Hostinné (deutsch Arnau) ist eine Stadt im Okres Trutnov in Tschechien. Das Stadtzentrum besitzt ein Renaissance-Rathaus und einen Markt mit Bogengang mit Laubengängen.
Geografie links|mini|Stadtplatz mit Mariensäule und Renaissance-Rathaus Die Stadt liegt in den Sudeten am Oberlauf der Elbe auf einer Höhe von 351 m über dem Meeresspiegel, etwa 15 km westlich von Trutnov (Trautenau). Die Region gehört zum Vorland des Riesengebirges.
Geschichte Das Gebiet von Arnau gehörte ursprünglich zum Trautenauer Lehensbezirk. Die von Ottokar II. Přemysl gegründete Stadt Arnow wurde erstmals 1270 urkundlich erwähnt und ist damit die älteste dieser Region. Sie entwickelte sich aus einer Ansiedlung bei einer Burg, die von deutschen Kolonisten Arnau genannt wurde. Der Name kommt vom germanischen Arn, auf Deutsch Adler, er ist vermutlich als Adlernest zu deuten. Die Stadtherren von Torgau waren ein bedeutendes sächsisch-böhmisches Ministerialengeschlecht. 1316 bekam Potho von Turgow vom böhmischen König Johann die Veste Gradiß, die Stadt Arnau und das Städtchen Hof zum Lehen. Dafür mussten bei Bedarf, wenn der König zu Hilfe rief, 40 Bewaffnete gestellt werden. Mit Hof übernahmen die von Torgau die gesamten adligen Lehnsleute und Vasallen. Arnau wurde so zu ihrem Hauptsitz. Sie errichteten weiterhin außer dem wehrhaften Arnau, an der oberen Elbe, Arnsdorf am Seifenbach und auch eine Siedlung in Sachsen namens Arnsnesta an der Schwarzen Elster. Die Torgauer benannten diese Orte nach dem Arn Arnau, der tschechische Name lautet Hostinné.Hostinné, Die alte Heimat, Arnau an der Elbe im Riesengebirge von Dr. Otto Weiss, Band 1, S. 55–60. Nachweise von 1348 dafür sind zwei Dresdner Kurzregesten Kaiser Karl des IV. aus Dresden.Kanzleivermerk recto: R() Beschreibstoff: Perg. Siegel: Posse S I,5 an grüner Ss.; S Johanns Original: HStA Dresden, 10001, Ältere Urkunden, n. 3155 Kopie: ANM Prag (ANM Praha) Constitutiones: 08/720 Druck: CDM VII n. 886 RI VIII: 797 Regest(en): Regesta Bohemiae V n. 527 -Kanzleivermerk recto: R() Beschreibstoff: Perg. Siegel: Posse S I,5 an Ps. Original: HStA Dresden, 10001, Ältere Urkunden, n. 3156 Kopie: HStA Dresden, Liber Union 1316 fol. 49; GV Chemnitz Constitutiones: 08/724 RI VIII: 6016 Regest(en): Verzeichnis Chemnitzer Verein n. 39; UB Altenburg n. 626 Erwähnung: Lindner, Nähe S. 238 (zu 1349) D Ab 1348 war die Burg Arnau dann fest im Pfandbesitz des Botho von Turgow (Turgau, Torgau), eines kurz zuvor (1316) nach Böhmen ausgewanderten Sohnes des Burggrafen Purchart von Magdeburg. Die von Kottwitz, ein fränkisches Ritter- und Adelsgeschlecht von zuvor schlesisch-sächsischer Herkunft, waren namensgebend für den Nachbarort Kottwitz. Der Baron, Bodo von Torgau und die Ritter von Kottwitz, deren Lehnsorte bei der Deutschordensritterkommende Miletin der Ballei Böhmen lagen, nutzten ihren Einfluss durch den Orden übergreifend in Sachsen, Franken, Böhmen und Preußen. Zu dieser Zeit wanderten auch Handwerker und Händler aus Franken, Bayern und Schlesien ein. Zur Regierungszeit des Kaisers Karl IV., während seines Aufbaus von Neuböhmen (1355 bis 1375), unterstellten sich auch fränkische Grafschaften dem Kaiser. Derer von Kottwitz, Ritter des Deutschen Ordens der Grafschaft Wertheim, siedelten dadurch in Arnau wehrhafte Knappen und Einwanderer an. 1377 wurde Arnau als Besitz des Herzogs Bolko von Oppeln erwähnt, ab 1388 gehörte Arnau wieder der Familie von Turgow (von Torgau). Zu Beginn des 15. Jahrhunderts wurden die Güter der Turgov erblich geteilt, und Arnau fiel an die Herren von Redern.
Hussitenzeit Um 1415 verkaufte Tristan von Redern Arnau an Hynek Kruschina von Lichtenburg, der es für seinen unmündigen Bruder Johann Kruschina von Lichtenburg erwarb. Am Faschingssonntag 1424 belagerten die Hussiten unter Jan Žižka die Stadt und forderten eine Übergabe, obwohl die Stadt dem Bruder des Hussitenhauptmanns Hynek Kruschina von Lichtenburg gehörte; dieser unterwarf sich erst 1428 dem Kaiser. Darauf gewann er die Gunst des Königshofes in Prag. 1424 sollen in der deutschsprachigen Stadt Rhodiserritter, auch Kreuzherren mit dem Roten Stern oder Schwertbrüder genannt, gewesen sein. Sie waren aus dem benachbarten Trautenau nach Arnau entwichen, nachdem die Hussiten 1421 die Stadt Trautenau mit Spital und Kirche gebrandschatzt und erobert hatten. Auf Grund der militärischen Kenntnisse und Befehle der Ritter bei der Verteidigung Arnaus konnten die Angriffe der Hussiten abgewehrt werden. Der Ritter Zdenko I. von Waldstein soll die Verteidigung geleitet haben.Czerwenka: Splendor et gloria domus Waldsteiniana 1673. Bei einem Ausfall der Arnauer Verteidiger verloren über 100 Hussiten ihr Leben. Auch der Feldkaplan Žižkas soll am Fiebig, den Berichten nach, mit einem Armbrustpfeil getötet worden sein. Žižka hob die Belagerung daraufhin auf und zog ab, danach aber vernichteten die sieggewohnten Hussiten aus Vergeltung das Rhodiserkloster St. Procop im benachbarten Mönchsdorf (). Im selben Jahr 1424 verpfändete die spätere böhmische Königin Barbara von Cilli die Herrschaft Arnau, Königinhof und Trautenau an den Trautenauer Hauptmann Hans von Warnsdorf. 1425 erbaute man dann das westliche Obertor in der Stadtmauer. 1434 wurde Johann Kruschina nach einer Auseinandersetzung mit dem Braunauer Stadtrat ermordetVinzenz Maiwald: Das Braunauer Ländchen zur Husitenzeit. In: Die Husitennot im Glatzer Lande. In: Glatzer Heimatschriften. Band 30, . Verein für Glatzer Heimatkunde, Glatz 1928, S. 63–68. seine Besitzungen fielen an seinen Bruder Hynek zurück.
In den folgenden Jahren vergrößerte sich die Stadt wahrscheinlich in Richtung Osten über den heutigen Markt hinweg. Nach Hyneks Tod 1454 erbte sein Sohn Wilhelm Kruschina († um 1487) aus der Ehe mit Anna von Hasenburg die Herrschaft Arnau, verkaufte sie jedoch 1458 an seine Stiefmutter Anna von Kolditz. Diese bestimmte Arnau zu ihrem Witwensitz und soll sehr wohltätig gewesen sein. Ihre Untertanen befreite sie von den herrschaftlichen Abgaben. Unter ihrer Herrschaft erweiterte sich die Stadt nach Osten. Wahrscheinlich wurde eine die Stadt erweiternde neue Stadtmauer errichtet, in dieser wurde 1456 das Niedertor erbaut. 1458 gründete die Stadtherrin hinter dem neuen Bürgerviertel, außerhalb der Stadt, ein Hospital. Anna von Kolditz starb am 1. Februar 1467. Die Herrschaft Arnau erbten ihre damals noch lebenden Töchter Anna und Salome von Častolowitz sowie Euphemia und Regina von Lichtenburg aus der Ehe mit Hynek. Sie verkauften die Stadt und die Herrschaft Arnau 1476 an Ulrich (Oldřich) Zajíc von Hasenburg, der mit Anna von Častolowitz verheiratet war, sowie an dessen Bruder Johann, den Ehemann der verstorbenen Tochter Katharina von Častolowitz.Jan Urban: Lichtenburkové. Vzestupy a pády jednoho panského rodu (Šlechtické rody Čech, Moravy a Slezska. 2). Nakladatelství Lidové Noviny, Praha 2003, ISBN 80-7106-579-X, S. 321–322.
mini|hochkant|Rathaus und Patrizierhaus Gernert um 1845, heute Hotel
1477 erwarb Aleš Šanovec von Šanov (Alex von Schönau) die Arnauer Besitzungen, dessen Nachfahren die Herrschaft abermals teilten. In dieser Zeit wurde das noch heute erhaltene Neue Ratsbuch mit der Niederschrift vieler Ereignisse angelegt. 1506 erlangte die Bürgerschaft die Braugerechtigkeit (Kretscham) und das ausschließliche Schankrecht in Kottwitz und Prausnitz, weiterhin den Bierausschank in Arnsdorf, Hermannseifen und Polkendorf. 1519 kaufte Johann von Wartenberg beide Teile, verkaufte sie aber schon 1521 an Zdeněk von Waldstein, unter dessen Nachfahren die Herrschaft wiederum geteilt wurde. 1538 wurden bereits zwei Wochenmärkte auf dem Ring abgehalten. Der erste lutherische Pfarrer wurde 1539 in der Kirchgemeinde eingesetzt. Um 1544 ist das Einwerben von Geldern für Schullehrer der Arnauer Schule nachzuweisen. Zdeněk von Waldstein erweiterte seinen Besitz in der Stadt, 1591 kaufte er für 910 Schock das südlich am Rathaus liegende Gernert-Bürgerhaus (heutiges Hotel) mit den Wein- und Bierkellern und zog so das Braugewerbe als Geldquelle an sich. Die Kellergewölbe des Rathauses und des heutigen Hotels waren durchgängig verbunden. Der Weinhandel hatte 1579 in Arnau große Bedeutung, der Umsatz des Weinschenks Merten Gernert und Jacob Heier hatte den Wert von 617 Schock im Jahr. Das entspricht der Weinmenge von 262 Eimern (15.750 Liter), das waren 157 Fässer à 100 Liter. Ab 1612 mussten die Bürger für ihren Weingenuss eine jährliche Zinspauschale von 50 Schock an Hans Christof von Waldstein zahlen. Zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges war die Herrschaft gemeinschaftlicher Besitz von Dietrich Waskabersky und Johann Ferdinand von Fünfkirchen.
Nach der Schlacht am Weißen Berg wurde die Herrschaft konfisziert und ein Teil 1623 für 6000 Gulden an Polyxena von Lobkowicz verkauft. 1628 wurde dies aufgehoben und die gesamte Herrschaft für 36.057 Schock und 20 Groschen an Albrecht von Wallenstein veräußert. Nach dessen Ermordung in Eger wurde sie 1634 erneut konfisziert und im Jahr darauf an Guillaume Lamboy de Desseneur (Wilhelm von Lamboi) veräußert. Die von Wallenstein ließen durch kluge Politik noch einige Jahre den evangelischen Glauben in einem Teil ihrer Herrschaften zu, so auch in Horni Branná bis 1654. Die evangelische Kirche in Branná war auch das Gotteshaus von Rochlitzer Protestanten, die zum Teil 1637 aus Arnau entwichen waren und unter katholischem Glaubendruck Exulanten wurden. Ein Arnauer Kirchenbucheintrag lautete: „Viele hundert Menschen sollen wegen der katholischen Reformation ins Elend gegangen sein.“ Nachfolgende Stadtbesitzer waren ab 1684 Octavian Kinsky von Wchinitz und Tettau und ab 1699 dessen Sohn Wenzel Norbert Octavian. Diesen folgten ab 1706 die Grafen Morzin und ab 1719 die Grafen Schlick. 1750 erwarb Maximilian Graf Lamberg die Herrschaft; von ihm ging sie 1758 an Maria Anna von Schaffgotsch über, von der der Besitz 1762 an Joseph von Bolza gelangte. Dieser erwarb vor 1785 noch das Lehngut Tschermna und schloss dieses an die Herrschaft an. Nachdem Joseph Graf von Bolzas Witwe die Herrschaft lizitieren ließ, wurde sie 1799 durch Franz Graf Deym von Střítež erworben. Nach dessen Tod ging sie 1832 an seinen gleichnamigen Sohn über. 1834 bestand Arnau aus 244 Häusern und hatte 1439 Einwohner. Im 18. und 19. Jahrhundert wurde die alte Befestigungsanlage abgerissen. Die wirtschaftliche Entwicklung wurde von der Textil- und Papierindustrie geprägt.
Die Herrschaft Arnau hatte 1834 10.314 Einwohner, die durchweg katholisch und überwiegend deutschsprachig waren. Direkt untertänig waren neben dem Städtchen Arnau gänzlich die 20 Dörfer Anseith (Souvrať), Bukowina (Bukovina), Burghöfel (Dvoračky), Güntersdorf (Huntířov), Gutsmuts (Dobrá Mysl), Karlseck (Karlovka), Katharinadörfel (Ves Svaté Kateřiny), Kommar (Komárov), Kottwitz (Chotěvice), Mastig, Mastiger Bad (Mostecké lázně), Mittel Oels (Prostřední Olešnice), Neuschloß, Nieder Oels, Neustädtel, Nieder Prausnitz, Ober Oels, Ober Prausnitz, Oels-Döberney (Debrné) und Proschwitz sowie Anteile von Arnsdorf und Forst. Hinzu kam noch das angeschlossene Gut Tschermna. Zur Herrschaft gehörten mehrere Maierhöfe. Direkt bewirtschaftet wurden der Sybillenhof und der Hof Neuschloß. Die Höfe Karlseck und der Arnauer Posthof waren verpachtet, während die Höfe Kottwitz und Burghöfel emphyteutisiert waren. Zum Herrschaftsgebiet gehörten die Forstreviere Arnau, Anseith, Güntersdorf, Mastig, Neuschloß, Proschwitz und Tschermna.Johann Gottfried Sommer: Das Königreich Böhmen. Statistisch-topographisch dargestellt. Band 3: Bidschower Kreis. Calve, Prag 1835, S. 213–223 (reader.digitale-sammlungen.de). Das anstelle der ehemaligen Burg errichtete Renaissanceschloss wurde im 19. Jahrhundert zu einer Baumwollspinnerei umgenutzt.
mini|Papierfabrik Franz Lorenz Söhne & Eichmann