Das heutige Essener Rathaus ist seit 1979 Sitz der Essener Stadtverwaltung und befindet sich in der Innenstadt der Stadt Essen. Es sind drei Vorgängergebäude bekannt.
Heutiges Rathaus Planungen Im Februar 1941 entwarf der Baudezernent Sturm Kegel einen Zukunftsplan für den Stadtkern, bei dem es bereits den Plan zur Errichtung eines neuen Rathauses östlich der Schützenbahn gab. Dabei sollte das alte Rathaus als Büro- und Geschäftshaus weitergeführt werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg, im Jahr 1949, wurden die Pläne von Sturm Kegel im Capitol-Theater vorgestellt, die zur Neuordnung der Innenstadt einen Rathausbau östlich der Schützenbahn vorsahen.Geschichtliche Ausstellung im Essener Rathaus zum 40-jährigen Bestehen im November 2019.
Am 27. April 1963 wurde ein Architektenwettbewerb zum Bau eines Rathauses östlich der Schützenbahn ausgeschrieben.
Die eingereichten Entwürfe stammten unter anderem von den Architekten Will Schwarz, Horst Berger, Werner Ruhnau, Rolf Allerkamp (Sohn von Franz Allerkamp), Wilhelm Seidensticker und Hans Rotthoff. Am 17. Juni 1963 wählte eine Jury aus 79 Entwürfen den des Bochumer Architekten Theodor Seifert auf den ersten Platz, und einen des Braunschweiger Architekten Friedrich Wilhelm Kraemer auf den zweiten Platz. Seiferts Entwurf wurde von Ludwig Mies van der Rohe gelobt. Seifert entwarf zunächst zwei 126 Meter hohe Bürotürme mit je 28 Stockwerken, die einen niedrigen Mitteltrakt flankierten. Dazu sollte eine einhundert Meter breite Betonplatte die Straße Schützenbahn und den Porscheplatz für ein Einkaufszentrum überdecken. Die beiden Bürotürme galten jedoch als unwirtschaftlich, zu teuer, unpraktisch im Gebrauch und nicht energieeffizient. Im Mai 1967 folgte der Abschluss des Architekten- und Ingenieurvertrags mit Theodor Seifert und der Firma Friedrich Krupp Bauplanung. Am 8. Juni 1970 wurde ein Zusatzvertrag mit Seifert zur Baureifmachung der Pläne für den Mitteltrakt und die Turmuntergeschosse unterzeichnet. Hinzu kam am 21. Juli des Jahres ein Zusatzvertrag mit der Firma Friedrich Krupp Bauplanung. Am 29. Oktober 1970 folgte die Konstituierung des städtischen Sonderausschusses Rathausneubau.
Am 22. März 1971 verabschiedete man sich im Sonderausschuss Rathausneubau aus Kostengründen vom Doppelturmrathaus. Nach dem Gedanken an ein vierflügeliges Gebäude kam man auf den heutigen Bau mit 23 Stockwerken auf Y-förmigem Grundriss, der vom nun vorgelagerten Ratstrakt getrennt ist. Dieser Entwurf wurde am 28. Juni 1971 von Seifert vor dem Sonderausschuss präsentiert. Zwei Verträge zwischen der Stadt Essen und der Neuen Heimat Städtebau NRW wurden am 21. Oktober 1972 gemacht: 1. Übernahme der Generalunternehmerschaft für den Rathausneubau durch die Neue Heimat, 2. Verkauf des City-Center-Grundstücks an die Neue Heimat und Bau-Auftrag des City-Centers. Die Fertigstellung der baureifen Pläne des Architekten Seifert erfolgte am 31. Mai 1974. Die Ausschreibung des Bauvorhabens wurde am 19. August 1974 veröffentlicht.Westdeutsche Allgemeine Zeitung vom 17. August 1974. Die veranschlagten Kosten lagen zu dieser Zeit bei 130 Millionen DM.
Bau des Rathauses Der Rat der Stadt Essen fasste am 20. März 1975 den Ratsbeschluss zum Baubeginn. Die Gesamtvorlage des Rathausneubaus ging zu dieser Zeit von 164 Millionen DM aus. Zuletzt lagen die tatsächlichen Baukosten bei 189 Millionen DM. Der erste Spatenstich fand am 1. Juli 1975 durch den Oberbürgermeister Horst Katzor auf dem Ribbeckplatz statt, der zuvor als Kirmesplatz genutzt worden war. Gut zwei Monate später, am 24. September 1975, wurde das bis dahin größte Betonfundament der Bundesrepublik Deutschland für das Rathaus gegossen. Die offizielle Grundsteinlegung durch den Oberbürgermeister Horst Katzor erfolgte am 1. Juli 1976. Eine Besonderheit stellte die Liste der sonst üblichen Festgäste dar, die durch einhundert von einem städtischen Computer ausgewählten Bürgern ergänzt worden war. Man hatte zu dieser auch erwähnt, dass die Urkunde der Grundsteinlegung von einem Computer ausgedruckt worden war. In die kupferne Grundsteinhülse legte man die auf einer Tonbandkassette aufgezeichnete Festrede, Essener Tageszeitungen, deutsche Geldmünzen, die Olympia-Sonderprägung der kanadischen 5-Dollar-Münze, einen Essener Stadtplan, Statistiken über die Stadt Essen und den Ferienspatzkalender des Jahres 1976.Westdeutsche Allgemeine Zeitung vom 2. Juli 1976. Das Richtfest wurde genau zwei Jahre später, am 1. Juli 1977, gefeiert.
Eröffnung Die offizielle Eröffnung des Rathauses fand am 7. November 1979 mit einer ersten Ratssitzung und einem Festakt für geladene Gäste statt. Darauf folgte vom 8. bis zum 11. November die feierliche Eröffnung des Rathauses und des angrenzenden City-Centers für das Publikum.
Ein auf dem Dach des Rathauses montierter Laserstrahl (zuerst kurzzeitig rot, später grün) schwenkte von Beginn an über das Stadtgebiet. Aufgrund der Störanfälligkeit und hoher Kosten der damals noch recht neuen Technik wurde das Gerät jedoch schon bald demontiert. Die Universität Essen übernahm es dann zu Forschungszwecken.
Lage des Rathauses Das neue Rathaus war das erste der Stadt, das einen neuen Standort im Osten des Stadtkerns am Porscheplatz bekam, der 1951 nach dem gerade verstorbenen Ferdinand Porsche benannt worden war. Den Namen Porscheplatz trugen auch die dortigen Haltestellen des ÖPNV. Im Zuge des Fahrplanwechsels der damaligen Essener Verkehrs-AG im Dezember 2009 wurden die Bus- und U-Bahn-Haltestellen von Porscheplatz in Rathaus Essen umbenannt. Auf einer Betonplatte, die räumlich über große Teile des ursprünglichen Porscheplatzes und der Straße Schützenbahn gelegt wurde, entstand 1979 das Einkaufszentrum City Center Essen. Mit diesem wurde das Rathaus an das Stadtzentrum angebunden. Nach mehrjährigem Umbau wurde es am 25. März 2010 als Rathaus Galerie Essen neu eröffnet. In diesem Zug erhielt das Rathaus einen neuen überdachten Haupteingang.
Rathausgebäude mini|Die Essener Stadtpatrone Cosmas und Damian als Sandsteinskulptur am Rathauseingang in der Rathausgalerie Das Rathaus hat eine Höhe von 106 Metern bei 23 Stockwerken. Bei seiner Fertigstellung war es das höchste Rathaus Deutschlands.Alfred Wolf: Hinaus in die Nähe. Die 100 schönsten Ausflugsziele im Revier. Univers-Verlag, Bielefeld 1983, ISBN 3-920028-23-6, S. 87. Von der 22. Etage in etwa 100 Metern Höhe hat man von einem Besucherbereich aus einen Blick über das Stadtgebiet sowie auf einen Teil des Ruhrgebiets. Das Gebäude hat den Grundriss eines Y, wird jedoch in seiner Ansicht durch den nachträglichen Anbau mehrerer Fluchttreppenhäuser beeinträchtigt, die auf der Nord- und Ostseite außen angebracht werden mussten, da sie in der Planung nicht berücksichtigt worden waren.
Für den Bau des Gebäudes wurden 60.000 Kubikmeter Beton, 6500 Tonnen Baustahl sowie über 360 Kilometer Stromkabel verwendet. Außerdem sind 15.000 Leuchtstofflampen, 3285 Fenster und 2100 Türen eingebaut worden.
In 330.000 Kubikmeter umbautem Raum sind 69.000 Quadratmeter Bürofläche, ein parlamentarischer Bereich, über 700 Parkplätze in einer mehrstöckigen Tiefgarage, das 1991 im Erdgeschoss eröffnete Theater im Rathaus und diverse Räume für Technik untergebracht. Das Rathaus bietet etwa 1900 Arbeitsplätze.
Die bereits im Staffelgiebel des alten Rathauses am Markt befindlichen Sandsteinskulpturen der Heiligen Cosmas und Damian, geschaffen von Heinrich Kröger, die zugleich Stadtpatrone der Stadt Essen sind, sind im Eingangsbereich des Rathauses in der Rathausgalerie angebracht.
Am 24. Oktober 2018 musste das gesamte Gebäude erstmals evakuiert werden. Grund war die nicht mehr gegebene Verkehrssicherheit aufgrund eines totalen Stromausfalls, der durch einen technischen Defekt ausgelöst wurde. Auch die Notbeleuchtung, die Notaufzüge und die Telefonanlage waren betroffen. Nach Fehlerbehebung wurde der Betrieb am Folgetag wieder aufgenommen.Stadt Essen: Pressemeldung vom 2. Oktober 2018; abgerufen am 25. Oktober 2018.
Planungen Bürger-Rathaus/Verwaltungscampus Die Stadt Essen plante die Errichtung eines separaten Bürger-Rathauses, in dem Verwaltungseinheiten untergebracht werden sollten, die bisher in mehreren im Stadtgebiet verteilten, angemieteten Bürogebäuden angesiedelt sind. Dazu gehören das Jobcenter Essen, Teile des Jugendamts, das Amt für Soziales und Wohnen sowie ein Familien- und ein Bildungspunkt. Erste Planungen sahen vor, dass das neue Gebäude im Dezember 2026 bezugsfertig sein sollte. Aus nicht mehr gegebener Wirtschaftlichkeit des Bauprojektes wurden die bisherigen Planungen im September 2022 verworfen.Stadt verfolgt Planungen des BürgerRatHauses nicht weiter - Folgenutzung wird erarbeitet In: Pressemitteilung der Stadt Essen vom 28. September 2022. Der Beschluss zur Planung des Bürger-Rathauses wurde 2017 vom Rat der Stadt Essen gefasst. Der Gebäudekomplex sollte auf dem Grundstück des 2015 geschlossenen Hauptbades und des Jobcenters Essen Mitte (vormals Gesundheitsamt) zwischen der Bernestraße und der Steeler Straße entstehen. Eine ebenfalls dort befindliche Kindertagesstätte ist 2020 in einen nahe gelegenen Neubau gezogen. Die Gesamtkosten des Bürger-Rathausneubaus bezifferte die Stadt im September 2019 mit 114,28 Millionen Euro, im Juni 2021 mit rund 161 Millionen Euro.Weitere Planung zum Bau des BürgerRatHauses beschlossen. In: Pressemitteilung der Stadt Essen vom 25. September 2019.Weitere Planung zum Neubau des BürgerRatHauses der Stadt Essen In: Pressemitteilung der Stadt Essen vom 15. Juni 2021. Nach einem internationalen Architektenwettbewerb, der vom 14. September bis 19. Dezember 2018 stattfand, entschied man sich am 10. Juli 2019 aus 14 eingesandten Entwürfen für den der Generalplanungsteam agn Niederberghaus & Partner GmbH aus Ibbenbüren. Die Abrissarbeiten der Bestandsgebäude begannen im Frühjahr 2021. Der Beginn des Neubaus war ab Januar 2024 vorgesehen.Homepage des Stadt Essen: ; abgerufen am 21. Februar 2020.
Als Nachfolgeprojekt für das Bürger-Rathaus ist ein Verwaltungscampus geplant. Dieses soll ebenfalls auf dem Grundstück an der Bernestraße, Ecke Steeler Straße umgesetzt werden. Die voraussichtlichen Gesamtkosten für den Bau stehen aktuell noch nicht fest. Ein möglicher Baubeginn ist für 2027 angedacht, eine Fertigstellung im Jahr 2029.Neuplanung eines Verwaltungscampus' als Nachfolge des Projektes BürgerRatHaus. In: Pressemitteilung der Stadt Essen vom 5. Dezember 2024.
Vorgeschichte Im Jahr 1244 erhielt Essen das Stadtrecht und das Privileg zum Bau der Essener Stadtmauer. Daraus entwickelte sich in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts eine Ratsverfassung, wobei der Rat die städtische Regierung bildete und die Rolle der Obrigkeit übernahm. 1272 ist erstmals ausdrücklich ein Essener Stadtrat erwähnt, woraus man auf die Existenz eines Ratsgebäudes schließen kann. Der Rat vertrat die Interessen der Stadt nach außen und wahrte die öffentliche Ordnung im Innern. Dazu gehörten die Feuerpolizei, die Überwachung des Marktrechts, die öffentlichen Bauaufgaben, die Erhebung von Steuern und die Verwaltung des städtischen Vermögens sowie die Rechtsprechung. Für diese Aufgaben wurde ein Gebäude benötigt – das Rathaus. Die erste Erwähnung eines Rathauses (domus consulum) findet sich in einer lateinischen Urkunde vom 15. Dezember 1301, die sich im Stadtarchiv befindet, als es um eine Bude in der Nähe des Rathauses innerhalb der Stadtmauer gelegen geht.
Alle Vorgängergebäude des heutigen Essener Rathauses standen auf dem gleichen Grundstück gegenüber der Marktkirche, an der Südseite des alten Markts an der Ecke zur Kettwiger Straße. Vom 13. bis ins 19. Jahrhundert war hier das politische und wirtschaftliche Zentrum der Stadt. Nach Abriss des dritten Essener Rathauses (1878–1964) entstand hier das bis 1986 wieder niedergelegte Wertheim-Kaufhaus. Darauf folgte das heutige Geschäftshaus am Markt.
Vorgängergebäude 13. Jahrhundert bis 1840: mittelalterliches Gebäude