Kastelbell-Tschars ([]; italienisch Castelbello-Ciardes) ist eine Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Vinschgau in Südtirol (Italien). Sie umfasst mehrere Siedlungen beiderseits der Etsch. Bekannt ist sie für ihre mittelalterlichen Burgen Schloss Juval und Schloss Kastelbell.
Geographie Kastelbell-Tschars befindet sich im Vinschgau. Die Siedlungen der Gemeinde sind beiderseits der Etsch verteilt, teils im Talboden des Etschtals, teils in Hanglage. Kastelbell (), Galsaun () und Tschars () liegen auf der orographisch linken, nördlichen Talseite. Darüber bieten die Hänge des Sonnenbergs der Streusiedlung Trumsberg (1350–) Platz. Auf der gegenüberliegenden Seite der Etsch befinden sich Marein () und Latschinig () sowie – an den dahinter ansteigenden Hängen des Nördersbergs – die Gehöfte von Freiberg (850–) und Tomberg (650–).
Nordseitig erheben sich Gipfel der Ötztaler Alpen, die hier zum Saldurkamm gerechnet werden (darunter die Trumsspitze, ). Der Kamm fällt gegen Osten ins Schnalstal ab, dessen Eingangsbereich unter Juval bis zum Schnalser Bach teilweise zum Gemeindegebiet von Kastelbell-Tschars gehört. Südseitig wird das Etschtal von Gipfeln des Zufrittkamms der Ortler-Alpen überragt (etwa dem Hohen Dieb, ).
Geschichte Das Gebiet war in der vorchristlichen Zeit spärlich besiedelt, etwa in Montalban oder Zirmtal, sowie auf den Anhöhen von Burg Hochgalsaun und Schloss Juval.
Kastelbell wurde erstmals 1286 als Castelbel erwähnt und kann von kommen. Gemeint ist das Schloss Kastelbell. Tschars ist 1183 in einem Privileg Herzog Welfs VI. zugunsten des Prämonstratenserstifts Steingaden als Ardis erstgenanntFranz Huter (Bearb.): Tiroler Urkundenbuch. Abt. I: Die Urkunden zur Geschichte des deutschen Etschlandes und des Vintschgaus. Band 1. Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Innsbruck 1937, S. 209, Nr. 408. und scheint aus einer älteren Sprache zu kommen.
Die Gemeinde in ihrer heutigen Ausdehnung geht auf das Jahr 1929 zurück, als die bis dato eigenständigen Gemeinden Kastelbell, Tschars, Galsaun, Latschinig und Tomberg fusioniert wurden.
Politik Bürgermeister seit 1952: Ernst Pircher: 1952–1960 Hubert Pohl: 1960–1964 Johann Ausserer: 1964–1993 Josef Alber: 1993–2010 Gustav Tappeiner: seit 2010
Bevölkerung Kastelbell-Tschars ist gemäß den erhobenen Sprachgruppenzugehörigkeitserklärungen bzw. Sprachgruppenzuordnungserklärungen eine weitgehend deutschsprachige Gemeinde. Als Berechnungsgrundlage der folgenden Prozentwerte wurden die gültigen Erklärungen von Personen mit italienischer Staatsbürgerschaft herangezogen. Verteilung nach Sprachgruppenzugehörigkeits- bzw. Sprachgruppenzuordnungserklärungen Sprache 1981 1991 2001 2011 2024 Deutsch 97,26 % 98,68 % 98,86 % 98,72 % 98,18 % Italienisch 2,74 % 1,24 % 1,05 % 1,28 % 1,77 % Ladinisch 0,00 % 0,09 % 0,09 % 0,00 % 0,05 %
Bildung In Kastelbell-Tschars gibt es Bildungseinrichtungen für die deutsche Sprachgruppe. Zu diesen gehören zwei Kindergärten und zwei Grundschulen in Kastelbell und in Tschars.
Verkehr Für den Kraftverkehr ist die Gemeinde in erster Linie durch die SS 38 erschlossen. Diese wurde im Gemeindegebiet mit einem im Jahr 2026 eröffneten Umfahrungstunnel für Kastelbell und Galsaun in wesentlichen Teilen neu trassiert. Mit den Haltepunkten der Vinschgaubahn Kastelbell (liegt in Marein) und Tschars ist die Gemeinde an das öffentliche Eisenbahnnetz angeschlossen. Das Gemeindegebiet wird zudem von der Radroute 2 „Vinschgau–Bozen“ durchquert.
Sehenswürdigkeiten mini|links|Schloss Kastelbell (von Marein aus gesehen)
Der Waalweg wird in zahlreichen Wanderführern beschrieben. Dieser ist ein beliebter Spazierweg für Einheimische und Touristen. Schloss Kastelbell Schloss Juval, die Sommerresidenz von Reinhold Messner. Ruine Hochgalsaun, welche den Montalbanern gehörte.Oswald Trapp: Tiroler Burgenbuch. I. Band: Vinschgau. Verlagsanstalt Athesia, Bozen 1972, S. 192–196.
Literatur Richard Staffler: Die Hofnamen im Landgericht Kastelbell (Vinschgau) (Schlern-Schriften 8). Innsbruck, Wagner 1924 (online).
Weblinks
Offizielle Website der Gemeinde Kastelbell-Tschars
Einzelnachweise
Kategorie:Gemeinde in Südtirol