OpenStreetMap (OSM) ist ein freies Projekt, das weltweit frei nutzbare Geodaten sammelt, strukturiert und für die Nutzung durch jedermann in einer Datenbank vorhält. Diese Geodaten stehen als Open Data unter einer freien Lizenz, der Open Database License. Kern des Projekts ist also eine offen zugängliche Datenbank aller beigetragenen Geoinformationen.

Aus diesen Daten können sowohl freie als auch kommerzielle Landkarten erstellt werden. Die auf der Projekt-Webseite gezeigten Karten sind Beispiele dafür. Die Geodaten können zudem kostenfrei in Anwendungen wie Navigationssoftware sowie für Routenplaner oder auch als Druckerzeugnisse genutzt werden, ohne durch restriktive Lizenzen beschränkt zu sein. Der in OpenStreetMap genutzte Lizenztyp ODbL legt fest, dass bei jeder Nutzung der Geodaten auf OSM als Datenquelle hingewiesen werden muss. Wer abgeänderte Datensätze verbreitet, muss sein Werk unter die gleiche Lizenz stellen.

Die offizielle Vertretung des Community-Projektes ist der globale OSMF-Verein, der in Deutschland durch den FOSSGIS als „Local Chapter“ (etwa „Ortsverband“) repräsentiert wird. Der FOSSGIS sammelt Spenden, betreibt Dienste und behandelt rechtliche Fragen. In Österreich wird die OSMF von OpenStreetMap Austria repräsentiert, in der Schweiz von der Swiss OpenStreetMap Association.

Geschichte mini|Steve Coast auf der Konferenz OSM im Rheinland, Mai 2009

Das OpenStreetMap-Projekt wurde im Juli 2004 in London von Steve Coast ins Leben gerufen. Als offizieller Geburtstag wird der 9. August desselben Jahres angesehen, an dem Coast die Domain openstreetmap.org registrierte. Am 11. Dezember wurde die erste Straße in die Datenbank eingetragen. Im März 2006 war die Infrastruktur so weit entwickelt, dass erste größere Gebiete erfasst werden konnten. Im Sommer desselben Jahres wurde mit Potlatch ein auf Adobe Flash basierender Editor in der Website integriert, der für viele Jahre der Standard-Editor für die Community bleiben sollte.

Im April 2006 wurde die OpenStreetMap Foundation gegründet. Sie sammelt Spenden und ist ein Gremium zur Entscheidungsfindung und Verantwortung für das Projekt. Die OpenStreetMap-Foundation ist eine internationale Nonprofit-Organisation mit Sitz in Cambridge, Vereinigtes Königreich, die als Company limited by guarantee registriert ist.OpenStreetMap Foundation: Incorporation. osmfoundation.org, abgerufen am 13. Juni 2024. Ihre Ziele sind das Erzeugen, Verteilen und Vergrößern eines geographischen Datenbestandes sowie dessen freies Bereitstellen zum allgemeinen Gebrauch.

2007 erlaubte Yahoo dem Projekt, Straßen und andere Objekte aus Luftbildern abzuzeichnen. Dies ermöglichte erstmals, Straßen und Wege einzutragen, ohne dafür auf selbst aufgezeichnete GPS-Tracks zurückgreifen zu müssen. Die Zusammenarbeit zwischen Yahoo und OSM endete 2011.

Im Januar 2008 wurde der Import der TIGER-Datenbank fertiggestellt (siehe auch Abschnitt Import). Die staatlich erfassten TIGER-Daten bieten eine Grundabdeckung der USA, die von den Benutzern weiter verbessert werden muss, da Flächen wie Sportplätze noch fehlen und die Daten teilweise veraltet sind.

Im Januar 2010 erstellten über 600 Freiwillige in OpenStreetMap eine grundlegende Karte von Haiti, um die Hilfskräfte nach dem verheerenden Erdbeben bei ihrer Arbeit zu unterstützen. Seitdem sammelt das Humanitarian OpenStreetMap Team (HOT) regelmäßig Kartendaten für Katastrophengebiete.

2012 wurde die Lizenzierung geändert. Die bis dahin gültige Creative-Commons-Lizenz wurde durch die eigens für diesen Zweck geschaffene Open Database License abgelöst.

OSM wurde mit dem FSF Award 2018 der Free Software Foundation ausgezeichnet.

2022 stellte die OpenStreetMap Foundation ihre erste Vollzeitkraft ein: Grant Slater wurde zum Site Reliability Engineer ernannt. Er hatte damals bereits 15 Jahre in seiner Freizeit an der Wartung von Infrastruktur und Servern des Projektes gearbeitet.

Nutzerzahlen Im Juli 2006 waren rund 2.500 Benutzer registriert, die bis dato über neun Millionen Wegpunkte in die OpenStreetMap-Datenbank eingefügt hatten. Ein Jahr später hatte sich die Anzahl der Benutzer nahezu vervierfacht und die Datenmenge etwa verzehnfacht.

Im März 2009 hatten sich weltweit über 100.000 Benutzer registriert. Mitte Januar 2013 wurde gemeldet, dass die Marke von einer Million Benutzern überschritten wurde und sich damit die Benutzeranzahl im Laufe der letzten 14 Monate verdoppelte.dpa: Eine Million Kartenzeichner. In: Westfälische Nachrichten, 17. Januar 2013.

Im Dezember 2015 gab es 2,3 Millionen registrierte Benutzer, 4,9 Milliarden GPS-Punkte, 3,1 Milliarden Knoten, 210 Millionen Wege und 3,1 Millionen Relationen. Bis Anfang Mai 2021 wuchsen die Werte auf 7,5 Millionen registrierte Benutzer, 8,6 Milliarden GPS-Punkte, 6,9 Milliarden Knoten, 768 Millionen Wege und 8,9 Millionen Relationen an.

Im Januar 2023 waren 10 Millionen Nutzer registriert. Sie hatten zu diesem Zeitpunkt über 8 Milliarden Knoten, 914 Millionen Wege und 10 Millionen Relationen angelegt.

Community Gepflegt werden Software wie auch Geodaten häufig von den einzelnen Benutzern üblicherweise in Eigenregie: Lokales Wissen und im Feld gesammelte Daten werden mit einem passenden Bearbeitungswerkzeug eingetragen oder bereits vorliegende Daten ergänzt und verfeinert.

Bei sogenannten Mapping-Partys wird ein vorher festgelegtes Gebiet gemeinsam erfasst und in die zentrale Geodatenhaltung eingetragen. Dies erleichtert insbesondere Anfängern in noch dünn erfassten Regionen die Arbeit.

Wie in anderen Open-Source-Projekten finden in vielen Regionen regelmäßige Treffen statt, die häufig auch Stammstische genannt werden.

2007 wurde eine jährliche OpenStreetMap-Konferenz ins Leben gerufen, State of the Map genannt, die inzwischen zahlreiche lokale Ableger gefunden hat, z. B. SotM-Latam, SotM-US, SotM-Japan und SotM-Scotland. Die OpenStreetMap hat einen eigenen Track auf der GIS-Konferenz FOSSGIS. Auf diesen Konferenzen kann auch lokalen Communities der Status einer offiziellen Lokalen Rechtspersönlichkeit (Local Chapter) verliehen werden, wodurch sie erweiterte Mitbestimmungsrechte an dem durch die Foundation streng hierarchisch organisierten Projekt erhalten. Im Jahr 2022 war das bei der österreichischen Community der Fall.

Eine Analyse aus dem Jahr 2015 ergab, dass zwei Drittel der Benutzer aus Europa kommen. Die meisten aktiven Benutzer stammen aus Deutschland, den USA, Frankreich, Russland, Großbritannien, Italien und Polen; die meisten Benutzer im Verhältnis zur Bevölkerungszahl hat Österreich.

Einsatzgebiete Die Website zeigt nur einen kleinen Teil der Möglichkeiten von OpenStreetMap. Die Rohdaten stehen zum Herunterladen bereit und sind für die Entwicklung weiterer Anwendungen frei zugänglich. Auf den OpenStreetMap-Daten bauen daher zahlreiche weitere Dienste und Spezialanwendungen – sogenannte Mashups – auf. Eine umfassende Übersicht solcher Anwendungen findet sich im OpenStreetMap-Wiki.

Der Detaillierungsgrad der OSM-Daten ist regional stark unterschiedlich und hängt primär vom geleisteten Aufwand der dort tätigen Beitragenden ab. Die Detailtiefe des Systems an sich ist theoretisch unbegrenzt.

Kartendarstellung

Aus den Daten von OpenStreetMap lassen sich nicht nur Straßenkarten für Autofahrer erzeugen. Je nachdem, welche Daten vorliegen und wie sie in die Kartendarstellung übernommen werden, lassen sich auch Fahrrad- und Wanderkarten erstellen, wobei auch viele markierte Wanderrouten in der Datenbank abgebildet sind und auf grafischen Karten hervorgehoben werden können. Es gibt auch Karten für Skigebiete, Karten des öffentlichen Verkehrs und das Portal OpenSeaMap für Schifffahrt und Wassersport.

Die aus den Geodaten erzeugten Karten sind zunächst zweidimensional, das heißt, sie enthalten keine Reliefdarstellung wie bei topografischen Karten (beispielsweise Höhenlinien). Es gibt jedoch Werkzeuge für die Umwandlung und Darstellung der aus externen Quellen zu beziehenden SRTM-Daten. Damit können Höhenlinien oder Schummerungen ergänzt werden, wie sie etwa in OpenTopoMap zu sehen sind; weitere Beispiele: die Website topographic-map.com versieht die OSM-Kartendarstellungen mit einer Färbung der Höhenschichten des Geländereliefs, wie sie aus Schulatlanten bekannt ist;topographic-map.com Abgerufen am 20. September 2025. die Webseite streets.gl bietet eine 3D-Simulation der Oberfläche an, die auf OSM-Daten basiert.Streets GL is a OpenStreetMap 3D renderer that allows to explore the whole world in great detail

Projekte wie OpenLayers oder Leaflet ermöglichen es, OSM-basierte interaktive Karten in Websites einzubinden. Das OSM-Plugin für WordPress bindet die OpenStreetMap-Daten in Blogs zur Verknüpfung von Beiträgen und Fotos mit Geodaten und Visualisierung der entsprechenden Zusammenhänge ein. Daneben existieren weitere Projekte wie die virtuelle Weltkugel Marble für Qt 4 oder der Kosmos-Renderer für Windows.

OpenStreetMap-Karten oder deren Derivate wie OpenTopoMap und Openrouteservice werden von größeren Websites eingesetzt: foursquare, craigslist oder pinterest. Yahoo nutzt OpenStreetMap-Daten für sein Flickr-Angebot für verschiedene Städte, beispielsweise Bagdad, Peking, Kabul, Sydney und Tokio. Der Kartendienst der Suchmaschine Qwant basiert vollständig auf OpenStreetMap-Daten.

Die Stadtliniennetzpläne des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr basieren auf OSM-Karten.

Routenberechnung und Navigation OpenStreetMap-Daten sind auf Navigationssystemen sowie in Navigationssoftware bzw. Routenplanern zur Wegführung nutzbar.

Routenberechnung per OpenStreetMap-Daten ist softwaremäßig ausgereift und bezüglich des Datenbestandes in den meisten Teilen der Welt auch bereits gut benutzbar. An Aktualität können OSM-Daten sogar kommerziellem Material deutlich überlegen sein, da Änderungen von jedermann vorgenommen werden können und sofort verfügbar sind. Das Straßennetz an sich ist weitgehend flächendeckend erfasst, außerhalb von Städten und großen Ortschaften sind allerdings detaillierte Informationen wie Hausnummern, Einbahnstraßen und Abbiegebeschränkungen an Straßenkreuzungen noch lückenhaft, da diese Informationen auf Luftbildern nicht erkennbar sind und nur von der Straße aus ermittelt werden können.

Webbasierte Routingdienste Open Source Routing Machine (OSRM) unter der BSD-Lizenz GraphHopper unter der Apache-Lizenz OpenRouteService der Universität Heidelberg, welches nur teilweise Open Source ist YourNavigation, wird unter der BSD-Lizenz entwickelt

Mit der Weboberfläche ist eine Routenplanung zu Fuß, per Fahrrad oder per Auto möglich, wobei zwischen zwei verschiedenen Engines ausgewählt werden kann. Mapquest steht jedem Verkehrsteilnehmer zur Verfügung.

Zur Fahrrad-Routenplanung greift Naviki auf OSM-Karten zurück. Bei der Berechnung werden fahrradfreundliche Wege bevorzugt. Es gibt auch eine europaweit einsetzbare Version für Smartphones.

Navigation per Smartphone bzw. Tablet

Beispiele für Navigation per Smartphone bzw. Tabletcomputer sind GpsMid für Java-fähige Handys sowie Traveling Salesman für Nettops. Der Dienst We-Travel ist mittlerweile eingestellt. Eine auf Qt basierende Lösung mit dem Namen MoNav benutzt ebenso wie OSRM den Contraction-Hierarchies-Algorithmus als Basis zur schnellen Routenberechnung. MoNav lässt sich für alle Systeme mit Qt-Unterstützung erstellen. Eine früher mögliche Verwendung von MoNav für verschiedene Windows Mobile-Versionen ist zwischenzeitlich obsolet.

Betriebssystem iOS Über den Apple App-Store sind für iOS und für iPadOS z. B. die Apps "OsmAnd — Karten & GPS Offline", "Organic Maps: Navi & Karten", "Magic Earth Navigation & Maps", "CoMaps" und "Scout GPS-Navigation & Maps" (ehemals Skobbler) sowie ehemals auch "Roadee" zu finden, die OSM-Kartenmaterial verwenden.

Betriebssystem Android