Pfalzen (italienisch Falzes) ist eine Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Pustertal. Das gleichnamige Dorf liegt etwa drei Kilometer nordwestlich von Bruneck im Nordosten Südtirols in Italien.

Geografie mini|Blick auf Pfalzen von der LS40 in Pichlern aus mini|Pfalzen im westlichen Pustertal Pfalzen befindet sich im Südtiroler Pustertal, gleich westlich der Brunecker Weitung, in der sich die nahe Stadt Bruneck ausdehnt und wo das Tauferer Tal von Norden einmündet. Das Gemeindegebiet mit einer Fläche von 33,24 km² nimmt eine Mittelgebirgsterrasse auf der Sonnenseite des in Ost-West-Richtung verlaufenden Pustertals ein sowie die sich nördlich dahinter erhebenden Berge.

Das bedeutendste dörfliche Zentrum der Gemeinde ist der Hauptort Pfalzen (1000–), daneben bestehen die Fraktionen Greinwalden (940–) etwas östlich und Issing (970–) etwas westlich, sowie mehrere weitere verstreute Weiler. Die Geländestufe, die im Süden zum Pusterer Talboden abfällt, bildet die Gemeindegrenze zu St. Lorenzen und Kiens, zu dem auch die westlich auf der Siedlungsterrasse anschließende Fraktion Hofern gehört.

Nördlich über den Siedlungsgebieten steigt das Gelände zu den südöstlichsten Ausläufern der Pfunderer Berge bzw. Zillertaler Alpen an, die hier Pfalzen von Mühlwald im Mühlwalder Tal trennen. Zu den bedeutendsten Gipfeln auf dem Gemeindegebiet zählen der Sambock () und die Bärentaler Spitze ().

Geschichte

Vorgeschichte Die klimatisch günstige Sonnenlage und einige archäologische Funde stellen außer Zweifel, dass die Geländestufe bereits in der Vorzeit leicht besiedelt war. Prähistorische Baustrukturen finden sich u. a. auf Grossegg, Teifenthal und auf dem Mühlner Baumannbühel.

Mittelalter Für das Gemeindegebiet ist eine ganz bedeutende und frühe bajuwarische Besiedlung im Frühmittelalter anzunehmen, da fast alle Ortsnamen deutschstämmig sind.

Die frühesten beurkundeten Grundherren sind die Herren von Pfalzen, die – wie für Pusterer Grundherren üblich – Ministerialdienst für den Bischof von Brixen leisteten. Diese Linie findet sich heute noch im sehr alten Südtiroler Adelsgeschlecht Mörl von Pfalzen und Sichelburg, aus dem z. B. die Mystikerin Maria von Mörl oder Anton von Mörl zu Pfalzen und Sichelburg stammten.

Es muss angenommen werden, dass im 11. Jh. der Siedlungsausbau in Pfalzen bereits abgeschlossen war. Dies geht aus den ersten Urkunden vom Jahr 1100 hervor, worin das Bauerngut als festes Hofgebilde mit allen Zugehörigkeiten festgehalten wird. Somit war Pfalzen zu beträchtlichen Abgabeleistungen fähig.

Neuzeit Die Gemeinde Pfalzen erhielt ihren heutigen Umfang im Jahr 1928 durch die Eingemeindungen von Issing und Greinwalden.

Ortsname Ersturkundlich wird der Name Pfalzen als „in loco Phalanza“ in einer Traditionsnotiz des Bischofskirche von Säben-Brixen aus den Jahren 1050–1065 (Sedenzzeit Bischof Altwins) genannt, als ein gewisser Egizi dem Brixner Domkapitel einen in Pfalzen gelegenen Hof mit Acker- und Wiesenland übertrug. Etymologisch liegt möglicherweise althochdeutsch pfalanza ‚(Königs)pfalz‘ zugrunde. Für diese Deutung sprechen die frühen Namensformen, die anderen altbairischen Namen Issing und Greinwalden als auch die distinktive Lage der Gemeinde.

Politik Bürgermeister seit 1952:

Johann Baumgartner: 1952–1956 Johann Hainz: 1956–1969 Luis Durnwalder: 1969–1973 Johann Hainz: 1973–1974 Hartmann Willeit: 1974–1990 Manfred Hainz: 1990–2005 Josef Gatterer: 2005–2020 Roland Tinkhauser: seit 2020

Demographie Einwohnerentwicklung Die Bevölkerung von Pfalzen hat sich seit den 1950er Jahren mehr als verdoppelt – auch durch seine günstig gelegene Nähe zur Stadt Bruneck. EinwohnerentwicklungJahr Bevölkerung 1921 1022 1931 985 1951 1120 1961 1221 1971 1455 1981 1756 1991 2049 2001 2255 2011 2690

Sprachgruppen Pfalzen ist gemäß den erhobenen Sprachgruppenzugehörigkeitserklärungen bzw. Sprachgruppenzuordnungserklärungen eine weitgehend deutschsprachige Gemeinde. Als Berechnungsgrundlage der folgenden Prozentwerte wurden die gültigen Erklärungen von Personen mit italienischer Staatsbürgerschaft herangezogen. Verteilung nach Sprachgruppenzugehörigkeits- bzw. Sprachgruppenzuordnungserklärungen Sprache 1981 1991 2001 2011 2024 Deutsch 98,74 % 97,82 % 97,31 % 96,25 % 94,15 % Italienisch 0,57 % 1,19 % 1,78 % 2,36 % 4,58 % Ladinisch 0,69 % 0,99 % 0,91 % 1,39 % 1,26 %

Bildung In Pfalzen befindet sich eine Grundschule, die dem deutschen Schulsprengel der Nachbargemeinde Bruneck II angeschlossen ist.

Sehenswürdigkeiten Am 8. Juli 2017 wurde das Puppenmuseum in der Anselm-Sparber-Str. 1 eröffnet. Es ist die größte Ausstellung dieser Art in ganz Südtirol.

Persönlichkeiten Michael Pacher (um 1435–1498), spätgotischer Maler und Bildhauer. Oswald von Wolkenstein (um 1377–1445), Sänger, Dichter und Komponist, sowie ein Politiker von mehr als nur regionaler Bedeutung, geboren vermutlich auf Burg Schöneck. Siegfried Mazagg (1902–1932), Architekt, Zeichner und Karikaturist. Luis Durnwalder (* 1941), ehemaliger Landeshauptmann von Südtirol. Karl Reichegger, mehrfacher nationaler und internationaler Meister im Drachenfliegen (-Delta). Roland Tinkhauser (* 1974), ehemaliger Landtagsabgeordneter und Vizeparteiobmann der Südtiroler Freiheitlichen, jetzt Bürgermeister der Gemeinde Pfalzen. Meinhard Durnwalder (* 1976), Senator der Republik.

Literatur Josef Niedermair, Josef Harrasser (Hrsg.): Pfalzen in Wort und Bild. Gemeinde Pfalzen, Pfalzen 1987, . Christina Antenhofer: Flurnamenbuch der Gemeinde Pfalzen: Eine historische Landschaft im Spiegel ihrer Namen (= Schlern-Schriften. Band 316) Wagner, Innsbruck 2001, ISBN 3-7030-0359-6. Stefan Lechner (Hrsg.): Pfalzen: Landschaft – Kultur – Geschichte. Weger, Brixen 2010, ISBN 978-88-88910-91-8 (online).

Weblinks

Offizielle Website der Gemeinde Pfalzen

Einzelnachweise

Kategorie:Ort in Südtirol Kategorie:Gemeinde in Südtirol

Kategorie:Zillertaler Alpen Kategorie:Ersterwähnung 1050