mini|Äthiopische Soldaten im Koreakrieg 1951 Die Äthiopischen Streitkräfte (, kurz ENDF) sind das Militär Äthiopiens.

Sie wurden in ihrer heutigen Form nach der Auflösung der Kaiserlichen Armee Äthiopiens 1975 als Streitkräfte der Demokratischen Volksrepublik Äthiopien gegründet und nach dem Sieg der Revolutionären Demokratischen Front der Äthiopischen Völker 1991 zu Ethiopian National Defense Forces umbenannt. Sie waren im Jahr 2020 138.000 Mann stark, was sie zu einer der größten Armeen Afrikas macht.

Die Äthiopischen Streitkräfte bestehen aus den Teilstreitkräften Heer und Luftstreitkräfte. Seit der Unabhängigkeit Eritreas (1993) verfügt das Land über keine Marine mehr.

Geschichte Die Kaiserliche Armee Abessiniens war die älteste noch existierende Armee der Welt. Den Truppen des Kaiserreichs gelang es bis zum Abessinienkrieg 1935/36, ihr Territorium erfolgreich zu verteidigen. Dann wurden die Streitkräfte vom faschistischen Italien besiegt und Äthiopien wurde kurzzeitig Teil Italienisch-Ostafrikas. Von 1940 bis 1941 befreiten geflüchtete Einheiten zusammen mit Truppen des Britischen Empire das Kaiserreich und beteiligten sich am Wiederaufbau der Monarchie unter Haile Selassie. Die Inflation in der Folge der Dürrekatastrophe von 1973 und der Ölkrise löste in Äthiopien Massendemonstrationen von Studenten und Streikwellen aus und führten zum Sturz Selassies. 1975 wurde die Monarchie abgeschafft und das ehemalige Kaiserreich eine sozialistische Volksrepublik. Dies führte zum Äthiopischen Bürgerkrieg. Der provisorische Militärverwaltungsrat Derg verfügte mit Unterstützung des Ostblocks bald über die nominal größte Armee des subsaharischen Afrikas – um die 300.000 Mann. Im Ogadenkrieg 1977 bis 1978 konnte sich Äthiopien behaupten. Die Kampfkraft der Armee, die größtenteils aus zwangsrekrutierten Bauern bestand, war jedoch vergleichsweise gering. Die äthiopische Regierung unter Mengistu Haile Mariam wurde schließlich von einer Koalition aus drei verschiedenen Rebellengruppen – der Revolutionären Demokratischen Front der Äthiopischen Völker – und eigenen Funktionären gestürzt. Im Mai 1991 nahm die Revolutionäre Demokratische Front erfolgreich die Hauptstadt Addis Abeba ein.

Die Streitkräfte der Demokratischen Volksrepublik Äthiopien wurden von den Ethiopian National Defense Forces abgelöst. Nach einem Referendum am 25. April 1993 wurde in Übereinstimmung mit der neuen äthiopischen Regierung die unabhängige Republik Eritrea ausgerufen. In den darauffolgenden Jahren verschlechterten sich die Beziehungen zwischen Äthiopien und Eritrea. Während des Grenzkrieges gegen Eritrea von 1998 bis 2000 mobilisierten die äthiopischen Streitkräfte bis zu 350.000 Soldaten. Eine große Anzahl an Soldaten wurde nach dem Krieg wieder demobilisiert. Die Streitkräfte befinden sich weiterhin im Transformationsprozess von einer ehemaligen Guerilla-Armee hin zu einer Berufsarmee. Dabei erhalten die äthiopischen Streitkräfte Unterstützung verschiedener Staaten, insbesondere von den USA. Äthiopien hat zwei Friedenskontingente entsandt, eines nach Burundi und ein weiteres nach Liberia. 2009 wurden auch Soldaten in die sudanesische Krisenregion Darfur entsandt. Seit Juni 2011 stellen die Streitkräfte das Hauptkontingent für die Friedensmission United Nations Interim Security Force for Abyei (UNISFA) zwischen dem Sudan und Südsudan. Im Dezember 2011 unterstützten die äthiopischen Soldaten auch die Mission der Afrikanischen Union in Somalia (AMISOM) und befanden sich im Krieg gegen die Union islamischer Gerichte in Somalia.US Department of State. Seit Januar 2014 beteiligt sich Äthiopien (erneut) mit 4400 Soldaten an AMISOM.

Am 22. Juni 2019 wurde Generalstabschef Se’are Mekonnen in der Provinz Amhara von Putschisten getötet. Er wurde durch Adem Mohammed ersetzt.sti/rb (afp, rtr): Nach Putschversuch: Äthiopische Regierung lässt amharische Nationalisten festnehmen. dw.com vom 27. Juni 2019, abgerufen am 30. Juni 2019.

Ab 2020 kämpften die Streitkräfte im Bürgerkrieg in Äthiopien. Durch Drohnenangriffe der Luftwaffe 2022–2024 kamen wahrscheinlich auch 490 Zivilisten ums Leben.https://www.theguardian.com/global-development/2025/mar/10/drone-attacks-killing-hundreds-of-civilians-across-africa-says-report

Ausrüstung Heer Das Heer umfasst im Moment 135.000 aktive Soldaten. Äthiopien erweiterte seine Waffenbestände insbesondere im Grenzkrieg gegen Eritrea (1998–2000). Zur Ausrüstung zählten im Jahr 2020:

Fahrzeuge + Typ Herkunft Funktion Version Anzahl T-54 T-55 T-62 Kampfpanzer Bergepanzer246+ T-72 Kampfpanzer B T UA1215 BRDM-1 BRDM-2 Spähpanzerca. 100 BMP-1 Schützenpanzerca. 20 ZSD89 Mannschaftstransporter BTR-60 BTR-152 Mannschaftstransporterca. 300 WZ551 Mannschaftstransporter Gaia Thunder MRAP Ze’ev Mehrzweckfahrzeug BTS-5B Bergepanzer4 MTU Brückenlegepanzer Bozena Minenräumpanzer

Panzerabwehrwaffen + Typ Herkunft Funktion 9K11 Maljutka Panzerabwehrlenkwaffe 9K111 Fagot Panzerabwehrlenkwaffe 9K135 Kornet Panzerabwehrlenkwaffe B-10 Rückstoßfreies Geschütz B-11 Rückstoßfreies Geschütz D-44 Kanone

Artillerie + Typ Herkunft Kaliber Funktion Anzahl 2S1 Gvozdika 122 mm Panzerartillerie 2S19 Msta-S 152 mm Panzerartillerie10 D-30 M-30 122 mm Haubitze464 M-46 130 mm Haubitze AH-2 155 mm Haubitze PHL03 300 mm Raketenwerfer BM-21 Grad 122 mm Raketenwerferca. 50 M1 M29 81 mm Mörser M-1937 82 mm Mörser M-1944 120 mm Mörser

Flugabwehrwaffen + Typ Herkunft Funktion Anmerkungen S-75 Dwina Flugabwehrrakete S-125 Pechora Flugabwehrrakete 9K32 Strela-2 MANPADS veraltet 96K6 Panzir Flugabwehrrakete ZSU-23-4 Schilka Flugabwehrpanzer ZU-23 Flugabwehrkanone M1939 Flugabwehrkanon S-60 Flugabwehrkanone

Luftwaffe mini|150px|Roundel der Luftwaffe Äthiopiens Die Luftstreitkräfte hatten im Jahr 2020 eine Personalstärke von 3000 aktiven Soldaten. Sie verfügt u. a. über (Stand Ende 2022): 14× Jagdbomber (Suchoi Su-27) 9× Abfangjäger (MiG-23) 7× Aufklärungs- und Transportflugzeuge (3× Antonow An-12; 1× Antonow An-32; 2× C-130B/E; 1× DHC-6) 26× Ausbildungsflugzeuge (10× L-39; 4× Aermacchi SF-260; 6× Suchoi Su-27; 6× G120TP) 6× Kampfhubschrauber (Mil Mi-24) 14× Transporthubschrauber (Mil Mi-8/Mi-17) 3× Mehrzweckhubschrauber (3× SA316)

Marine Seit der Unabhängigkeit Eritreas 1993 ist Äthiopien ein Binnenland ohne Zugang zum Meer. Über eine Marine verfügt Äthiopien seitdem nicht mehr. Es besteht jedoch die Absicht wieder eine Marine aufzubauen, die in Dschibuti stationiert werden soll, während das Kommando der Seestreitkräfte seinen Sitz in Bahir Dar, der Hauptstadt der äthiopischen Provinz Amhara, haben soll.Ethiopia Navy to be based in Djibouti, command HQ in Bahir Dar (Report)

Bewaffnete Oppositionskräfte Für bewaffnete Oppositionskräfte siehe: Revolutionäre Demokratische Einheitsfront der Afar Oromo-Befreiungsfront Nationale Befreiungsfront für den Ogaden Westsomalische Befreiungsfront Eritreische Volksbefreiungsfront

Siehe auch Politisches System Äthiopiens Kaiserliche Armee Abessiniens (Streitkräfte Äthiopiens bis 1974)

Weblinks

Website der Äthiopischen Streitkräfte (engl.)

Einzelnachweise

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