mini|hochkant|Yayoi Kusama etwa 2004 mini|hochkant|Ascension of Polka Dots on the Trees, Singapore Biennale 2006, Orchard Road, Singapur mini|hochkant|The Spirits of the Pumpkins Descended into the Heavens (2015), National Gallery of Australia in Canberra

Yayoi Kusama (in , modern: , Kusama Yayoi; * 22. März 1929 in Matsumoto, Präfektur Nagano, Japan; † 14. August 2026 in Tokio) war eine der bedeutendsten japanischen Künstlerinnen der Nachkriegszeit. Sie lebte zwischen 1958 und 1972 vorwiegend in New York City. Ihre bekanntesten Kunstwerke, Aktionen und Happenings entstanden in dieser Zeit. Ihr Markenzeichen waren Polka Dots, farbige Punkte, die sie auf Leinwände, Skulpturen und Menschen malte. Am 27. September 2017 eröffnete die Künstlerin in Tokio ihr eigenes Museum. Sie zählte zu den wichtigsten Vertretern der Soft Sculpture.

Kindheit in Japan Kusama wuchs in einer wohlhabenden bürgerlichen Familie in Matsumoto auf. Ihre Kindheit und Jugend im Elternhaus war von Strenge und Autorität geprägt. Japan war zu dieser Zeit ein faschistoider Militärstaatvgl. Kōdō-ha. Kusama musste im Zweiten Weltkrieg ab 1941 im Alter von nur zwölf Jahren in einer Fallschirmfabrik arbeiten. Ihre Mutter wünschte, dass ihre Tochter traditionell aufwachse. Ständiger Druck, Ablehnung und Entfremdung von ihrer Mutter könnten zu Kusamas schon in der Kindheit beginnenden Krankheit geführt haben, die sich in Halluzinationen zeigte. Kusama sah Punkt- und Netzmuster und fürchtete, sich darin aufzulösen. Kusama erklärte später, sie erlebe diese Halluzinationen seit ihrem zehnten Lebensjahr und sehe auch im hohen Alter noch überall Punkte.

Die Halluzinationen wurden zum Bestandteil ihrer Kunst. Für Kusama wurde das Malen zu einer Überlebensstrategie und zu einer Form von Therapie. Schon 1939 fertigte sie Zeichnungen an, in denen sie die Muster verarbeitete. Kusama litt außerdem an ausgeprägter Angst vor phallischen Objekten, Sexualität und Essen.Siehe: Alexandra Matzner, Yayoi Kusama im Louisium, Dänemark, 2015–2016.

Erste Erfolge Bereits als Jugendliche entschied sich Kusama für eine Laufbahn als professionelle Künstlerin, was für eine Frau im konservativen Nachkriegsjapan äußerst ungewöhnlich war. 1948 ging Kusama an die Kyoto School of Arts and Crafts, wo sie Nihonga-Malerei studierte, die japanische und westliche Traditionen miteinander verband. Ihre Mutter ließ sie unter der Bedingung gewähren, dass sie bei Verwandten in Kyōto japanische Etikette erlerne. Zu jener Zeit war es für eine Frau schwer, in der Welt der Kunst in Japan Fuß zu fassen; und wenn, dann auch nur in den traditionellen Künsten. Kusama wandte sich jedoch bald von der akademischen Disziplin und dem Nihonga-Stil ab, den sie mit dem japanischen Kriegsnationalismus assoziierte. In ihren frühen Zwanzigern setzte ihre Familie sie zudem mit arrangierten Heiratsplänen unter Druck, was zu ihrer Entfremdung von den gesellschaftlichen Erwartungen des Nachkriegsjapans beitrug.

Kusama orientierte sich an surrealistisch beeinflusster Kunst aus Paris und New York sowie an der japanischen Avantgarde. Sie schuf Hunderte semiabstrakte Gemälde, in denen florale, astronomische und sexuelle Formen vor Feldern aus Punkten und stachelartigen Linien erschienen. In den nächsten Jahren hatte sie neun Ausstellungen, darunter sechs Einzelausstellungen; die erste Einzelausstellung fand 1952 in der Matsumoto Civic Hall, der Bürgerhalle ihrer Heimatstadt, statt. Viele Bilder aus dieser Schaffensperiode wurden von der Künstlerin vernichtet, bevor sie nach New York ging. Zur selben Zeit begann sie, sich psychiatrisch behandeln zu lassen. Sie schämte sich nie wegen ihrer Krankheit und ging offen damit um. Sie sprach damit in einer Zeit über ihre psychischen Probleme, in der solche Themen stark tabuisiert waren.

Sie wurde landesweit bekannt, von der japanischen Kunstwelt jedoch weitgehend abgelehnt. 1955 wurden drei ihrer Aquarelle in einer internationalen Ausstellung im Brooklyn Museum gezeigt; daraufhin begann sie, ihren Umzug in die Vereinigten Staaten vorzubereiten. Ihre Eltern gaben ihr Geld für den Flug unter der Bedingung, dass sie nie wieder zurückkehre. 1957 reiste sie zunächst nach Seattle, wo sie kurze Zeit lebte, bevor sie 1958 nach New York zog.

Anfänge in New York Da Kusama keine finanzielle Unterstützung hatte, war sie auf den Verkauf ihrer Bilder angewiesen. Vor ihrer Übersiedlung hatte sie Georgia O’Keeffe eine Auswahl ihrer Arbeiten zugesandt; O’Keeffe half ihr später dabei, in den Vereinigten Staaten erste Kontakte zu knüpfen. Kusama hatte O’Keeffes Adresse über die amerikanische Botschaft ermittelt, weil diese die einzige amerikanische Künstlerin war, die sie damals kannte; O’Keeffe antwortete ihr ermutigend. Sie wurde in der New Yorker Kunstszene zunächst dadurch bekannt, dass sie von Galerie zu Galerie ging, um Ausstellungsfläche zu bekommen. Der finanzielle Erfolg blieb aus.

Unter ärmlichen Lebensbedingungen schuf Kusama großformatige abstrakte Gemälde, die sie Infinity Nets nannte. Sie bestanden aus zahllosen kleinen, geschwungenen weißen Pinselstrichen, die auf weißen oder schwarzen Flächen wie riesige, wirbelnde Netze mit nadelstichartigen Öffnungen wirkten. Die bis zu 2 × 4 Meter großen Bilder kosteten zu dieser Zeit nur 350 US-Dollar. Ihr Maßstab übertraf den der Werke des damals noch vorherrschenden Abstrakten Expressionismus und zog die Aufmerksamkeit jüngerer Künstler auf sich, die nach neuen künstlerischen Wegen suchten. Einer von ihnen war Donald Judd, der damals als Kunstkritiker arbeitete und an den theoretischen Grundlagen des späteren Minimalismus mitwirkte; er setzte sich für Kusamas Werk ein, kaufte eines ihrer Bilder und half in ihrem Atelier.

In New York verkehrte sie im Umfeld der Avantgarde und stand unter anderem mit Frank Stella, Donald Judd und Joseph Cornell in Kontakt, mit dem sie eine intensive, jedoch platonische Beziehung führte. Als junge asiatische Künstlerin blieb sie wirtschaftlich jedoch hinter vielen männlichen Kollegen ihrer Generation zurück. Kusama fühlte sich in New York nicht wohl und ihre Krankheit verschlechterte sich. 1961 war sie erneut in psychiatrischer Behandlung.

Phallische Skulpturen 1961 erschloss sich Kusama Stoffskulpturen als künstlerisches Mittel. Sie nähte Tausende ausgestopfte Stoffphalli, bemalte sie weiß oder golden und befestigte sie auf Alltagsgegenständen wie Tischen, Sesseln, Kleidungsstücken, Schuhen, Kinderwagen und einem Ruderboot. Auf diese Weise entstanden raumfüllende Installationen, deren Oberflächen vollständig von den wiederholten Formen überwuchert waren. Ihre weichen, oft phallischen Stoffskulpturen standen zeitlich und formal in der Nähe von Arbeiten Andy Warhols und Claes Oldenburgs.

Die als Accumulation Sculptures bezeichneten Arbeiten wurden 1962 zusammen mit Werken von Claes Oldenburg, James Rosenquist und Andy Warhol in einer Gruppenausstellung der Green Gallery präsentiert, die zu den frühen Ausstellungen der Pop Art gehörte. Zu den dort gezeigten Werken gehörte die Couch Accumulation #1. Mit den Infinity Nets und den Accumulation Sculptures nahm Kusama früh an der Entwicklung der beiden damals neuen Strömungen Minimalismus und Pop Art teil.

Die Auseinandersetzung mit phallischen Formen wird von manchen Betrachtern als Aufarbeitung sexueller Ängste interpretiert. Kusama stellte dieses Motiv mit ihrer Angst vor Sexualität in Zusammenhang und setzte es gezielt zur künstlerischen Bearbeitung dieser Furcht ein. Durch die fortgesetzte Reproduktion der Formen, die ihr Angst machten, versuchte sie nach eigener Darstellung, diese Angst zu unterdrücken. Kusama war zu jener Zeit in einer psychotherapeutischen Behandlung.

Die Skulptur Traveling Life von 1964 besteht aus einer von phallischen Formen überwucherten Leiter, auf deren Stufen Frauenschuhe stehen, Sinnbild für Kusamas beschwerlichen Werdegang in der von Männern dominierten Kunstszene.

Fotografie und Selbstdarstellung Ab Mitte der 1960er setzte Kusama Fotografien ein, um ihre Arbeiten bekannt zu machen. Diese Fotos waren von Kusama genau geplant, oft von bekannten Fotografen aufgenommen. Kusama posierte dafür oft theatralisch, ähnlich einem Model. In manchen Aufnahmen war sie nackt mit Punkten bemalt. Das kann als Schritt hin zu Happenings, Events und Performances gesehen werden, in denen sie Grenzen zwischen Kunst, Mensch und Umwelt auflösen wollte. Sonst gab sich Kusama in der Öffentlichkeit in anspruchsvolle traditionelle Kimonos gehüllt.

Kusama war sich bewusst, dass sie in der New Yorker Kunstwelt als asiatische Außenseiterin wahrgenommen wurde, und nutzte diese Wahrnehmung gezielt für ihre öffentliche Selbstdarstellung und die Vermarktung ihrer Arbeit. In einigen ihrer Performances der mittleren und späten 1960er-Jahre nutzte sie orientalisierende Elemente und Motive der aufkommenden Hippiekultur.

Happening und Performance Nachdem Kusamas Arbeiten 1966 nicht für die Biennale in Venedig ausgewählt worden waren, beschloss sie, ihre Installation Narcissus Garden, bestehend aus 1500 spiegelnden Kugeln, vor der Ausstellungshalle aufzubauen. Sie erschien dabei in einem goldenen Kimono und präsentierte sich unabhängig von der offiziellen Auswahl als Vertreterin ihrer selbst. Passanten konnten eine Kugel für 1200 Lire (heute ungefähr 0,62 Euro) erwerben. Ein Schild mit der Aufschrift „Your Narcisium For Sale“ verwies auf den Narzissmus, der Kunsterwerb und Besitz innewohnt. Bis die Veranstalter der Biennale Kusamas Aktion polizeilich beendeten, war sie bereits zur bekanntesten Künstlerin dieser Biennale geworden.

Es folgten Happenings in New York wie das 14th Street Happening: Kusama lag auf dem Bürgersteig inmitten weißer, rotgepunkteter phallusartiger Kissen. In Walking Piece ging sie in einem pinkfarbenen Kimono und einem mit Plastikblumen dekorierten Regenschirm durch New York.

Ab 1966 organisierte Kusama eine Reihe unangekündigter, gegen Autoritäten und insbesondere gegen den Vietnamkrieg gerichteter Aktionen an symbolträchtigen Orten wie der Wall Street, der Freiheitsstatue und dem Skulpturengarten des Museum of Modern Art. Bei diesen von ihr als Body Festivals und Anatomic Explosions bezeichneten Veranstaltungen entkleideten sich freiwillige Teilnehmer und ließen ihre Körper von Kusama mit Punkten bemalen, während sie selbst in gepunkteter Kleidung vollständig bekleidet blieb. Die öffentliche Nacktheit sollte Aufmerksamkeit erregen; auch das Einschreiten der Polizei trug zur Bekanntheit der Aktionen bei.

Ebenso wie in ihren Halluzinationen sollten die Punkte Grenzen aufheben. Dieses Prinzip bezeichnete Kusama als Self-Obliteration, als Auflösung des individuellen Selbst in einem unendlichen Zusammenhang. Damit wollte sie Grenzen zwischen ihrer Kunst, den Menschen und ihrer Umgebung sowie zwischen den Menschen untereinander auflösen. Das Self Obliteration Event, das 1967 an der Brooklyn Bridge stattfand, zählt zu ihren bekanntesten Aktionen. Viele dieser Veranstaltungen wurden von der Polizei aufgelöst. In den Fotosessions, Happenings und Events sind Elemente erkennbar, die im Nachhinein als Vorläufer der Kunstrichtung Performance gesehen werden können.

Ende der 1960er-Jahre übernahm Kusama Ideen der Hippiebewegung: Anarchismus, Pazifismus, Nudismus und freie Liebe. Für Kusama diente die Idee freier Sexualität dem Pazifismus und der Überwindung von Trennungen zwischen Menschen. Zu ihren kommerziellen Projekten in New York gehörten die zeitweilige Boutique Kusama’s Korner bei Bloomingdale’s und eine Schwulenbar namens Kusama’s Omophile Klub. Anfang der 1970er gründete sie mehrere Firmen wie Kusama Fashions oder das nicht jugendfreie Magazin Kusamas Orgy. Der Erfolg blieb jedoch aus, und sie kehrte 1973 nach Japan zurück.

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