mini|Werkstatt von Willem Wissing, Maria Beatrix d’Este von Modena als Herzogin von York (1680) Maria Beatrix d’Este, Prinzessin von Modena (* 5. Oktober 1658 in Modena; † 7. Mai 1718 in Saint-Germain-en-Laye) war als Gemahlin von Jakob II./VII. von 6. Februar 1685 bis 11. Dezember 1688 Königin von England, Schottland und Irland. Nach dem Sturz ihres Gatten durch dessen Schwiegersohn Wilhelm von Oranien floh sie Ende 1688 zu König Ludwig XIV. nach Frankreich, wo sie nach fast 30-jährigem Exil starb.
Abstammung und Jugend Maria Beatrix, deren vollständiger Taufname Maria Beatrice Anna Margherita Isabella d’Este lautet, war die einzige Tochter von Alfonso IV. d’Este, Herzog von Modena aus dem Hause Este, und dessen Gemahlin Laura Martinozzi, einer der Nichten des Kardinals Mazarin. Alfonso IV. starb bereits im Juli 1662, woraufhin seine Witwe als Regentin für ihren erst zweijährigen Sohn Francesco fungierte, der etwas jünger als seine Schwester Maria Beatrix war. Letztere erhielt auf Anweisung ihrer Mutter eine strenge, katholisch-religiös geprägte Erziehung durch Nonnen eines lokalen Karmeliterklosters und wollte eine geistliche Laufbahn einschlagen. Sie sprach fließend Italienisch sowie Französisch und beherrschte auch Latein.
Heirat mini|Maria Beatrix Der Wunsch von Maria Beatrix, Nonne zu werden, erfüllte sich nicht. 1670 schlug sie ihr Großonkel, Kardinal Rinaldo d’Este, nach dem Tod von Henrietta Anne Stuart deren Witwer, dem Herzog Philipp von Orléans, als neue Gemahlin vor. 1672 wurde sie als Braut des Herzogs von York und nachmaligen englischen Königs Jakob II. ausersehen. Jakob war 1669 zum Katholizismus übergetreten und suchte nach dem Tod seiner ersten Gemahlin Anne Hyde Ende März 1671 eine weitere Frau seines Glaubens. Er war, da sein älterer Bruder, König Karl II., keinen legitimen Nachwuchs hatte und von Katharina von Braganza auch kaum mehr bekommen würde, der nächste Thronanwärter und hatte an überlebenden Kindern aus seiner ersten Ehe zwar zwei Töchter, Maria und Anne, aber keinen Sohn. Einen solchen hoffte er von einer zweiten Gattin zu erhalten.
Nachdem die Erzherzogin Claudia Felizitas und andere hochadlige Damen als Eheaspirantinnen ausgeschieden waren, präferierte Jakobs Brautwerber, Lord Peterborough, Maria Beatrix. Die auserkorene Braut lehnte ihre Heirat jedoch zunächst energisch ab; wollte sie doch lieber ein Klosterleben führen als in einem protestantischen Land leben. Modenas Regentin Laura unterstützte den Entschluss ihrer Tochter oder wollte diese vielleicht lieber mit dem elfjährigen spanischen König Karl II. vermählen. So bot sie stattdessen ihre Schwägerin Eleonora d’Este als Braut für Jakob an. Diesen Vorschlag wies Peterborough zurück und begab sich, um im Namen Jakobs um Maria Beatrix’ Hand zu werben, im Juli 1673 nach Modena. Auch der französische König Ludwig XIV. suchte die Realisierung dieses Eheprojekt zu fördern, indem er eine Mitgift von 400.000 Kronen in Aussicht stellte und den Marquis de Dangeau zur Unterstützung Peterboroughs entsandte.
Dem französischen Druck gab die Regentin Modenas schließlich nach. Doch musste Papst Clemens X. um die notwendige Dispens ersucht werden. Um Maria Beatrix zur Heirat zu bewegen, bedurfte es eines päpstlichen Schreibens mit der Mahnung, dass sie durch ihre Ehe mit Jakob den Katholiken in Großbritannien helfen und mithin mehr für ihre Konfession erreichen könne, als wenn sie Nonne würde. Obwohl Clemens X. die Erteilung der Dispens verschob, bis Maria Beatrix’ öffentliche Ausübung ihrer Religion in England sichergestellt war, wurde die Ferntrauung am im herzoglichen Palast zu Modena vollzogen. Die Stelle des abwesenden Bräutigams nahm Lord Peterborough ein. Anschließend brach Maria Beatrix mit ihrer Mutter und beträchtlichem Gefolge zu den Britischen Inseln auf. Zwischenstation machte sie u. a. in Lyon und Paris, wo der französische König sie glanzvoll aufnehmen ließ. In Versailles erholte sich die junge Braut von einer Unpässlichkeit.
mini|links|400px|Maria Beatrix verlässt am 21. November 1673 Calais in Richtung England mini|Jakob II. Die Bevölkerung des anglikanischen Englands, wo Jakobs zweite Heirat erst Ende September 1673 allgemein bekannt wurde, betrachtete die Ehe des Herzogs von York mit einer Katholikin äußerst reserviert. Im Unterhaus wurde gefordert, die Einschiffung der Prinzessin zu verhindern, doch König Karl II. lehnte dies ab. Von Calais aus konnte die Braut nach Dover übersetzen, wo sie nach ihrer Landung am 21. November 1673 von ihrem Gatten begrüßt wurde und wo noch am selben Abend nach der öffentlichen Verlesung des Ehevertrags durch Bischof Nathaniel Crew von Oxford die eigentliche Vermählung stattfand. Die 15-jährige hochgewachsene, schwarzhaarige und dunkeläugige Maria Beatrix, die einen hellen Teint hatte, wurde von ihrem 40 Jahre alten Mann verehrt und entwickelte trotz ihrer anfänglichen Ablehnung der Ehe allmählich ebenfalls eine große Zuneigung zu Jakob. König Karl II., der den Frischvermählten bis Greenwich entgegengereist war, verstand sich von Anfang an mit seiner Schwägerin ausgezeichnet.Andrew Barclay, ODNB Band 37, S. 97 f.; Marita A. Panzer: Englands Königinnen. S. 143 ff.; Ronny Baier, BBKL Band 24, Sp. 568 ff.
Herzogin von York Die durch ihre Heirat zur Herzogin von York aufgestiegene Maria Beatrix zog mit ihrem Gemahl bald nach ihrem Eintreffen in London in den St James’s Palace. Dass bei ihrem Empfang in Whitehall einige Gattinnen von Peers gegen das Angebot des Königs protestiert hatten, auch ihrer Mutter einen Sitz anweisen zu lassen, ärgerte diese sehr. So beschloss die Herzoginwitwe Laura, nicht lange in London zu verweilen. Sie kritisierte auch, dass ihrer Tochter Maria Beatrix nur ein privater Andachtsraum in deren eigenen Gemächern, aber keine öffentliche katholische Kapelle zur Verfügung stand, obwohl ihr dies im Ehevertrag zugesichert worden war. Die Betroffene selbst erhob wegen dieser Verletzung des Ehekontrakts keine Klagen. Nach der Abreise ihrer Mutter und ihres Gefolges nach Italien Anfang 1674 verblieben nur wenige Personen aus ihrer Heimat, u. a. zwei Hofdamen und drei Priester, im Haushalt von Maria Beatrix. Die englischen Bediensteten der Herzogin von York wählte ihr Gatte aus. Die Gräfin von Peterborough, Gattin von Jakobs Brautwerber, avancierte zur Vorsteherin des Haushalts der Herzogin.
Anfangs fühlte sich Maria Beatrix in England eher unglücklich und verstand nur wenig Englisch. Sie suchte sich aber diese Sprache rasch anzueignen und empfand, wie erwähnt, eine allmählich stets wachsende Liebe zu Jakob, der ihr durch seine Festigkeit im katholischen Glauben große Freude bereitete. Sie hatte auch ein gutes Verhältnis zu ihren nur wenige Jahre jüngeren Stieftöchtern Maria und Anne. 1675 bewilligte ihr der König eine jährliche Geldsumme von 5000 Pfund.Andrew Barclay, ODNB Band 37, S. 98; Marita A. Panzer: Englands Königinnen. S. 145; Ronny Baier, BBKL Band 24, Sp. 570.
Nachkommen mini|Prinzessin Isabel (1676–1681), Gemälde von Peter Lely, 1677 Maria Beatrix hatte im Laufe von knapp zwei Jahrzehnten sieben Kinder mit ihrem Mann, von denen die ersten fünf sehr jung starben. Darüber hinaus erlitt sie eine Reihe von Totgeburten und mehrere Fehlgeburten, so dass insgesamt 13 Schwangerschaften dokumentiert sind, wobei das Geschlecht der nicht benannten Kinder nicht überliefert ist.Maria Beatrice d'Este. Königin von England, von Schottland und von Irland, Prinzessin von Modena Geneee.org, aufgerufen am 30. Juni 2022 Nur ihre letzten beiden Kinder erreichten das Erwachsenenalter, nur ihr Sohn James Francis Edward Stuart hatte selbst Nachkommen. Da sich ihr Mann in den 1660er Jahren mit einer sexuell übertragbaren Erkrankung angesteckt hatte, liegt die Vermutung nahe, dass diese zu den gynäkologischen Schwierigkeiten beigetragen hat.Mary of Modena. Queen of England Encyclopædia Britannica, aufgerufen am 30. Juni 2022
Name Geburt Tod SonstigesUnbenannt März 1674FehlgeburtCatherina Laura 10. Januar 16753. Oktober 1675starb vor dem 1. GeburtstagUnbenannt 14. Mai 1675FehlgeburtUnbenannt 4. Oktober 1675TotgeburtIsabella 28. August 16762. März 1681starb im Alter von vier JahrenCharles, Herzog von Cambridge 7. November 167712. Dezember 1677starb im Alter von einem MonatElizabeth 1678starb direkt nach ihrer GeburtUnbenannt 1681TotgeburtCharlotte Maria 16. August 16826. Oktober 1682starb im Alter von knapp zwei MonatenUnbenannt Oktober 1683TotgeburtUnbenannt 8. Mai 1684FehlgeburtJames Francis Edward 10. Juni 16881. Januar 1766Zwei Nachkommen mit Maria Clementina Sobieska:Charles Edward Stuart und Henry Benedict StuartLouisa Maria 28. Juni 169218. April 1712 starb im Alter von 19 Jahren an Pocken
Antikatholische Stimmung, Popish Plot, Exil und Rückkehr In England herrschte zu der Zeit, als Maria Beatrix den Herzog von York heiratete, in Volk, Parlament und anglikanischer Kirche eine antikatholische Stimmung vor. Radikale Protestanten betrachteten Jakobs Frau als Agentin des Papstes. Maria Beatrix hielt sich indessen zunächst von der Politik fern.
Der König war verärgert, als Maria Beatrix ihre erste – schon im Oktober 1675 verstorbene – Tochter Catherina Laura heimlich von ihrem Jesuitenkaplan Antonio Galli taufen ließ; so musste das Kind auch einer anglikanischen Taufe unterzogen werden. Eine weitere Tochter, Isabella, gebar die Herzogin im August 1676. Dann verstärkte sich die katholikenfeindliche Haltung im Land noch durch die im November 1677 erfolgte Geburt von Maria Beatrix’ erstem, nach dem englischen König auf den Namen Charles getauftem Sohn, weil nun die Aussicht auf zwei Generationen katholischer Monarchen bestand. So wurde der Umstand, dass Charles im Alter von nur fünf Wochen an den Pocken verstarb, von der Bevölkerung mit Erleichterung aufgenommen.
In der ersten Oktoberhälfte 1678 hielt sich Maria Beatrix mit ihrer Stieftochter Anne am Hof in Den Haag auf, um ihre andere, mittlerweile mit Wilhelm von Oranien verheiratete Stieftochter Maria zu treffen. Sie bat den niederländischen Statthalter um Hilfe für Modena, das damals einen militärischen Konflikt mit Mantua ausfocht.
Inzwischen begannen sich in England die antikatholischen Tendenzen weiter zu steigern, als der Geistliche Titus Oates mit seiner von ihm frei erfundenen Behauptung einer Papisten-Verschwörung (englisch Popish Plot) auf weitverbreiteten Glauben stieß. Laut Oates sollte diese angebliche katholische Verschwörung die Ermordung König Karls II. und Auslöschung des englischen Protestantismus zum Ziel haben. Dass seinen haltlosen Anschuldigungen geglaubt wurde, lag neben anderen Ursachen auch in der am 29. September 1678 erfolgten Entdeckung des Briefverkehrs von Maria Beatrix’ einstigem, Ende 1676 wegen militärischen Geheimnisverrats entlassenem Sekretär Edward Colman mit Jesuiten begründet, worin der Sturz des anglikanischen Glaubens mit französischer Unterstützung erörtert wurde.
Zwar wurde der am 16. Oktober 1678 nach England zurückgekehrten Maria Beatrix unterstellt, dass sie und ihr Gatte trotz der fast zwei Jahren zuvor erfolgten Entlassung Colmans über dessen Aktivitäten Bescheid gewusst hätten, doch konnte ihr im Wesentlichen nur nachgewiesen werden, dass sie ihren in England in Ungnade gefallenen und deshalb im November 1675 nach Frankreich geflohenen Beichtvater Pierre de Saint-Germain 1676 gebeten hatte, sich bei Ludwig XIV. dafür einzusetzen, dass dieser ihrem Onkel Rinaldo d’Este beim Aufstieg zum Kardinal behilflich wäre. Auch befand sich die Herzogin zum Zeitpunkt des mysteriösen Mordes an Friedensrichter Sir Edmund Berry Godfrey (12. Oktober 1678), der Oates’ Aussagen aufgenommen hatte, in Holland und konnte mithin nicht direkt darin verwickelt sein. In der Folge wurde sie kaum der Komplizenschaft der von Oates postulierten Verschwörung verdächtigt.