alternativtext=Rosenberger Karikatur 1929|mini|Zeichnung, 1929 Adolf Rosenberger (* 8. April 1900 in Pforzheim; † 6. Dezember 1967 als Alan Arthur Robert in Los Angeles, Kalifornien) war ein deutscher Automobilrennfahrer und Kaufmann.
Leben Adolf Rosenberger wurde im Jahr 1900 in Pforzheim geboren. Er war Sohn einer assimilierten jüdischen Familie und Ziehsohn seines Onkels Ludwig Esslinger, des damals reichsten Mannes Pforzheims. Mit 17 Jahren meldete er sich als Freiwilliger für den Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg; er wurde Angehöriger der Fliegertruppe. Nach dem Krieg war er Techniker, Geschäftsmann und Werksrennfahrer bei Mercedes-Benz.
Rennen In den 1920er Jahren trat er als Privatfahrer mit legendären Autos wie dem Benz-Tropfenwagen, dem Mercedes-Benz SSK sowie dem Mercedes-Kompressor an und zählte mit 23 Jahren zu den erfolgreichsten europäischen Rennfahrern. Rosenberger gewann zum Beispiel das Stuttgarter Solitude-Rennen, den Kasseler Herkules-Bergpreis drei Mal (1925–1927) sowie eines der schwierigsten Bergrennen jener Jahre, das Klausenrennen. Am 11. Juli 1926 kam es beim Großen Preis von Deutschland auf der Berliner AVUS zu einem tragischen Unfall, als Rosenberger bei einem Überholversuch die Kontrolle über sein Fahrzeug verlor und in die Rundenzähltafel und ein Zeitnehmerhäuschen raste. Zwei Studenten im Zeitnehmerhäuschen und der Schildermaler an der Rundentafel starben; Rosenberger und sein Beifahrer überlebten den Unfall verletzt. Rosenberger war in Pforzheim seit 1925 Miteigentümer einer Immobilie mit einem Kinosaal, die an eine Lichtspielgesellschaft verpachtet war.Wolfram Pyta, Nils Havemann und Jutta Braun: Porsche. Vom Konstruktionsbüro zur Weltmarke. Siedler, München 2017, ISBN 978-3-8275-0100-4, S. 117.
Datum Resultat Renntyp Rennen Klasse Fahrzeug Kommentar 17.06.1922 1 Bergrennen Bergprüfungsfahrt Solitude 350 cm³ Garelli 350 cm³ Motorrad 02.07.1922 – Tourenfahrt Pforzheimer Zuverlässigkeitsfahrt – Motorrad 01.10.1922 4 Bergrennen Pforzheim Bergprüfung Wagen Kl.1 Wanderer 15.10.1922 1 Rennen Käfertaler Dreiecksrennen (Mannheim) bis 500 cm³ Cito-Krieger-Gnädig Motorrad 01.–08.06.1923 1 Tourenfahrt Rumänischer AC Mercedes 10/40/65 01.–08.06.1923 1 Sprint Rumänischer AC (Banater Pokal) Mercedes 10/40/65 01.–08.06.1923 1 Sprint Rumänischer AC -Bukarest Mercedes 10/40/65 01.–08.06.1923 2 Bergrennen Rumänischer AC Mercedes 10/40/65 15.07.1923 1 Bergrennen Baden-Baden Turnier Bis 10 PS Mercedes 10/40/65 17.07.1923 1 Bergrennen Solitude Bergpreis 350 cm³ Garelli 350 cm³ Motorrad 01.07.1923 1 Bergrennen Pforzheim Tourenwagen Mercedes 1,5 l Tagesbestzeit 04.08.1923 3 Bergrennen Gabelbachrennen Ilmenau Bis 25 PS Mercedes 10/40/65 26.08.1923 1 Tourenfahrt Bad Herrenalb Turnier Bis 10 PS Mercedes 10/40/65 Tagesbestzeit 02.09.1923 1 Bergrennen Herkules-Bergpreis Bis 10 PS Mercedes 10/40/65 14.10.1923 1 Bergrennen Krähbergrennen Bis 10 PS Mercedes 10/40/65 20.04.1924 1 Bergrennen Bergrennen Zbraslav–Jíloviště Bis 1,5 l Mercedes 1,5 l 18.05.1924 1 Bergrennen Großer Solitude Bergpreis Bis 6 PS Mercedes 1,5 l 29.06.1924 1 Bergrennen Pforzheim Schwarzwaldpforte Bis 6 PS Mercedes 1,5 l Rekord 09.07.1924 2 Sprint Baden-Baden Turnier Bis 10 PS Mercedes 10/40/65 11.07.1924 1 Bergrennen Baden-Baden Turnier Bis 10 PS Mercedes 10/40/65 20.07.1924 2 Bergrennen Heidelberg Königstuhl Bis 8 PS Mercedes 10/40/65 17.08.1924 2 Bergrennen Klausenpass Bis 1,5 l Mercedes 1,5 l 12.10.1924 1 Bergrennen Krähbergrennen Bis 6 PS Mercedes 1,5 l 19.10.1924 1 Rennen Opelbahn, Rüsselsheim Bis 6 PS Mercedes 1,5 l 03.05.1925 DNS Bergrennen Pforzheim Schwarzwaldpforte Bis 8 PS Benz-Tropfenwagen Zylinderbruch 03.05.1925 1 Bergrennen Pforzheim Schwarzwaldpforte Bis 6 PS Mercedes 1,5 l Tagesbestzeit, mit Wilhelm Sebastian 16.05.1925 1 Rennen Rund um die Solitude Bis 8 PS Benz-Tropfenwagen mit Wilhelm Sebastian 24.05.1925 1 Bergrennen Herkules-Bergpreis Bis 8 PS Benz-Tropfenwagen Streckenrekord, mit Wilhelm Sebastian 31.05.1925 1 Rennen Opelbahn, Rüsselsheim Bis 6 PS Mercedes 1,5 l 20.06.1925 DNF Rennen Eifelrennen Bis 8 PS Benz-Tropfenwagen 6. Runde Kupplung, mit Wilhelm Sebastian 28.06.1925 DNS Rennen Bielefeld Teutoburger Wald Bis 8 PS Benz-Tropfenwagen 23.08.1925 DNF Rennen AvD Taunusrennen Bis 1,5 l Mercedes 1,5 l Kupplungsdefekt, mit Wilhelm Sebastian 30.08.1925 DNS Bergrennen Hohe Wurzel Wiesbaden – – 23.07.1925 1 Sprint Baden-Baden Turnier Bis 6 PS Mercedes 1,5 l Tagesbestzeit, mit Wilhelm Sebastian 24.07.1925 1 Bergrennen Baden-Baden Turnier Bis 6 PS Mercedes 1,5 l Tagesbestzeit, mit Wilhelm Sebastian 06.02.1926 1 Bergrennen Garmisch-Partenkirchen Bis 1,5 l Mercedes 1,5 l mit Wilhelm Sebastian 09.05.1926 1 Bergrennen Göttinger Hainbergrennen Rennwagen Mercedes 2 l (8 Zyl.) mit Wilhelm Sebastian 11.05.1926 1 Bergrennen Hohe Wurzel Wiesbaden Rennwagen Mercedes 2 l (8 Zyl.) mit Wilhelm Sebastian 30.05.1926 1 Bergrennen Herkules-Bergpreis Rennwagen Mercedes 2 l (8 Zyl.) mit Wilhelm Sebastian 11.07.1926 DNF Rennen AVUS Rennen Rennwagen Mercedes 2 l (8 Zyl.) Schwerer Unfall mit 2 Toten und mehreren Schwerverletzten 25.07.1926 DNA Rennen Gran Premio de San Sebastián Rennwagen Mercedes 24/100/140 31.07.1926 DNS Sprint Freiburger Kilometerrekord Rennwagen 1,5-2 l Mercedes 08.09.1926 DNF Bergrennen Freiburger Bergrekord Rennwagen Mercedes 4,5 l-1914 km3 Getriebebruch 12.09.1926 DNF Rennen Rund um die Solitude Rennwagen Mercedes 2 l (8 Zyl.) 22.05.1927 1 Bergrennen Herkules-Bergpreis Mercedes 115 PS Grand-Prix-Rennwagen 26.05.1927 1 Bergrennen Hohe Wurzel Wiesbaden Rennwagen über 3 l Mercedes 115 PS Grand-Prix-Rennwagen Tagesbestzeit 19.06.1927 2 Rennen Nürburgring Eröffnungsrennen Sportwagen über 5 l Mercedes-Benz S 17.07.1927 DNF Rennen Großer Preis von Deutschland Sportwagen über 5 l Mercedes-Benz S 23.–30.06.1927 – Tourenfahrt AvD Kartellfahrt Tourenwagen bis 3,15 l Mercedes-Benz 8/38 Strafpunktfrei 07.08.1927 1 Bergrennen Freiburg Bergrennen Rennwagen über 2 l Mercedes 115 PS Grand-Prix-Rennwagen 13.08.1927 1 Bergrennen Klausenrennen Rennwagen bis 5 l Mercedes 115 PS Grand-Prix-Rennwagen Klausenrekord 14.08.1927 DNF Bergrennen Klausenrennen international Rennwagen bis 5 l Mercedes 115 PS Grand-Prix-Rennwagen 11.09.1927 1 Bergrennen Semmering-Bergrennen Sportwagen bis 8l Mercedes-Benz S Streckenrekord, mit Wilhelm Sebastian 19.02.1928 2 Bergrennen Garmisch-Partenkirchen Winterfahrt Mercedes 1,5 l 19.02.1928 2 Sprint Garmisch-Partenkirchen Eibseerennen Mercedes 1,5 l 15.07.1928 5 Rennen Großer Preis von Deutschland Mercedes-Benz SS mit Georg Kimpel 14.07.1929 6 Rennen Großer Preis von Deutschland Mercedes-Benz SSK mit Willy Rosenstein 04.08.1929 DNF Bergrennen Freiburg Bergrekord Rennwagen bis 8l (Mercedes-Benz S) gibt 20 m vor dem Ziel ohne tech. Probleme auf 11.08.1929 1 Bergrennen Gabelbach Jubiläumsrennen Ilmenau Mercedes 115 PS Grand-Prix-Rennwagen Bestzeit 18.08.1929 2 Bergrennen Klausenrennen Rennwagen bis 5 l Mercedes 115 PS Grand-Prix-Rennwagen 21.08.1929 1 Bergrennen Klausen-Flachrennen Rennwagen bis 5 l Mercedes 115 PS Grand-Prix-Rennwagen 21.08.1929 1 Sprint St Moritz Flachrennen Rennwagen bis 5 l Mercedes 115 PS Grand-Prix-Rennwagen Tagesbestzeit 23.08.1929 2 Bergrennen St Moritz Bergrennen Rennwagen bis 5 l Mercedes 115 PS Grand-Prix-Rennwagen 15.09.1929 DNF Rennen Gran Premio di Monza Rennwagen über 3 l Mercedes 2 l (8 Zyl.) Motorausfall 21.08.1930 1 Sprint St Moritz Flachrennen Rennwagen Mercedes 115 PS Grand-Prix-Rennwagen 13.11.1933 – Test Nürburgring-Südschleife Auto Union Typ A Lt. Rosenberger
Engagement bei Porsche Als Freund von Ferdinand Porsche wurde Rosenberger im Dezember 1930 als Teilhaber und kaufmännischer Direktor Mitbegründer von dessen neu eröffnetem Konstruktionsbüro, der Dr. Ing. h. c. F. Porsche GmbH. Er hielt 10 Prozent der Gesellschaftsanteile.Wolfram Pyta, Nils Havemann und Jutta Braun: Porsche. Vom Konstruktionsbüro zur Weltmarke. Siedler, München 2017, ISBN 978-3-8275-0100-4, S. 37. Es wird vermutet, dass Rosenbergers Erfahrungen mit dem mit Mittelmotor ausgestatteten Benz-Tropfenwagen wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung des nach dem gleichen Prinzip konstruierten Auto-Union-Rennwagens hatten. Rosenberger hatte eventuell gehofft, selbst Fahrer der als Porsche-Projekt Nr. 22 gestarteten Konstruktion zu werden, da Wanderer und die neu gegründete Auto Union AG das Projekt erst finanzierten, nachdem die nationalsozialistische Regierung im März 1933 Subventionen für Engagements im Rennsport angekündigt hatte. Rosenberger sorgte dafür, dass trotz anfänglichem Auftragsmangel und Porsches Hang zu teuren Konstruktionen das Büro die Anfangszeit finanziell überstand.Hans Mommsen; Manfred Grieger: Das Volkswagenwerk und seine Arbeiter im Dritten Reich, ECON Verlag, Düsseldorf 1996, ISBN 3-430-16785-X, Seite 74 Er gab dem Unternehmen ein Gesellschafterdarlehen in Höhe von 80.000 ReichsmarkUlrich Viehöver: Ferdinand Porsche In: Hermann G. Abmayr (Hrsg.): Stuttgarter NS-Täter. Vom Mitläufer bis zum Massenmörder. Schmetterling-Verlag, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-89657-136-6, S. 247. und organisierte weitere Darlehen durch seine Pforzheimer Verwandtschaft. Im Dezember 1932 kündigte Rosenberger an, sich aus der Geschäftsführung zurückzuziehen.Wolfram Pyta, Nils Havemann und Jutta Braun: Porsche. Vom Konstruktionsbüro zur Weltmarke. Siedler, München 2017, ISBN 978-3-8275-0100-4, S. 119–129. Am 30. Januar 1933 schied er als Geschäftsführer wegen einer unzureichenden Ertragslage wieder aus. Als Nachfolger konnte Rosenberger Hans von Veyder-Malberg gewinnen. Rosenberger war in der Folge zuständig für die Verwertung von Porsche-Patenten im Ausland. Am 30. Juli 1935 trat er seine zehnprozentigen Gesellschafteranteile der Porsche GmbH zum Nominalwert an Ferry Porsche ab.
Dokumente aus der Hinterlassenschaft Adolf Rosenbergers belegen allerdings eine andere Sichtweise, die das ARD-Politikmagazin Report Mainz darstellte. So schrieb er in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg an seine Anwälte wörtlich: „Es wurde mir vorgehalten, dass ein Wimpel … als judenreiner Betrieb nicht gegeben würde, solange ich Gesellschafter bin. (…) Ich unterstelle den Herren Porsche und Piëch zumindest keinen persönlichen Antisemitismus. Wie jedoch bereits geschildert, haben sie sich meiner Mitgliedschaft als Jude bedient, um mich billig los zu werden.“ Die Dokumente werden von der mit Rosenberger befreundeten Familie Esslinger in Los Angeles aufbewahrt.Warum musste der Jude Adolf Rosenberger das Unternehmen verlassen?, in der ARD Mediathek, vom 28. November 2017, abgerufen am 3. September 2025 Im Jahr 2022 erhob sich der Vorwurf „schönfärberischer Geschichtsschreibung“ gegenüber dem Buch Porsche – Vom Konstruktionsbüro zur Weltmarke von Wolfram Pyta, Nils Havemann und Jutta Braun, deren Forschung seit 2014 von der Porsche AG bezuschusst wird. Grund sind Hinweise auf den Verzicht auf Sichtung verfügbarer Quellen im Hinblick auf das Verhältnis der Familie Porsche zu Adolf Rosenberger.Josef-Otto Freudenreich: Der dritte Mann taucht auf. In: Kontext: Wochenzeitung, Beilage in der taz, Nr. 611, 17. Dezember 2022
Verhaftung und Emigration Die Machtübernahme des NS-Regimes hatte für Rosenberger noch gravierendere Folgen: Als Jude wurde er am 5. September 1935 wegen angeblicher „Rassenschande“ verhaftet und am 23. September aus dem Pforzheimer Untersuchungsgefängnis an der Rohrstraße direkt ins Konzentrationslager Kislau eingewiesen. Vier Tage später wurde er entlassen – Ferdinand Porsche und sein Sohn Ferry sollten später behaupten, dies sei auf ihre Intervention geschehen. Rosenberger alias Robert selbst widersprach später dieser Behauptung. Nach seiner Entlassung verlegte er im November 1935 seinen Hauptwohnsitz nach Paris.Wolfram Pyta, Nils Havemann und Jutta Braun: Porsche. Vom Konstruktionsbüro zur Weltmarke. Siedler, München 2017, ISBN 978-3-8275-0100-4, S. 136.