Die Region Aostatal (; ; ; walserdeutsch Augschtalann oder Ougstalland; deutsch veraltet Augsttal) ist eine autonome Region mit Sonderstatut in Italien. Die Region, amtlich Regione Autonoma Valle d’Aosta – Région Autonome Vallée d’Aoste, hat eine Fläche von 3262 km² und Einwohner (Stand ). Sie ist somit die kleinste Region Italiens, sowohl flächen- als auch bevölkerungsmäßig. Die Hauptstadt ist Aosta (.

Geographie mini|Landschaft beim Goversee, Gressoney-Saint-Jean Die Region Aostatal grenzt nördlich an die Schweiz (Kanton Wallis), westlich an Frankreich (Départemente Haute-Savoie und Savoie), südlich und östlich an die Region Piemont (Metropolitanstadt Turin, Provinzen Biella und Vercelli).

Die Region besteht aus dem Tal der Dora Baltea (, eines Nebenflusses des Po, und mehreren Nebentälern in den Alpen. Der bedeutendste Zufluss der Dora Baltea ist der Buthier. Große Seitentäler sind im Norden das Ferret-Tal, das Valpelline-Tal, das Valtournenche, das Ayas-Tal und das Lystal (auch Gressoney-Tal), und im Süden das Val Vény, das Tal von La Thuile, das Valgrisenche-Tal, das Rhêmes-Tal, das Valsavarenche-Tal und das Cogne-Tal.

An der Westgrenze des Tales liegt der Mont Blanc, der höchste Gipfel der Alpen, an der Nordgrenze der Monte Rosa (französisch Mont Rose). Das Gebiet umfasst den nördlichen Teil des Nationalparks Gran Paradiso, einen Regionalpark (italienisch Parco Naturale del Mont-Avic, und mehrere kleinere Naturschutzgebiete sowie Skigebiete.

Unionen Aostataler Gemeinden mini|Walsergemeinschaft Oberlystal, bei Issime mini|Karte des Aostatals

Das Aostatal ist nicht in Provinzen unterteilt. Alle provinzialen Kompetenzen sind an die Region übergegangen. Allerdings sind die 74 Gemeinden – mit der Ausnahme Aostas – in acht Unionen Aostataler Gemeinden ( organisiert, welche die früheren Berggemeinschaften (, abgelöst haben.Il Consiglio permanente degli enti locali / Conseil permanent des collectivités locales = Rat der Gebietskörperschaften Aostatals: https://www.celva.it/datapagec.asp?id=818&l=1

Union Aostataler GemeindenHauptortEinwohnerZum 31. Dezember 2013, siehe auch Beschluss des Regionalausschusses vom 28. November 2014, Nr. 1741: https://www.celva.it/download.asp?file=/elementi/www2012/2014/cpel/iterdeipareri/fase4/dgr_2014_1741.pdfAnzahl GemeindenUnité des Communes valdôtaines ÉvançonVerrès11.6519Unité des Communes valdôtaines Grand-ParadisVilleneuve15.819 13Unité des Communes valdôtaines Grand-CombinGignod5.77411Unité des Communes valdôtaines Mont-ÉmiliusQuart22.64810Unité des Communes valdôtaines Mont-CervinChâtillon16.98212Unité des Communes valdôtaines Mont-RosePont-Saint-Martin9.8589Unité des Communes valdôtaines Valdigne-Mont-BlancLa Salle8.9395Union der Aostataler WalsergemeindenIssime2.019493.69073

Gemeinden Die Gemeindenamen wurden während der Zeit des Faschismus italianisiert, nach dem Zweiten Weltkrieg aber in ihrer französischen Fassung wiederhergestellt. Die italienischen Übersetzungen sind, anders als in Südtirol, abgeschafft worden. Nur die Hauptstadt trägt neben einem französischen zusätzlich einen italienischen Ortsnamen.

Nachstehend sind die größten Gemeinden (> 2000 Einwohner) aufgelistet (Stand 31. Dezember 2007): GemeindeEinwohnerAosta/Aoste34.672Saint-Vincent4.846Châtillon4.831Sarre4.622Pont-Saint-Martin3.945Quart3.456Saint-Christophe3.209Gressan3.135Courmayeur2.969Saint-Pierre2.835Nus2.755Donnas2.683Verrès2.658Charvensod2.368Valtournenche2.211La Salle2.018

Geschichte mini|200px|Augustusbogen in Aosta mini|300px|Burg von Fénis Ursprünglich von den keltischen Salassern bewohnt, wurde die Region ab dem 2. Jahrhundert vor Christus teilweise und im Jahr 25 vor Christus endgültig von den Römern erobert, die das Volk der Salasser durch Deportation und Versklavung auslöschten.

Die Römer gründeten die Kolonie Augusta Praetoria, das heutige Aosta, am Fuße der Passwege über den Kleinen und den Grossen St. Bernhard.

Burgunder, Ostgoten, Langobarden und Franken ergriffen sukzessive von dem Gebiet Besitz. Seit dem 11. Jahrhundert und bis 1946 gehörte das Aostatal zum Herrschaftsgebiet des Hauses Savoyen. Nur für kurze Zeit fiel es unter französische Herrschaft (1691; 1704–1706, während des Spanischen Erbfolgekrieges; 1796–1814 Anschluss durch Napoleon). Als Teil der Region Savoyen war es aber französisch- und frankoprovenzalischsprachig.

Im Jahr 1861 wurde das Aostatal Teil des Italienischen Königreiches und der Provinz Turin zugeschlagen. Das restliche Savoyen trat Italien an Frankreich ab.

Seit dem zweitgeborenen Sohn des ersten italienischen Königs Viktor Emanuel II., Amedeo, 1870–1873 König von Spanien, der Titel eines Duca di Aosta (Herzog von Aosta) verliehen wurde, führte diese Linie des Königshauses (bis 1946) den Titel fort.

Während des Faschismus wurde die Italianisierung massiv vorangetrieben. Französisch wurde verboten und eine massive Immigration von Italienern gefördert. 1927 wurde das Aostatal von Turin getrennt und zur Provinz erklärt.

Nach der Besetzung Italiens durch die Deutschen im September 1943 (Fall Achse), entwickelte sich das Aostatal zu einem der wichtigsten Zentren des italienischen Widerstandes (Resistenza) gegen die deutschen Besatzer und die mit diesen verbündete Italienische Sozialrepublik. Am 25. Februar 1973 verlieh der italienische Präsident Giovanni Leone hierfür der „Provincia di Aosta per la Valle d'Aosta“ die Goldene Tapferkeitsmedaille.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die kleine Region mit einem Sonderstatut versehen, um den annexionistischen Bestrebungen Frankreichs entgegenzusteuern und dem Wunsch der Valdostaner nach Autonomie zu entsprechen. Erster Präsident wurde der Historiker Federico Chabod.

Bevölkerung und Sprachen mini|hochkant|Zweisprachiger Ausweis

Das Aostatal ist offiziell eine mehrsprachige Region.

Amtssprachen sind Italienisch und Französisch, die offiziell gleichgestellt sind. Auch in der italienischen Verfassung ist die doppelsprachige Version Valle d’Aosta/Vallée d’Aoste verankert. Die öffentlichen Ämter richten sich nach der Zweisprachigkeit. In der Schule haben Italienisch und Französisch denselben Stellenwert. So müssen Abiturienten aus dem Aostatal sowohl eine Italienisch- als auch eine Französischprüfung ablegen.

Aus einer Umfrage der Stiftung Émile ChanouxÉmile Chanoux (* 9. Januar 1906, Rovenaud bei Valsavarenche; † 18. Mai 1944, Aosta), Notar und antifaschistischer Politiker, Mitglied der Resistenza, verstarb in nazifaschistischer Kerkerhaft. ergab sich jedoch, dass Italienisch für die weitaus meisten Valdostaner Muttersprache ist und nur noch ein Teil der Bevölkerung die traditionelle Volkssprache, einen frankoprovenzalischen Dialekt (Patois), als erste Sprache betrachtet.Fondation Emile Chanoux, Sondage Linguistique, Résultats Vallée d'Aoste: Die Zahlen basieren auf der Auswertung von 7500 Fragebögen. Die Erhebung fand im September 2001 statt. Frankoprovenzalisch hat in den ländlichen Seitentälern aber nach wie vor eine starke Position und wird dort, anders als in Frankreich und in der Schweiz, noch von Vertretern aller Generationen gesprochen. Standardfranzösisch hingegen hat seine Domänen in den Bereichen Politik, Verwaltung und Kultur.

Muttersprache BevölkerungsanteilItalienisch 71,5 %Frankoprovenzalisch 16,2 %Französisch 0,99 %andere Sprachen unditalienische Dialekte 11,31 %

Aufgrund der Schulbildung haben beinahe 80 % der Einwohner des Aostatals Kenntnisse im Französischen, Frankoprovenzalisch beherrschen annähernd 70 % der Bürger.

Sprachkenntnisse BevölkerungsanteilItalienisch 96,02 %Französisch 78,35 %Frankoprovenzalisch 68,46 %

mini|hochkant|Kindergarten und Volksschule, Gressoney-Saint-Jean In den Ortschaften Gressoney-la-Trinité, Gressoney-Saint-Jean und Issime wird von den älteren Leuten eine deutsche (höchstalemannische) Mundart gesprochen. Das regionale Statut sieht in dem 1993 eingeführten Artikel 40bis den Schutz der kulturellen und sprachlichen Minderheit vor und gewährleistet den Walserdeutsch-Unterricht an den Schulen entsprechend den «lokalen Erfordernissen». Das Walserdeutsche wird in Italien überdies in der Provinz Verbano-Cusio-Ossola und in der Provinz Vercelli gesprochen, ist jedoch überall vom Aussterben bedroht, da es von den Jungen nicht mehr gesprochen wird.Siehe etwa Angela Bacher: Contributo agli studi sul dialetto walser della Val Formazza. Diss. Katholische Universität Mailand 1975; Silvia Dal Negro: The Decay of a Language. The Case of a German Dialect in the Italian Alps. Peter Lang, Bern 2004; Maria Concetta Di Paolo: Le isole linguistiche alemanne in Italia: Situazione attuale. Magisterarbeit Universität Pescara 1993–1994; Elisabetta Fazzini Giovannucci: Die alemannischen Dialekte im westlichen Norditalien. Ein Forschungsbericht. Franz Steiner Verlag, Wiesbaden 1978 (ZDL Beihefte 28); Max Waibel: Die volkstümliche Überlieferung in der Walserkolonie Macugnaga (Provinz Novara). SGV, Basel 1985 (SSGV 70); Peter Zürrer: Wörterbuch der Mundart von Gressoney. Mit einer Einführung in die Sprachsituation und einem grammatischen Abriss. Frauenfeld 1982 (Beiträge zur schweizerdeutschen Mundartforschung 24).

Autonomie und Politik mini|Melodie und Text der Aostatal-Hymne Aufgrund des Sonderstatuts von 1948 ist das Aostatal eine autonome Region. Der Regionalrat übt die autonomen Gesetzgebungsbefugnisse aus. Er besteht aus 35 Regionalräten. Darüber hinaus gibt es einen Regionalausschuss, dem der Präsident der Region vorsteht. mini|200px|Sitz der Regionalregierung in Aosta In Sachen Finanzen stehen dem Aostatal 90 % der eingetriebenen Steuern zu. Das heißt, die Region hat pro Jahr und Einwohner etwa 12.000 Euro zur Verfügung., La Repubblica, 12. März 2007

Im italienischen Parlament ist das Aostatal durch einen Senator und einen Abgeordneten vertreten, die gemäß dem Mehrheitswahlrecht gewählt werden. Während alle anderen Regionen bei der Versammlung zur Wahl des Staatspräsidenten drei Vertreter entsenden, ist das Aostatal wegen seiner geringen Größe aber nur durch einen Deputierten vertreten.

Die politische Bühne wurde lange Zeit von den autonomistischen Bewegungen Union Valdôtaine und Stella Alpina sowie deren diversen Abspaltungen dominiert. Seit der Regionalwahl 2020 war jedoch die rechtspopulistische Lega stärkste Kraft im Regionalrat, seit 2022 stellte sie auch die Vertreterin des Aostatals im italienischen Senat. Mit der Regionalwahl im September 2025 wurde die Union Valdôtaine erneut stärkste Kraft und stellt seither auch den amtierenden Präsidenten, Renzo Testolin.

Durch das Regionalgesetz 6/2006 vom 16. März 2006 wurde das Lied Montagnes Valdôtaines zur Hymne des Aostatals erkoren. Die Melodie stammt von Alfred Roland und hatte ursprünglich den Titel Tyrolienne des Pyrénées.

EV ist in einem „Wahlbündnis“ mit anderen Parteien und verfügt nur über einen Sitz. Da EV die bekannteste Partei in dem Bündnis ist, wurde dort gleich „2“ geschrieben, da das Bündnis 2 Sitze hat. Sonstige = Valdotain Rallye (5), PIA (2)

Die Mehrheit besteht aus UV, PD, PIA und SA, die zusammen auf 19 von 35 Sitzen – und somit auf eine knappe Mehrheit kommen.

Wirtschaft Die Landwirtschaft spielt in der Region Aostatal noch immer eine wichtige Rolle. Aus den Bergtälern der Region stammt der Fontina, ein Käse mit geschützter Herkunftsbezeichnung. Das gleichnamige Aostatal (Tal der Dora Baltea) ist auch ein bekanntes Weinbaugebiet (siehe Valle d’Aosta (Wein)): Für seine Weine existiert seit 1985 die DOC „Valle d’Aosta“ oder „Vallée d’Aoste“. Die Weine dürfen unter Verwendung dieser DOC in den Verkehr gebracht werden, sofern sie die Anforderungen erfüllen.

Der bedeutendste Wirtschaftszweig ist der Tourismus. Bekannt sind die Wintersportorte Courmayeur und Breuil-Cervinia, das eine Skischaukel mit dem schweizerischen Zermatt verbindet.