mini|Sitz des Generalkommandos des I. Armee-Korps in Königsberg
Das I. Armee-Korps war ein Großverband der Preußischen Armee, der vom Generalkommando in Königsberg geführt wurde.
Gliederung mini|hochkant=2|Sämtliche Fahnen der Garnison Königsberg
Das Korps war bis zum Ersten Weltkrieg der I. Armee-Inspektion zugeordnet. Nach der Mobilmachung trat es zur 8. Armee und kam an der Ostfront zum Einsatz.
1893 1. Division in Königsberg 2. Division in Königsberg Fußartillerie-Regiment „von Linger“ (Ostpreußisches) Nr. 1 in Königsberg Jäger-Bataillon „Graf Yorck von Wartenburg“ (Ostpreußisches) Nr. 1 in Ortelsburg Pionier-Bataillon „Fürst Radziwill“ (Ostpreußisches) Nr. 1 in Königsberg Samländisches Pionier-Bataillon Nr. 18 in Königsberg Ostpreußisches Train-Bataillon Nr. 1 in Königsberg 4 Landwehrbezirkskommandos
1900 1. Division in Königsberg 2. Division in Insterburg 37. Division in Allenstein Jäger-Bataillon „Graf Yorck von Wartenberg“ (Ostpreußisches) Nr. 1 Eskadron Jäger zu Pferde des I. Armee-Korps (beim Kürassier-Regiment „Graf Wrangel“ (Ostpreußisches) Nr. 3) Fußartillerie-Regiment „von Linger“ (Ostpreußisches) Nr. 1 Pionier-Bataillon „Fürst Radziwill“ (Ostpreußisches) Nr. 1 Pionier-Bataillon Nr. 18 Ostpreußisches Train-Bataillon Nr. 1 11 Landwehrbezirkskommandos
Quelle: Rangliste der Königlich Preußischen Armee 1900Königliche Geheime Kriegs-Kanzlei (Redaktion): Rangliste des aktiven Dienststandes der Königlich Preußischen Armee und des XIII. (Königlich Württembergischen) Armeekorps. […] Nach dem Stande vom 1. Oktober 1900. […]. E.S. Mittler & Sohn, Berlin 1900, S. 4 ff.
1912 mini|Truppen des I. Armee-Korps beim Kaisermanöver 1910
1. Division 2. Division Fußartillerie-Regiment „von Linger“ (Ostpreußisches) Nr. 1 Kommando der Pioniere I. Armee-Korps Pionier-Bataillon „Fürst Radziwill“ (Ostpreußisches) Nr. 1 Samländisches Pionier-Bataillon Nr. 18 Ostpreußisches Train-Bataillon Nr. 1 8 Landwehrbezirkskommandos
Quelle: Rangliste der Königlich Preußischen Armee 1912Kriegsministerium, Geheime Kriegs-Kanzlei (Redaktion): Rangliste des aktiven Dienststandes der Königlich Preußischen Armee und des XIII. (Königlich Württembergischen) Armeekorps. […] Nach dem Stande vom 6. Oktober 1912. […]. E.S. Mittler & Sohn, Berlin 1912, S. 51 ff.
Friedensgliederung 1914 mini|1914-Der Bezirk des I. Armeekorps am Vorabend des Ersten Weltkriegs
1. Division 2. Division Maschinengewehr-Abteilung Nr. 5 in Insterburg Festungs-Maschinengewehr-Abteilung Nr. 1 in Königsberg Fußartillerie-Regiment „von Linger“ (Ostpreußisches) Nr. 1 Kommando der Pioniere I. Armee-Korps Pionier-Bataillon „Fürst Radziwill“ (Ostpreußisches) Nr. 1 Samländisches Pionier-Bataillon Nr. 18 Festungs-Fernsprech-Kompanie Nr. 5 in Königsberg Luftschiffer-Bataillon Nr. 5 (vorläufig) in Liegnitz, Allenstein und Posen Ostpreußische Train-Abteilung Nr. 1 Landwehr-Inspektion Insterburg mit 6 Bezirkskommandos
Quelle: Rangliste der Königlich Preußischen Armee 1914Kriegsministerium, Geheime Kriegs-Kanzlei (Redaktion): Rangliste der Königlich Preußischen Armee und des XIII. (Königlich Württembergischen) Armeekorps für 1914. […] Nach dem Stande vom 6. Mai 1914. […]. E.S. Mittler & Sohn, Berlin 1914, S. 52 ff.
Kriegsgliederung vom 2. August 1914 mini|1914-Struktur eines Infanterie-Regiments, am Beispiel des Grenadier-Regiments Nr. 89 (Schwerin/Neustrelitz)
1. Division 2. Division 2. Kavallerie-Brigade I./Fußartillerie-Regiment „von Linger“ (Ostpreußisches) Nr. 1 II./Reserve-Fußartillerie-Regiment Nr. 15 Pionier-Bataillon „Fürst Radziwill“ (Ostpreußisches) Nr. 1 Ostpreußische Train-Abteilung Nr. 1 Feld-Flieger-Abteilung Nr. 14
Geschichte Deutsch-Französischer Krieg mini|hochkant|Edwin von Manteuffel
Im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 diente das I. Armee-Korps unter General Edwin von Manteuffel hinter den aufmarschierenden Armeen als Reserve und wurde erst nach dem Freiwerden der Eisenbahnlinie an den westlichen Kriegsschauplatz nach Lothringen transportiert. Die 1. Division führte Generalleutnant Georg Ferdinand von Bentheim und die 2. Division stand unter General Gustav von Pritzelwitz. Während der Schlacht bei Colombey am 14. August griff das Korps mit der 1. Division gegenüber der französischen Division Grenier zwischen Montoy und Noisseville in die Schlacht ein. Beim französischen Ausfall aus der Festung Metz am östlichen Ufer der Mosel, versuchte General von Manteuffel durch seine Korpsartillerie die Stellungen am Vallieres-Bach zu halten. Um 17 Uhr wurde Montoy erobert, das Infanterie-Regiment Nr. 43 unter Oberst von Bosse stürmte das Dorf Lauvallier nach schweren Verlusten. Zwar drangen sie bis Mey vor, mussten aber vor den französischen Verstärkungen wieder auf Montoy zurückweichen, wo ein dreimaliger Angriff unter großem Verlust abgeschlagen wurde. Die Lage der preußischen 2. Division am rechten Flügel um Nouilly war derweil bedenklich geworden. Die bedrängte 3. Brigade des Generals von Memerty wurde endlich nach dem Auffahren von 90 Geschützen zwischen Servigny und bis Noiseville entlastet.Justus Scheibert: Der Krieg zwischen Frankreich und Deutschland 1870/71. Paulis Nachfolger, Berlin 1895. S. 60.
Marschall Bazaine war mit der französischen Rheinarmee durch die deutsche 2. Armee unter Friedrich Karl von Preußen vollständig eingeschlossen worden. Während der Belagerung von Metz hatte General Manteuffel den Oberbefehl am Ostufer der Mosel inne, das I. Korps lagerte rechts und links der Seille zwischen Servigny und Rupigny auf den Höhen von Pouilly und schützte zusammen mit dem südlicher stehenden II. Armee-Korps die Magazine von Remilly und Pont-à-Mousson. Nach Nordosten sicherte die 3. Reserve-Division unter General von Kummer bis zur Mosel. Am 31. August richtete sich ein starker französischer Ausfall gegen die Linien der preußischen 1. Division zwischen Failly und Noisseville. Als die Schlacht von Noisseville begann, empfing General von Manteuffel den auf St.-Barbe vorgehenden Feind sofort mit so wirksamem Feuer von sechzig Geschützen, welche vor der eigentlichen Verteidigungslinie standen, dass das französische Vordringen schnell ins Stocken kam.Justus Scheibert: Der Krieg zwischen Frankreich und Deutschland. W. Paulis Nachfolger, Berlin 1895, S. 154. General von Manteuffel, am frühen Morgen des 1. September durch die Ankunft des IX. Armee-Korps entlastet, versuchte das am Vortag verlorene Noisseville wiederzuerobern. Ein Angriff der Brigade Memerty drang zwar in Flanvillers ein, scheiterte aber bei einem weiteren Angriff auf Noisseville. Manteuffel brachte die Artilleriestellung gegen Noisseville auf 114 Geschütze und ließ jetzt herankommende Reserven zum neuerlichen Angriff – diesmal gegen die rechte Flanke der Franzosen ansetzen. Das Eingreifen der 28. Brigade (vom VII. Korps) entriss der französischen Division unter General Fauvart-Bastoul die Dörfer Flanvillers und Coincy.Justus Scheibert: Der Krieg zwischen Frankreich und Deutschland. Paulis Nachfolger, Berlin 1895, S. 158.
Nach der Teilnahme an der Belagerung von Metz und dem Fall der Festung Ende Oktober wurde General von Manteuffel neuer Oberbefehlshaber der 1. Armee, behielt aber gleichzeitig das Kommando über das nach Westen abgehende I. Korps. Die 1. Brigade unter General von Gayl wurde mit der Belagerung der Festung Verdun betraut, welche bereits am 8. November übergeben wurde. Die 2. Brigade unter Generalmajor von Falkenstein wurde zur Festung Mezieres entsandt, welche am 14. November eingeschlossen wurde. Die 4. Brigade (Generalmajor von Ziglintzki) war zur Beobachtung der Festung La Fere bestimmt und begann am 25. November die eigentliche Belagerung. Nur die 3. Brigade (von Memerty) ging sofort zusammen mit dem VIII. Armee-Korps Richtung Amiens an die Somme ab.
Am 27. November 1870 folgte die Schlacht bei Amiens, das I. Korps war bis an die Lure vorgeschoben werden. Beim Vorgehen klärte die 3. Kavallerie-Division an der Nordflanke auf, die Infanterie traf vor den Dörfern Gentelles und Cachy auf feindliche Kräfte und es kam zu wechselhaften Kämpfen. Am linken Flügel entschied der Angriff der 16. Division bei Hebecourt den Ausgang des Kampfes. Am gleichen Tag wurde die 4. Brigade nach der Kapitulation von La Fere frei. Zwischen 3. und 6. Dezember erfolgte der fast kampflose Vormarsch der 1. Division nach Rouen. Nach der Unterdrückung neuer französischer Kräfte bei Amiens und dem Fall von Mezieres am 1. Januar 1871 wurde das VIII. Korps bei Bapaume konzentriert. Bei Arras hatte General Faidherbe wieder starke Kräfte versammelt, griff am 3. Januar in der Schlacht bei Bapaume erfolglos an. Darauf kapitulierte das seit 26. Dezember von der 16. Division (Barnekow) eingeschlossene Peronne. Die Masse der Division Bentheim hatte derweil an der unteren Seine am 4. Januar den Gegner im Gefecht bei Moulineaux geworfen und wurde am 25. Januar durch das über Alençon heranmarschierende XIII. Korps in Rouen freigemacht. Die französische Nordarmee unter Faidherbe war bereits am 19. Januar in der Schlacht von St. Quentin im harten Ringen östlich der Stadt frontal vom VIII. Korps geworfen und zum Rückzug gezwungen worden. Vom I. Korps hatten dabei die Verstärkungen durch die 1. Division unter General von Gayl erheblichen Anteil.Justus Scheibert: Der Krieg zwischen Deutschland und Frankreich. Berlin 1895, S. 247 f.
Im Ersten Weltkrieg mini|hochkant|Hermann von François mini|1914 – Lage des I. Armeekorps im Deutschen Reich, am Vorabend des Ersten Weltkriegs mini|1914 – Zuordnung der aktiven deutschen Armee-Korps zu den 8 Armeen zu Beginn des Ersten Weltkriegs
Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges im August 1914 stand das Korps unter General von François im Verband der 8. Armee an der Ostfront. Die russische 1. Armee unter General von Rennenkampff drang auf einer Breite von 40 km zwischen Wischtynjez und Schirwindt in Ostpreußen ein. General von François postierte das I. Korps gegen die ausdrückliche Anweisung seines Vorgesetzten von Prittwitz direkt an der Grenze und nahm am 17. August das Gefecht bei Stallupönen auf. Bei Göritten warf ein Flankenstoß den Feind erfolgreich zurück, am Nordflügel mussten die Deutschen aber in Richtung Stallupönen zurückweichen. Dabei lief die 1. Division Gefahr abgeschnitten zu werden. Erst ein einschlägiger Befehl des AOK 8 veranlassten General François am späten Abend, sich noch rechtzeitig in Richtung Gumbinnen abzusetzen. François leitete am 19. August durch einen Angriff seines Korps auch die Schlacht bei Gumbinnen ein, die nach einem taktischen Patt abgebrochen wurde. Das I. Armee-Korps war bereits von Gumbinnen per Eisenbahn nach Süden im Abtransport, als das AOK von General von Hindenburg übernommen wurde. Am 24. August übernahm das Korps während der Schlacht bei Tannenberg den rechten Flügel der 8. Armee. Das I. Korps erreichte – am 26. August mit dem zugeteilten Detachement Mühlmann die Einnahme der Höhen von Seeben und nahm erst verspätet am 27. den Angriff wieder auf. Am 27. August gelang dem Korps zusammen mit dem Detachement „Schmettau“ (vom XX. Armee-Korps) der Durchbruch bei Usdau. Nach dem Durchbruch sollte das Korps auf Neidenburg vorgehen, um das XX. Armee-Korps zu entlasten. Die 1. Division stieß bis zum Abend des Tages bis zur Grenze bei Soldau vor. Die Masse der russischen Truppen flutete nach Mława zurück, sodass am 28. August Soldau ohne größere Probleme eingenommen werden konnte. Die 2. Division erreichte Neidenburg, um die Einschließung der russischen Narewarmee am 29. August nach dem Treffen mit dem XVII. Armee-Korps im Raum Willenberg zu vollenden. Das russische I. Armeekorps marschiere aber am 30. August von Mława nach Neidenburg heran, um der eingeschlossenen 2. Armee den Rückzug zu ermöglichen. General François warf alle verfügbaren Kräfte bei Soldau dem anstürmenden russischen 1. Korps entgegen, während die 2. Division bei Neidenburg die Einschließung aufrechterhielt.