Der Sarganserländer ist eine Schweizer Regionalzeitung mit Redaktionssitz in Mels. Er ist das einzige Nachrichtenblatt des Bezirks Sarganserland und eine der ältesten noch erscheinenden Zeitungen des Landes. Die Druckerei befindet sich in Haag.

Der Sarganserländer erscheint werktäglich und hat eine WEMF-beglaubigte Auflage von 9'202 (Vj. 9'359) verkauften/verbreiteten Exemplaren und eine Reichweite von 18'000 (Vj. 19'000) Lesern (WEMF MACH Basic 2018-II). Jeden Dienstag erscheint er in einer Grossauflage von 21'053 (Vj. 20'928) Exemplaren, die die Bewohner des Sarganserlands mit der Post erhalten. Chefredaktor ist Sportjournalist Reto Vincenz, Geschäftsführer Thomas Ambühl und Verwaltungsratspräsident Bruno Good.

Geschichte 19. Jahrhundert miniatur|Erste Ausgabe des Sarganserländers (1875) In konservativen Kreisen des damaligen katholischen Bezirks Sargans wurde es zunehmend als störend empfunden, dass in der Presselandschaft neben dem liberal orientierten Oberländer Anzeiger auf konservativer Seite kein Gegengewicht existierte. Der Oberländer Anzeiger konnte bis zum Erscheinen des Sarganserländers fast neun Jahre lang sein politisches Gedankengut drucken. Der Gründung des Sarganserländers ging im März 1873 eine Versammlung des katholischen Männer- und Piusvereins voraus. Am 30. Dezember 1874 wurde der Sarganserländer vom katholischen Männerverein als „sein“ Organ gegründet; am 2. Januar 1875 wurde schliesslich die erste Ausgabe veröffentlicht. Der Sarganserländer erschien jeweils mittwochs und samstags.

In den Folgejahren wechselte der Sarganserländer mehrmals den Verleger. Zusätzlich zu diesen technischen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten – die den Sarganserländer an den Rand des Ruins drängten – führten die liberalen Blätter Oberländer Anzeiger und Bote am Wallensee einen Verdrängungskampf gegen den Sarganserländer. Dieser Verdrängungskampf wurde jedoch nicht nur auf weltanschaulich-politischer, sondern auch auf wirtschaftlicher Ebene geführt: durch gegenseitige Abonnenten-Abwerbungen und Gratisabonnements. Auch in den 1880er Jahren konnte sich das Blatt nur mit grosser Mühe über Wasser halten. Ferdinand Hidber senior (1819–1889) kaufte schliesslich die Zeitung auf, wodurch die Druckerei und die Zeitung sich wirtschaftlich beruhigten. Otto Hidber, Sohn von Ferdinand Hidber, übernahm später das Unternehmen. Der weitere gleichnamige Sohn Ferdinand Hidber (1863–1909) war in der Zeit von 1905 bis 1908 Verleger des Blatts.

miniatur|Damalige Konkurrenten des Sarganserländers: Bote am Wallensee, Der Demokrat beziehungsweise der Oberländer Anzeiger Der Sarganserländer berichtete am 26. April 1879, dass es verschiedene Ungereimtheiten in der Betriebsführung und ein schlechtes Betriebsklima gebe. Neben schlechter Buchführung und einer Fehlberechnung der Inserate und Abonnemente kam es mehrmals zu Verletzungen des Redaktionsgeheimnisses, da der damalige Verleger den politischen Gegnern Textstücke zusandte. Der Sarganserländer schrieb in dieser Ausgabe: «… wird aber noch weit überboten durch das neuliche Vorkommnis, wo der Verleger in vollendeter Taktlosigkeit und Heimtücke ein Pamphlet auf den Redaktor und seine Mitarbeiter einschmuggelt.» Urheber dieser Aktionen war unter anderem auch der damalige freisinnige Gemeindeammann von Mels, Wirt Franz Meli, der den Männerverein und den Sarganserländer im Oberländer Anzeiger mehrfach angegriffen hatte.

miniatur|links|Eine Abonnementsnachnahme von 1902

Dass ein Freisinniger in einem konservativen Blatt sein politisches Gedankengut unterbringen konnte, zeigt, wie eigenmächtig und wider die Linie des katholischen Männervereins der Verleger gehandelt hatte. Am 23. April 1879 erschien der Sarganserländer – ausgelöst durch die Gegner – ohne den Untertitel «Organ des katholischen Männervereins». Diese Mängel führten den Männerverein dazu, am Folgetag eine Versammlung einzuberufen. Der Redaktor bezeichnete am 26. April 1879 im Sarganserländer die Handlungsweise des Druckers und Verlegers als «beispiellos», die das Organ des katholischen Männervereins dazu missbrauchen, um die Vertrauensmänner «in den Koth» zu ziehen. Mit den Worten: «der katholische Männerverein ist, unmittelbar vor den Maiwahlen, aus seinem Recht hinausgedrängt, um sein Presseorgan betrogen [worden]» kommentierte der Verein selbst die Ungereimtheiten.

Der Männerverein reagierte auf die Probleme mit einem erneuten Druckereiwechsel. Obschon nun die Druckerei von «Sprecher und Plattner» in Chur den Sarganserländer druckte, erschien aber in der Druckerei von «Brader-Gemperle» weiterhin ein Sarganserländer, ein unechter oder «After-Sarganserländer», der sich äusserlich nur dadurch unterschied, dass auf den Hinweis auf den katholischen Männerverein verzichtet wurde. Der echte Sarganserländer rief dazu auf, den «After-Sarganserländer» abzulehnen und die Inserate «gefälligst bis auf Weiteres an Hrn. Redaktor Good oder Hrn. Sekretär Bachofen in Mels» zu richten. Dieses Zwischenspiel dauerte acht Wochen lang, bis am 18. Juni 1879 der Sarganserländer den Untergang des Gemperle- beziehungsweise «After-Sarganserländers» bekannt gab. Später kaufte eine konservative Gesellschaft den Verlag des Sarganserländers und die Gemperle-Druckerei auf.

Von 1891 bis 1909 war Ferdinand Hidber Redaktor und ab 1905 bis 1908 Verleger des Sarganserländers, dem Blatt seines gleichnamigen Vaters.

20. Jahrhundert Ruschs Zeit beim Sarganserländer Johann Baptist Rusch (* 1886; † 1954), ein 23-jähriger Appenzeller, hatte den Rat bekommen, sich in Mels als Redaktor zu bewerben, und wurde zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Am 31. Januar 1909 trat Rusch vor die Wahlkommission und erfuhr nach dem Absolvieren eines Staatskunde-Examens durch den Nationalrat und Rechtsanwalt Emil Grünenfelder: «Herr Redaktor, wir haben Sie gewählt. Wir haben alles Vertrauen. Machen Sie die Sache so gut Sie können.» Gegenstimmen soll er von Pfarrherren und von alten allmählich abtretenden Konservativen der Hidber-Richtung erhalten haben. Am 1. Februar 1909 wurde Rusch durch einen Vertrag als Redaktor beim Sarganserländer und dem Seeztaal- & Flumserboten mit einem Lohn von 1'400 Schweizer Franken pro Jahr angestellt.125 Jahre Sarganserländer, S. 23

Ruschs politischer Schwerpunkt lag in der christlich-sozialen Bewegung. Er lernte bald darauf Eduard Bernhardsgrütter kennen, einen Realschullehrer aus Mels. Bernhardsgrütter war für die Abspaltung der Christlich-Sozialen von der konservativen Partei. Es dauerte nicht lange, bis Rusch unter dem Einfluss Bernhardsgrütters stand und christlich-soziales Gedankengut auch im Sarganserländer verbreitete. Dies führte zu einem internen Konflikt zwischen der konservativen Partei und dem Verleger, weil Rusch vom politischen Gegner, einem stark Konservativen, angestellt worden war.125 Jahre Sarganserländer, S. 24

Die Kritiken gegenüber Rusch wurden lauter, als im Kanton St. Gallen der Proporz eingeführt wurde und Rusch einen christlich-sozialen Bezirksverband gründete. Die Opposition des Bezirksverbands werde sich gegen die Arbeiterausbeutung und die Börsenherrschaft richten, wie Rusch im Juni 1911 an der ersten Bezirksparteitagung den Kurs seines Bezirksverbands beschrieb. Weiter forderte er die Trennung von Kirche und Staat sowie eine billigere Schulung der Bevölkerung. Rusch gelang es, im Sarganserländer das christlich-soziale Gedankengut zu verbreiten, und er unterdrückte somit die Interessen der Konservativen. Die konservative Partei beschwerte sich über seine Taten, und verschiedene Seiten erklärten Rusch seine baldige Kündigung. Rechtsanwalt Emil Grünenfelder, der Johann Rusch die Stelle beim Sarganserländer anfangs noch empfohlen hatte, erklärte ihm Monate vor der Bezirkstagung am 10. März 1911: «Sodann dürften Sie als junger Mann in der Beurteilung der politischen Dinge doch etwas vorsichtiger und weniger vorlaut sein, selbst wenn Sie persönlich an dem, was oben getan wird, nicht einverstanden sein sollten.» In der Folge fiel die Ermahnung Grünenfelders gegenüber Rusch im Juli deutlicher aus, als er Rusch erklärte, dass er ein Redaktor eines konservativen Blattes sei, und weiter, dass man meinen könnte, er sei aus lauter Widerspruch und Opposition zusammengesetzt.125 Jahre Sarganserländer, S. 25/26

Noch bevor Rusch gekündigt werden konnte, hatte er selbst eine Kündigung per sofort eingereicht, da er ab Oktober desselben Jahres eine Stelle beim Aargauer Volksblatt angeboten bekam. Mit Wohlgefallen berichtete die Ostschweiz in der ersten Juliwoche vom Rücktritt Ruschs; auch herrschte Erleichterung bei der konservativen Partei des Bezirks Sargans und bei den konservativen Blättern des Kantons St. Gallen. Kaum Begeisterung zeigten die Kleriker des Bezirkes, da der Sarganserländer offensichtlich dem christlich-sozialen Gedankengut nun nicht mehr offenstehen konnte. Am 10. September 1911 organisierten die Kleriker und weitere Rusch-Anhänger deshalb auf dem Dorfplatz Schwefelbad in Sargans eine Abschiedsfeier, an der rund 300 Leute teilnahmen.125 Jahre Sarganserländer, S. 26 und 27

Gründung der Aktiengesellschaft Rusch hatte als Sprecher der christlich-sozialen Bewegung lange Zeit vor der eigentlichen Gesellschaftsgründung die Umwandlung der Buchdruckerei in eine Genossenschaft gefordert. Im Verlaufe des Jahres 1911 beanspruchten gar der Klerus und verschiedene Parteien mehr Beteiligung an der Druckerei. Verschiedene Seiten forderten durch Schreiben an das Konsortium ein «Mitspracherecht in Pressesachen und eine finanzielle Beteiligung am Parteiblatt durch Herausgabe kleiner Aktien». Von anderen Seiten – genauer: vom Kassier Josef Ackermann und Mitunterzeichnern – kam am 28. November 1911 die Forderung an das Konsortium, die Druckerei in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln. Er stand damit im Gegensatz zu den hauptsächlich christlich-sozialen Kreisen, welche eine Genossenschaft forderten.125 Jahre Sarganserländer, S. 31

Nach mehreren Treffen und Beschlüssen bildeten die Delegierten der konservativen Bezirkspartei im Schwefelbad in Sargans ein Pressekomitee. Dieses Komitee einigte sich bereits in der ersten Zusammenkunft mit Vertretern des Konsortiums auf die Gründung einer Aktiengesellschaft. An einer zweiten Sitzung am 17. Februar 1912 wurde dies klargestellt; eine Vereinbarung wurde verfasst. Ihre wichtigsten Punkte waren:125 Jahre Sarganserländer, S. 32 Kein Aktionär darf mehr als 60 Aktien besitzen. Der Aktienbesitz der Einwohner einer Gemeinde darf nicht mehr als einen Drittel des ganzen Aktienbestandes ausmachen.

Die Vereinbarung wurde von den Gründungsaktionären und dem Pressekomitee am 10. November 1912 im ersten Protokollbuch der Sarganserländischen Bruchdruckerei Mels AG unterschrieben. Dieser Beschluss kann als Gründung der Aktiengesellschaft mit dem Grundkapital von 85'000 Franken (eingeteilt in 850 Namensaktien zu 100 Franken) angesehen werden. Weiterer Inhalt des Protokollbuchs waren die ersten Punkte der Statuten.

miniatur|Bald beschäftigte die Druckerei mehrere Arbeiter Am 14. April 1912 fand die erste Generalversammlung im Hotel Drei Könige in Mels statt. Als Verwaltungsratspräsident wurde Emil Grünenfelder gewählt; zusammen mit zwei anderen Einheimischen war er Teil des Verwaltungsrates. Rund ein Jahr später wurde der Verwaltungsrat um zwei Mitglieder erweitert.125 Jahre Sarganserländer, S. 38 Am 26. Juli 1914 erfolgte während der 2. Generalversammlung die erste Rechnungslage, bei der 38 Aktionäre (787 Stimmen repräsentierend)125 Jahre Sarganserländer, S. 39 anwesend waren. Die Geschäftsprüfungskommission – zusammengesetzt aus A. Widrig, Max Bürer und Anton Gadient – bemängelte den nicht immer unter idealen Umständen laufenden Betrieb; zumal der Betrieb in vier Gebäuden geführt wurde und damit «Arbeitszeit verlaufen» würde. Der Jahresbericht sagte zudem, dass der Sarganserländer erst im Verlaufe des ersten Jahrzehnts des 20. Jahrhunderts wirtschaftlichen Erfolg aufweisen konnte. Anders als bei seinen Kollegen war Rusch beim Volk äusserst beliebt.