894 die Unternehmensleitung.

1898 eröffnete Borsig ein neues Werk in Berlin-Tegel. Dort wurden neben Lokomotiven auch stationäre Dampfmaschinen, Kältemaschinen, Schiffsdampfmaschinen und weitere Maschinenbauerzeugnisse gefertigt. 1899 wurde zudem das Borsighaus in der Chausseestraße in Berlin-Mitte fertiggestellt.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erweiterte Borsig sein Angebot um schmalspurige Werkbahn-, Druckluft- und Straßenbahnlokomotiven. 1902 verließ die 5000. Lokomotive das Werk.Rudolf Heym: Wie funktioniert sie eigentlich, die Dampflok? GeraMond, München 2004, ISBN 3-7654-7255-7, S. 43. 1918 folgte die 10.000. Lokomotive.

Borsig exportierte Dampflokomotiven in zahlreiche Länder. Eine Ausnahme bildete das Vereinigte Königreich, wo deutsche Hersteller nur eine geringe Marktpräsenz erreichten. 1914 wurden zehn Lokomotiven der SECR-Klasse L an die South Eastern and Chatham Railway geliefert; sie waren die einzigen regelspurigen Dampflokomotiven deutscher Fertigung, die in Großbritannien im regulären Einsatz standen.Dietrich Kutschik: Lokomotiven von Borsig, Transpress VEB Verlag für Verkehrswesen, Berlin 1985, S. 27.

1920–1945 mini|Luftbild der Borsigwerke in Berlin-Tegel, 1931 mini|Weltrekord-Lokomotive der Baureihe 05 von Borsig, Baujahr 1935

Unter Chefkonstrukteur August Meister entwickelte Borsig in den 1920er Jahren zahlreiche neue Lokomotivtypen. Ab 1922 war das Unternehmen maßgeblich an der Entwicklung der Einheitsdampflokomotiven für die Deutsche Reichsbahn beteiligt.Alfred Gottwaldt: Wagners Einheitslokomotiven. Die Dampflokomotiven der Reichsbahn und ihre Schöpfer. EK-Verlag, Freiburg (Breisgau) 2012, ISBN 978-3-88255-738-1, S. 40 ff.

1926 wurde Borsig in eine GmbH umgewandelt. Neben Lokomotiven produzierte das Unternehmen weiterhin verschiedene Maschinenbauerzeugnisse, zeitweise auch Traktoren.Helmut Lindner: Der gezügelte Schlepper. Erste Versuche in Deutschland, die Landwirtschaft zu mechanisieren. In: Kultur & Technik. Das Magazin aus dem Deutschen Museum. Band 15, Nr. 3, 1991, , S. 20–21.

Die Weltwirtschaftskrise brachte Borsig 1930 in erhebliche wirtschaftliche Schwierigkeiten. 1931 wurde das Unternehmen mit Unterstützung der AEG stabilisiert. In den folgenden Jahren wurde der Lokomotivbau schrittweise vom Werk Berlin-Tegel nach Hennigsdorf verlagert, wo die Borsig Lokomotiv-Werke GmbH Hennigsdorf (BLW) entstanden.

Im Januar 1935 endete die Lokomotivproduktion in Berlin-Tegel. Die von Borsig entwickelte Schnellfahrlokomotive 05 001 wurde jedoch noch im selben Jahr auf dem Tegeler Werksgelände vorgestellt. Die Baureihe 05 gehörte zu den bekanntesten deutschen Schnellfahrlokomotiven dieser Zeit.

Die Industrieanlagen in Berlin-Tegel wurden anschließend von Rheinmetall übernommen. 1936 entstand die Rheinmetall-Borsig AG, wodurch Borsig Teil eines größeren Maschinenbau- und Rüstungskonzerns wurde. 1938 ging auch die Aktienmehrheit der Borsig Lokomotiv-Werke in Hennigsdorf an die Reichswerke Hermann Göring.

Während des Zweiten Weltkriegs war Borsig in die deutsche Rüstungsproduktion eingebunden und unter anderem an der Fertigung von Kriegslokomotiven der DR-Baureihe 52 beteiligt.

Nachkriegszeit und Neuausrichtung mini|hochkant=0.85|Schmieden einer Kolbenstange für einen Großkompressor bei der Borsig AG in Berlin-Tegel, 1954 mini|hochkant=0.85|Westhalle für schweren und mittleren Maschinenbau der Borsig AG in Berlin-Tegel, 1954

In der Nachkriegszeit entwickelten sich die ehemaligen Borsig-Standorte in Berlin-Tegel und Hennigsdorf getrennt voneinander. Das Werk in Hennigsdorf lag in der Sowjetischen Besatzungszone, wurde enteignet und teilweise demontiert. Nach dem Wiederaufbau nahm der Standort zunächst die Reparatur und später erneut die Fertigung von Lokomotiven auf.

In der DDR wurde das Werk schließlich als VEB Lokomotivbau Elektrotechnische Werke „Hans Beimler“ Hennigsdorf weitergeführt und entwickelte sich organisatorisch unabhängig von Borsig in West-Berlin. Bis 1954 waren unter dem Namen Borsig insgesamt rund 13.000 Lokomotiven gebaut worden.

Die Borsig AG wurde 1950 in West-Berlin als Tochtergesellschaft der Rheinmetall AG neu gegründet. Gleichzeitig verlagerte sich der Schwerpunkt des Unternehmens vom Lokomotivbau auf schweren Maschinen- und Apparatebau. Zum Produktionsprogramm gehörten unter anderem Dampferzeuger, Druckbehälter, Wärmetauscher und Anlagen für die chemische und petrochemische Industrie.

1956 wurde Borsig an die Salzgitter AG verkauft. In den folgenden Jahren entstanden mehrere Geschäftsfelder, die die spätere Ausrichtung des Unternehmens auf Prozesstechnologie prägten. 1960 begann Borsig mit der Fertigung von Turbokompressoren und Kugelhähnen. 1965 folgte die Produktion von Transfer-Line-Wärmetauschern für Ethylenanlagen, aus der sich das spätere Geschäft mit Spaltgaskühlern und Systemen zur Wärmerückgewinnung entwickelte.

1967 wurde das Unternehmen in Borsig GmbH umgewandelt. 1970 übernahm die Deutsche Babcock AG Borsig und integrierte das Unternehmen in die spätere Babcock-Borsig-Gruppe.

Entwicklung zur heutigen Borsig-Gruppe