Die Blechtrommel ist die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Günter Grass durch Volker Schlöndorff aus dem Jahr 1979. Er ist der erste der mittlerweile vier deutschen Filme, die als Bester fremdsprachiger Film mit einem Oscar ausgezeichnet wurden. Neben anderen Filmpreisen erhielt er auch die Goldene Palme in Cannes.
Handlung Im Herbst des Jahres 1899 hockt die Danzigerin Anna Bronski, Oskars Großmutter, am Rand eines Kartoffelackers, als plötzlich der Brandstifter Joseph Koljaiczek am Horizont erscheint. Er ist auf der Flucht vor den preußischen Feldgendarmen und bittet sie verzweifelt um Schutz, woraufhin Anna ihn unter ihrem Rock vor ihnen versteckt. Koljaiczek schwängert sie, und neun Monate später bringt die nun mit ihm verheiratete Anna eine Tochter zur Welt, die sie Agnes tauft. Koljaiczek gelingt es noch ein Jahr, sich die Behörden vom Hals zu halten. Als sie ihn doch finden, flieht er, springt in einen See und wird nie wieder gesehen. Oskar spekuliert, dass er entweder ertrunken oder nach Amerika geflohen ist und in Chicago mit Brandschutzversicherungen zum Millionär geworden ist.
Als junge Frau verliebt sich Agnes in ihren Cousin, den Polen Jan Bronski, heiratet jedoch den deutschen Koch Alfred Matzerath, ohne ihr Verhältnis mit Bronski zu beenden.
1924 kommt Oskar Matzerath zur Welt. Der intelligente, später frühreife Oskar hat schon als kleines Kind das Bedürfnis, seine Umwelt genau zu beobachten. Zu seinem dritten Geburtstag bekommt er eine Blechtrommel geschenkt, die in den rot-weißen Nationalfarben Polens lackiert ist.
Während der Feierlichkeiten zu Oskars drittem Geburtstag beschließt er, nicht mehr zu wachsen, da ihm die Alkoholgelage und das unmoralische Verhalten der Erwachsenen höchst zuwider sind, und stürzt sich mit Absicht die Kellertreppe hinunter. Fortan hört Oskar tatsächlich auf zu wachsen. Seine Trommel lässt er sich nicht mehr aus der Hand nehmen und nimmt sie überall mit hin. Zudem entwickelt er einen lauten, schrillen Schrei, mit dem er Glas zerbersten lassen kann.
Von anderen Kindern hält sich Oskar eher fern. Als einige Nachbarskinder im Hinterhof lebende Frösche in kochendes Wasser werfen und mit Urin anreichern, wird er gezwungen, ein paar Löffel des Gebräus zu schlucken. Jeden Donnerstag macht Agnes Matzerath, tatsächlich oder nur vorgeblich, Einkäufe in der Stadt und trifft sich danach zum Sex mit Bronski in einer Pension. Stets gibt sie Oskar währenddessen bei dem jüdischen Spielzeug- und Gemischtwarenhändler Sigismund Markus ab, bei dem er eine neue Trommel bekommt, wenn die alte verschlissen ist. An einem dieser Donnerstage steigt Oskar auf den Stockturm und lässt von dort aus die Fenster des Stadttheaters bersten.
Bei einem Zirkusbesuch 1936 mit seinen Eltern freundet sich der noch immer 94 Zentimeter kleine Oskar mit dem Artisten Bebra an, welcher 52 Jahre alt ist und dessen Wachstum mit zehn Jahren sein Ende fand. Bebra, der Oskars Fähigkeiten bewundert und als für einen Zirkus geeignet ansieht, lädt ihn ein, mit ihnen zu ziehen, doch Oskar möchte lieber in Danzig bleiben. Nachdem Alfred Matzerath in die NSDAP eingetreten war, versteckt sich Oskar bei einer NS-Massenveranstaltung unter dem Rednerpult. Er fängt an, einen Walzertakt zu trommeln, auf den die Musikkapelle einstimmt und die Menschen daraufhin zu tanzen beginnen. Die Veranstaltung muss jedoch wegen plötzlich aufziehendem starken Regen abgebrochen werden.
Am Karfreitag 1938 fährt die Familie nach Brösen. Am Ufer der Ostsee zieht ein Stauer einen Pferdekopf aus dem Wasser, in dem sich Aale gesammelt haben. Voller Ekel wendet sich Agnes ab und erbricht sich. Alfred hingegen kauft dem Stauer ein Bündel Aale ab und bereitet zu Hause Aal Grün zu. Noch immer traumatisiert von dem Anblick des Pferdekopfes weigert sich Agnes vehement, das Aalgericht auch nur zu kosten, was Alfred nicht hinnehmen will. Es kommt zu einem Streit, woraufhin Agnes weinend ins Schlafzimmer flüchtet.
Bronski geht zu ihr, greift der schluchzenden Agnes unter den Rock, um sie zu befriedigen und zu beruhigen. Das Geschehen wird von Oskar beobachtet, der sich im Kleiderschrank versteckt hatte. Als Bronski und Agnes wieder ins Esszimmer kommen, setzt sie sich an den Tisch und verspeist schweigend und mit trotzigem Gesichtsausdruck das bereits erkaltete Aalgericht.
Agnes offenbart ihre von ihr selbst so empfundenen Sünden im Beichtstuhl. Der von ihr in die Kirche mitgenommene Oskar klettert auf eine Marienstatue und versucht, ihr Jesuskind zum Betätigen seiner Blechtrommel zu bringen. Da es aber stumm bleibt, übernimmt Oskar das Trommeln selbst, bis er vom herbeistürmenden Geistlichen verscheucht wird. Danach beginnt Agnes, wahllos Fisch zu verschlingen, nachdem sie, offenbar von Bronski, schwanger wurde. Agnes will das Kind aber nicht. Alfred zeigt dafür kein Verständnis. Es sei doch egal, von wem das Kind ist. Später stirbt Agnes an einer Fischvergiftung. Als Markus auf ihrer Beerdigung auftaucht, wird er von nazitreuen Trauergästen verjagt.
Im November 1938 verwüsten SA-Männer das Geschäft von Markus, der sich darauf das Leben nimmt. Oskar fährt mit Bronski zu Kobyella, dem Hausmeister der polnischen Post, der seine verschlissene Trommel reparieren könnte. Als Bronski und Oskar das Gebäude betreten, wird Bronski zur Verteidigung des Postamts eingezogen. Oskar erspäht eine neue Blechtrommel, die auf dem obersten Brett eines Regales liegt, möchte sie herunterziehen. Als Kobyella ihm dabei helfen will, wird er von Granatsplittern getroffen. Durch die Detonation fällt die Trommel vom Regal und rollt direkt vor Oskars Füße. Das Gebäude wird von den deutschen Angreifern eingenommen, Bronski und weitere Verteidiger werden erschossen.
Da Oskar für die Bedienung der Kundschaft im Kolonialwarenladen seines Vaters nicht geeignet ist, stellt Alfred die Nachbarstochter Maria Truczinski ein. Bei einem ihrer Bade-Ausflüge an die Ostsee schüttet Maria Brausepulver in ihre Hand und vermischt es mit Oskars Speichel. Anschließend leckt sie die aufschäumende Mischung auf. Als Alfred eines Abends zum Feiern der deutschen Kriegserfolge und seiner Beförderung zum Zellenleiter ausgeht, darf Oskar mit in Marias Zimmer übernachten. Die beiden schlafen im selben Bett und wiederholen das Spiel mit dem Brausepulver. Oskar leckt Maria auch welches aus ihrem Bauchnabel, worauf es zum Sex zwischen den beiden kommt. Eines Tages überrascht Oskar Maria in flagranti mit seinem Vater. Als Maria schwanger wird, glaubt Oskar, dass das Kind von ihm ist. Alfred und Maria heiraten, die 1941 einen Jungen zur Welt bringt, der den Namen Kurt erhält.
Oskar lässt sich mit Lina Greff ein, deren Mann sich nach der Aufdeckung seiner Beziehungen zu Hitlerjungen das Leben nahm. Später trifft Oskar wieder auf Bebra, der inzwischen mit seiner Artistentruppe im Dienst des Reichspropagandaministeriums steht. Bebra stellt Oskar die schöne, ebenfalls kleinwüchsige Italienerin Roswitha Raguna vor. Dieses Mal schließt sich Oskar dem Zirkus an und fährt 1944 mit den anderen Kleinwüchsigen nach Frankreich, wo er schnell zum Star der Attraktion wird.
Eines Abends nach einem Auftritt hat Oskar Sex mit Roswitha. Jedoch muss das Wehrmachtsquartier, wo die Artisten mit untergebracht sind, am nächsten Morgen geräumt werden, da es von den vorrückenden Alliierten angegriffen wird. Als Roswitha sich vor der Abreise noch eine Tasse Kaffee aus der Feldküche holen will, wird sie von einer Granate getroffen und getötet.
Oskar kehrt schließlich in das in Trümmern liegende Danzig zurück, wo er von Alfred sichtlich erleichtert empfangen wird. Zu Kurts drittem Geburtstag bekommt er von Oskar, wie versprochen, eine Blechtrommel.
Im Frühjahr 1945 stoßen Soldaten der Roten Armee nach Danzig vor. Als die russischen Soldaten ihr Haus stürmen, versuchen Alfred, Maria, Oskar, Kurt und Lina noch vergeblich, sich im Keller zu verstecken, werden jedoch entdeckt. Lina wird von mehreren der Soldaten vergewaltigt. Alfred muss befürchten, durch sein Parteiabzeichen enttarnt zu werden. Oskars Versuche, seinem Vater zu helfen, sind vergebens. Alfred sieht keinen anderen Ausweg mehr, als sein Parteiabzeichen zu verschlucken. Während es ihm jedoch dabei im Halse steckenbleibt, wird er von den Russen erschossen.
Der Kolonialwarenladen der Mazeraths wird Herrn Fajngold nach der NS-Kapitulation zugesprochen, dessen Frau und sechs Kinder in Treblinka ermordet wurden. Alfred wird in einem Sarg begraben, welcher notdürftig aus Lebensmittelkisten zusammengezimmert wurde. Während der Beerdigung seines Vaters wirft Oskar seine Trommel in das offene Grab. In diesem Moment wird er von einem Stein am Hinterkopf getroffen, den Kurt geworfen hatte. Oskar stürzt in das Grab, wird aber nur ohnmächtig. Seine Trommel lässt er im Grab zurück. Im Alter von nun 21 Jahren setzt sein Wachstum wieder ein.
Nach Kriegsende 1945 zieht Maria Matzerath mit Oskar und Kurt zu ihrer Schwester ins Rheinland. Die Frau Fajngolds wollte Maria nicht werden, der ihr dies angeboten hatte, um einer möglichen Vertreibung zu entgehen. In der letzten Szene geht die Reise mit dem Zug in eine ungewisse Zukunft. Oskars Großmutter bleibt in der Heimat zurück. Neben den Bahngleisen ist wieder eine Frau, die nun alte Anna Koljaiczek, auf einem Kartoffelacker zu sehen.
Produktionsnotizen Der Film wurde vom 31. Juli bis zum 17. November 1978 in Zagreb, München, Paris, der Normandie, Danzig und West-Berlin gedreht.CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film – Lieferung 2. Volker Schlöndorff.
Hintergrund Vergleich mit der Romanvorlage Schlöndorff nahm nur das erste und zweite von drei Büchern des Romans in den Film auf. Dadurch ersparte sich Schlöndorff jedoch viele Rückblenden und Sprünge in der Handlungsebene, wodurch der Erzählfluss im Film gelitten und der Film-Oskar dadurch im Vergleich zum Oskar aus dem Buch auch einiges an Charaktervielfalt verloren habe. Schlöndorff entschied sich für oft ans Groteske reichende Szenen. Bildhafte Szenen, für die der Roman bekannt ist, werden im Film entsprechend dargestellt: wie mit einem Pferdekopf Aale gefangen werden, bei deren Anblick Agnes erbrechen muss, wie Oskar mit einer Christusfigur in der Kirche spricht oder wie Alfred Matzerath das NSDAP-Parteiabzeichen verschluckt und indirekt daran stirbt. David Bennent lehnte es ab, an einem zweiten Teil des Films mitzuwirken.
Kontroverse 1997 war der Film Gegenstand eines Gerichtsprozesses in Oklahoma in den Vereinigten Staaten. Ein Richter, dessen Tochter die Videokassette aus der Schule mitbrachte, sah sich den Film an und machte ihm den Vorwurf der „Kinderpornographie“. Der klagende Richter nahm Anstoß an der Szene, in der sich Katharina Thalbach und David Bennent in einer Umkleidekabine am Strand zum Schwimmen umziehen. Angeblich habe an dieser Stelle ein „11-Jähriger Oralsex mit einer erwachsenen Schauspielerin“. In der letzten Instanz wurde das Verbot des Films mit der Begründung aufgehoben, die Gesetze würden zwar Material verbieten, in dem sich Minderjährige sexuell betätigen, davon aber jene Materialien ausnehmen, die zum einen „nicht vorwiegend auf Erregung sexueller Gelüste ausgerichtet“ und zum anderen „echte Kunstwerke“ seien. Im kanadischen Ontario wurde der Film mit der Begründung der „Darstellung minderjähriger Sexualität“ dagegen verboten.
Kritik
Rezeption/Aufführungsverbot in China 2013 2013 konnte Die Blechtrommel auf dem ersten Festival des deutschen Films in Peking ohne Angabe von Gründen nicht in den öffentlichen Kinos gezeigt werden, lief aber in einer deutschen Schule. Seit Anfang der 1980er Jahre ist der Film in China verboten.Tagesanzeiger Kultur vom 12. Oktober 2013: Peking verbietet «Die Blechtrommel» (kle/sda), abgerufen am 19. Oktober 2013
Auszeichnungen 1979 Goldene Palme der Filmfestspiele von Cannes 1979 für den besten Film Deutscher Filmpreis: Bester Spielfilm (Goldene Schale) Jupiter (Kategorie: Bester Film) 1980 Oscar in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film