mini|hochkant=0.8|Peggy Parnass (2009) Ruth Peggy Sophie Parnass (geboren am 11. Oktober 1927 in Hamburg; gestorben am 12. März 2025 ebenda) war eine deutsch-schwedische Schauspielerin, Kolumnistin, Gerichtsreporterin und Autorin.
Leben und Wirken Ihr Vater Simon Parnass (geboren 1879) und ihre Mutter Hertha Parnass, geb. Emanuel (geboren 1906), wurden aufgrund ihrer jüdischen Herkunft 1942 im Vernichtungslager Treblinka von den Nationalsozialisten ermordet. Nach ihnen wurde im September 2023 der Parnass-Platz im Hamburger Stadtteil Eimsbüttel benannt.Senatsbeschluss vom 7. September 2023, veröffentlicht im Amtlichen Anzeiger Nr. 82 vom 20. Oktober 2023, abgerufen am 21. Oktober 2023.
1939 wurde Parnass als Kind mit ihrem vierjährigen Bruder Gady mit einem Kindertransport nach Stockholm gebracht. In den folgenden sechs Jahren lebte sie in zwölf verschiedenen Pflegefamilien. Kurz vor Ende des Krieges kamen die Kinder zu einem Onkel nach London, der als Einziger aus der Familie durch Flucht überlebt hatte. Dort lebte sie drei Jahre zusammen mit ihrem Bruder, der später Engländer wurde, während Peggy zurück nach Schweden ging und die schwedische Staatsbürgerschaft annahm. Dort gebar sie 1951 auch ihren Sohn Kim, der in jungen Jahren als Schauspieler tätig war.
Parnass studierte in Stockholm, London, Hamburg und Paris. Seit ihrem 14. Lebensjahr erarbeitete sie sich ihren Lebensunterhalt durch ihre Sprachkenntnisse als Sprachlehrerin, Filmkritikerin, Kolumnistin und Dolmetscherin für die Kriminalpolizei. Sie arbeitete als Schauspielerin in Film und Fernsehen und übersetzte Märchen. Sie schrieb 17 Jahre lang Gerichtsreportagen für die Monatszeitschrift konkret. Sie hielt Lesungen auch aus ihren Büchern, sang an Theatern in Deutschland, der Schweiz, Österreich und Luxemburg, arbeitete für Rundfunk und Fernsehen (SFB-Porträt, Interviews, Diskussionen).
Ihre Wohnung in Hamburg-St. Georg, in der sie seit den frühen 1970er Jahren lebte, prägten zahlreiche Fotografien von prominenten Persönlichkeiten wie Udo Lindenberg, den Beatles und dem Dichter Peter Rühmkorf. Udo Lindenberg verdankte sie den Spitznamen „Peggy Panther“.https://www.juedische-allgemeine.de/kultur/auf-das-leben-5/ Seit einem Sturz im Jahr 2019 lebte sie in einem Hamburger Seniorenstift.
Peggy Parnass war eine engagierte Antifaschistin, die sich stets kompromisslos für die Schwachen und gegen jede Form von Ungerechtigkeit einsetzte. Aufgrund ihrer klaren Haltung gegen § 175 des Strafgesetzbuchs wurde sie früh zur wichtigen Stimme des Homosexuellenmilieus Hamburgs, insbesondere im Stadtteil St. Georg. Peggy Parnass gilt als Ikone der Schwulenbewegung.Peggy Parnass: In: Der lachende Drache, 11/2003, Seite 7, zuletzt abgerufen am 4. Oktober 2012 (PDF; 702 kB)Roland Kirbach: Schwulsein heute – ganz normal?; in: Die Zeit, Ausgabe 26/2007 vom 21. Juni 2007, S. 17 f. Sie war Mitglied der Gewerkschaft ver.di. mini|Peggy Parnass liest in Hamburg aus ihrem Buch Süchtig nach Leben (2014)
Für die digitale Fotoausstellung im Willy-Brandt-Haus 2021 in Berlin unter dem Titel Lonka-Projekt wurde sie von Axel Martens porträtiert.
Ihr umfangreicher Vorlass wurde 2020 vom Hamburger Institut für Sozialforschung übernommen.
Parnass wurde am 18. März 2025 auf dem Jüdischen Friedhof Ohlsdorf beigesetzt.
Filme 1965: Zwei; Kurzfilm; Regie: Roland Klick; ausgezeichnet mit den Goldenen Dukaten 1966: Jimmy Orpheus; Regie: Roland Klick 1967: Bürgerkrieg in Rußland; fünfteiliger dokumentarischer Fernsehfilm; Regie: Wolfgang Schleif 1967: Das Kriminalmuseum: Das Amulett; Regie: Dieter Lemmel 1968: Stahlnetz: Ein Toter zuviel; Regie: Jürgen Roland 1968: Mauerblume im Ballhaus Paradox; Regie: Rudolf Lorenzen 1969: Kaddisch nach einem Lebenden; Regie: Karl Fruchtmann 1980: Panische Zeiten; Regie: Udo Lindenberg, Peter Fratzscher 1982: Von Richtern und anderen Sympathisanten; Regie: Axel Engstfeld, nach der PP-Kolumne benannt, ausgezeichnet mit dem Filmband in Silber 1983: Der Beginn aller Schrecken ist Liebe; Regie: Helke Sander 1994: Keiner liebt mich; Regie: Doris Dörrie 2019: Einst Und Jetzt; Musikclip; Regie: Achim Amme, Klaus Weller; 2. Preis beim Deutschen Rock & Pop Preis
Schriften Prozesse 1970–1978. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1992, ISBN 3-499-19190-3 (= Rasch und Röhring, Hamburg 1990, ISBN 3-89136-393-1, 1. Auflage Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1978). Interview mit Marie Marcks. In: Marie Marcks: Schöne Aussichten. Elefanten Press Verlag, Berlin 1980, ISBN 3-88520-031-7. Unter die Haut. Konkret-Literatur-Verlag, Hamburg 1983, ISBN 3-922144-26-8. Kleine radikale Minderheit. Konkret Literatur Verlag, Hamburg 1985, ISBN 3-922144-46-2. Süchtig nach Leben. Konkret Literatur Verlag, Hamburg 1990, ISBN 3-922144-90-X (Autobiographie). Mut und Leidenschaft. Konkret Literatur Verlag, Hamburg 1993, ISBN 3-89458-121-2. Vor- und Nachwort in: Flora Neumann: Erinnern, um zu leben. Vor Auschwitz, in Auschwitz, nach Auschwitz. 3. Auflage. Konkret Literatur Verlag, Hamburg 2006, ISBN 3-89458-246-4. Wenn wir schon von Mord sprechen zur Debatte um Christian Klar, In: stern.de, 29. März 2007 Kindheit. Wie unsere Mutter uns vor den Nazis rettete. Verlag Schwarze Kunst, Hamburg 2012, ISBN 978-3-927840-43-0 (Künstlerbuch, mit original Holzschnitten illustriert von Tita do Rêgo Silva). mit Umeswaran Arunagirinathan und Doris Mendlewitsch: «Grenzen akzeptieren wir nicht!» Über Migration, Heimat und den Wert der Freiheit, Rowohlt Verlag, Hamburg 2025, ISBN 978-3-499-01783-4
Auszeichnungen 1979: Joseph-Drexel-Preis 1980: Fritz-Bauer-Preis 1998: Biermann-Ratjen-Medaille 2005: St. Georgs-Medaille 2008: Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland 2019: Hamburgische Ehrendenkmünze in Gold 2021: Ehrenmitgliedschaft im PEN-Zentrum Deutschland
Literatur Darstellungen Edgar Sebastian Hasse: . In: Hamburger Abendblatt vom 11. Oktober 2019, abgerufen am 17. Oktober 2019 Heide Soltau: ZeitZeichen: 11.10.1934 – Geburtstag von Peggy Parnass. In: WDR 5, ZeitZeichen vom 11. Oktober 2019, abgerufen am 14. Oktober 2019 Iven Fritsche: Besuch bei Peggy Parnass; in Wandler. Zeitschrift für Literatur, Nr. 23, 1997;
Nachrufe Alana Tongers: Sie warf mit Liebe um sich. In: spiegel.de, 13. März 2025, online, Bezahlschranke, abgerufen am 13. März 2025 Jan Feddersen: Eine herzensgrantige Botschafterin des anderen Hamburg. In: taz.de, 13. März 2025, online, abgerufen am 13. März 2025 Willy Winkler: Die Persönliche. In: sueddeutsche.de, 13. März 2025, online, Bezahlschranke, abgerufen am 13. März 2025 Olaf Wunder: Trauer um Peggy Parnass: Eine Frau voller Liebe, Wut und Leidenschaft. In: mopo.de, 13. März 2025, online, abgerufen am 13. März 2025
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