Das Museum für Islamische Kunst in Berlin befindet sich im Pergamonmuseum auf der Museumsinsel und gehört zu den Staatlichen Museen zu Berlin. Gegründet 1904, ist es die älteste Einrichtung dieser Art außerhalb islamischer Länder. Rund 100.000 historische Objekte aus dem 7. bis 19. Jahrhundert beherbergt das Museum. Sie stammen aus dem Mittelmeerraum sowie Zentral- und Südasien. Zusammen mit der Antikensammlung und dem Vorderasiatischen Museum, die ebenfalls im Pergamonmuseum untergebracht sind, empfing das Museum 2022 622.959 Besucher.

Geschichte mini|König Hussein und Königin Nūr wurden im Museum für Islamische Kunst in Dahlem von Direktor Klaus Brisch (Vordergrund rechts) geführt (6. November 1978) Das Museum wurde 1904 durch Wilhelm von Bode als Islamische Abteilung im Kaiser-Friedrich-Museum (dem heutigen Bode-Museum) gegründet und zunächst von Friedrich Sarre als ehrenamtlichem Leiter aufgebaut.Jens Kröger: Das Berliner Museum für Islamische Kunst als Forschungsinstitution der Islamischen Kunst im 20. Jahrhundert (PDF; 692 kB). In: XXX. Deutscher Orientalistentag, Freiburg, 24.–28. September 2007. Ausgewählte Vorträge, herausgegeben im Auftrag der DMG von Rainer Brunner, Jens Peter Laut und Maurus Reinkowski, 2009, S. 10. Anlass war die Schenkung der Fassade des umayyadischen Wüstenschlosses Mschatta durch den osmanischen Sultan Abdülhamid II. an Kaiser Wilhelm II. Gemeinsam mit 21 von Bode gestifteten Teppichen bildete die Fassade den Grundstock der Sammlung. Im neu erbauten Pergamonmuseum bezog das Museum das Obergeschoss des Südflügels und wurde dort 1932 eröffnet. Wegen des II. Weltkrieges wurde die Ausstellung 1939 geschlossen.

Trotz der Auslagerung von Kunstwerken und der Sicherung von im Pergamonmuseum verbliebenen Objekten erlitt die Sammlung Schäden und Verluste. Ein Bombentreffer zerstörte einen der Tortürme der Mschatta-Fassade und durch eine Brandbombe verbrannten in einem Tresor der Münze untergebrachte wertvolle Teppiche ganz oder teilweise. 1954 wurde die Sammlung als Islamisches Museum im Pergamonmuseum wiedereröffnet. Die in die westlichen Besatzungszonen ausgelagerten Bestände wurden in das Museum in Dahlem zurückgeführt, wo sie ebenfalls 1954 erstmals nach dem Krieg wieder ausgestellt werden konnten. Von 1968 bis 1970 gab es eine Ausstellung im Schloss Charlottenburg. 1971 wurde die ständige Ausstellung des Museums für Islamische Kunst in einem Neubau im Museumskomplex Dahlem eröffnet.

Das Islamische Museum im Pergamonmuseum auf der Museumsinsel erhielt 1958 den größten Teil der 1945 bis 1946 als Beutekunst in die Sowjetunion verbrachten Kunstwerke zurück. Mit der Restaurierung weiterer wichtiger Sammlungsobjekte wurde es bis 1967 möglich, alle Ausstellungsräume der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Auf der Grundlage des Einigungsvertrages wurden die beiden Museen 1992 unter dem Namen Museum für Islamische Kunst organisatorisch zusammengeführt. Am Standort Dahlem schloss die Ausstellung 1998. Eine neu gestaltete ständige Ausstellung wurde im Obergeschoss des Südflügels im Pergamonmuseum im Jahre 2000 eröffnet.

Als Teil des Masterplans Museumsinsel wird das Pergamonmuseum seit 2013 saniert. Das Vorhaben wird nach Plänen des Architekturbüros O.M. Ungers in zwei Bauabschnitten realisiert. Von der Schließung für den ersten Bauabschnitt sind der Saal mit dem Pergamonaltar, der Nordflügel und der Hellenistische Saal betroffen. Am 23. Oktober 2023 begann der zweite Bauabschnitt, wofür auch der Südflügel des Pergamonmuseums mit dem Museum für Islamische Kunst geschlossen wurde. Das Museum für Islamische Kunst zieht im Rahmen der Umbauarbeiten vom Süd- in den Nordflügel, der am 4. Juni 2027 wiedereröffnet werden soll. Die Fläche des neu eingerichteten Museums verdoppelt sich mit dem Umzug. In 24 Räumen können dreimal mehr Werke gezeigt werden als zuvor. Dabei sollen auch Klänge, Gerüche und Farben für sinnliche Eindrücke sorgen. Neu wird ebenfalls sein, dass jedes ausgestellte Stück eine Angabe zur Provenienz bereithält. Neue Zugänge zu den Objekten sollen auch Berichte von Menschen, die der Region verbunden sind, ermöglichen sowie zeitgenössische Kunstwerke, die in die Ausstellung einbezogen werden.

Direktoren Die Sammlungsgeschichte wurde wesentlich von den jeweiligen Leitern und Direktoren geprägt, die damit gleichzeitig die Entwicklung der islamischen Kunstgeschichte in Deutschland beeinflussten.

Wilhelm von Bode 1904–1921 Friedrich Sarre 1921–1931 Ernst Kühnel 1931–1951 Dahlem Museumsinsel Kurt Erdmann 1958–1964 Wolfgang Dudzus 1959–1965 Leiter des Islamischen Museums Klaus Brisch 1966–1988 Volkmar Enderlein 1965–1971 kommissarischer Leiter, 1971–1978 amt. Direktor Michael Meinecke 1988–1991 1978–1991 Michael Meinecke 1992–1995 Volkmar Enderlein 1995–2001 Claus-Peter Haase 1. Dezember 2001–31. Januar 2009 Stefan Weber seit 1. Februar 2009

Sammlung Das Museum stellt vielfältige Werke islamischer Kunst vom 7. bis 19. Jahrhundert aus dem Gebiet zwischen Spanien und Indien aus. Die Grabungstätigkeit in Ktesiphon, Samarra und Tabgha sowie die Erwerbungsmöglichkeiten führten dazu, dass vor allem Ägypten, der Vordere Orient und Iran Schwerpunkte bilden. Andere Regionen sind durch wichtige Sammlungsobjekte oder -gruppen vertreten, wie z. B. die Kalligraphie und Miniaturmalerei aus dem Mogulreich oder die sizilianischen Kunstwerke aus Elfenbein.

Wichtige Sammlungsobjekte Wegen ihrer Größe, der kunstgeschichtlichen Bedeutung oder der Beliebtheit bei Museumsbesuchern sind vor allem zu nennen: Mschatta-Fassade Aleppo-Zimmer Kuppel aus der AlhambraDie Kuppel wurde 1891 von Arthur von Gwinner nach Berlin gebracht und 1978 von seinen Erben dem Museum übergeben. Jens Kröger: Alhambra-Kuppel (2012). Museum With No Frontiers – Discover Islamic Art.Anna McSweeney: Arthur von Gwinner und die Alhambra-Kuppel. 2015Alhambra-Kuppel. Deutsche Digitale Bibliothek Mihrab aus Kaschan Mihrab aus Konya Drache-Phönix-Teppich, Kleinasien, Anfang 15. Jahrhundert Koranfaltpult, Kleinasien (Konya), 13. Jahrhundert Buchkunst (wechselnde Ausstellung in den Buchkunstkabinetten)Gonnella: Friedrich Sarre als Sammler islamischer Buchkunst. 2015 Haase: Kalligraphien der Sammlung Friedrich Sarres. 2015.

Zusätzlich zur Dauerausstellung zeigt das Museum auch Ausstellungen moderner Kunst aus der islamischen Welt, im Jahr 2008 zum Beispiel „Turkish Delight“ (zeitgenössisches türkisches Design) und „Naqsh“ (Gender und Rollenbilder in Iran).

2009 erhielt das Museum als Dauerleihgabe eine Sammlung islamischer Kunst des Londoner Sammlers Edmund de Unger (1918–2011), die so genannte „Keir Collection“. Die in über 50 Jahren zusammengetragene Sammlung umfasst rund 1.500 Kunstwerke aus 2.000 Jahren und zählt zu den größten Privatsammlungen islamischer Kunst.Meisterwerke islamischer Kunst als Dauerleihgabe, auf smb.museum, abgerufen am 27. Mai 2026 Mehr als einhundert Exponate aus der Keir Collection wurden erstmals 2007/2008 in der Sonderausstellung Sammlerglück. Islamische Kunst aus der Sammlung Edmund de Unger im Pergamonmuseum der Öffentlichkeit präsentiert. Eine weitere Sonderausstellung mit Teilen dieser Leihgabe fand ab dem März 2010 als Teil der Dauerausstellung des Museums für Islamische Kunst mit dem Titel Sammlerglück. Meisterwerke islamischer Kunst aus der Keir Collection statt. Im Juli 2012 wurde die Zusammenarbeit der Staatlichen Museen zu Berlin–Preußischer Kulturbesitz mit den Eigentümern der Sammlung Edmund de Unger beendet und die ursprünglich als langfristige Leihgabe vorgesehene Sammlung abgezogen. Als Gründe wurden „unterschiedliche Vorstellungen zur weiteren Arbeit mit der Sammlung“ genannt. Staatliche Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz

Ausstellungen Dauerausstellungen mini|Aufbau der neuen Dauerausstellung im Nordflügel des Pergamonmuseums mit dem Mihrab aus Konya seit 2000: Islamische Kulturen seit 2016: Transkulturelle Beziehungen, globale Biografien – islamische Kunst?

Die Dauerausstellung wurde ab 23. Oktober 2023 geschlossen, um 2027 im Nordflügel des Pergamonmuseums wieder eröffnet zu werden.Pergamonmuseum wegen Grundinstandsetzung ab 23. Oktober 2023 geschlossen (www.smb.museum) Rolf Brockschmidt: Tor zur Welt, in: Der Tagesspiegel, 31. Januar 2022 Der Abbau der Mschatta-Fassade begann im Frühjahr 2022.Goodbye Mschatta

Sonderausstellungen mini|Sonderausstellung Das Erbe der alten Könige. Ktesiphon und die persischen Quellen islamischer Kunst (2016–2017) 2013 Samarra – Zentrum der Welt Meisterwerke aus dem Serail: Malereien aus den Klebealben des Heinrich Friedrich von Diez Für viele erschwinglich. Bedruckte Gewebe aus ägyptischen Gräbern Zierrat und Zunge: Bucheinbände aus der islamischen Welt 2014 Genuss und Rausch. Wein, Tabak und Drogen in indischen Malereien Stolz und Leidenschaft. Männerdarstellungen in der Moghulzeit Mschatta im Fokus. Das jordanische Wüstenschloss in historischen Fotografien 2015 Picknick im Park. Gärten in islamischer Miniaturmalerei Aatifi – News from Afghanistan Wie die islamische Kunst nach Berlin kam. Der Sammler und Museumsdirektor Friedrich Sarre 2016 Mystische Reisende: Sufis, Asketen und Heilige Männer Worte lesen – Worte fühlen Eine Einführung zum Koran in Berliner Sammlungen Kontrast Syrien. Fotografien von Mohamad Al Roumi Das Erbe der alten Könige. Ktesiphon und die persischen Quellen islamischer Kunst 2017 Iran. Aufbruch in die Moderne Gläubiges Staunen – Biblische Traditionen in der islamischen Welt Behaglich: Teppiche in indischen Miniaturmalereien 2018 Perched | Zwischenlandung. Eine Installation von Felekşan Onar Kopie und Meisterschaft Die Galerie im Buch. Islamische Sammelalben Tape Art Mit Augenmaß. Meisterwerke der Architektur im Jemen

Forschungs- und Vermittlungsprojekte Projekte nachzulesen auf der Homepage des Museums

Ausstellungsvermittlung Fellowship Internationales Museum der Kulturstiftung des Bundes Gegenstände des Transfers Kulturgeschichten aus dem Museum für Islamische Kunst Multaka: Treffpunkt Museum – Geflüchtete als Guides in Berliner Museen Von 2015 bis zur vorübergehenden Schließung des Museums im Oktober 2023 fanden unter dem Titel „Multaka – Treffpunkt Museum“ Führungen zur Vermittlung von kunstgeschichtlichen Zusammenhängen für Arabisch und Persisch sprechende Besucher statt. „Multaka“ (arabisch: Treffpunkt) steht dabei als Bezeichnung für den pädagogisch vermittelten Austausch verschiedener kultureller und historischer Erfahrungen von Geflüchteten und anderen Besuchern aus Ländern des Vorderen Orients mit den Ausstellungen in Berliner Museen. Dabei vermittelt der interkulturelle Dialog mit den Besuchern deren jeweilige Sichtweisen auf die historischen Zusammenhänge der Kulturobjekte und darüber hinaus auf das eigene Verständnis vom kulturellen Erbe ihres Heimatlandes.

Forschungen im Ausland Areia Antiqua. Das alte Herat / 3 Projekte Erstellung digitaler Kulturgüterregister für Syrien Iran: The Provincial Museum Yazd / National Museum Teheran Qasr al-Mschatta: Das frühislamische Wüstenschloss Mschatta, Jordanien Rekonstruktion einer alten Kulturlandschaft in Baluchistan, Pakistan Die Zitadelle von Aleppo, Syrien

Kulturelle und politische Bildung Extremismusprävention und Erschließung museumspädagogischer Zugänge für muslimische Multiplikatoren Gemeinsame Vergangenheit – gemeinsame Zukunft TAMAM – Das Bildungsprojekt von Moscheegemeinden mit dem Museum für Islamische Kunst

Sammlungsbezogene Forschung Khurasan – Land des Sonnenaufgangs Ktesiphon Samarra und die Kunst der Abbasiden Das Yousef Jameel Digitalisierungsprojekt

Literatur Friedrich Spuhler: Die Orientteppiche im Museum für Islamische Kunst Berlin. von Klinkhardt & Biermann, 1987. ISBN 978-3-88609-769-2