Die Hammer SpVg (offiziell: Hammer Spielvereinigung 03/04 e. V.) ist ein Sportverein aus Hamm im östlichen Ruhrgebiet. Der Verein zählt rund 1500 Mitglieder. Die Vereinsfarben sind Weinrot und Weiß. Neben der Hauptsparte Fußball umfasst das Angebot des Vereins Aikidō, Judo, Rollhockey, Fitness und Tanz, Turnen und Gymnastik sowie Wassergymnastik.

Bekannt wurde der Verein durch seine Fußballabteilung. Die erste Mannschaft, deren Spieler auch als Rotblusen bekannt sind, spielt seit dem Abstieg im Jahre 2024 in der siebtklassigen Landesliga Westfalen. In der Saison 1966/67 trat sie in der seinerzeit zweitklassigen Regionalliga West an. Zweimal nahm der Verein am DFB-Pokal teil. Die Spielstätte ist das Betten-Kutz-Stadion.

Geschichte Die Stammvereine Die Hammer Spielvereinigung 03/04 entstand am 23. August 1922 durch die Fusion des Fußballclub von 1903 und des Hammer Spielverein von 1904. Der Fußball kam Anfang des 20. Jahrhunderts nach Hamm. Antreiber war der aus Antwerpen stammende Jan „Bisko“ Vloobergh, der in der Hammer Drahtindustrie beschäftigt war und höhere Schüler aus dem Hammer Osten auf dem Großen Exerzierplatz trainierte.

Der Hammer FC 03 wurde am 11. April 1903 von Realschülern gegründet. Erster Vorsitzender des Vereins wurde der spätere Regierungsdirektor Kurt Matthaei. Im Juli 1912 trat der Gymnasiale FC Hamm dem Verein bei.Hardy Grüne, Christian Karn: Das große Buch der deutschen Fußballvereine. AGON Sportverlag, Kassel 2009, ISBN 978-3-89784-362-2, S. 398. Letzterer wurde am 25. Februar 1903 von Schülern des Staatlichen Gymnasiums gegründet und war der erste Fußballclub der Stadt. Im Jahre 1919 fusionierte der Fußballclub mit dem im Jahre 1859 gegründeten Hammer TV 1859 zum TuS 59/03 Hamm. Diese Fusion wurde im Jahre 1922 im Rahmen der Reinlichen Scheidung wieder gelöst. Der Hammer FC 03 wurde im Jahre 1911 westfälischer Vizemeister, nachdem die Mannschaft das Entscheidungsspiel um die Meisterschaft im Bezirk Ravensberg/Lippe gegen den FC Olympia Osnabrück mit 1:3 verlor. Bis zur Fusion zur Spielvereinigung blieb der FC stets im Schatten des Spielvereins.

Der Hammer Spielverein wiederum entstand 1910, als sich die Fußballabteilung des Hammer TV selbständig machte. Der Spielverein wurde von Kaufleuten und Handwerkern dominiert und hatte seinen Rückhalt im Kleinbürgertum. Sportlich war der Spielverein erfolgreicher. 1912 stieg die Mannschaft in die erstklassige Bezirksliga Westfalen auf. Acht Jahre später sicherte sich der HSV die Westfalenmeisterschaft mit sieben Punkten Vorsprung auf Preußen Münster. Damit qualifizierten sich die Hammer für die Westdeutsche Meisterschaft, bei der im Viertelfinale der SV Kurhessen Cassel mit 2:1 nach Verlängerung geschlagen wurde. Im Halbfinale folgte das Aus, als der VfTuR München-Gladbach das Spiel mit 1:0 gewann. Zuvor hatte der Spielverein im Jahre 1914 an der Ostenallee ein Grundstück gepachtet, das er später dank der Förderung durch seine Mitglieder erwerben konnte.

Fusion bis Zweiter Weltkrieg (1922 bis 1945) Mit dem Zusammenschluss wurde die Hammer SpVg zum größten Fußballverein Westfalens. In den Jahren nach der Fusion gehörte die Spielvereinigung zu den westfälischen Spitzenmannschaft, blieb dabei jedoch im Schatten der großen Vereine wie Arminia Bielefeld oder VfL Osnabrück. 1924 wurden die Hammer Vizewestfalenmeister hinter den Bielefeldern. Nach mehreren dritten Plätzen gelangte die Westfalenmeisterschaft erst in der Saison 1931/32 wieder in greifbare Nähe. Mit acht Punkten Vorsprung auf den SC Unna 08 sicherten sich die Hammer die Meisterschaft in der Ostgruppe der Ostgruppe der Bezirksliga Westfalen.

In den Endspielen um die Westfalenmeisterschaft traf die Spielvereinigung auf die SpVgg Herten, die das Hinspiel in Hamm mit 8:0 gewannen. Das Rückspiel in Herten wurde beim Stand von 2:0 für Hamm aus unbekannten Gründen abgebrochen. Das Wiederholungsspiel gewannen die Hertener mit 5:1. Ein Jahr später verpasste die Mannschaft als Tabellenvierter die Qualifikation für die neu geschaffene Gauliga Westfalen. Nun spielten die Hammer in der zweitklassigen Bezirksklasse weiter und gerieten auf regionaler Ebene von Lokalrivalen wie dem SV Bockum-Hövel oder später dem VfL Altenbögge. Im Jahre 1936 stiegen die Hammer in die Drittklassigkeit ab und wären ein Jahr später beinahe in die vierte Liga durchgereicht worden.

Nachkriegsjahre (1945 bis 1966) Saisondaten 1945 bis 1966 Saison Liga Level Platz Tore Punkte 1945/46 Kreisliga Unna/Hamm II 6. 23:37 8:20 1946/47 Bezirksklasse, Gr. 6c II 6. 44:37 24:18 1947/48 Bezirksklasse, Gr. 6b III 8. 28:36 12:24 1948/49 Bezirksklasse, Gr. 6b III 9. 32:50 21:25 1949/50 Bezirksklasse, Gr. 6b IV 2. 67:40 45:15 1950/51 2. Landesliga, Gr. 2 IV 4. 59:40 29:23 1951/52 2. Landesliga, Gr. 2 IV 9. 51:60 26:30 1952/53 Landesliga, Gr. 5 III 14. 32:84 14:42 1953/54 Bezirksklasse, Gr. 4 IV 3. 77:53 32:20 1954/55 Bezirksklasse, Gr. 7 IV 1. 91:33 46:10 1955/56 Landesliga, Gr. 5 III 10. 59:71 25:31 1956/57 Landesliga, Gr. 5 IV 1. 98:40 47:9 1957/58 Verbandsliga, Gr. 1 III 13. 48:54 25:35 1958/59 Verbandsliga, Gr. 1 III 4. 65:53 37:23 1959/60 Verbandsliga, Gr. 1 III 13. 49:51 26:34 1960/61 Verbandsliga, Gr. 1 III 13. 29:49 23:33 1961/62 Verbandsliga, Gr. 1 III 7. 41:46 27:29 1962/63 Verbandsliga, Gr. 1 III 3. 58:43 34:22 1963/64 Verbandsliga, Gr. 1 III 9. 52:41 31:33 1964/65 Verbandsliga, Gr. 1 III 6. 44:46 32:28 1965/66 Verbandsliga, Gr. 1 III 1. 61:28 45:11

Im Jahre 1945 fusionierte die Hammer SpVg mit dem SC Rote Erde Hamm zum TuS Rote Erde Hamm. Die Fusion wurde jedoch noch im gleichen Jahr wieder rückgängig gemacht. Der HSV spielte zunächst in der Bezirksklasse. Zu Beginn kam die Mannschaft nicht über Mittelmaß hinaus, ehe sie 1950 als Vizemeister hinter Borussia Lippstadt in die neu geschaffene 2. Landesliga aufstieg, wo ihr in der Aufstiegssaison ein 10:1-Sieg über TuRa Elsen aus Paderborn gelang. Zwei Jahre später wurde diese Spielklasse aufgelöst und die Spielvereinigung wurde in die Landesliga, seinerzeit die höchste Amateurliga Westfalens, aufgenommen. 1953 folgte der Abstieg in die Bezirksklasse. Zwei Jahre später gelang der Wiederaufstieg in die Landesliga, als die Hammer mit drei Punkten Vorsprung auf den Lokalrivalen VfR Heessen Bezirksklassenmeister wurden. Die 1956 neu geschaffene Verbandsliga wurde als Tabellenzehnter jedoch verpasst.

Der Aufstieg ins neue westfälische Oberhaus gelang 1957 mit acht Punkten Vorsprung auf die SG Massen. Während der Saison konnte die Mannschaft SuS Kaiserau mit 9:2 schlagen. Abgesehen vom vierten Platz in der Saison 1958/59 kämpfte der HSV gegen den Abstieg. Im Jahre 1961 gelang der Klassenerhalt erst im Nachsitzen. Punktgleich beendeten die Hammer die Saison, in der die Mannschaft zu Hause gegen Germania Datteln mit 1:8 verlor, mit dem TBV Lemgo und dem FC TuRa Bergkamen. Nach einem 1:1 gegen Bergkamen sicherte der 4:0-Sieg über Lemgo den Hammern den Klassenerhalt. In den folgenden Jahren wurden die „Rotblusen“ immer erfolgreicher, während die Lokalrivalen in Folge der Bergbaukrise nach und nach aus der Verbandsliga abrutschten. Unter dem neuen Trainer Arthur Gruber konnten die Hammer in der Saison 1965/66 die Meisterschaft in der Gruppe 1 mit einem Punkt Vorsprung auf die SpVgg Erkenschwick feiern. Da der Meister der Gruppe 2 SSV Hagen auf das Endspiel verzichtete, wurden die Hammer kampflos Westfalenmeister.

Es folgte die Aufstiegsrunde zur Regionalliga West, wo die Hammer auf Hagen, den Bonner SC und den VfR Neuss trafen. Hamm und Hagen beendeten die Runde mit jeweils 6:6 Punkten, nachdem die Hammer am letzten Spieltag mit 7:1 gegen Bonn gewannen und Hagen gleichzeitig in Neuss nicht über ein 1:1 hinauskam. Es wurde ein Entscheidungsspiel im neutralen Herten angesetzt, bei dem die Hammer von rund 2500 Fans begleitet wurden. Das Spiel endete mit 2:2 nach Verlängerung. Die Entscheidung fiel zu Gunsten der Hammer nach einem Münzwurf. Eine Woche später schafften die westdeutschen Regionalligisten Fortuna Düsseldorf und Rot-Weiss Essen den Aufstieg in die Bundesliga, wodurch die Aufstiegsrunde zur Regionalliga wertlos wurde und alle vier Vereine aufstiegen.

Zwischen Regional- und Landesliga (1966 bis 1980) Saisondaten 1966 bis 1980 Saison Liga Level Platz Tore Punkte 1966/67 Regionalliga West II 16. 45:76 23:45 1967/68 Verbandsliga, Gr. 1 III 2. 59:23 42:18 1968/69 Verbandsliga, Gr. 1 III 3. 50:21 40:20 1969/70 Verbandsliga, Gr. 1 III 3. 53:27 42:18 1970/71 Verbandsliga, Gr. 1 III 2. 71:34 43:17 1971/72 Verbandsliga, Gr. 1 III 7. 51:44 32:28 1972/73 Verbandsliga, Gr. 1 III 11. 52:52 26:34 1973/74 Verbandsliga, Gr. 1 III 13. 43:45 30:30 1974/75 Verbandsliga, Gr. 1 III 5. 51:42 35:33 1975/76 Verbandsliga, Gr. 1 III 4. 66:44 39:29 1976/77 Verbandsliga, Gr. 1 III 16. 34:45 29:39 1977/78 Verbandsliga, Gr. 1 III 18. 31:64 19:49 1978/79 Landesliga, Gr. 5 V 1. 74:22 49:11 1979/80 Verbandsliga, Gr. 1 IV 1. 61:32 42:18

Durch den erst spät feststehenden Aufstieg konnten sich die Hammer nicht mehr ausreichend für die Regionalliga verstärken. Lediglich von den Nachbarvereinen FC TuRa Bergkamen (Torhüter Horst Stefank) und Herringer SV (Klaus Herfurth und Anton Gorlas) kamen Spieler neu hinzu. Beide Leistungsträger fielen gegen Ende der Saison verletzungsbedingt aus, was letztlich den Abstieg begünstigte. Der Verein kämpfte von Beginn an gegen den Abstieg. Bemerkenswert war die Begeisterung in der Stadt, was der Hammer SpVg regelmäßig hohe Zuschauerzahlen bescherte, von denen die meisten anderen Mannschaften der Liga nur träumen konnten. Überliefert ist, dass WDR-Sportchef Kurt Brumme noch Jahre später sich darüber beklagte, dass er beim Ligaspiel gegen Alemannia Aachen im Hammer Mahlbergstadion, das mit 12.000 Zuschauern überfüllt war, seine Radio-Reportage – auf einer leeren Coca Cola-Kiste stehend – in den Äther geben musste. Beim 2:1-Heimsieg gegen Arminia Bielefeld wurde mit 18.000 Zuschauern im Jahnstadion der bis heute gültige Vereinsrekord aufgestellt. Am Saisonende reichte der drittletzte Platz nicht für den Klassenerhalt, da Fortuna Düsseldorf und Rot-Weiss Essen wieder aus der Bundesliga abstiegen und nur Alemannia Aachen den Aufstieg schaffte. Letztlich war die schwache Auswärtsbilanz mit lediglich zwei Siegen beim Bonner SC und Eintracht Duisburg ausschlaggebend für den drittletzten Tabellenplatz. Zurück in der Verbandsliga reichte es 1968 zur Vizemeisterschaft hinter der SpVgg Erkenschwick. Damit waren die Hammer nach einem Ausscheidungsspiel gegen den VfL Schwerte (damals mit Wolfgang Kleff im Tor) für die Deutsche Amateurmeisterschaft qualifiziert.

Dort setzten sich die „Rotblusen“ zunächst gegen den FC Rastatt 04 und den VfB Kiel durch und trafen im Halbfinale auf den FC Wacker München. Die Münchener „Blausterne“ gewannen das Hinspiel in Hamm mit 3:0, während die Hammer das Rückspiel in München mit 3:2 gewannen, was jedoch nicht für den Finaleinzug reichte. Die Hammer blieben eine Spitzenmannschaft der Verbandsliga und verpassten 1971 die Meisterschaft in ihrer Gruppe nur knapp. Punktgleich beendeten die Mannschaft die Saison mit dem SVA Gütersloh. Das Entscheidungsspiel in der Beckumer Römerkampfbahn endete 2:2 nach Verlängerung. Im Wiederholungsspiel an gleicher Stelle setzten sich die Gütersloher mit 2:3 durch. Das anschließende Qualifikationsspiel zur Deutschen Amateurmeisterschaft wurde mit 3:4 gegen die Sportfreunde Siegen verloren. Anschließend brach die Mannschaft auseinander und der mit 300.000 Mark verschuldete Verein rutschte ins Mittelfeld hinab.