Der Landkreis Grafschaft Hoya war ein Landkreis in Niedersachsen (bis 1946 in der Provinz Hannover) mit Verwaltungssitz in Syke.
Nachbarkreise Der Landkreis grenzte 1977 im Uhrzeigersinn im Norden beginnend an das Land Bremen, an die Landkreise Verden, Fallingbostel, Nienburg/Weser, Grafschaft Diepholz, Vechta und Oldenburg sowie an die kreisfreie Stadt Delmenhorst (alle in Niedersachsen).
Geschichte
Zum Zwecke von Einsparungen bei den öffentlichen Haushalten wurde am 1. Oktober 1932 in Preußen eine Kreisreform durchgeführt, bei der zahlreiche kleinere Kreise aufgelöst wurden. Dabei wurden im Regierungsbezirk Hannover unter anderem die beiden Kreise Hoya und Syke zusammengeschlossen. Der ursprünglich für den neuen Kreis vorgesehene Name Syke wurde durch Beschluss des Preußischen Staatsministeriums vom 27. September 1932 in Grafschaft Hoya geändert.Verordnung über die Neugliederung von Landkreisen vom 1. August 1932, Preußische Gesetzsammlung 1932 S. 260Erlass des Preußischen Staatsministeriums vom 27. September 1932; Ministerialblatt für die preußische innere Verwaltung 1932, S. 1036 Bei seiner Gründung umfasste der neue Landkreis auf 1.200 km² 113 Gemeinden, darunter die drei Städte Syke, Bassum und Hoya mit insgesamt etwa 78.000 Einwohnern. Twistringen wurde 1964 zur vierten Stadt im Landkreis erhoben.
Die Gebietsreformen in Niedersachsen begannen im Raum Syke-Hoya am 1. Juli 1972, als Riede und Felde in den Landkreis Verden wechselten und zur Gemeinde Riede in der Samtgemeinde Thedinghausen zusammengeschlossen wurden. Durch das Hannover-Gesetz wechselte am 1. März 1974 die Gemeinde Stuhr aus dem Landkreis Oldenburg in den Landkreis Grafschaft Hoya und wurde gleichzeitig um die kreisangehörigen Gemeinden Brinkum, Fahrenhorst, Groß Mackenstedt, Heiligenrode und Seckenhausen erweitert. Außerdem wurde am 1. März 1974 durch weitere Gemeindefusionen die Zahl der Gemeinden von 112 im Jahre 1966 auf nunmehr 29 reduziert. Im Rahmen der niedersächsischen Kreisreform wurde der Landkreis am 1. August 1977 aufgelöst: Die Samtgemeinde Harpstedt im Westen des Landkreises kam mit ihren acht Gemeinden zum Landkreis Oldenburg im Regierungsbezirk Weser-Ems. Die Samtgemeinden Grafschaft Hoya und Eystrup im Osten des Landkreises kamen mit ihren insgesamt zehn Gemeinden zum Landkreis Nienburg/Weser. Die elf Gemeinden aus dem mittleren Teil des Landkreises wurden mit dem ebenfalls aufgelösten Landkreis Grafschaft Diepholz zum neuen Landkreis Diepholz zusammengefasst.
Einwohnerentwicklung
Jahr Einwohner Quelle 1933 78.207 1939 78.686 1950 131.358 1960 111.400 1970 117.200 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1972 1977 131.400 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1978
Politik Wappen Das Preußische Staatsministerium erteilte dem Landkreis Grafschaft Hoya am 2. April 1928 die Erlaubnis, das nachstehend beschriebene Wappen zu führen. Wappenbeschreibung „In Gold zwei aufrechte, abgewendete, rot bewehrte schwarze Bärentatzen, unten verbunden durch ein Stück schwarzen Brustfells.“ Nach der Eingliederung des Kreises Syke 1932 wurde dieses Wappen, zu dem auch ein schwarzer Bär als Schildhalter genehmigt wurde, unverändert dem neuen Landkreis Grafschaft Hoya übertragen. Es stellt das Stammwappen der Herren von Stumpenhausen das, die sich seit Beginn des 13. Jahrhunderts nach der Burg Hoya nannten. Das um Wissenschaft und Kunst verdiente souveräne Grafenhaus erlosch 1592. Die Landeshoheit fiel an die Celler Linie der Herzöge von Braunschweig-Lüneburg. Syke gehörte lange Zeit zur Grafschaft Bruchhausen, kam 1384 zur Grafschaft Hoya und 1705 zum Kurfürstentum Hannover.
Landräte 1932 bis 1945 Heinrich Fürbringer 1945 bis 1948 Wilhelm Heile, FDP, ab 1947 DP 1948 bis 1950 Heinrich Gerdes, DP 1950 bis 1964 Albert Wendt, DP, ab 1962 CDU 1964 bis 1968 Wilhelm Helms, FDP 1968 bis 1977 Heinz Zurmühlen, CDU
Verwaltung Die Kreisverwaltung war im Kreishaus in Syke (Schloßweide/Amtshof) untergebracht. Chef der Verwaltung war bis 1945 der Landrat und ab 1946 der Oberkreisdirektor.
Oberkreisdirektoren 1946 Rudolf Freytag 1947–1954 Wessel Georg Nordbeck 1954–1974 Erhard Siebert-Meyer zu Hage 1974–1977 Hans-Michael Heise
Gemeinden 400px|mini|Der Landkreis Grafschaft Hoya (Stand 1967) Die folgende Tabelle enthält alle Gemeinden, die jemals dem Landkreis Grafschaft Hoya angehörten, und alle Eingemeindungen. Falls nicht anders angegeben, fanden die Eingemeindungen am 1. März 1974 statt.territorial.de: Landkreis Grafschaft Hoya GemeindeeingemeindetnachAnmerkung Abbenhausen Twistringen Albringhausen Bassum Altenbücken Bücken Altenmarhorst Twistringen Apelstedt Bassum Asendorf 1977 zum Landkreis Diepholz Barrien Syke Bassum, Stadt 1977 zum Landkreis Diepholz Beckeln 1977 zum Landkreis Oldenburg Berxen Bruchhausen-Vilsen Bramstedt Bassum Brebber Asendorf Brinkum Stuhr Bruchhausen-Vilsen 1977 zum Landkreis Diepholz Bücken 1977 zum Landkreis Nienburg/Weser Calle Bücken Clues Heiligenfelde Eingemeindung 1. Januar 1967 Colnrade 1977 zum Landkreis Oldenburg Dedendorf Bücken Duddenhausen Bücken Dünsen 1977 zum Landkreis Oldenburg Eitzendorf Hilgermissen Engeln 1977 zum Landkreis Diepholz Eschenhausen Bassum Essen Asendorf Eystrup 1977 zum Landkreis Nienburg/Weser Fahrenhorst Stuhr Felde Riede Eingemeindung am 1. Juli 1972 Gandesbergen 1977 zum Landkreis Nienburg/Weser Gessel Syke Gödestorf Syke Graue Asendorf Groß Henstedt Bassum Groß Ippener 1977 zum Landkreis Oldenburg Groß Köhren Beckeln Groß Mackenstedt Stuhr Groß Ringmar Bassum Haendorf Asendorf Hallstedt Bassum Hämelhausen 1977 zum Landkreis Nienburg/Weser Harpstedt 1977 zum Landkreis Oldenburg Hassel 1977 zum Landkreis Nienburg/Weser Heesen Hilgermissen Heiligenberg Homfeld Eingemeindung 1934Heimatverein Heiligenberg: Historie von Heiligenberg Heiligenfelde Syke Heiligenloh Twistringen Heiligenrode Stuhr Helzendorf Warpe Henstedt Syke Hilgermissen 1977 zum Landkreis Nienburg/Weser Hohenmoor Asendorf Hollwedel Bassum Holtrup Schweringen Homfeld Bruchhausen-Vilsen Horstedt Prinzhöfte Hoya, Stadt 1977 zum Landkreis Nienburg/Weser Hoyerhagen 1977 zum Landkreis Nienburg/Weser Hustedt Martfeld Jardinghausen Syke Kirchseelte 1977 zum Landkreis Oldenburg Kirchweyhe Weyhe Klein Henstedt Prinzhöfte Klein Köhren Beckeln Kleinenborstel Martfeld Klosterseelte Kirchseelte Kuhlenkamp Asendorf Leeste Weyhe Magelsen Hilgermissen Mahlen Eystrup Martfeld 1977 zum Landkreis Diepholz Mehringen Hilgermissen Mörsen Twistringen Natenstedt Twistringen Neubruchhausen Bassum Nienstedt Bassum Nordholz Warpe Nordwohlde Bassum Ochtmannien Süstedt Oerdinghausen Engeln Okel Syke Osterbinde Bassum Osterholz Syke Prinzhöfte 1977 zum Landkreis Oldenburg Reckum Winkelsett Riede 1972 zum Landkreis Verden Ristedt Syke Rüssen Twistringen Scharrendorf Twistringen Schnepke Syke Scholen Engeln Schorlingborstel Bassum Schwarme 1977 zum Landkreis Diepholz Schweringen 1977 zum Landkreis Nienburg/Weser Seckenhausen Stuhr Steimke Syke Stelle Twistringen Stuhr 1977 zum Landkreis Diepholz Stühren Bassum Sudweyhe Weyhe Süstedt 1977 zum Landkreis Diepholz Syke, Stadt 1977 zum Landkreis Diepholz Twistringen, Stadt 1977 zum Landkreis Diepholz Ubbendorf Hilgermissen Uenzen Süstedt Uepsen Asendorf Wachendorf Syke Warpe 1977 zum Landkreis Nienburg/Weser Wechold Hilgermissen Wedehorn Bassum Weseloh Engeln Weyhe 1977 zum Landkreis Diepholz Wienbergen Hilgermissen Windhorst Warpe Winkelsett 1977 zum Landkreis Oldenburg Wöpse Bruchhausen-Vilsen
Kfz-Kennzeichen Am 1. Juli 1956 wurde dem Landkreis bei der Einführung der bis heute gültigen Kfz-Kennzeichen das Unterscheidungszeichen SY zugewiesen. Es leitet sich von der Kreisstadt Syke ab und wurde bis zum 31. Juli 1977 ausgegeben. Seit dem 23. April 2018 ist es durch die Kennzeichenliberalisierung im Landkreis Diepholz erhältlich.
Siehe auch Grafschaft Hoya Kreisreformen in Preußen Kreisreformen in der Bundesrepublik Deutschland bis 1990
Literatur Der Landkreis Grafschaft Hoya. Heimatgeschichte – Kultur – Landschaft – Wirtschaft. (hrsgg. in Zusammenarbeit mit der Kreisverwaltung des Landkreises Grafschaft Hoya), Oldenburg 1967, 312 S. m. zahlr. Abb. Erhard Siebert-Meyer: Der Landkreis Grafschaft Hoya im Laufe der Zeiten. In: Der Landkreis Grafschaft Hoya. (s. o.), S. 10–15 Heinrich Schmidt-Barrien: Bilder aus der Grafschaft Hoya. Von allen Seiten betrachtet … Geschichte, Entwicklung und Landschaftsbild des Landkreises Grafschaft Hoya. (Hrsg.: Landkreis Grafschaft Hoya), Syke / Hoya 1967, 36 S. m. 45 Abb. Gernot Erler: Das spätmittelalterliche Territorium Grafschaft Hoya (1202–1582). Dissertation. Universität Göttingen 1972. Sagen und Geschichten aus dem Kreise Grafschaft Hoya. Gesammelt und bearbeitet von Heinrich Keese. Syke, 2., erweiterte Auflage 1972, 100 S. (Schriften aus der Grafschaft Hoya, Band 3) Heimatblätter des Landkreises Grafschaft Hoya – Heimatpflege. Beiträge zur Geschichte des Landkreises Grafschaft Hoya. (Redaktion: Erich Rendigs, Weyhe-Sudweyhe; Hrsg.: Landkreis Grafschaft Hoya), Syke 1972–1976 Band 1/2 (1972/73; 2. A.: 1977), 132 S. Band 3, Ausgabe 1974/75 (1975) Gerhard Lutosch: Die Ortsnamen des ehemaligen Landkreises Grafschaft Hoya. Ihr Alter und ihre Bedeutung. Syke 1978, 97 S. Gerhard Lutosch: Die Siedlungsnamen des Landkreises Diepholz. Ihr Alter und ihre Bedeutung. (Hrsg.: Landkreis Diepholz), Syke 1983, 245 S. m. 1 Foto (des Verfassers) und 1 Topographischen Übersichtskarte Hermann Greve: Bibliographie des Landkreises Diepholz unter Einschluß der Samtgemeinden Harpstedt (Landkreis Oldenburg), Eystrup und Grafschaft Hoya (Landkreis Nienburg) sowie Riede (Samtgemeinde Thedinghausen, Landkreis Verden). (Hrsg.: Landkreis Diepholz), Syke und Diepholz, 1984, XXXVIII und 453 S. (mit 3505 Titeln) Hans-Michael Heise: Der Amtshof in Syke und sein Vorwerk am Friedeholz. Anmerkungen zur Geschichte der Stadt Syke und des Landkreises Diepholz. Diepholz/Syke 2002, 59 S. m. zahlr. Abb.
Weblinks
Einzelnachweise
Grafschafthoya Grafschafthoya Kategorie:Geschichte (Landkreis Diepholz) Kategorie:Syke Hoya Kategorie:Aufgelöst 1977