mini|270px|Rathaus Rückmarsdorf ist ein Stadtteil im Stadtbezirk Alt-West von Leipzig. Er gehört zum Ortsteil Burghausen-Rückmarsdorf.

Lage mini|Westrand von Rückmarsdorf, vom Bienitz aus gesehen mini|Blick vom Wachberg nach Osten

Der Ort liegt zwischen dem Ostufer des Baches Zschampert (zwischen Großmiltitz im Süden und Burghausen im Norden) am Westhang der Dehlitz-Rückmarsdorfer Endmoräne. Rückmarsdorf liegt südlich an der alten Landstraße von Merseburg nach Leipzig (heute als Bundesstraße 181 (B 181), im Ort Merseburger Straße und Sandberg) zwischen Dölzig im Nordwesten und Lindenau im Osten.

Das Territorium Rückmarsdorfs wird durch die Hügel Sandberg (127 Meter Höhe) und Wachberg (134 m Höhe) geprägt.Rückmarsdorf. Ort mit bewegter Geschichte im Leipziger Westen 2010, S. 10.

Geschichte mini|Rückmarsdorf und Umgebung, 1595. mini|Rückmarsdorf und umliegende Gegend, 1828 mini|Ansicht um 1850 mini|Rückmarsdorf auf einer Karte von 1891 mini|Ansichtskarte von Rückmarsdorf, vor 1920

Bis 1900 Erste Siedlungsspuren entlang des Zschamperts stammen von etwa 5.000 v. Chr. Um 600 n. Chr. legten slawische Siedler am südwestlichen Rand des Wachbergs ein Runddorf an.Rückmarsdorf. Eine historische und städtebauliche Studie 2001, S. 4 f.

Die erste indirekte urkundliche Erwähnung Rückmarsdorfs stammt aus dem Jahr 1091: Der damalige Bischof Werner von Merseburg übereignete als Lehnsherr dem Peterskloster „Gundtorff nebst aller Zubehörung“. Zur Zubehörung – den sogenannten Abteidörfern – zählte auch das ungenannte Rückmarsdorf.Rückmarsdorf. Eine historische und städtebauliche Studie 2001, S. 6. Am 8. November 1285 wurde Rückmarsdorf erstmals namentlich urkundlich erwähnt, als der Markgraf von Landsberg Friedrich Tuta die Gerichtsbarkeit Markranstädts, zu der auch Ricmarsdorph gehörte, an das Bistum Merseburg verkaufte.Rückmarsdorf. Eine historische und städtebauliche Studie 2001, S. 7. Bis zur Säkularisation im Rahmen der Reformation gehörte Rückmarsdorf zur Grundherrschaft des Merseburger Petersklosters. Nach der Umwandlung des Bistums in ein weltliches Stift fungierten von 1562 bis 1656 die Kurfürsten von Sachsen, von 1656 bis 1738 die Herzöge von Sachsen-Merseburg und von 1738 bis 1918 die Kurfürsten (seit 1806 Könige) von Sachsen als Landesherr. Sowohl innerhalb des Stifts Merseburg als auch im Herzogtum Sachsen-Merseburg gehörte Rückmarsdorf in das Amt Schkeuditz.Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas, Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0, S. 84 f.

Rückmarsdorf hatte im 17. Jahrhundert stark unter den Auswirkungen des Dreißigjährigen Kriegs zu leiden. 1628 (wie später auch 1682/83) wurde der Ort durch die Pest heimgesucht, 1632 und 1645 kam es im Ort zu Plünderungen durch die Truppen von Heinrich von Holk bzw. Carl Gustav Wrangel. Im Jahr 1641 wurde Rückmarsdorf durch einen Brand zu etwa 50 % zerstört, ein Drittel der Bevölkerung kam hierbei ums Leben. Einem erneuten Brand 1669 fielen sechs Gehöfte und das Pfarrhaus zum Opfer.Rückmarsdorf. Eine historische und städtebauliche Studie 2001, S. 10 f. 1721 zerstörte ein Feuer erneut das Pfarrhaus und 17 Gehöfte, alle im Pfarrhaus gelagerten chronistischen Aufzeichnungen zum Ort gingen dabei verloren.Rückmarsdorf. Eine historische und städtebauliche Studie 2001, S. 12.

Zwischen 1704 und 1925 war in Rückmarsdorf eine Wassermühle zu finden, den Betrieb sicherte der 1930 verfüllte Mühlteich sowie ein kleiner künstlich angelegter Mühlgraben, der den Zschampert mit dem Teich verband.Rückmarsdorf. Ort mit bewegter Geschichte im Leipziger Westen 2010, S. 75 f., 80. 1832 wurde auf dem Wachberg zusätzlich eine Windmühle gebaut, die etwa 100 Jahre bestand.Rückmarsdorf. Ort mit bewegter Geschichte im Leipziger Westen 2010, S. 79.

Am 2. Mai 1813 gab es ein Gefecht zwischen preußischen Truppen unter Leitung von General Friedrich von Kleist und französischen Einheiten.Rückmarsdorf. Eine historische und städtebauliche Studie 2001, S. 14. Mit dem Wiener Vertrag vom 10. Januar 1815, der den größten Teil des Amtes Schkeuditz an das Königreich Preußen angliederte, kam Rückmarsdorf mit dem kleineren, beim Königreich Sachsen verbliebenen Ostteil an das Kreisamt Leipzig. Im Jahr 1835 umfasste das amtsässige Dorf 31 ½ Magazinhufen Land, 44 Häuser und 231 Einwohner. Mit der sächsischen Landgemeindeordnung von 1838, die am 1. Mai 1839 in Kraft trat, wurde Rückmarsdorf eine Landgemeinde und erhielt das Recht zur Selbstverwaltung.Rückmarsdorf. Eine historische und städtebauliche Studie 2001, S. 15. Von 1873 bis 1952 gehörte die Landgemeinde Rückmarsdorf zur Amtshauptmannschaft Leipzig.

Ab 1900 Um 1900 entstanden an mehreren Stellen des Ortes mehrstöckige Siedlungshäuser, was zu einer Erhöhung der Einwohnerzahl führte. 1904 wurde die Dorfkirche umfangreich erneuert. Unter anderem wurde das Kirchenschiff vergrößert, der Kirchturm wurde um fünf Meter auf 25 Meter erhöht und mit neuen Glocken ausgestattet, ein neuer Altar aus Cottaer Sandstein wurde errichtet (das kunsthistorisch wertvolle Altarretabel in Flügelform aus dem frühen 16. Jahrhundert wurde schon zuvor ausgebaut und gesichert), die Orgel wurde erneuert und vergrößert, außerdem wurde der Innenraum der Kirche neu gestaltet.Rückmarsdorf. Eine historische und städtebauliche Studie 2001, S. 18. Am 1. Dezember 1910 hatte Rückmarsdorf 737 Einwohner.

1928/29 wurde auf einem auf dem Sandberg erworbenen Grundstück ein neues Rathaus mit neugotischen Staffelgiebeln errichtet, gestaltet von Arthur Carius. Im Art-déco-Stil errichteten Gebäude befanden sich ab 1919 Privatwohnungen in den oberen Geschossen. Seit der Eingemeindung Rückmarsdorfs zu Leipzig befinden sich im ehemaligen Rathaus u. a. der Ortschaftsrat sowie der Heimatverein Rückmarsdorf e. V.Rückmarsdorf. Ort mit bewegter Geschichte im Leipziger Westen 2010, S. 46–50. Zwischen 1932 und 1940 entstand zwei Kilometer östlich des alten Ortszentrums die sogenannte Bahnhofssiedlung, nach Ausbau der Bahnanlagen siedelten sich hier etwa 700 Einwohner an.Rückmarsdorf. Ort mit bewegter Geschichte im Leipziger Westen 2010, S. 31 f. Von 1933 bis 1942 wurde am unvollendet gebliebenen Elster-Saale-Kanal gebaut, der Rückmarsdorf im Nordosten tangiert. Im Jahr 1939 erhielten die Rückmarsdorfer Gebäude Hausnummern.Rückmarsdorf. Eine historische und städtebauliche Studie 2001, S. 25.

Von 1952 bis 1993 war Rückmarsdorf Teil des Landkreises Leipzig.

Am 31. Dezember 1993 war die Gemeinde Rückmarsdorf 4,21 Quadratkilometer groß. Am 1. Januar 1994 gründete Rückmarsdorf zusammen mit Burghausen und Dölzig die Gemeinde Bienitz als Teil des Landkreises Leipziger Land. Am 23. Juli 1998 beschloss der Sächsische Landtag das Stadt-Umland-Gesetz Leipzig, dass die Eingemeindung der Gemarkung Rückmarsdorf in die Stadt Leipzig zum 1. Januar 1999 vorsah. Dagegen legte die aufzulösende Gemeinde Bienitz Widerspruch ein, der am 9. Juli 1999 vom Sächsischen Verfassungsgerichtshof zurückgewiesen wurde.

Am 1. Januar 2000 wurde Rückmarsdorf zusammen mit Burghausen in die Stadt Leipzig eingemeindet. Seitdem gehört das ehemalige Gemeindegebiet zum Ortsteil Burghausen-Rückmarsdorf im Stadtbezirk Alt-West. Dölzig wurde mitsamt Kleinliebenau nach Schkeuditz im Landkreis Delitzsch, jetzt Landkreis Nordsachsen, umgegliedert. Der Dölziger Ortsteil Priesteblich wurde Markranstädt im Landkreis Leipziger Land (jetzt Landkreis Leipzig) zugeordnet.

Das Unternehmen GP Günter Papenburg gab 2018 bekannt, zwischen Ort und Bahnstrecke Kies abbauen zu wollen. 2024 änderte das Unternehmen seine Pläne und verzichtete darauf.

Bevölkerung Angaben sind nur für den gesamten Ortsteil Burghausen-Rückmarsdorf. verfügbar.

Jahr Einwohner 2000 4.411 2005 4.707 2010 4.716 2015 4.802 2020 4.767 2025 4.841

Stand: 31.12. des jeweiligen Jahres

Politik Ortschaftsrat Zusammen mit der Wahl des Leipziger Stadtrates findet in den Ortschaften die Wahl der Mitglieder des Ortschaftsrates statt.

Die Ortschaftsratswahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Ergebnis:

Partei / Wählergruppe Stimmenanteil Sitze Verantwortung für Rückmarsdorf (VfR) 85,4 % 5 SPD 8,5 % – FDP 6,0 % – Insgesamt 100 % 5

Ortsvorsteher Der Ortschaftsrat wählte 2024 sein Mitglied Roger Stolze (Verantwortung für Rückmarsdorf) zum Ortsvorsteher.

Landtags- und Bundestagswahlen Bei den Wahlen zum Sächsischen Landtag gehört Burghausen-Rückmarsdorf zum Wahlkreis Leipzig 7, bei Bundestagswahlen zum Bundestagswahlkreis Leipzig I (Wahlkreis 152).

Die Bundestagswahl 2025 führte bei einer Wahlbeteiligung von 88,2 % zu folgendem Zweitstimmenergebnis:

Partei Burghausen-Rückmarsdorf2021 Burghausen-Rückmarsdorf2025 Stadt Leipzig2025 AfD 20,7 % 33,4 % 21,9 % CDU 22,9 % 26,5 % 16,6 % SPD 21,1 % 10,8 % 10,7 % Die Linke 6,4 % 8,9 % 22,5 % BSW – 7,5 % 7,4 % Bündnis 90/Die Grünen 6,5 % 4,8 % 13,6 % FDP 14,4 % 4,4 % 3,2 % Sonstige 7,9 % 3,6 % 4,1 %

Sehenswürdigkeiten Kirche, erbaut um 1150, Umbauten und Erneuerungen 1688,Rückmarsdorf. Eine historische und städtebauliche Studie 2001, S. 11. 1715, 1840, 1904 Rathaus im Art-déco-Stil, erbaut 1928 Heimatmuseum Rückmarsdorf in einem Gebäude der historischen Wassermühlenanlage Wachberg mit 23 m hohem Wasserturm aus dem Jahr 1914, seit 2010 im Besitz des Heimatvereines Rückmarsdorf und von diesem saniert Jakob-Seifert-Park am Wachberg Gedenkstein für General Friedrich von Kleist und Vermessungssäule von 1865 auf dem WachbergRückmarsdorf. Ort mit bewegter Geschichte im Leipziger Westen 2010, S. 22.. 2018 wurde eine Straße in Rückmarsdorf in Erinnerung an den an der Vermessung beteiligten Geodäten Friedrich Robert Helmert Helmertstraße genannt. Friedhof, wurde 1896 aus Platzgründen durch eine bis heute bestehende und zwischenzeitlich ausgebaute Neuanlage am höchsten Punkt der Alten Dorfstraße erweitert. Brückendreieck, bestehend aus der B 181, der Bahnstrecke Leipzig–Großkorbetha und dem Elster-Saale-Kanal Elster-Saale-Kanal und der nördlich der B 181 gelegene Bienitz

Wirtschaft und Infrastruktur Industrie, Handel und Gewerbe mini|links|Einkaufszentrum Löwen-Park An der heutigen Bundesstraße 181 – innerhalb des Ortes mit dem Straßennamen Sandberg versehen – bestand zwischen 1830 und 1965 die Restauration Gasthof zum Sandberg an der Linde. Ursprünglich als Ausspann an der Via Regia erbaut, wurde die Gaststätte Ende des 19. Jahrhunderts um einen Saalanbau ergänzt. Bis zur Schließung des heute noch erhaltenen und denkmalgeschützten Gebäudes war das Haus ein zentraler Anlaufpunkt für kulturelle Veranstaltungen des Ortes.Rückmarsdorf. Ort mit bewegter Geschichte im Leipziger Westen 2010, S. 10 f. Am örtlichen Bahnhof bestand seit 1906 die Gastwirtschaft am Bahnhof, ein für lange Zeit vielbesuchtes Ausflugslokal, welches unter mehreren Bezeichnungen bis nach 1990 fortbestand.Rückmarsdorf. Ort mit bewegter Geschichte im Leipziger Westen 2010, S. 30.

Ab 1890 entstanden im Rahmen der Industrialisierung vor allem in den östlichen Randgebieten Rückmarsdorfs Produktionsstandorte verschiedener Unternehmen, u. a. für die Blechdosenfabrik Singewald, Chrom-Industrie Max Wommer, die Maschinenfabriken Wiegand und Franke & Co, die Farbenfabrik Ortloff & Keilbar, den Klavierbau Hörügel, die Kinderwagenfabrik Bräutigam sowie die Pressenfabrik Ambold.

Südlich der B 181 liegt heute das Einkaufszentrum Löwen-Park, nördlich der Straße das zu Burghausen gehörende Löwen-Center, Leipzigs zweitgrößtes Einkaufszentrum. Am Rande des Löwen-Parks wurde der Indoor-Abenteuerspielplatz „Euro Eddy“ errichtet. Dieser wurde 2019 wieder geschlossen.g.co. Außerdem befindet sich an der B 181 das Hotel 3 Linden.

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