miniatur|Rolf Becker (2016)
Rolf Becker (* 31. März 1935 in Leipzig; † 12. Dezember 2025 in Hamburg) war ein deutscher Schauspieler, Synchron- und Hörspielsprecher. Er begann seine Karriere an den Münchner Kammerspielen und wirkte ab 1961 in über 200 Film- und Fernsehproduktionen mit. Eine seiner bekanntesten Rollen war jene des Otto Stein in der Fernsehserie In aller Freundschaft, die er von 2006 bis zu seinem Tod spielte.
Leben und Karriere Herkunft und Ausbildung Becker war der Sohn eines Wehrmachts-Offiziers. Er wuchs bei seinen Großeltern in Osterstedt in Schleswig-Holstein auf. 1943 wurde sein Vater als Soldat im Krieg getötet. Ab 1945 besuchte er das Alte Gymnasium in Bremen. Nach seinem Abitur nahm Becker von 1956 bis 1958 Schauspielunterricht an der Otto-Falckenberg-Schule in München. Das notwendige Geld verdiente er sich als Bühnentechniker.
Theater 1957 gab Rolf Becker sein Bühnendebüt an den Münchner Kammerspielen in dem Schauspiel Die Affäre Dreyfus von Hans José Rehfisch und Wilhelm Herzog. Ab 1958 war er am Staatstheater Darmstadt und ab 1962 am Stadttheater Ulm tätig. 1963 wechselte er an das Theater Bremen, wo er auch inszenierte und ab 1965 Oberspielleiter der Oper war. 1969 wurde er fristlos entlassen und arbeitete danach als freier Schauspieler.Film- und Fernsehmuseum Hamburg: Personen: Ab 1971 war Becker in Hamburg am Deutschen Schauspielhaus engagiert.
Film und Fernsehen Ab Anfang der 1960er-Jahre wurde Becker durch Rollen in Theater- und Literaturverfilmungen des deutschen Fernsehens bekannt. Er spielte u. a. 1962 in der Neuverfilmung der Affäre Blum von Robert Adolf Stemmle, verkörperte 1966 den Pilot Officer in Bratkartoffeln inbegriffen nach Arnold Wesker, 1969 den Sohn Johannes in der Heinrich-Böll-Satire Nicht nur zur Weihnachtszeit, 1972 den Preußenkönig Friedrich den Großen in dem Sechsteiler Die merkwürdige Lebensgeschichte des Friedrich Freiherrn von der Trenck und 1975 die Rolle des Carlos Henke in Erziehung durch Dienstmädchen nach Robert Wolfgang Schnell.
Unter der Regie von Franz Peter Wirth verkörperte er 1978 den Octavio Piccolomini in der vierteiligen Wallenstein-Verfilmung nach Golo Mann und 1982 Wilhelm von Oranien in der Fernsehfassung des Egmont. Außerdem trat er unter dessen Regie als Bernd von Vitzewitz im Sechsteiler Vor dem Sturm nach Theodor Fontane und als Herzog Alba in Friedrich Schillers Don Carlos auf.
Zu Beckers Auftritten in Kinoproduktionen des Neuen Deutschen Films zählen Rollen in Cardillac (1969) von Edgar Reitz, Ich bin ein Elefant, Madame (1969) von Peter Zadek und Ich liebe Dich, ich töte Dich (1971) von Uwe Brandner. 1975 spielte er unter der Regie von Volker Schlöndorff den Staatsanwalt Peter Hach in der Böll-Verfilmung Die verlorene Ehre der Katharina Blum. 1999 trat er in der deutsch-ungarischen Koproduktion Ein Lied von Liebe und Tod – Gloomy Sunday von Rolf Schübel auf. Becker stellte darin den alten deutschen Geschäftsmann Hans Wieck dar, der in Budapest nach seiner Jugendliebe forscht. Sein jugendliches Pendant, ein SS-Offizier in Budapest, wurde von seinem Sohn Ben Becker verkörpert.
2001 spielte er in Klaus Gietingers satirischem Roadmovie Heinrich der Säger den kauzigen Bahnhofsvorsteher Kurt Grantke. Seine Filmtochter Teresa wurde von Beckers Tochter Meret dargestellt. 2017 war er als Sepp in Laura Lackmanns Filmkomödie Zwei im falschen Film letztmals auf der Kinoleinwand zu sehen.
Im Fernsehen spielte Becker zusammen mit Hannelore Elsner in den Filmen Tam Tam oder Wohin die Reise geht (1989) und in Der Zauberkasten (1990). Anfang der 2000er-Jahre wirkte er in den melodramatischen Spielfilmen der ZDF-Herzkino-Reihen Rosamunde Pilcher und Inga Lindström, aber auch in zahlreichen Fernsehfilmen wie in Matti Geschonnecks Romanverfilmung Die Nachrichten (2005), im Liebesdrama Mutterglück (2006) von Christian Görlitz, und in Eine Robbe zum Verlieben (2006) von Christine Kabisch sowie deren Fortsetzung Eine Robbe und das große Glück (2007), die unter der Regie von Imogen Kimmel entstand.
Hinzu kamen zahlreiche Gastauftritte in verschiedenen Fernsehserien und -reihen wie Derrick, Der Alte, Tatort, Ein Fall für zwei, Die Männer vom K3, Hecht & Haie, Der Mond scheint auch für Untermieter, Der Bulle von Tölz, Charlotte Link, Küstenwache und Großstadtrevier.
Becker übernahm überdies auch durchgehende Serienrollen, wie beispielsweise als Herbert Moll in der Arztserie Freunde fürs Leben (1992–1993), neben Richy Müller und Ursula Karusseit als loyaler Lokalbetreiber Ecki in der Krimiserie Die Stadtindianer und an der Seite von Hans Teuscher als Peter Stavenhagen in der Familienserie Der Nelkenkönig (1994).
Ab März 2006 (Folge 300) übernahm Rolf Becker die Figur des Otto Stein, des ehemaligen Cafeteria-Mitarbeiters der Sachsenklinik und Vaters von Dr. Martin Stein (Bernhard Bettermann), in der ARD-Krankenhausserie In aller Freundschaft, wo er bereits im Oktober 1998 (Folge 1) als Arno Maybach und im Dezember 2005 (Folge 290) als Viktor Hauer in einer Gastrolle zu sehen gewesen war. Im September 2022 spielte er dort in der 987. Folge mit dem Titel Ein guter Mensch erstmals neben seinem leiblichen Sohn Ben Becker. Seinen letzten Auftritt in der Serie hatte Becker in der am 9. Dezember 2025 ausgestrahlten 1117. Folge, in der Otto Stein sein langjähriges Einfamilienhaus verkauft und in eine Seniorenresidenz zieht. Die Abschiedsfolge seiner Figur soll im Herbst 2026 ausgestrahlt werden.
Sprechtätigkeiten Becker betätigte sich neben seiner Arbeit auf der Bühne und vor der Kamera als Synchronsprecher, u. a. lieh er seine Stimme Ben Cross 1985 in Palast der Winde, Jeremy Irons 1994 in Geschichten aus Hollywood, Jacques Perrin 1986 in Der Panther, sowie 1999 dem Titelhelden des deutsch-französisch-kanadischen Zeichentrickfilms Babar – Der König der Elefanten. Außerdem sprach Becker für Werbespots und wurde als Sprecher von Fernsehdokumentationsfilmen (u. a. Schnee von gestern) und Kindersendungen beschäftigt. 2003 sprach er den Kommentartext zu dem Luxemburger Schauspielerporträt René Deltgen – Der sanfte Rebell. Ab 2005 arbeitete er zudem mit dem Silberfuchs-Verlag zusammen und war dort Stammsprecher der Hörbuch-Reihe Länder hören – Kulturen entdecken, die er auch live als Lesungen mit Musikbegleitung aufführte. Im Reformationsjahr 2017 hielt er zusammen mit dem Schlagzeuger Stefan Weinzierl Konzert-Lesungen aus dem Hörbuch Martin Luther – Freiheit, Gnade, Mensch.
Politisches Engagement miniatur|hochkant|Rolf Becker (2012) Becker war Mitglied in der Gewerkschaft ver.di, Fachbereich Medien, und Mitglied des ver.di-Ortsvereinsvorstands Hamburg. Ab 1969 war Becker Mitglied der in der Tradition der KPO stehenden Gruppe Arbeiterpolitik. Er gehörte zu den Mitbegründern des Berliner Heinrich-Heine-Preises.Berliner Heine-Preis für Handke, Der Tagesspiegel/dpa, 22. Februar 2007. Becker unterstützte das internationale Komitee zur Verteidigung von Slobodan Milošević. Er engagierte sich zunächst gegen das umstrittene Internationale Maritime Museum Hamburg im Kaispeicher B in der HafenCity Hamburg.Ralf Dorschel: , Hamburger Morgenpost, 17. September 2005. Zwischenzeitlich distanzierte sich Becker hiervon.Matthias Gretzschel: In: Hamburger Abendblatt, Kultur & Medien, Seite 6, 23. Mai 2008. Das Gnadengesuch des ehemaligen RAF-Mitgliedes Christian Klar, das auf Anregungen von Günter Gaus im Frühjahr 2003 zurückgeht, wurde von ihm unterstützt. Von April 2003 bis Januar 2006 war Becker auf Vorschlag des Justizministeriums Baden-Württemberg und in Vereinbarung mit der Justizvollzugsanstalt Bruchsal offiziell ehrenamtlicher Betreuer von Christian Klar.Marlies Fischer, Maike Röttger: In: Hamburger Abendblatt, 11. Februar 2007.Rolf Becker: In: Ossietzky, Heft 2004/23. 2003 hatte sich der Schauspieler im Auftrag seiner Gewerkschaft beim Intendanten des Berliner Ensembles, Claus Peymann, um einen Praktikumsplatz für Klar bemüht. Becker unterstützte die Freilassung Mumia Abu-Jamals und hielt im Mai 2001 die Laudatio bei der Verleihung des Erich-Mühsam-Preises an den zum Tode verurteilten afroamerikanischen Journalisten. Hansestadt Lübeck, Pressemitteilung vom 15. Mai 2001. Im September 2009 besuchte er Mumia Abu-Jamal in der Todeszelle. Ab Anfang 2008 las Becker in deutschen Städten das Manifest der Kommunistischen Partei vor. 2016 hielt er die Laudatio für Esther Bejarano bei der Verleihung des Preises für Solidarität und Menschenwürde durch das Bündnis für Soziale Gerechtigkeit und Menschenwürde. 2025 verlas Becker in Berlin auf der Rosa-Luxemburg-Konferenz, die von der vom Verfassungsschutz als linksextremistisch eingestuften und beobachteten Tageszeitung junge Welt veranstaltet wird, ein Grußwort des sich in Untersuchungshaft befindlichen, ehemaligen RAF-Mitgliedes Daniela Klette. Am 12. April 2025 erhielt Becker den Rosa-Luxemburg-Preis, der von der Tageszeitung junge Welt und der Kulturzeitschrift Melodie & Rhythmus erstmals verliehen wurde. Christian Klar sprach auf der Bühne eine Danksagung aus.
Privates und Tod Rolf Becker war mit der Schauspielerin Monika Hansen (1942–2025) verheiratet. 1971 ließ sich das Ehepaar scheiden. Der Ehe entstammen Ben Becker (* 1964) und Meret Becker (* 1969), die nach der Scheidung von ihrem Stiefvater Otto Sander (1941–2013) großgezogen wurden und ebenfalls Schauspieler sind. Ab 1980 war er mit der Schauspielerin und Schauspiel-Dozentin Sylvia Wempner (* 1954) verheiratet. Mit ihr hatte er zwei Kinder. 2004 nahm das Paar mit Anton Wempner ein Adoptivkind an, das 2012 die Titelrolle in dem Film Zappelphilipp spielte. Das Ehepaar Becker/Wempner war in umwelt- und friedenspolitischen Fragen aktiv. Ab 1971 lebte er in Hamburg und später in Schneverdingen-Wintermoor.
Rolf Becker starb am 12. Dezember 2025 im Alter von 90 Jahren in einem Hospiz in Hamburg. Am 7. Januar 2026 fand zu seinen Ehren eine Trauerfeier in der Heiligen-Dreieinigkeits-Kirche in Hamburg-St. Georg statt, bei der unter anderem sein Sohn Ben Becker, Schauspielkollege Bernhard Bettermann und Bischöfin Kirsten Fehrs Trauerreden hielten. Seine Urne wurde auf dem Geschwister-Scholl-Feld auf dem Friedhof Ohlsdorf beigesetzt.
Filmografie Spielfilme
Fernsehserien und -reihen
Hörspiele und Hörbücher 1990–2014: Die drei ???: verschiedene Rollen (Folgen 50, 53, 136, 168) – Regie: Heikedine Körting (Europa) 1997: Norbert Jaques : Dr Mabuse, der Spieler – Regie: Annette Kurth (WDR) 2002: Zügellos. Hörspielbearbeitung nach dem Roman Zügellos: Alexander Schnitzler. Regie: Klaus Zippel, Produktion: MDR und SWR, 2002, Musik: Pierre Oser, 1 CD, Länge: ca. 71 Min. Der Audio Verlag, Berlin 2003, ISBN 3-89813-26-6-8. 2006: Alexander Schnitzler: Die Zwölf vom Dachboden – Regie: Bernhard Jugel (Kinderhörspiel – MDR) 2008: James Graham Ballard: Karneval der Alligatoren. – Bearbeitung/Regie: Oliver Sturm (NDR) 2012: Kate Klise: Gespenster gibt es doch! Bearbeitung/Regie: Rainer Gussek, Sprecher: Rolf Becker, Anne Moll, Jürgen Uter, Svenja Pages, Sven Hasper, u. a., 122 min., Audiolino 2016: Corinna Hesse: Martin Luther – Freiheit. Gnade. Mensch. Musik: Stefan Weinzierl, 80 min., Silberfuchs, ISBN 3-940665-36-3. 2019: Heinrich Heine: Dichter unbekannt. Heine Textfolge von Rolf Becker und Claus Bremer. Regie: Rainer Gussek. 108 Minuten. audiolino, Hamburg 2019. ISBN 978-3-86737-305-0
Lesungen 2007: Ich sehe dich mit Freuden an – Texte von Paul Gerhardt, gelesen von Jasmin Tabatabai und Rolf Becker, Klavierimprovisation Claus Bantzer, edition chrismon, Frankfurt/Main 2007, ISBN 3-938704-27-6.
Publikationen Dichter unbekannt Heinrich-Heine-Textfolge von Rolf Becker und Claus Bremer. Eigenverlag, Hamburg 1973. Immer noch Kommunist? Erinnerungen von Paul Elflein. Herausgegeben von Rolf Becker und Claus Bremer. Hamburg 1978, ISBN 3-87975-157-9. 28 Jahre in der Todeszelle. Artikel über Mumia Abu-Jamal.