Der Studentenprotest ist ein Sammelbegriff für studentische Protestaktionen, oftmals in Form von Demonstrationen, Besetzungen sowie Studentenstreiks oder Gebührenboykotten, welche von Studenten durchgeführt werden. Die Gründe für Studentenproteste können vielfältig sein, häufig soll auf schlechte Studienbedingungen hingewiesen werden (Bildungsbenachteiligung/Bildungspolitik). Politische Proteste an Universitäten und Studentenbewegungen waren oft Ausgangspunkt für Volksaufstände und Massendemonstrationen.
Studentenproteste in Deutschland werden meist vom Studentenrat/AStA fakultätsübergreifend organisiert, die Unterstützung der Hochschulleitung hingegen ist nur manchmal gegeben. Oft dauern Protestaktionen über Tage oder Wochen hinweg an, um den Forderungen Nachdruck zu verleihen. mini|Demonstration in Erlangen im April 2005
Geschichte Die Proteste der 68er-Bewegung waren ursprünglich und hauptsächlich globale Studentenproteste. Weltweit waren Studenten politisch engagiert. In Mexiko kam es zum Massaker von Tlatelolco an demonstrierenden Studenten. 1969 rief Franco wegen Studentenprotesten den Ausnahmezustand aus.
Deutschland Proteste gegen den Nationalsozialismus
Einzelne Proteste von Studenten gab es gegen den Nationalsozialismus, vor allem von linken und konservativen Studenten. Im Juni 1934 kam es zu den – Göttinger Krawallen genannten – Auseinandersetzungen zwischen Göttinger Verbindungsstudenten und Mitgliedern des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes (NSDStB) die sich daran entzündeten, dass die Verbindungsstudenten trotz Verbots in der Öffentlichkeit Mützen und Bänder trugen.
Im Mai 1935 störten Mitglieder des Corps Saxo-Borussia Heidelberg die Übertragung einer Hitler-Rede in einem Heidelberger Studentenlokal durch lautes Gegröle, erzählten sich in überlautem Ton Hitlerwitze und bliesen auf einer leeren Sektflasche Melodien, zu denen sie Spottlieder über die Nationalsozialisten sangen. Durch zahlreiche Beschwerden sah sich das Corps am nächsten Tage zu einer Entschuldigung beim Rektor der Universität veranlasst. Einige Tage später jedoch unterhielten sich Angehörige desselben Corps bei einem Spargelessen im Heidelberger Lokal „Hirschgasse“ lautstark darüber, ob „der Führer Spargel mit Messer, Gabel oder Pfoten“ und ganz allgemein commentgemäß esse; schließlich einigten sich die Corpsstudenten darauf, Hitler besitze „ein so großes Mundwerk, dass er den Spargel quer essen könnte“ (sog. Heidelberger Spargelessen). Umgehend nach den Geschehnissen wurde das Corps Saxo-Borussia verboten, die beteiligten Corpsstudenten von der Universität relegiert, der Senior Henning v. Quast wurde gar zeitweilig verhaftet.
Mai 1968 Nach dem Mordanschlag auf den Studentenführer Rudi Dutschke kam es zu den schwersten Krawallen. Die Proteste der Studenten richteten sich zunächst gegen schlechte Studienbedingungen, später vor allem gegen politische und soziale Verhältnisse. Die Bewegung verstand sich als Teil der Außerparlamentarischen Opposition gegen die seit 1966 regierende Große Koalition aus Union und SPD.
„Ersatzgeld-Kampf“ 1976 Ursache des sogenannten „Ersatzgeld-Kampfs“ war, dass einige Bundesländer Studiengebühren einführen wollten (u. a. Baden-Württemberg), und zwar zunächst nur für naturwissenschaftliche Studiengänge. Die Naturwissenschaftler sollten die „Mehrkosten“ ihrer Studiengänge (durch Labormaterial etc.) selbst bezahlen. Durch Rückmeldeboykott (d. h. niemand meldete sich zurück) und Streiks wurden diese Pläne verhindert.
„Berufsverbotestreik“ 1976/77
mini|Transparente an der Hochschule der Künste (HdK) im Januar 1977 in Berlin Am 24. November 1976 kam es im Audimax der Freien Universität Berlin (FU) zu einer kurzfristig von den Germanisten einberufenen Uni-VV, die mit 4.000 Teilnehmern völlig überfüllt war. Am Fachbereich Germanistik drohte zwei Dozenten aufgrund des Radikalenerlasses die Suspendierung. Die Versammlung empfahl einen uniweiten, aktiven Solidaritätsstreik, der teils sofort umgesetzt, teils über Urabstimmungen an den Instituten beschlossen wurde. In kurzer Zeit folgten in Berlin die Hoch- und Fachhochschulen, die Schulen des Zweiten Bildungsweges und zuletzt auch die Technische Universität Berlin (TU) dem Aufruf zum Ausstand. Die Seminare wurden aufgelöst und durch Arbeitsgruppen [AG's], Studienkollektive und eigene Veranstaltungen ersetzt. Die Forderungen richteten sich vorrangig gegen die Änderung des Hochschulrahmengesetzes [HRG] und gegen stark regulierte Studienbedingungen, doch war die eigentliche Triebfeder der Unmut über die „Berufsverbote“ und die damit verbundene „Gesinnungsschnüffelei“, ein Begriff, der von Herbert Wehner geprägt worden war. Der Berufsverbotestreik, der die Politik, die Verwaltungen und auch die Öffentlichkeit überraschte, wurde von den ‚unorganisierten Studenten‘ getragen, die im Innenverhältnis die aus der 68er-Bewegung stammenden und bis dahin dominanten maoistischen K-Gruppen und die DDR-orientierten Studentenorganisationen neutralisierten. Es wurde eine basisdemokratische Rätestruktur aufgebaut, deren höchstes Organ in Berlin der ‚Regionale Streikrat‘ (RSR) war. In den Medien wurde schon bald über eine ‚Neue Studentenbewegung‘ spekuliert. Noch im Dezember 1976 wurde beschlossen, den 1969 an der FU abgeschafften AStA durch eine unabhängige Studentenvertretung, den USTA, zu ersetzen. mini|Veranstaltung zu den Streikzielen im Audimax der TU am 11. Januar 1977 Der Streik wurde zu den Weihnachtsferien gemeinsam ausgesetzt und danach im Januar 1977 – da die Forderungen der Studierenden erwartungsgemäß nicht erfüllt worden waren – wieder aufgenommen. Nun schlossen sich auch zahlreiche Universitäten und (Fach-)Hochschulen in der Bundesrepublik Deutschland an. Am 25. Januar 1977 kam es zur „1.frauen-uni-VV“ im Audimax der FU. Verbucht wurden Erfolge wie die Rücknahme der Entlassungen der beiden Germanistik-Dozenten und die Erhöhung des BAföG-Satzes. Die Änderungen im HRG scheiterten kurioserweise an der Uneinigkeit der politischen Parteien im Senat. Ende Januar 1977 flauten die Aktivitäten ab und der Ausstand wurde beendet. Im Sommersemester 1977 gelang es weitgehend, die Strukturen der AG's und der sich nun auch uni-politisch organisierenden Fachbereichsinitiativen und Basisgruppen auszuweiten. Im Wintersemester 1977/78 wurde der Streik wieder aufgenommen, doch wurde er von einer neuen Entwicklung abgelöst: Ein großer Teil der geschätzt 40.000 im Streik kontinuierlich aktiven Studierenden erkannten die drohende Isolierung bei einer Fortsetzung des universitären Engagements und verstärkten den um diese Zeit einsetzenden Trend der Projekte-Gründungen in Stadt und Land. Viele trafen sich Ende Januar 1978 unter den 15.000 Teilnehmern beim Treffen in Tunix wieder, das diese Entwicklung fokussierte und später als „Geburtsstunde“ der Alternativbewegung galt.
„UniMut“-Streik 1988/89 Der sogenannte „UniMut“-Streik ausgehend von der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main"Der am 23. November 1988 begonnene Streik an der Uni Frankfurt, der zu seiner Hochzeit alle 21 Fachbereiche einbezog, wirkte wie eine Initialzündung." (Pascal Beucker, "Die Karten werden neu gemischt", in: Blätter für deutsche und internationale Politik, Heft 1/90, Januar 1990.)"At the end of November 1988, students at the Johann Wolfgang Goethe University decided to strike, and on November 30, 1988, they organized a general assembly that drew more than 6,000 participants". (German History in Documents and Images: Frankfurt Students Protest Exorbitant Rents - December 1988) mit bundesweiter Ausdehnung (zunächst vor allem Hessen, dann ganze Bundesrepublik). Nach 1976/77 erste größere Serie von Besetzungen von Instituten und Unigebäuden. Die Freie Universität BerlinAn der FU Berlin begann der Streik der Studierenden am 5. Dezember 1988 im Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft: „Publizistikstudierende (der FU Berlin) protestieren am 5. Dezember 1988 bei einer Vollversammlung gegen schlechte Studienbedingungen und beschließen einen Streik.“ (Ausstellung zur Geschichte des Instituts für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, Studieren in den 1980er Jahren, Wieder Streik) wird für fast ein ganzes Semester von „Besetzungsräten“ verwaltet (bis 25. Februar 1989) und zur sog. „Befreiten Uni“. Zahlreiche Institute wurden mit neuen Bezeichnungen versehen. In Frankfurt/Main ist die Situation geprägt von „neu entstandenen Formen der Selbstorganisation wie Aktionsausschüsse, Zentraler Fachschaftenrat, und Vollversammlungen“.Ende der Unbescheidenheit, Flugblatt zum Studentenstreik, Universität Frankfurt/Main, 21. November 1988: „Die neu entstandenen Formen der Selbstorganisation wie Aktionsausschüsse, Zentraler Fachschaftenrat, und Vollversammlungen bieten die Möglichkeit, politische Inhalte und Aktionsformen zu entwickeln, die sich gegen die durchsichtigen Interessen der Unileitung, der parteiabhängigen Gruppierungen und gegen die Profilierungsneurosen einzelner Studentenpolitiker behaupten. Die Dynamik des sich manifestierenden Protestes ermöglicht jetzt die Organisierung eines uniweiten Streiks. Ein AKTIVER STREIK in den nächsten Tagen bietet gerade die Chance, unabhängig vom Studienalltag, über alle Fachbereichsgrenzen hinweg, unser Unbehagen und unsere Kritikansätze an den Verhältnissen in der Uni und über sie hinaus weiter zu entwickeln. Im Streik wird sich zeigen können, inwieweit der Protest nicht bloße Eintagsfliege im grauen Unialltag bleibt, inwieweit kritisierte Studienbedingungen zur studentischen Kritik an den Bedingungen werden.“ thumb|"Ende der Gleichgültigkeit", First leaflet of the westgerman nation-wide studentstrike 1988/89, November 1988, signed by: LINKE LISTE an der Uni-Frankfurt Folgen waren die Einführung von studentisch verwalteten Projekttutorien bis 2002 und die Einführung eines Reformstudiengangs in der Humanmedizin.
1990er Jahre 1993 fand der erste Streik gegen die Einführung der bundesweiten Langzeitstudiengebühr statt. Er wurde in den meisten Universitäten nur als Warnstreik durchgeführt, d. h. drei Tage Streik mit Teach-ins etc.
Die zunächst größten Studentenproteste in Deutschland nach der 68er-Bewegung und dem Berufsverbotestreik 1976/77 gab es beim Studentenstreik 1997. Damals gab es, ausgehend von der Justus-Liebig-Universität Gießen, an vielen Universitäten von Kiel bis Konstanz Hochschulstreiks unter dem Motto „Lucky Streik“ u. ä. Gründe für den Streik waren die geringe finanzielle Ausstattung der Hochschulen, überfüllte Veranstaltungen usw.
„Spar Wars“ 2003 2003 ist in Deutschland insbesondere das Motto Spar Wars oft verwendet worden, allerdings gibt es kein übergreifendes Leitmotiv, da wirksame Aktionen meist mit lokalem oder regionalem Charakter durchgeführt werden. Im Dezember 2003 wurden zeitgleich in Berlin, Leipzig und Frankfurt am Main Demonstrationen veranstaltet, die den Auftakt für eine Welle von Protestaktionen machten. Auch in Weimar, Bonn, München, Dresden, Göttingen und anderen Städten wurden daraufhin Streikaktionen gestartet. In ganz Niedersachsen, Hessen, Hamburg, Bremen und Berlin wurde im Wintersemester 2003/2004 gestreikt. Bei den Protesten ging es um die Verhinderung von deutschlandweit stattfindenden Kürzungen im Bildungs- und Sozialbereich und die Einführung von Studienkonten und Studiengebühren.