Mpox ([]), , ist eine durch das Orthopoxvirus monkeypox (MPXV; früher Affenpockenvirus) verursachte Infektionskrankheit. Natürliche Wirte dieses Virus sind verschiedene Nagetiere. Fehlwirte sind Affen und Menschen. Die pockenähnliche, interhuman übertragbare Erkrankung verläuft beim Menschen in der Regel deutlich milder als die Pocken. Bei Risikogruppen, zu denen Kinder zählen, können schwerere Krankheitsverläufe auftreten. Eine Schutzimpfung reduziert das Risiko eines Krankheitsausbruchs oder mildert den Krankheitsverlauf.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rief im August 2024 aufgrund der Ausbreitung einer neuen Virusvariante eine gesundheitliche Notlage internationaler Tragweite aus, die im September 2025 aufgehoben wurde.
Bezeichnungen
Krankheit Der Name Mpox leitet sich von ab, dem der Erkrankung 1970 gegebenen Namen. Im November 2022 empfahl die Weltgesundheitsorganisation die Umbenennung in Mpox, basierend auf den 2015 veröffentlichten Best Practices zur Benennung neuer menschlicher Infektionserkrankungen. Sie begründete dies damit, dass der WHO stigmatisierende und rassistische Äußerungen im Zusammenhang mit der Bezeichnung Affenpocken gemeldet worden seien. Die WHO sei wiederholt von einzelnen Personen wie auch von mehreren Ländern gebeten worden, den Namen zu ändern. Die WHO empfahl eine Übergangszeit von einem Jahr, in der die nun zu bevorzugende Bezeichnung Mpox und die bisherige Bezeichnung Affenpocken noch nebeneinander in Gebrauch sein sollten. Das Robert Koch-Institut schloss sich dieser Empfehlung an.
Im medizinischen Standardwörterbuch Pschyrembel taucht das Stichwort „Affenpockenvirus“ erstmals in der 259. Auflage von 2002 aufWillibald Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch, 259. Auflage, Verlag Walter de Gruyter, Berlin / New York 2002, ISBN 978-3-11-016522-7, S. 26. und findet sich auch noch in der 269. Auflage von 2023.Willibald Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch, 269. Auflage, Verlag Walter de Gruyter, Berlin / Boston 2023, ISBN 978-3-11-078334-6, S. 30 f.
Virus Das zuständige International Committee on Taxonomy of Viruses benannte die Virus-Art 2023 von Monkeypox virus zu Orthopoxvirus monkeypox um. Die Umbenennung basierte auf einer aktualisierten Nomenklatur und betraf alle Poxviridae, sie begründete sich nicht aus der WHO-Entscheidung. Daneben ist aber der Name weiterhin in Gebrauch.ICTV: Virus Metadata Resource (VMR).
Virusvarianten Die Varianten (Kladen) des Virus waren bereits im August 2022 umbenannt worden. Für die bisherige Kongobecken- oder zentralafrikanische Klade ist seitdem die Bezeichnung Klade I vorgesehen und für die bisherige westafrikanische Klade die Bezeichnung Klade II. Laut der WHO entspricht die Umbenennung der mittlerweile gängigen Praxis, neu entdeckte Viren sowie Virusvarianten und die durch sie verursachten Krankheiten so zu benennen, dass „kulturelle, soziale, nationale, regionale, berufliche oder ethnische Gruppen“ nicht beleidigt werden und „negative Auswirkungen auf Handel, Reisen, Tourismus und das Tierwohl“ minimiert werden.
Im April 2024 wurde die Klade I nach der Entdeckung einer neuen Variante in die Untergruppen Ia und Ib aufgeteilt. Klade II ist in ähnlicher Weise in die Untergruppen IIa und IIb unterteilt. Die Aufteilung in Untergruppen wurde aufgrund der besonderen geografischen Lage und der phylogenetischen Divergenz beschlossen.
Erreger und Vorkommen mini|Schemazeichnung eines Virions der Familie Poxviridae mini|Struktur und Ausmaß des Affenpockenvirus
Der Erreger von Mpox, das Orthopoxvirus monkeypox, ist ein Virus aus der Gattung Orthopoxvirus in der Unterfamilie Chordopoxvirinae der Pockenviren mit den bislang bekannten Varianten Klade Ia und Ib und Klade IIa sowie Klade IIb.Robert Koch-Institut: Mpox in Deutschland Stand: 15.8.2024. Auf: rki.de; zuletzt abgerufen am 16. August 2024. Wie alle Pockenviren zählt das Mpox-Virus zu den DNA-Viren, die DNA liegt als Doppelstrang mit einer Länge von 197 kb vor. Das Virion hat eine ei- oder backsteinförmige Gestalt mit einer Größe von 200 bis 250 nm.
Eine infizierte Zelle stellt MPXV im Cytoplasma her, das Genom enthält hierfür alle nötigen Enzyme zur DNA-Replikation, Transkription, Zusammenbau des Virions und für die Freisetzung aus der Zelle. Die hierfür nötigen Gene sind hochkonserviert, während die Gene für die Virus-Wirt-Interaktion weniger stark konserviert sind. Das Virus kann einzelne Gene vervielfachen, um die Immunmechanismen zu drosseln, und zeigt Anzeichen einer Anpassung an Menschen.
Die von den Viren verursachte Erkrankung wurde erstmals 1958 bei Laboraffen (Javaneraffen) mit pockenähnlichen Symptomen beobachtet, daher bezeichnete man sie als „Affenpocken“. Der dänische Virologe Preben von Magnus isolierte im selben Jahr das Virus. 1965 führte ein Ausbruch im Rotterdamer Zoo zu einer Dezimierung der dortigen Affenbestände. Das Virus konnte Jahrzehnte später in einem Bonner Museumspräparat eines Orang-Utans nachgewiesen werden. Seit der Ausrottung der Echten Pocken (Variola major) in den 1970er Jahren beobachtet man in West- und Zentralafrika sporadische Epidemien dieser Zoonose.
Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist ebenfalls möglich.
Humanpathogene Viren kommen vor allem in tropischen Regenwaldgebieten Zentralafrikas und Westafrikas vor, man unterscheidet zwischen zwei genetisch unterschiedlichen Kladen: Klade I (ursprünglich Kongobecken- oder Zentralafrika-Klade genannt) und Klade II (ursprünglich Westafrika-Klade genannt). Virenvarianten aus der Klade I sind virulenter: Die Fatalitätsrate beträgt dort etwa 10,6 %, bei Viren der Klade II etwa 3,6 %.
Affen sind Fehlwirte des Virus. Das natürliche Erregerreservoir bilden Nagetiere in West- und Zentralafrika. Als primäre Wirte der Orthopoxviren (Gattung) in Afrika wurden Riesenhamsterratten, Rotschenkelhörnchen, Sonnenhörnchen und Afrikanische Bilche identifiziert. Im Taï-Nationalpark in der Elfenbeinküste konnte 2026 erstmals die Übertragung von Mpox zwischen verschiedenen Arten in freier Wildbahn dokumentiert werden. Dort sprang das Virus während einer Mpox-Epidemie im Jahr 2023 von infizierten Feuerfußhörnchen auf Rußmangaben über. Eine Videoaufnahme aus dem Jahr 2014 zeigte einen Mangaben aus dieser Gruppe, der ein Feuerfußhörnchen fraß, und eine genetische Untersuchung von vor dem Ausbruch 2023 von Mangaben gesammelten Kotproben ergab, dass zwei Proben auch DNA dieser Hörnchen enthielten. Durch genetische Analysen konnte nachgewiesen werden, dass das in den Affen gefundene Virus fast identisch war mit einem Virus, das zwei Wochen zuvor bei einem tot aufgefundenen Feuerfußhörnchen nachgewiesen wurde. Einige Ausbrüche gab es auch in Gefangenschaftshaltungen von Rhesusaffen und Javaneraffen.
Die Infektion des Menschen wird durch Bisse dieser Tiere oder von Affen ausgelöst, durch Kontakt mit Sekreten, als Tröpfcheninfektion oder Verzehr von Affenfleisch (Buschfleisch) – die Ansteckungsgefahr ist allerdings nur gering. Kleine Säugetiere können das Virus ohne Merkmale, die in Zusammenhang mit der Krankheit auftreten in sich tragen.
Die Erkrankung kommt vor allem in Afrika vor. Dort ist nach Schätzungen seit Beendigung der Pockenschutzimpfung 1980 die Anzahl der Erkrankungen um das Zwanzigfache gestiegen. In den frühen Jahren von 1970 bis 1989 waren vor allem Kinder im Alter von 4 bis 5 Jahren betroffen. Das Durchschnittsalter der Erkrankten stieg auf 10 Jahre in den Jahren 2000 bis 2009 und weiter auf 21 Jahre in den Jahren 2010 bis 2019.
Infektionen bei Menschen Übertragungswege mini|hochkant|Fortschreiten der nekrotischen Mpox-Läsion nach einer Nadelstichverletzung mini|hochkant|Mpox-Läsionen am Penis mini|hochkant|Vergrößerte rechte Mandel mit darüberliegender pustulöser Läsion während des Ausbruchs im Jahr 2022
Die Übertragung vom Tier auf den Menschen kann durch Kontakt mit Hautveränderungen, Körpersekreten oder durch den Umgang mit Fleisch infizierter Tiere geschehen. Die Übertragung von Mensch zu Mensch kann durch Körpersekrete erfolgen, unter anderem auch durch beim Atmen und Sprechen ausgestoßene Partikel, Kontakt mit Hautveränderungen oder auch Gegenständen, welche mit dem Virus kontaminiert sind. Die Übertragung durch Tröpfcheninfektion erfolgt typischerweise bei längerem, engen Kontakt etwa im Rahmen sexueller Handlungen.
Die CDC beschreibt die häufigste Art, sich mit Mpox zu infizieren und diese zu verbreiten, wie folgt: bei Berührung einer infizierten Person, die Hautausschläge, Schorf, Körperflüssigkeiten oder Läsionen auf der Haut hat.
Patienten sind während der Inkubationszeit nicht infektiös. Besonders ansteckend sind diese im Stadium der Hautveränderungen, deren Sekrete hohe Mengen des Mpox-Virus aufweisen. Übertragungen durch beschwerdefreie Personen sind nicht beschrieben. Das RKI weist darauf hin, dass Ansteckungen auch durch Patienten im Stadium der unspezifischen Allgemeinsymptome vor Auftreten der Hautveränderungen möglich sind. Hierbei ist ein engerer Gesichtskontakt notwendig, um eine Ansteckung über Tröpfchen von Atemwegssekreten zu verursachen.
Das Virus ist im Vergleich zu anderen behüllten Viren gegenüber Austrocknung, hohen Temperaturen oder Schwankungen des pH-Werts sehr widerstandsfähig. Vermehrungsfähiges Virus wurde bis zu fünfzehn Tage nach der Kontamination auf Oberflächen nachgewiesen.European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC): Factsheet for health professionals on mpox (monkeypox). Auf: ecdc.europa.eu Stand: 15. August 2024; zuletzt abgerufen am 20. August 2024.
Für die Direktübertragung von Mensch zu Mensch ist ein enger Kontakt Voraussetzung. Darüber hinaus kann eine Übertragung bei Kontakt mit Körperflüssigkeiten oder Schorf der Mpox-Infizierten stattfinden sowie im Rahmen sexueller Handlungen.
Klinisches Bild Die Inkubationszeit beträgt 1 bis 21 Tage. 5 % der Patienten haben aber auch längere Inkubationszeiten von bis zu 4 Wochen.
Die Beschwerden beginnen häufig durch Auftreten von Fieber, Schüttelfrost, Müdigkeit sowie Schmerzen im Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen. Danach folgt ein Hautausschlag, bei der sich Flecken, Papeln, Bläschen und Pusteln beobachten lassen, die häufig gleichzeitig auftreten können. Der Ausschlag kann auf der gesamten Haut auftreten. Am stärksten und häufigsten zeigt er sich aber an der Infektionspforte. Es zeigen sich auch Hautveränderungen an den Schleimhäuten. Auch Krankheitsverläufe mit nur einer einzelnen Hautveränderung sind möglich. Bei rund der Hälfte der Patienten zeigt sich eine schmerzhafte Schwellung der Lymphknoten. In seltenen Fällen zeigen sich auch Schluckbeschwerden und eine Entzündung des Kehlkopfs oder der Mandeln. Ein Befall der Hornhaut mit nachfolgender Erblindung ist auch möglich. Die grippalen Beschwerden können auch erst nach dem Hautausschlag oder gar nicht auftreten.RKI-Ratgeber: MPox (früher Affenpocken), Stand: 19. August 2024; zuletzt abgerufen am 21. August 2024
Es gibt nur wenige Daten über den Verlauf bei immungeschwächten Patienten. Während des Ausbruchs 2022 zeigte sich bei rund 50 % der Patienten die Allgemeinsymptome wie Fieber und Lymphknotenschwellung erst nach dem Hautausschlag.
Die Hautveränderungen können ähnlich wie andere Erkrankungen erscheinen. Das Exanthem kann Ähnlichkeiten mit Windpocken besitzen. Auch können die Hautveränderungen mit Geschlechtskrankheiten wie Herpes, einer fortgeschrittenen Syphilis oder Ulcus molle verwechselt werden.
Rund 1–6 % der Patienten macht eine Infektion ohne fassbare Symptome durch. Inwieweit diese zur Weiterverbreitung des Virus beitragen, ist unklar.
Aktuell gibt es keine Hinweise darauf, dass sich die Schwere des klinischen Bilds zwischen Klade II und Klade I unterscheidet.
Prophylaxe Hygienemaßnahmen