mini|Händel-Porträt von John Theodore Heins (c. 1740), Leihgabe der Stiftung der Saalesparkasse in Halle (Saale) mini|Das Geburtshaus Georg Friedrich Händels auf einem Notgeldschein von 1921. Das Händel-Haus ist ein Musikmuseum der Stadt Halle (Saale) und seit 2008 als kommunale Stiftung des Privatrechts organisiert. Kern des Renaissance-Komplexes, der vor 1558 erbaut wurde, ist das Geburtshaus Georg Friedrich Händels, das über 100 Jahre im Eigentum der Familie Händel war. Die Grundmauern reichen jedoch bis ins Mittelalter zurück. Von 2001 bis 2023 leitete der Musikwissenschaftler Clemens Birnbaum das Haus, danach Bernd Feuchtner; seit 2025 ist Florian Amort Direktor der Stiftung sowie Intendant der Festspiele.
Museum Lage miniatur|hochkant|Logo des Händel-Hauses Das Händel-Haus ist in der Großen Nikolaistraße 5–6 in der Altstadt von Halle (Saale) gelegen. Es befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Institut für Musik, Medien- und Sprechwissenschaften der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und zur Evangelischen Hochschule für Kirchenmusik Halle.
Neben der Stiftung Händel-Haus haben folgende Organisationen ihren Sitz im Gebäude: die Direktion der Händel-Festspiele Halle die Geschäftsstelle der Georg-Friedrich-Händel-Gesellschaft e. V. und die Redaktion der von ihr herausgegebenen Hallischen Händel-AusgabeKonstanze Musketa, Christiane Rieche: Händel, der Europäer. Halle (Saale) 2009, S. 136. die Geschäftsstelle des Freundes- und Förderkreises des Händel-Hauses zu Halle e. V.
Baugeschichte und Erscheinung Die Grundmauern und das Kellergewölbe des Hauses stammen aus dem 15. bzw. 16. Jahrhundert. Ein teilweise erhaltenes Kreuzgratgewölbe weist romanische Züge auf und lässt sich wohl auf das frühe Hochmittelalter des 12. Jahrhunderts zurückdatieren. Das Erdgeschoss ist im 16. und 17. Jahrhundert und das Obergeschoss in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entstanden.Edwin Werner: Das Händel-Haus in Halle. Halle (Saale) 2007, S. 95.
Die Instandsetzungsarbeiten der Nachkriegszeit führten zur Beseitigung der Schaufenster eines Ladens. Beim Händel-Haus, das ursprünglich ein Bürgerhaus war, wurde auf einen denkmalgerechten Schutz des Tors mit Durchgang in den Innenhof verzichtet, da es unvereinbar mit dem Museumskonzept war. Weitere Verunstaltungen des Hauses wurden 1984 beseitigt.
Sichtfachwerk aus der Epoche der Renaissance wird am Seitenflügel zum Hof sichtbar. Weitere Hinweise auf diese Zeit geben die Decke des Stammhauses und die gut erhaltene Bohlenstube.
Geschichte des Händel-Hauses Privateigentümer Im Jahr 1558 fand das heutige Händel-Haus erstmals als „Ratslehen“ Erwähnung. Als damaliger Besitzer ist in den Akten Christoph Nopel aus Naumburg erwähnt. 1571 ging das Eigentum auf dessen Sohn Hieronymus Nopel über. Ein weiterer Eigentümerwechsel vollzog sich 1595, als der Gerichts-Beisitzer Johann Neigenfindt, seinerzeit Assessor beim Schöppenstuhl, das Anwesen für 1400 Gulden erwarb. 1630 war der herzogliche Kammerdiener Hans Georg Bley Eigentümer. Im Gebäudeteil „Zum Gelben Hirschen“ gab es einen Weinausschank.Konstanze Musketa, Christiane Rieche: Händel, der Europäer. Halle (Saale) 2009, S. 132. Bleys Witwe Susanne war ab 1654 Alleinbewohnerin des Hauses.
Familienbesitz der Händels Am 30. Juni 1666 erwarb der herzogliche Kammerdiener und Leibchirurg Georg Händel (1622–1697), Vater des Komponisten Georg Friedrich Händel (1685–1759), das Eckhaus für 1310 Gulden. Es befand sich in repräsentativer Nähe zur herzoglichen Residenz am Domplatz. Nach dem Einzug ersuchte er Herzog August von Sachsen-Weißenfels, gleichsam Administrator des Erzstiftes Magdeburg, um Erneuerung des Weinschankprivilegs. Dieses wurde ihm am 8. Januar 1668 gewährt, wogegen dann aber der Rat der Stadt Widerspruch einlegte. Erst 1682 wurde der Rechtsstreit mit einem Vergleich beigelegt.Edwin Werner: Das Händel-Haus in Halle. Halle (Saale) 2007, S. 96.
Der Komponist Georg Friedrich wurde im Haus „Am Schlamm“ (d. h. dem Haus „Zum Gelben Hirschen“, Eckhaus Großer Schlamm / Kleine Ulrichstraße und Kleine Klausstraße) am 23. Februar 1685 geboren und lebte hier achtzehn Jahre lang. Nach dem Tod des Vaters 1697 ging das Eigentum auf Georgs Witwe Dorothea Elisabeth (1651–1730) und deren Kinder über. 1703 verließ Georg Friedrich Halle in Richtung Hamburg.
Im Jahr 1708 wurde der Nordteil des Grundstücks (heute Kleine Ulrichstraße 38) abgetrennt („separirt“), da Georg Friedrichs Schwester Dorothea Sophia (1687–1718) mit ihrem Vermählten Michael Dietrich Michaelsen (1680–1748), einem promovierten Juristen, ihren eigenen Hausstand gründete. Mitte des 18. Jahrhunderts ging dieses Gebäude in fremdes Eigentum über. Von 1844 bis 1871 war hier eine Studentenherberge der Familie Schütz in Betrieb. Später führte darin ein Herr Trautwein eine Gastwirtschaft mit dem Namen „Schützei“. In der DDR gab es seit den 1980er Jahren Museumspläne für das Haus. Diese wurden aber wegen den hohen Instandsetzungskosten verworfen.Edwin Werner: Das Händel-Haus in Halle. Halle (Saale) 2007, S. 97. Aufgrund des schlechten Zustandes des Gebäudes wurde 1999 von einer Wiederherstellung endgültig Abstand genommen und in der Folge das ursprüngliche Haus durch einen Neubau ersetzt, der durch die Stadt Halle erworben wurde.
Mit dem Tod der Mutter 1730 wurde Händels Nichte und Patentochter Johanna Friederike Michaelsen (1711–1771) eine Erbin des Anwesens. Sie bewohnte das Haus dann wohl ab 1755 mit ihrem Ehemann Johann Ernst von Flörcke (1695–1762), erster Professor der Rechte und Director der Friedrichs-Universität Halle. Nach dem Tod von Johanna Friederike 1771 erbte ihre zweite Tochter Dorothea Luisa (1737–1811) das Anwesen. Sie heiratete den hallischen Ratsmeister Friedrich August Reichhelm (1727–1782). Dieser wollte dem Großonkel seiner Ehefrau und berühmten Komponisten ein Denkmal setzen und begann das Gebäude zu erneuern und umzubauen.
Besitz von Kaufleuten Ein Jahr nach Reichhelms unerwartetem Tod 1782 musste das Haus dann aber zwangsversteigert werden. In einer Anzeige der Königlich Preußischen Berggerichte vom 14. Dezember 1783 erhielt das Gebäude einen Taxwert von 1885 Reichstalern. Am 27. Juli 1784 ersteigerte Christian Friedrich Pohlmann den Komplex für 2225 Reichstaler. Er betrieb darin einen Kolonial- und Materialwarenhandel.Konstanze Musketa, Christiane Rieche: Händel, der Europäer. Halle (Saale) 2009, S. 133.
Im Jahr 1817 wurde der Kaufmann und unbesoldete Stadtrat Friedrich Wilhelm Rüprecht Hausbesitzer und übernahm die Materialwarenhandlung. Rüprecht Geschäftstätigkeit führten zur Erweiterung des Betriebes um eine Destillation, eine Tabakfabrik und ein Lager von Lackfabrikaten. 1827 erwarb er auch das Nachbargrundstück, was im Streit um das „richtige“ Händel-Haus mündete. Rüprechts Sohn, der seit 1847 im Besitz des Anwesens war, verkaufte 1872 Grundstück und Geschäft an den Kaufmann Wilhelm Richard Fuß. Dieser wiederum veräußerte es 1896 an das Bankhaus H. F. Lehmann.Edwin Werner: Das Händel-Haus in Halle. Halle (Saale) 2007, S. 99.
Neuer Eigentümer wurde 1922 der Kaufmann Heinrich Lifschütz. Versuche des Hallischen Händel-Vereins und des englischen Händelforschers Newman Flower das Gebäude zu erwerben, scheiterten wohl am hohen Verkaufspreis. 1932 ist eine Person namens Philipp nachgewiesen, der im Hause einen Möbelhandel betrieb. Anlässlich des 250. Geburtstages des Komponisten 1935 wurde eine Gedenktafel am Haus angebracht.Hans-Martin Pleßke: Musikergedenkstätten in der Deutschen Demokratischen Republik. In: Fontes Artis Musicae 13 (1966) 2/3, S. 161–166, hier: S. 163.
Städtisches Musikmuseum mini|Eingangstor zum Händel-Museum und zum Kammermusiksaal nach der Rekonstruktion 1985 (Foto von Waltraud Grubitzsch, Bundesarchiv) Nach jahrelangen Bemühungen und einer Schlichtung des Bibliothekars Bernhard Weißenborn kaufte die Stadt Halle das Anwesen am 21. August 1937 für 31710 Reichsmark. Den ursprünglichen Mietern wurden andere Wohnungen zur Verfügung gestellt. Im Zuge der Vorbereitung eines „Musikmuseums der Stadt“ begann der städtische Kulturreferent Herbert Koch mit dem Aufbau einer Sammlung u. a. aus Bildern, Musikinstrumenten und Musikalien. Außerdem wurde die Schriftenreihe des Händelhauses begründet. Mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs 1939 konnte die notwendige Instandsetzung des leerstehenden Gebäudes zunächst nicht umgesetzt werden.Edwin Werner: Das Händel-Haus in Halle. Halle (Saale) 2007, S. 100.
Nach Kriegsende 1945 unternahm die Stadt zwei Jahre Umbau- und Wiederherstellungsarbeiten. Noch im selben Jahr konnten eine Restaurierungswerkstatt und Büros bezogen werden. Nachdem am 22. Februar 1948 ein erstes Konzert im Händel-Haus stattgefunden hatte, wurde der Ausstellungsteil des Museums am 13. Juni eröffnet. Wesentlichen Anteil an der Eröffnung des Musikmuseums hatten neben Koch auch der Musikwissenschaftler Walter Serauky, der 1949 Direktor des Musikwissenschaftlichen Institutes wurde.Edwin Werner: Das Händel-Haus in Halle. Halle (Saale) 2007, S. 101.
Im Jahr 1983 wurde das Händel-Haus eine Abteilung des „Georg-Friedrich-Händel-Zentrums“, dem darüber hinaus das ständige Büro der Händel-Festspiele, die Konzerthalle am Boulevard und das Redaktionskollektiv der Hallischen Händel-Ausgabe angehörten. Nach der Auflösung des Zentrums 1992 wurde wieder das Händel-Haus zentrale Einrichtung der Händelrenaissance.
Zur „Bach-Händel-Schütz-Ehrung der DDR“ 1985 wurde das Stammgebäude auch zur Bewältigung des großen Besucheraufkommens um das östlich angrenzende historische Nebengebäude erweitert und die Ausstellung über den Komponisten neu konzipiert. Die Restaurierungswerkstatt und die Bibliothek konnten in den Seitenflügel des neuen Gebäudes einziehen, der Kammermusiksaal wurde vom Dach in das Erdgeschoss des neuen Gebäudes verlagert. Der große Hof wurde bis in die 1990er Jahre für Serenaden genutzt.
Das Händel-Haus wurde 2001 als kultureller Leuchtturm in das Blaubuch des Beauftragten der Bundesregierung für Angelegenheiten der Kultur und Medien aufgenommen. Seitdem ist das Haus Mitglied in der Interessensgemeinschaft Konferenz Nationaler Kultureinrichtungen. Darüber hinaus ist es Mitglied der Arbeitsgruppe „Musikmuseen in Deutschland“.
Stiftung Händel-Haus Auf Beschluss des halleschen Stadtrats 2007 wurde das Händel-Haus in eine Stiftung umgewandelt. 2008 erkannte das Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt die Rechtsfähigkeit der Stiftung Händel-Haus als privatrechtliche Stiftung an. Das Land Sachsen-Anhalt beteiligt sich fortan an der Finanzierung der Stiftung. Anlässlich des 250. Todesjahres des Komponisten 2009 wurde das Händel-Haus durch das Berliner Architekturbüro Gerhards & Glücker saniert und am 14. April eine neue Dauerausstellung eröffnet.
Gremien
Oberstes Gremium der Stiftung Händel-Haus Halle ist das Kuratorium. Dieses wird von einem Fachbeirat beraten.
Direktoren Seit 1994 ist der Leiter des Händel-Hauses gleichzeitig Intendant der Händel-Festspiele. Direktor des Händel-Hauses war/ist: Erich Neuß (1946) Otto Raue (1952) Konrad Sasse (1956) Edwin Werner (1982) Philipp Adlung (2007) Clemens Birnbaum (2009) Bernd Feuchtner (2023) Florian Amort (2025)
Freundes- und Förderkreis Zur Unterstützung des Musikmuseums wurde 1990 der Freundes- und Förderkreis des Händel-Hauses zu Halle e. V. gegründet. Bis heute fördert er ideell und finanziell die Stiftung. Außerdem besorgt er Publikationen. Von 1991 bis 2008 gab er dreimal jährlich die Händel-Hausmitteilungen heraus, wobei der letzte Jahrgang ein Sonderheft war. Seit 2011 erscheinen zwei- bis dreimal jährlich die Mitteilungen. Der Verein, dem Dietlinde Rumpf vorsteht, hat derzeit ca. 350 in- und ausländische Mitglieder.
Museumspädagogik