mini|Begrüßungsschild (Kirche und alte Kirchschule im Jahre 1845)

Reinholdshain, eine ehemalige Landgemeinde, ist heute ein Ortsteil der Großen Kreisstadt Glauchau im sächsischen Landkreis Zwickau. Die Gemeinde Reinholdshain mit ihren Ortsteilen Kleinbernsdorf und Ebersbach wurde am 3. Oktober 1992 eingemeindet. Die drei Orte bilden heute den Glauchauer Ortsteil Reinholdshain. Als Gemeindeteile der Stadt Glauchau tragen sie die Gemeindeschlüssel 110 (Reinholdshain), 020 (Ebersbach) und 080 (Kleinbernsdorf).Gliederung der Großen Kreisstadt Glauchau Der Ortsteil hat den Status einer Ortschaft nach der Sächsischen Gemeindeordnung und damit gemäß seiner Ortschaftsverfassung einen Ortschaftsrat und Ortsvorsteher.

Geografie Geografische Lage und Verkehr mini|Abzweig der stillgelegten Muldentalbahn (nach links) bei Audörfel von der Bahnstrecke Glauchau-Chemnitz. Im Hintergrund Reinholdshain mit alter Deponie. (2011) mini|Reinholdshain, Viadukt der stillgelegten Muldentalbahn

Reinholdshain liegt 3 km östlich von Glauchau und 8 km südwestlich von Waldenburg. Begrenzt wird es außerdem von der Zwickauer Mulde und von der A 4. Durch den Ort verläuft die stillgelegte Bahnstrecke Glauchau–Wurzen (Muldentalbahn). Die Ortschaft Reinholdshain umfasst mit ihren Ortsteilen Kleinbernsdorf und Ebersbach 569 Hektar. Reinholdshain liegt am Lutherweg Sachsen.

Nachbarorte

Bäche, Teiche und Quellen Beim Ebersbach-Reinholdshainer-Wald entspringt ein kleiner namenloser Bach. Er durchfließt den oberen und mittleren Teil von Reinholdshain, beispielsweise in Nähe der nördlichen Ringstraße. Das Grundstück der ehemaligen Schule und heutigen Ortschaftsverwaltung unterquert er in einem Tunnel. Hier fließt er schließlich in der Muldenaue unterhalb der Kirche am Fußballplatz vorbei und mündet nahe dem Jugendclub hier in die Zwickauer Mulde. Umgangssprachlich wird er als „Reinholdshainer Bach“ bezeichnet. Meist ist es nur ein Rinnsal.

Mehrere Teiche existieren auf Reinholdshainer Flur, fast alle auf privatem Grund. Der wohl größte private Teich befindet sich im mittleren Ortsgebiet fast direkt an der Ringstraße gegenüber dem ehemaligen Molkereigelände (heutiger Entsorgungsbetrieb). Beim Gebäude der Freiwilligen Feuerwehr liegt auf öffentlichem Grund der mittelgroße Feuerlöschteich. Mehrere private Teiche liegen im Oberdorf (Richtung Ebersbacher Wald).

Oberhalb von Kirche und Friedhof existierte bis in die DDR-Zeit ein Teich nahe der heutigen Wolkenburger Straße 5. Er wurde verfüllt und hier eine Reihengaragen-Anlage errichtet. An dem von Kleinbernsdorf nach Reinholdshain führenden Feldweg „Wiesensteig“ (heutiger Fernwanderweg Lutherweg), in der Muldenaue, existierte früher die Quelle „Klingelbrunnen“Reinhard Nestler: Chronik von Remse an der Mulde, 1928, gedr. von E. Kästner (Waldenburg), Klingelbrunnen in Reinholdshain S. 66/67 (etwa zwischen dem Bahndamm und dem „Heizwerk Reinholdshain“). Sie ist heute versiegt.

Geschichte Reinholdshain wurde wahrscheinlich um das Jahr 1100 gegründet. Zusätzlich tauchen in der Ortschronik z. B. Raynholdshain und Relsen als Ortsbezeichnungen auf. Als der chronistisch tätige „Pirnische Mönch“ Johannes Lindner 1530 über die Stadt Glauchau berichtet, werden mehrere Nachbarorte aufgezählt, so auch „Reymelsheyn“.Martina Palm: "Aspekte zur Gründung der Stadt Glauchau und ihrer Entwicklung bis 1493", in: Schriftenreihe Heft 4, Museum und Kunstsammlung Schloss Hinterglauchau, Glauchau 1982, DDR, S. 47

Die Siedlungsform entspricht einem Waldhufendorf, bebaut zu beiden Seiten des Dorfbaches, der im Oberdorf entspringt und zur Zwickauer Mulde fließt. Im Mittelalter ist am „Wiesensteig“ von Kleinbernsdorf nach Reinholdshain, auf Reinholdshainer Flur (zwischen dem neuzeitlichen Bahndamm der Muldentalbahn und dem DDR-„Heizwerk Reinholdshain“ im Audörfel), die Quelle „Klingelbrunnen“ aktiv gewesen, die später versiegte. Die Nonnen des Benediktinerinnenklosters Remse sollen hier der Überlieferung nach jedes Jahr am frühen Morgen des Ostersonntages das „Osterwasser“ geholt haben.Reinhard Nestler: Chronik von Remse an der Mulde, 1928, Remse, gedr. von E. Kästner (Waldenburg), (Reinholdshainer Klingelbrunnen S. 66/67); als PDF abrufbar unter

Bereits 1542 wurde der 1460 als „Pernsdorff“ erwähnte Nachbarort Kleinbernsdorf zu Reinholdshain gepfarrt, zu dem er auch politisch immer gehörte. Im 16. Jahrhundert ist ein offenbar adliger „Jorg Eberhard zu Reinholdshain“ überliefert, dem 5 Personen in Niedermülsen steuerlich zugehörig sind. Er war wohl ein Burgmann der Schönburger in Glauchau. Außerdem soll im 16. Jahrhundert die Adelsfamilie (von) Geißler in Gesau, Niederlungwitz, Reinholdshain und Wernsdorf Besitz gehabt haben. Auch sie waren wohl Burgmannen der Schönburger in Glauchau.Walter Schlesinger, nachbearbeitet von Thomas Lang: Das Schönburgische Amt Glauchau im 16. Jahrhundert. In: Beiträge zur Geschichte der Stadt Glauchau. Hrsg. von Enno Bünz. Thelem Verlag, Dresden 2010, S. 89. Das Glauchauer Erbbuch von 1616 belegt für Güter in Reinholdshain die sogenannte Drittfrohne.Walter Schlesinger, nachbearbeitet von Thomas Lang: Das Schönburgische Amt Glauchau im 16. Jahrhundert. In: Beiträge zur Geschichte der Stadt Glauchau. Hrsg. von Enno Bünz. Thelem Verlag, Dresden 2010, S. 94. Bezüglich der Grundherrschaft waren Reinholdshain und Kleinbernsdorf Amtsdörfer der schönburgischen Herrschaft Glauchau, Amt Forderglauchau.Handbuch der Geographie, S. 491 und 493Reinholdshain im Buch „Geographie für alle Stände“, S. 898Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0; S. 92 f. Nachdem auf dem Gebiet der Rezessherrschaften Schönburg im Jahr 1878 eine Verwaltungsreform durchgeführt wurde, kam Reinholdshain mit Kleinbernsdorf im Jahr 1880 zur neu gegründeten sächsischen Amtshauptmannschaft Glauchau.

Am 1. Mai 1890 hält August Bebel (1840–1913) in den Steinbrüchen des Reinholdshain-Ebersbacher Waldes (nahe Lobsdorf) eine Rede vor ArbeiternInfotafel/Denkmal im sogenannten „Schieferbruch“ im Reinholdshain-Ebersbacher Wald zu August Bebels Rede 1890. Bebel kandidierte jahrelang für den Reichstag. Schließlich erfolgreich.

Von September bis Dezember 1892 leistet die Remser Feuerwehr Löschhilfe in den Orten Weidensdorf, Jerisau und Reinholdshain.Chronik von Remse, 1928, S. 130, (Löscheinsatz der Remser Feuerwehr in Reinholdshain) 1896 gründet Wilhelm Jahr in Reinholdshain das „Dampfsäge- und Hobelwerk“ mit angeschlossener Holzhandlung.Werner Haueisen: Glauchau im 20. Jahrhundert, (Die Reihe Archivbilder), Sutton Verlag Erfurt 2001, Dampfsägewerk Reinholdshain S. 17, ISBN 978-3-89702-352-9 Am 26. und 27. August 1899 findet im benachbarten Remse das 11. Gauturnfest des „Westlich-Sächsischen Grenzgaues“ statt. Es erscheinen über 2000 Turner mit etwa 40 Fahnen. Fast 600 Turner nehmen aktiv am Wettbewerb teil. Darunter auch Turner eines Reinholdshainer Turnvereins. Am 26. September 1924 mittags überfliegt das Luftschiff Zeppelin „LZ126“ (späterer US-Name: Z R III oder ZR-3) den Wald „Gersdorf“ (bei Remse) und den Ort Oertelshain während eines Probefluges. Vier Wochen später muss sein Konstrukteur Hugo Eckener dieses Luftschiff als Reparationsleistung in die USA überführen, wo es den neuen Namen „Los Angeles“ erhält.Reinhard Nestler: Chronik von Remse an der Mulde, Remse 1928, S. 133 u. 162 (Turnfest in Remse 1899, Zeppelinüberflug der „Angelos“ über Oertelshain)

Im Jahr 1923 sprengt man die alte Eisenbahnbrücke über den Lungwitzbach (nahe Reinholdshain) der Bahnstrecke Glauchau-Chemnitz. Bis 1925 erfolgt ein Neubau aus Stahlbeton, der noch heute in Nutzung ist.Werner Haueisen: Glauchau im 20. Jahrhundert, (Die Reihe Archivbilder), Sutton Verlag Erfurt 2001, Eisenbahnbrücke über den Lungwitzbach (Neubau) S. 58, ISBN 978-3-89702-352-9 Am 17. Juni 1930 erstachen Faschisten in Reinholdshain während einer Agitationsveranstaltung den jungen Kommunisten Otto Willi Gerschler (geb. 29. Januar 1900). Stunden später erliegt er im Krankenhaus der Verletzung.Autorenkollektiv (u. a. Steffen Winkler und Emmy Forst):"Cluchowe/Glauchau, Beiträge zur Stadtgeschichte", Stadt Glauchau 1990, Museum und Kunstsammlung Schloss Hinterglauchau, S. 122 (Kommunist Willi Gerschler) Ein Gedenkstein vor dem Reinholdshainer Kindergarten erinnert bis heute an ihn. Am 16. April 1936 wurde mit dem Bau der Muldenbrücke (bei Reinholdshain) für die Autobahn Dresden-Meerane begonnen. Am 25. Juni 1937 wurde die Strecke Dresden-Meerane mit einer Abfahrt in Jerisau eingeweiht.Werner Haueisen: Glauchau. Geburtsstadt von Georgius Agricola. (Die Reihe Archivbilder), Sutton Verlag Erfurt 2007, Foto vom Bau der Autobahnbrücke bei Reinholdshain und Beschreibung S. 84, ISBN 978-3-86680-194-3 Am Freitag, dem 13. April 1945 erreicht die US-Armee über Meerane und die Reichsautobahn die Orte Schönbörnchen, Gesau, Jerisau, Lipprandis Weidensdorf und Reinholdshain. Glauchau wird erst am Tag danach eingenommen. Am 14. Juni 1945 erreicht die Sowjetarmee Glauchau.Autorenkollektiv: Cluchowe/Glauchau. Beiträge zur Stadtgeschichte. Stadt Glauchau und Museum und Kunstsammlung Schloß Hinterglauchau (Hrsg.), Glauchau 1990, S. 136 u. 138 (Kapitelautor: Steffen Winkler und Emmy Forst)

Durch die zweite Kreisreform in der DDR kam die Gemeinde Reinholdshain im Jahr 1952 zum Kreis Glauchau im Bezirk Chemnitz (1953 in Bezirk Karl-Marx-Stadt umbenannt).

Die Orte Reinholdshain und Jerisau waren bis 1965 durch einen Weg über eine Muldenbrücke direkt miteinander verbunden. Das Hochwasser im Jahre 1954 an der Zwickauer Mulde zerstörte die Betonbrücke zwischen Jerisau und Reinholdshain vollkommen. Die Brücke wurde dann offenbar wieder aufgebaut, denn bis zum Jahr 1965 bestand diese Brückenverbindung beider Orte noch. Beide Kirchengemeinden konnten daher bis 1965 vom selben Pfarrer betreut werden. Im Jahre 1965 wurde auch dieser letzte Brückenbau hier über die Mulde durch ein Hochwasser zerstört und danach nicht wieder aufgebaut.Rolf Scheurer: Die Dorfkirche von Reinholdshain, In: Historische Sakralbauten in Glauchau, Schriftenreihe des Denkmalverein e. V. Glauchau, Glauchau 2007, S. 13 Am 1. Januar 1974 wurde die Gemeinde Ebersbach ohne ihren Ortsteil Oberwinkel in die Gemeinde Reinholdshain eingemeindet. Oberwinkel wurde in diesem Zuge nach Waldenburg umgegliedert.

Die Gemeinde Reinholdshain mit ihren beiden Ortsteilen kam im Jahr 1990 zum sächsischen Landkreis Glauchau, der 1994 im Landkreis Chemnitzer Land bzw. 2008 im Landkreis Zwickau aufging. Mit der Eingemeindung von Reinholdshain samt den Ortsteilen Ebersbach und Kleinbernsdorf in die Stadt Glauchau bilden diese seit dem 3. Oktober 1992 den Ortsteil Reinholdshain. In den Jahren 1830, 1889 und 2006 wurde Reinholdshain von Unwetter durch Hagelschlag heimgesucht. In kurzer Zeit wurden sämtliche Feld- und Gartenflächen vernichtet. Das Hochwasser im Jahre 1954 richtete in vielen Ortschaften an der Zwickauer Mulde großen Schaden an. So wurde u. a. die Betonbrücke zwischen Jerisau und Reinholdshain vollkommen zerstört. Erneut wurde der Ort in den Jahren 1974 und 1975 von Hochwasser heimgesucht, weshalb Reinholdshain für einige Tage von der Außenwelt abgeschlossen war. So war zum Beispiel die Scheermühlenstraße überflutet und die Produktion wurde kurzzeitig eingestellt.

1973 reißt man den alten Schießstand in unmittelbarer Nähe des Gasthofes Döhler ab und errichtet an dessen Stelle ein Feuerwehrhaus. Direkt daneben befindet sich der Löschwasserteich.Werner Haueisen: Glauchau. Geburtsstadt von Georgius Agricola. (Die Reihe Archivbilder), Sutton Verlag Erfurt 2007, Bau des Feuerwehrdepots Reinholdshain (1973/74) S. 115 Um 2006StadtKurier, Große Kreisstadt Glauchau, 32. Jahrgang, Ausgabe 05/2024, erschienen am 12. April 2024, S. 12, Bild des neuen Feuerwehrhauses von 2006 wurde das alte Feuerwehrhaus durch einen Neubau mit zusätzlichen Mannschaftsräumen ersetzt.