mini|250px|Die Insel Timor

Die Insel Timor gehört zum Gebiet von Wallacea. Somit ist die Fauna Timors Teil der biogeographischen Übergangszone zwischen der asiatischen und der australischen Flora und Fauna, weshalb sich die Fauna der Insel sowohl aus Arten der Asiatischen Region als auch aus Arten der Australischen Region zusammensetzt. Die meisten Landtiere rekrutieren sich jedoch aus asiatischen Tiergruppen, während aus Australien und Neuguinea nur relativ wenige stammen. Mehrere Tierarten, vor allem verschiedene Vögel, sind nur auf Timor, seinen vorgelagerten Inseln und dem benachbarten Wetar zu finden und damit hier endemisch. Deswegen wurde die Region zum Timor and Wetar Endemic Bird Area erklärt.

Da die Informationsquellen nicht immer eine klare Trennung der Regionen machen, wird hier neben der Tierwelt der Insel Timor auch die Fauna der zum Staat Osttimor gehörenden Inseln Atauro und Jaco mit einbezogen.

Ausgestorbene Arten aus der Vorzeit mini|hochkant|Fossile Muschel aus Baucau

Im Pliozän lebten große Echsen, ähnlich dem heutigen Komodowaran auf Timor. Außerdem entwickelte sich hier, wie auf Java, Sulawesi und Flores, eine Zwergform des StegodonJulien Louys, Gilbert J. Price, Sue O’Connor: Direct dating of Pleistocene stegodon from Timor Island, East Nusa Tenggara, 2016, abgerufen am 11. März 2016. mit nur 1,2 Metern Schulterhöhe und Riesenratten, wie die Bühler-Timor-Ratte (Coryphomys buehleri),[ Eintrag zu Coryphomys buehleri auf der Roten Liste] deren Überreste man in einer Kalksteinhöhlen im indonesischen Westtimor fand. 2010 entdeckte man in Osttimor die Überreste der Riesenratte Musser-Timor-Ratte (Coryphomys musseri), die mit 6 kg wohl die größte Spezies dieser Gattung repräsentieren dürfte. Sie ist vermutlich vor 1000 bis 2000 Jahren ausgestorben.K. P. Aplin, K. M. Helgen: Quaternary Murid Rodents of Timor. Part I: New Material of Coryphomys buehleri Schaub, 1937, and Description of a Second Species of the Genus. In: Bulletin of the American Museum of Natural History. 341, 2010, S. 1–80, doi:10.1206/692.1

2021 wurden am Berg Lesululi die Fossilien eines Ichthyosauriers gefunden.IGTL - Instituto de Geociências de Timor-Leste: 𝐒𝐨𝐜𝐢𝐚𝐥𝐢𝐳𝐚çã𝐨 𝐛𝐚 𝐜𝐨𝐦𝐮𝐧𝐢𝐝𝐚𝐝𝐞 𝐥𝐨𝐜𝐚𝐥 𝐢𝐡𝐚 𝐂𝐚𝐢𝐥𝐚𝐜𝐨, 𝐦𝐮𝐧𝐢𝐜í𝐩𝐢𝐨 𝐁𝐨𝐛𝐨𝐧𝐚𝐫𝐨, 𝐬𝐨𝐛𝐫𝐞 𝐟ó𝐬𝐬𝐞𝐢𝐬 𝐫é𝐩𝐭𝐞𝐢𝐬 𝐦𝐚𝐫𝐢𝐧𝐡𝐨𝐬 (𝐢𝐜𝐡𝐭𝐡𝐲𝐨𝐬𝐚𝐮𝐫 𝐛𝐨𝐧𝐞𝐬), 19. Oktober 2024, abgerufen am 19. Oktober 2024. Sie werden auf ein Alter von 208 Millionen Jahren geschätzt und sind die ersten Funde eines Ichthyosauriers südlich des Äquators. Mit einer Länge von 25 Metern soll das Tier zu den größten, bekannten Exemplaren der Ichthyosaurier gehört haben. An derselben Fundstelle entdeckte man im Juli 2026 zudem den Knochen des Flügels eines Flugsauriers. Aufgrund der Fossilien gibt es Bestrebungen zur Ausweisung eines UNESCO Global Geopark.

2022 entdeckten das Instituto de Geociências de Timor-Leste (IGTL) zusammen mit der University of Western Australia in Pualaca (Suco Orlalan) die Fossilien einer neuen Gattung von Foraminiferen, die man nach dem Fundort Pualacana nannte. Die beiden entdeckten Arten erhielten die Namen Pualacana xananai (nach Xanana Gusmão) und Pualacana hortai (nach José Ramos-Horta). Die Fossilien wurden in der Tonsteinfazies der Aitutu- und Wailuli-Formation gefunden und stammen aus der Oberen Trias. Ihr geschätztes Alter beträgt 205 bis 215 Millionen Jahre.Arminda Fonseca: Timor-Leste discovers two new fossils in Pualaca: Pualacana xananai and Pualacana hortai, In: Tatoli, 12. Dezember 2025, abgerufen am 14. Dezember 2025.

Säugetiere

Die Zahl der Säugetiere aus der asiatischen Region ist etwas größer, insgesamt aber auch eher gering, da die Insel durch tiefe Wassergräben vom Festland getrennt ist. Nur in der Region Timor und Wetar vorkommend, also endemisch, sind Timor-Hufeisennase (Rhinolophus montanus), Molukken-Flugfuchs (Pteropus chrysoproctus), Timorspitzmaus (Crocidura tenuis) und Timorratte (Rattus timorensis).

Vielfältig sind die Fledermausarten. Es gibt mehr als 30 verschiedene Arten, so zum Beispiel die timoresische Unterart der Canuts Hufeisennase (Rhinolophus canuti timoriensis). Etwa zehn verschiedene Flughunde (Fruit bats) spielen eine wichtige Rolle bei der Verteilung von Baumsamen. Dazu gehört zum Beispiel die Timor-Rundblattnase (Hipposideros crumeniferus).

Zu den 24 flugunfähigen Arten zählen Mähnenhirsche (Cervus timorensis), Javaneraffen (Macaca fascicularis), Fleckenmusang (Paradoxurus hermaphroditus), Spitzmäuse (zum Beispiel Crocidura maxi und Moschusspitzmaus) und einige Nagetiere, wie Pazifische Ratte (Rattus exulans) und Asiatische Hausratte (Rattus tanezumi).

Bis auf Java-Spitzmaus (Crocidura maxi), Reisfeldratte (Rattus argentiventer), Javaneraffen, Timorspitzmaus und Timorratte gelten alle anderen Arten als eingeführt oder eingewandert.GOVERNMENT OF TIMOR-LESTE, THROUGH THE SECRETARIA DE ESTADO DOS RECURSOS NATURAIS: Tasi Mane - Suai Supply Base EIA Terrestrial Flora and Fauna Technical Report, 23. März 2012. So wurde der Graue Kuskus (Phalanger orientalis) vor 9000 Jahren von Menschen aus Neuguinea nach Timor eingeführt. Als Beuteltier stellt er einen typischen Vertreter der australischen Tierwelt dar. Kuskuse sind für Timoresen eine beliebte Jagdbeute für den Kochtopf. Sie sind eine der Hauptjagdbeuten der einheimischen Bevölkerung. Die ältesten Spuren, die man vom Grauen Kuskus an der Ostspitze Timors fand, werden auf das frühe Holozän datiert. Überreste von Hunden und Schweinen an derselben Fundstelle weisen darauf hin, dass sie erst zur Zeit der Einführung der Töpferei auf Timor vor 3500 Jahren auf der Insel erschienen.John Norman Miksic, Geok Yian Goh, Sue O Connor: Rethinking Cultural Resource Management in Southeast Asia: Preservation, Development, and Neglect. 2011, ISBN 978-0-85728-389-4, S. 43–55. Als weitere Haustiere wurden das Sulawesi-Pustelschwein, Wasserbüffel, Balirinder, Hühner, Katzen, Ziegen und Pferde eingeführt. Das Timor-Pony ist die einheimische Pferderasse.

An den Küsten der Region findet sich der Dugong, der zu den Seekühen gehört. An der Nordküste finden sich verschiedene Delphine, Blauwale, Pottwale, Buckelwale und Kurzflossen-Grindwale.ABC, 18. Dezember 2007, NT helping E Timor establish first marine park (PDF-Datei; 48 kB)

Vögel mini|300px|Das Timor and Wetar Endemic Bird Area

Es gibt mehr als 20 Vogelarten, die nur im Timor and Wetar Endemic Bird Area (TWEBA) vorkommen, zu der auch die Inseln Atauro, Jaco, Semau, Roti und Sawu gehören. 17 davon leben auf beiden Hauptinseln, die anderen Arten kommen nur auf Timor und teilweise seinen vorgelagerten Inseln vor, was Timor gerade für Ornithologen interessant macht. Zu den etwa 260 Vogelarten OsttimorsColin Richard Trainor, Brian Coates, David K. Bishop: Aves de Timor-Leste. Burung-burung di Timor-Leste. The Birds of Timor-Leste, S. 61 gehören zahlreiche Papageien, zum Beispiel der Timor-Gelbwangenkakadu (Cacatua sulphurea parvula), außerdem unter anderem Muskatamadine, Schwarzgesicht-Schwalbenstar (Artamus cinereus), Sumbawadrossel (Zoothera dohertyi), Timor-Zebrafink (Taeniopygia guttata guttata), Tigerfink, Timortäubchen (Geopelia maugei), Grüne Timortaube (Treron psittacea), Schwarzmilan (Milvus migrans affinis) und Zwergwachtel.

Eine große Überraschung war 2009 die Entdeckung einer Population von Goldhähnchen-Blauschnäppern (Muscicapella hodgsoni) am Monte Mundo Perdido, die man bisher nur von Sumatra und Borneo her kannte. Der taxonomische Status dieser Gruppe wird noch weiter untersucht.BirdLife International: 2026 wurden erstmals die Rotsteiß-Kielralle (Amaurornis moluccana) und die Schildralle (Gallicrex cinerea) erstmals auch auf Timor im Osten gesichtet.José Fernandes Teixeira: First records of two rails for Timor-Leste: Pale vented Bush-hen Amaurornis moluccana and Watercock Gallicrex cinerea, BirdingASIA 44 (2026): 66–68.

Der Mayrbuschsänger (Bradypterus timorensis) konnte seit dem Auffinden zweier Exemplare am Mount Mutis in Westtimor 1932 nicht mehr nachgewiesen werden, doch 2009 gelang zuerst die Entdeckung der Art in Osttimor, dann auch auf der indonesischen Insel Alor. Dabei geht man davon aus, dass es sich um zwei getrennte Populationen handelt. Der Mayrbuschsänger gilt als bedroht. 2024 wurde die Timornachtschwalbe (Caprimulgus ritae) als eigene Art identifiziert, die auf Timor und Wetar vorkommt.Bird Guides: New nightjar species described, 15. September 2024, abgerufen am 31. Oktober 2024.

Auf der zu Osttimor gehörenden, nördlich gelegenen Insel Atauro wurden 2004 und 2007 insgesamt 96 Vogelarten erfasst, die fast alle auch auf Timor vorkommen.Colin R. Trainor und Thomas Soares: Birds of Atauro Island, Timor-Leste (East Timor) In: Forktail. 20 (2004), S. 41–48.Colin R. Trainor, Pedro J. Leitão: Further significant bird records from Atauro Island, Timor-Leste (East Timor). In: Forktail. 23 (2007), S. 155–158. Nur wenige stammen von der Nachbarinsel Wetar.

In den Höhlen von Jerimalai und Matja Kuru 1 fand man auch Überreste von Vögeln, die bis zu 40.000 Jahre alt sind. Darunter fanden sich am häufigsten Fasanenartige, Laufhühnchen und Tauben. Sie kommen zumeist auch heute noch auf Timor vor. Die Ausnahme bilden die Überbleibsel eines Kranichs (Grus sp.) aus dem späten Pleistozän, die man in Jerimalai fand, und eines großen Laufhünchens der Gattung Turnix aus Matja Kuru 1, deren Altersbestimmung auf mindestens 1372 bis 1300 cal BP kam.Hanneke J.M. Meijer, Julien Louys, Sue O’Connor: First record of avian extinctions from the Late Pleistocene and Holocene of Timor Leste, 2018, abgerufen am 23. November 2018.

Inklusive Atauros sind in Osttimor derzeit 17 Regionen als Important Bird Area klassifiziert.