Der Lake Burley Griffin ist ein Stausee in Canberra, der Hauptstadt Australiens. Er entstand 1963/1964, als der durch das Stadtzentrum fließende Molonglo River gestaut wurde. Der See ist nach dem amerikanischen Architekten Walter Burley Griffin benannt. Dieser hatte 1912 den von der australischen Bundesregierung organisierten Gestaltungswettbewerb für die neue Stadt Canberra gewonnen.

Griffin entwarf den See mit vielen geometrischen Motiven, sodass die Achsen seines Entwurfs mit natürlichen geographischen Landmarken in der Gegend in einer Linie ausgerichtet sind. Planänderungen durch Regierungsbehörden, die Weltwirtschaftskrise und der Zweite Weltkrieg führten dazu, dass die Planung erst in den 1950er Jahren wiederaufgenommen wurde. Nach politischen Auseinandersetzungen und der Erwägung anderer Varianten begannen die Arbeiten 1960 dank der politischen Unterstützung durch Premierminister Robert Menzies. Sie waren im September 1963 abgeschlossen, wegen einer vorübergehenden Dürreperiode wurde der Zielwasserstand des Sees erst im April 1964 erreicht. Die offizielle Einweihung fand am 17. Oktober 1964 statt.

Der vom 33 m hohen Scrivener-Damm gestaute See liegt annähernd im geographischen Zentrum der Stadt auf einer Höhe von 556 m ü. NN. Er ist Griffins Entwürfen entsprechend das Herzstück der Hauptstadt. Zahlreiche bedeutende Institutionen wie die National Gallery, das National Museum, die National Library, die Australian National University und der High Court of Australia befinden sich an den Ufern des Lake Burley Griffin oder, wie das Parliament House, eine kurze Distanz davon entfernt. Seine Umgebung, die hauptsächlich aus Parklandschaften besteht, ist vor allem in den wärmeren Monaten bei Freizeitnutzern sehr beliebt. Während Schwimmen im See selten ist, wird er für eine Vielzahl anderer Aktivitäten wie Rudern, Angeln und Segeln genutzt. Die Länge des Sees beträgt 11,0 km, die Breite bis zu 1,2 km, die durchschnittliche Tiefe vier Meter. Bei Trockenheit kann der Wasserstand durch das Ablassen von Wasser aus dem Googong-Damm am Queanbeyan River, einem Nebenfluss des Molonglo, aufrechterhalten werden.

Merkmale mini|Karte des Lake Burley Griffin mini|Karte des Stadtzentrums mit Parliamentary Triangle und Achsen Östlichster Punkt des Lake Burley Griffin ist der Molonglo Reach im Stadtteil Fyshwick, wo der Molonglo River unmittelbar nördlich des unter Naturschutz stehenden Feuchtgebiets Jerrabomberra Wetlands Nature Reserve einmündet. Es folgen drei künstlich geschaffene Seebecken namens East Basin, Central Basin und West Basin. Das East Basin (Ostbecken) zwischen den Stadtteilen Russell im Norden sowie Kingston und Barton im Süden reicht bis zur ersten Brücke, der Kings Avenue Bridge. Das daran anschließende Central Basin (Zentralbecken) bildet das eigentliche Herzstück der Planhauptstadt Canberra und nimmt einen großen Teil des repräsentativen Parliamentary Triangle ein, in dem sich die meisten repräsentativen Gebäude der australischen Bundesregierung befinden – mit den Stadtteilen Reid im Norden und Parkes im Süden. An die Nordseite des Zentralbeckens angefügt ist der Nerang Pool, eine kleine Bucht. Die Commonwealth Avenue Bridge bildet die Begrenzung zum West Basin (Westbecken), dem kleinsten der drei Seebecken, der zwischen den Stadtteilen Acton im Norden und Yarralumla im Süden liegt.

Der See enthält 33 Millionen Kubikmeter Wasser bei einer Oberfläche von 6,64 km². Er ist 11 km lang, an seiner breitesten Stelle bis zu 1,2 km breit, hat eine Uferlänge von 40,5 km und einen mittleren Wasserstand von 556 m über dem Meeresspiegel.Lake Burley Griffin, Canberra: Policy Plan. S. 8.Sparke: Canberra 1954–1980. S. 131. Der See ist relativ seicht: Die maximale Tiefe beträgt 17,6 m in der Nähe des Scrivener-Damms, die durchschnittliche Tiefe 4,0 m. Der seichteste Teil des Sees ist das East Basin mit einer durchschnittlichen Tiefe von 1,9 m. Die minimale Wassertiefe bei den Uferverbauungen liegt bei rund 50 cm; dort sind Felsen platziert, um das Wachstum von Wasserpflanzen zu hemmen.

Eine schmale Halbinsel, die Acton Peninsula, bildet die Begrenzung zum eher naturbelassenen Teil des Sees, der nicht durch Ausbaggern, sondern durch Überflutung der ursprünglichen Flussniederung entstand. Westlich davon erstreckt sich der ausgedehnte West Lake (Westsee) zwischen Yarralumla und dem Südhang des Black Mountain. Der See umgibt die weit hineinreichende Black Mountain Peninsula und strebt durch den Tarcoola Reach nach Norden. Er umrundet anschließend den Kurrajong Point und führt südwestwärts durch den Yarramundi Reach bis zum Scrivener-Staudamm.

Im Lake Burley Griffin gibt es sechs Inseln, drei unbenannte kleine und drei benannte größere. Von den größeren Inseln liegt Queen Elizabeth II Island im Central Basin, hinzu kommen Springbank Island und Spinnaker Island im West Lake.Lake Burley Griffin, Canberra: Policy Plan. S. 9. Queen Elizabeth II Island ist durch eine Fußgängerbrücke mit dem Festland verbunden und ist der Standort des National Carillon.Sparke: Canberra 1954–1980. S. 5.

Planungsgeschichte 1908 einigten sich beide Kammern des australischen Parlaments, nach mehrere Jahre dauernden politischen Auseinandersetzungen, auf das Dreieck zwischen Lake George, Yass und der kleinen Viehzüchter­siedlung Canberra im Murray County als Standort der neuen Bundeshauptstadt. Ein Jahr später empfahl der Vermesser Charles Scrivener in seinem Gutachten Canberra. Einer der Gründe für die Wahl dieses Ortes war die Möglichkeit, Wasser „für Zierzwecke zu angemessenen Kosten“ zu speichern.Lake Burley Griffin, Canberra: Policy Plan. S. 3. Seine Arbeit hatte gezeigt, dass die Topografie genutzt werden konnte, um durch Überflutung einen See zu schaffen.Andrews: Canberra’s Engineering Heritage. S. 88. 1911 schrieb die Bundesregierung einen Wettbewerb für den Entwurf von Canberra aus und stellte Scriveners detaillierten Überblick über das Gebiet den konkurrierenden Architekten zur Verfügung. Der Molonglo River floss durch das vorgesehene Gelände, das ein Überschwemmungs­gebiet war.Sparke: Canberra 1954–1980. S. 4–7. Scriveners Plan zeigte in grauer Farbe eine Fläche, die eindeutig einen künstlichen See – ähnlich dem später geschaffenen – darstellt, und vier mögliche Standorte für einen Damm, um ihn zu stauen. Die meisten eingesandten Beiträge nahmen den Hinweis auf und enthielten künstliche Wasserkörper.

Design von Walter Burley Griffin mini|Modell des Parliamentary Triangle, wobei der See dem heutigen Aussehen und nicht Griffins Plan entspricht mini|Griffins Hauptstadtentwurf Der amerikanische Architekt Walter Burley Griffin gewann den Wettbewerb und wurde nach Australien eingeladen, um den Bau der neuen Hauptstadt zu beaufsichtigen, nachdem die Entscheidung der Jury von Innenminister King O’Malley ratifiziert worden war.Lake Burley Griffin, Canberra: Policy Plan. S. 4. Griffins Vorschlag, der eine Fülle von geometrischen Mustern aufwies, umfasste Straßen, die konzentrisch in sechseckigen und achteckigen Rastern von mehreren Radien ausgingen.Wigmore: Canberra: history of Australia’s national capital. S. 67. Der von ihm geplante See befand sich im Herzen der Stadt und bestand aus einem zentralen Becken (Central Basin) in Form eines Kreissegments, einem West- und Ostbecken (West Basin bzw. East Basin), die beide annähernd kreisförmig waren, und daran angrenzend einem West- und Ostsee (West Lake bzw. East Lake), die viel größer und unregelmäßig geformt waren.Lake Burley Griffin, Canberra: Policy Plan. S. 6–7. Der East Lake sollte sechs Meter höher liegen als die übrigen Komponenten. Griffins Vorschlag war das größte eingereichte Projekt, das jedoch eine ansprechende Einfachheit und Klarheit aufwies.Andrews: Canberra’s Engineering Heritage. S. 88–89.

Griffin hatte die Seen bewusst so gestaltet, dass ihre Ausrichtung mit verschiedenen topografischen Orientierungs­punkten in Canberra in Beziehung steht.Wigmore: Canberra: history of Australia’s national capital. S. 64. Der Verlauf erstreckt sich von Osten nach Westen und teilt die Stadt in zwei Hälften. Eine Landachse (land axis) zieht sich senkrecht zum Central Basin vom Capital Hill – dem künftigen Standort des neuen Parlamentsgebäudes – nordnordostwärts über den See und entlang der ANZAC Parade zum Australian War Memorial (wenn auch ursprünglich ein Kasino an der Stelle geplant war).Sparke: Canberra 1954–1980. S. 1–3. Die Achse ist so gestaltet, dass das Kriegerdenkmal vom Capital Hill aus gesehen direkt am Fuße des Mount Ainslie steht. Am südwestlichen Ende der Landachse befindet sich der Bimberi Peak, die höchste Erhebung der Brindabella Range.

mini|Der See ist nach Walter Burley Griffin (links) benannt; neben ihm seine Gattin Marion Mahony Griffin Die Sehne des Kreissegments des Central Basin wird als Wasserachse (water axis) bezeichnet und erstreckt sich nach Nordwesten in Richtung Black Mountain. Eine parallel zur Wasserachse verlaufende Linie an der Nordseite der Stadt ist die „städtische Achse“ (municipal axis)Lake Burley Griffin, Canberra: Policy Plan. S. 17. und markiert den Verlauf der Constitution Avenue zwischen dem City Hill und dem Market Centre. Die Commonwealth Avenue und die Kings Avenue wiederum verlaufen vom Capital Hill aus zum City Hill bzw. zum Market Centre, was dem westlichen und östlichen Rand des Central Basin entspricht. Das von den drei Avenues umschlossene dreieckige Gebiet trägt die Bezeichnung Parliamentary Triangle und bildet das Herzstück von Griffins Arbeit.

Später war Charles Scrivener als Teil eines Designkomitees der Regierung für die Modifizierung des siegreichen Entwurfs verantwortlich. Er empfahl, die Form des Sees von streng geometrischen zu viel natürlicheren Formen mit einem einzigen Damm zu ändern, im Gegensatz zu Griffins Abfolge von Wehren. Griffin setzte sich für die Beibehaltung der reinen Geometrie ein und sagte, sie sei „eine raison d’être für die Ziergewässer“, konnte die Kommission aber nicht von seiner Meinung überzeugen. Das neue Seedesign enthielt Elemente aus mehreren der bestplatzierten Wettbewerbsbeiträge. Es behielt die drei Becken bei (East, Central und West), allerdings in einer entspannteren, weniger strengen Form.Wigmore: Canberra: history of Australia’s national capital. S. 52–57. Griffin führte einen Briefwechsel mit der Regierung über den Plan und dessen Alternativen. Sie lud ihn nach Canberra ein, um die Angelegenheit vor Ort zu besprechen. Der Architekt traf im August 1913 ein und die Regierung ernannte ihn für die Dauer von drei Jahren zum Direktor für Design und Bau der Bundeshauptstadt.Wigmore: Canberra: history of Australia’s national capital. S. 61–63.

Die Hauptstadtpläne erfuhren in den folgenden Jahren verschiedene Anpassungen, aber der Entwurf für den See basierte weiterhin weitgehend auf jenem des Komitees.Wigmore: Canberra: history of Australia’s national capital. S. 69–79. 1926 ließ das Bundesparlament eine acht Jahre zuvor erstellte Variante im Amtsblatt publizieren, womit er rechtlich geschützt war.Sparke: Canberra 1954–1980. S. 2. Griffin hatte ein angespanntes Arbeitsverhältnis mit den australischen Behörden und die Geldknappheit der Bundesregierung hatte zur Folge, dass bis zu seinem Wegzug im Jahr 1920 nur wenig an der Stadt gearbeitet worden war. In den 1920er Jahren gab es einen weiteren Vorschlag, der Aspekte des Hochwasserschutzes berücksichtigte und vorsah, den West Lake in ein Wasserband zu verwandeln. Der Owen-Peake Report von 1929 befand jedoch, dass der ursprüngliche Entwurf des Planungskomitees vom hydrologischen Standpunkt aus einwandfrei sei.

Politische Streitigkeiten und Änderungen