Manerba del Garda ist eine italienische Gemeinde (comune) mit Einwohnern (Stand ) in der Provinz Brescia, Region Lombardei.

Geographie mini|hochkant|Lage der Gemeinde Manerba del Garda in der Provinz Brescia Manerba del Garda liegt am Südwestufer des Gardasees auf einer Höhe von etwa 33 im nordöstlich der Provinzhauptstadt Brescia. Die Gemeinde erstreckt sich über eine Landzunge, die sich um den Felsen der Rocca di Manerba herum erstreckt, der mit seinen den See und das Tal der Valtenesi überragt. In der Bucht von Manerba liegt mit der Isola di San Biagio die zweitgrößte der fünf Inseln des Gardasees.

Die bedeutendsten Fraktionen der Streugemeinde sind Pieve, Balbiana, Solarolo, Montinelle und Gardoncino. Der Gemeindesitz liegt in Solarolo.Manerba (3). In: Antonio Fappani: Enciclopedia Bresciana. Band 8, S. 138 f.

Die Nachbargemeinden sind Moniga del Garda, Polpenazze del Garda, Puegnago del Garda, San Felice del Benaco und Soiano del Lago.

Geographisch und geologisch gehört Manerba zur Moränenzone, die den Unteren Gardasee umschließt. Das Gebiet entstand im Tertiär und weist ausgedehnte Aufschlüsse aus dem unteren Eozän sowie teilweise aus dem Oligozän auf, wie die zahlreichen gefundenen Fossilien belegen.

Auf dem Gemeindegebiet erstreckt sich das 2016 eingerichtete und 114 h große Naturschutzgebiet Riserva Naturale della Rocca e del Sasso.

Etymologie Das Toponym ist erstmals 1090 als rocha Manerva dokumentiert. Es leitet sich aus dem Namen der römischen Göttin Minerva ab. Nach Dante Olivieri weist er vermutlich auf einen hier bestandenen Tempel oder Schrein hin, der der Göttin Minerva geweiht war.Dizionario di Toponomastica: Storia e significato dei nomi geografici italiani. S. 374.

1953 wurde die Gemeinde Manerba in Manerba del Garda umbenannt.

Geschichte Frühgeschichte und Antike mini|Ansicht der Burgruine Rocca di Manerba mit der Manerba Bucht und der Isola di San Biagio, im Hintergrund die Isola del Garda mini|Santa Maria in Valtenesi im Ortsteil Pieve mini|Der Ortsteil Solarolo Das Gemeindegebiet von Manerba wurde mindestens seit dem Mesolithikum von Menschen begangen. Der britische Archäologe Lawrence H. Barfield legte zwischen 1976 und 1983 unterhalb des Burgfelsen „Sasso di Manerba“ die Fundstätte „Riparo Valtenesi“ frei. Es handelt sich dabei um einen Kultplatz, der auch als Nekropole genutzt wurde, und zwischen dem Mesolithikum, dem späten Neolithikum und der Kupfersteinzeit von Menschen aufgesucht wurde.

Weitere Fundstätten rund um den Burgberg können der Vasi-a-bocca-quadrata-Kultur, der Lagozza-Kultur sowie der Polada-Kultur zugeordnet werden. Während der Bronzezeit entstand die Pfahlbausiedlung von San Sivino in der Bucht von Manerba, die seit 2011 in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen wurde.

Funde aus der Römerzeit belegen die Existenz von Siedlungen und einer Nekropole mit über 100 Gräbern, die von der Regierungszeit Kaiser Augustus bis zum 4. Jahrhundert n. Chr. angelegt wurden. Sie deuten auf eine bäuerliche Gemeinschaft in einem weitläufigen Pagus hin, der um eine römische Villa herum organisiert war. Auf dem Hügel der Rocca befand sich eine Kultstätte, die wahrscheinlich Minerva geweiht war, während Inschriften- und Münzfunde die Bedeutung des Gebiets als wichtiges Zentrum in der Valtenesi bestätigen.

Frühes Mittelalter mini|hochkant|Santa Lucia im Ortsteil Balbiana mini|San Giorgio Auch nach dem Untergang des Weströmischen Reiches war die Gegend weiterhin besiedelt. Neue Gebäude wurden zum Teil auf den römischen Vorgängerbauten errichtet. Im 7. Jahrhundert entstand eine kleine Kapelle, die dem heiligen Syrus von Pavia gewidmet war und als erste Kirche von Manerba angesehen wird. Zu dieser Zeit gehörte Manerba vermutlich einem langobardischen Bezirk an, dessen Zentrum in Sirmione lag und der den ganzen südlichen Teil des Gardasees umfasste. Trotzdem behielt das Gebiet bis ins 9. Jahrhundert hinein eine weitgehende Unabhängigkeit. In langobardischer Zeit entwickelte sich auf der Basis des alten römischen Pagus die christliche Pieve. Funde, die bei Ausgrabungen Ende der 1970er Jahre entdeckt wurden, scheinen darauf hinzudeuten, dass der Bau der Kirche Santa Maria auf einem Gebäude erfolgte, das zwischen dem 5. und 7. Jahrhundert n. Chr. errichtet worden war. Um die Präsenz der Langobarden in Manerba ranken sich zahlreiche Legenden, sie wird aber durch Toponyme langobardischer Ursprungs ebenso belegt, wie durch einige dokumentierte langobardische Personennamen.

Unter den Franken fiel das Gebiet unter kirchlichen Einfluss. Aus einer 878 datierten Schenkungsurkunde – deren Authentizität nicht unumstritten ist – geht hervor, dass Karl der Große die Abtei San Zeno in Verona weite Ländereien am südwestlichen Ufer des Gardasees anvertraute. Allgemein wird angenommen, dass Manerba und die anderen Gebiete in den Valtenesi nur seelsorgerisch von Verona, sonst aber von Brescia abhingen. Auf die Abhängigkeit vom Bistum Verona weisen ein Dokument von 973 und eine Bulle von Papst Innozenz III. aus dem Jahr 1145 hin. Der Heimatforscher Paolo Guerrini (1880–1960) vermutet, dass die Gegend im Besitz der Abtei von Leno war, sie urbar machten sowie hier Wein und Oliven anbauten. Auch die Abtei Nonantola besaß hier Ländereien.

Ab dem 11. Jahrhundert fiel Manerba unter die Herrschaft verschiedener Feudalherren. Da waren zunächst die Canossa, in deren Schatten langsam das Adelsgeschlecht der Cattanei oder Capitanei von Manerba Einfluss gewann. Letztere gehörten einem weitverzweigten lombardischen Adelsgeschlecht an, das insbesondere am Westufer mit zahlreichen Familienzweigen herrschte, wie den Cattanei von Salò, Gardone oder Gargnano. Ende des 12. Jahrhunderts gewährte Kaiser Friedrich Barbarossa den Cattanei verschiedene Privilegien und Lehen in Manerba, die 1229 von Kaiser Friedrich II. bestätigt wurden.

Scaliger, Venedig und die Visconti mini|hochkant|Ehemaliger Bergfried des Castello di Solarolo mini|Bei extremen Niedrigwasser kann die Isola di San Biagio auch zu Fuß erreicht werden und zieht zahlreiche Schaulustige an, wie hier 2023 Unter den Cattanei wurde die Burg Rocca di Manerba zwischen dem 12. und 13. Jahrhundert ausgebaut. Zwischen 1267 und 1339 spielte die Rocca eine zentrale Rolle in den Auseinandersetzungen zwischen Guelfen und Ghibellinen, in die später auch die Valtenesi zunehmend mit Manerba selbst verwickelt wurde. Ausgetragen wurde der Konflikt vor allem zwischen dem guelfischen Brescia und den ghibellinischen Scaligern aus Verona. Als 1275 im sogenannten Aufstand von Manerba, die Bewohner für die Ghibellinen Partei ergreifen wollten, wurde der Aufstand von Brescia blutig niedergeschlagen. Um eine gewisse Selbstständigkeit zu wahren, trat Manerba der Konföderation der Gemeinden der Riviera bei. Nach dem 1336 abgeschlossenen Bündnis gegen Mastino II. della Scala zwischen der auf der Terraferma aufstrebenden Republik Venedig und der Republik Florenz, dem auch die Visconti, die Gonzaga und die Este beitraten, geriet Manerba mit der übrigen Gemeindekonförderation der Westküste erstmals unter den Einfluss Venedigs.Atlante storico: Cronologia degli eventi. S. 14–16.

1351 gelangte Manerba zusammen mit der übrigen Riviera unter den Herrschaftsbereich von Bernabò Visconti. Der Mailänder Herzog konnte das Machtvakuum ausfüllen, das Venedig nach seinem nachgelassenen Engagement dort hinterlassen hatte, weil der Konflikt mit Genua die ganze Aufmerksamkeit der Serenissima beanspruchte. Durch die Heirat mit Beatrice della Scala hatte sich die Lage zu den Scaligern zudem entspannt. Daran änderte sich im Wesentlichen auch nichts, als Cansignorio della Scala 1362 vergeblich versuchte Brescia zu erobern. 1364 schlossen der Scaliger und der Visconti wieder Frieden. Nach dem Tod von Gian Galeazzo Visconti 1402 nutzten die Malatesta die Schwäche der Visconti im Jahr darauf aus und brachten sich in den Besitz der Riviera. 1419 wurden sie aber von dem wiedererstarkten Filippo Maria Visconti vertrieben. Als sich 1426 Brescia gegen die Mailänder erhob und sich zum Schutz Venedig unterwarf, war auch die Herrschaft der Visconti an der Westküste des Gardasees beendet.Atlante storico: Cronologia degli eventi. S. 16–17.

Unter der Republik Venedig und Napoleon Die venezianische Herrschaft sollte mit einigen kurzen Unterbrechungen bis 1796 andauern. Nach Wiederaufflammen des Krieges mit den Visconti wurde Manerba 1438 für kurze Zeit erneut von Mailänder Truppen besetzt. Im Krieg des 1508 gegen Venedig gegründeten Bundes der Liga von Cambrai wurde Manerba 1512 von französischen Truppen unter Gaston de Foix angegriffen und die Rocca teilweise zerstört. Im Zuge des Italienzuges Maximilian I. wurde die Riviera mit Manerba vier Jahre später kurzzeitig von den Kaiserlichen besetzt.Atlante storico: Cronologia degli eventi. S. 17–24.

Zwischen 1576 und 1630 wurde die Bevölkerung von zwei Pestepidemien dezimiert. Während des Spanischen Erbfolgekrieges wurde Manerba 1705 von französischen und spanischen Truppen gebrandschatzt. 1787 wurde auf Veranlassung der Serenissima die Burg abgetragen, die als Zufluchtsort von Banditen genutzt wurde, die die Gegend unsicher machten. Im Mai 1796 zogen sich im Zuge des Italienfeldzuges der französischen Revolutionsarmee die letzten venezianischen Truppen vor den anrückenden Franzosen unter Napoleon Bonaparte endgültig zurück. Von den nachfolgenden Kämpfen zwischen französischen und österreichischen Truppen am Gardasee, die mit dem Fall der belagerten Stadt Mantua im Februar 1797 ihren Höhenpunkt erreichten, war Manerba nicht weiter betroffen.Atlante storico: Cronologia degli eventi. S. 36.

Mit Ausrufung der Republik Brescia im März 1797 begann sich in Manerba die konterrevolutionäre und venedigtreue Bewegung zu sammeln, die allerdings bereits nach wenigen Wochen die Waffen strecken musste. Antijakobinische Widerständler wurden geächtet oder hingerichtet. Unter der jakobinischen Regierung wurde Manerba und die Valtenesi in den neugeschaffenen Kanton Benaco eingegliedert. Mit dem am 17. Oktober 1797 abgeschlossenen Frieden von Campo Formio wurde Manerba der Cisalpinischen Republik angeschlossen. Im Zweiten Koalitionskrieg wurde die gesamte Region im Mai 1799 von österreichischen Truppen besetzt. Erst ein Jahr später gelang Napoleon nach dem Sieg in der Schlacht bei Marengo die Rückeroberung. Mit dem am 9. Februar 1801 unterzeichneten Frieden von Lunéville wurde Manerba mit der gesamten Westküste Teil des Department Mella. 1805 zählte die Gemeinde Manerba 1240 Einwohner. Die napoleonische Epoche endete mit der Abdankung Napoleons 1814 und dem Einrücken österreichischer Truppen.Atlante storico: Cronologia degli eventi. S. 37–38.

19. und 20. Jahrhundert Seit 1815 Teil des habsburgerischen Königreichs Lombardo-Venetien war die Geschichte Manerbas in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts vor allem von Seuchen und wirtschaftlichen Krisen geprägt. So forderte eine Cholera-Epidemie 1836 mehrere hunderte Tote in der Gemeinde. Die bereits in der Krise steckende Landwirtschaft wurde 1852 durch das massenhafte Auftreten des Echten Mehltaus in den Weinbergen und der Pébrine-Krankheit des Seidenspinners 1853 schwer getroffen. Auch unter dem Haus Savoyen – seit dem Ende des Zweiten Italienischen Unabhängigkeitskrieges war die Gemeinde Manerba Teil des Königreichs Sardinien ab 1861 Königreich Italien – blieb die wirtschaftliche Lage angespannt. Ende des Jahrhunderts erlebte sie ihren Höhenpunkt und zwang zahlreiche Einwohner zur Auswanderung, insbesondere nach Brescia.