Kłecko ( Kletzko, 1940–1945 Klötzen) ist eine Stadt im Powiat Gnieźnieński (Gnesener Kreis) der polnischen Woiwodschaft Großpolen. Sie ist Sitz der gleichnamigen Stadt-und-Land-Gemeinde mit Einwohnern (Stand ).

Geographie Der Ort liegt in der historischen Region Kujawien, zwischen dem Paulsdorfer See und dem Kletzkoer See, etwa 44 Kilometer nordöstlich der Stadt Posen und 17 Kilometer nordwestlich der Stadt Gnesen.

Geschichte mini|300px|Marktplatz (2011) mini|Kletzko, südlich der Stadt Bromberg, nordöstlich der Stadt Posen und nordwestlich der Stadt Gnesen, auf einer Landkarte der Provinz Posen von 1905 (gelb markierte Flächen kennzeichnen Gebiete mit seinerzeit mehrheitlich polnischsprachiger Bevölkerung) mini|hochkant|Katholische Kirche mini|hochkant|Gedenktafel für die Anführer des polnischen Widerstands, die vom 4. bis 9. September 1939 versucht hatten, die Rückeroberung der Stadt zu vereiteln Im 9. Jahrhundert wurde eine befestigte Siedlung an der Stelle des heutigen Kłecko errichtet.

Im 13. Jahrhundert wurde eine gemauerte Burg errichtet. 1255 erhielt die Siedlung von Boleslaus dem Frommen das Stadtrecht und Henryk Strophisus wurde der erste Vogt der Stadt. Er erhielt den Boden und die Anlage unter der Bedingung, den Ort nach deutschem Recht zu besetzen; die sich hier niederlassenden Siedler wurden von allen Abgaben losgesprochen.

Durch Kämpfe mit dem Deutschen Orden wurde die Stadt 1331 zerstört.

Der alte Freibrief von Boleslaus ging bei einem Stadtbrand verloren, doch war eine Abschrift erhalten, nach der König Kasimir IV. 1450 zu Posen eine neue Urkunde ausfertigte. Darin wurden die alten Rechte bestätigt und die Stadtbewohner von aller Gerichtsbarkeit der königlichen Beamten befreit und nur unter den Spruch ihres eigenen Richters gestellt, der selber nur vom König nach deutschem Magdeburger Recht gerichtet werden durfte.

1501 wurde die Stadt erneut, diesmal durch einen großen Brand, zerstört, aber wieder aufgebaut.

Während des Schwedisch-Polnischen Krieges fand bei der Stadt 1656 eine Schlacht statt, auf polnischer Seite geführt von Stefan Czarniecki.

Im Jahr 1793 kam die Stadt bei der Zweiten Teilung Polens unter preußische Herrschaft. Von 1815 bis 1918 gehörte Kletzko zum Kreis Gnesen im Regierungsbezirk Bromberg.

Im Jahr 1894 wurde eine Schmalspurbahn nach Gnesen gebaut, und 1914 erfolgte der Anschluss an die Normalspurbahn.

1918 gehörte Kletzko zum Kreis Gnesen im Regierungsbezirk Bromberg der preußischen Provinz Posen im Deutschen Reich.

Als am Ende des Ersten Weltkriegs der Großpolnische Aufstand ausgerufen wurde, beteiligten sich auch Einwohner der Stadt Kletzko an den Kämpfen. Nach Kriegsende musste die Stadt aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags am 10. Januar 1920 an die Zweite Polnische Republik abgetreten werden.

Während des Überfalls auf Polen durch die deutsche Wehrmacht im September 1939 versuchten zivile Einwohner, die Stadt Kłecko zu verteidigen, nachdem die polnische Armee sich bereits zurückgezogen hatte.

Am 10. September wurde die Stadt von der deutschen Armee vollständig besetzt. Anschließend wurde die Region mit der Stadt völkerrechtswidrig in das Reichsgebiet eingegliedert.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Stadt am 21. Januar 1945 von der Roten Armee erobert. Bald danach wurde die Stadt von der Sowjetunion der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen.

Bei einer Verwaltungsreform wurde die Woiwodschaft Posen gebildet, die das Gebiet der Stadt einschloss. Nach deren Auflösung war Kłecko ab 1999 Teil der Woiwodschaft Großpolen.

Demographie + Bevölkerungsentwicklung bis 1921 Jahr Einwohner Anmerkungen 1799 491 Stadt, mit zwei öffentlichen Gebäuden, drei Kirchen (zwei katholischen und einer evangelischen), 100 Wohnhäusern und zwei Mühlen (von einem vorausgegangenen Brand lagen 149 Baustellen wüst, das Rathaus war verfallen) 1803 646 StadtAlexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preußischen Staats. Ausgearbeitet und herausgegeben von Alexander August Mützell. Band 5: T–Z, Halle 1823, S. 304–311, Ziffer 318 (Google Books) 1816 717 Stadt, davon 123 Evangelische, 536 Katholiken und 58 Juden; nach anderen Angaben mit 111 Feuerstellen (Haushaltungen) und 676 Einwohnern, darunter 96 Lutheraner und 50 JudenHeinrich Wuttke: Städtebuch des Landes Posen. Codex diplomaticus: Allgemeine Geschichte der Städte im Lande Posen. Geschichtliche Nachrichten von 149 einzelnen Städten. Leipzig 1864, S. 333–334 (Google Books). 1821 960 in 127 Privatwohnhäusern 1826 1000 Ackerstadt, mit 127 HäusernLeopold von Zedlitz-Neukirch: Die Staatskräfte der preußischen Monarchie unter Friedrich Wilhelm III. Band 2, Teil 1, Berlin 1828, S. 115, Ziffer 4) (Google Books). 1837 1151 Stadt 1843 1295 1852 1541 am JahresendeUebersicht des Flächenraums und der Einwohnerzahl des Preussischen Staats, und Alphabetisches Verzeichniß der Städte in demselben, mit Angabe der Civil-Einwohnerzahl am Schlusses des Jahres 1852, Decker, Berlin 1854, S. 16 (Google Books). 1855 1518 am JahresendeUebersicht des Flächenraums und der Einwohnerzahl des Preussischen Staats, und Alphabetisches Verzeichniß der Städte in demselben, mit Angabe der Civil-Einwohnerzahl am Schlusses des Jahres 1855, Decker, Berlin 1857, S. 16 (Google Books). 1858 1483 1861 1554 1867 1769 Stadtgemeinde, am 3. Dezember 1871 1843 Stadtgemeinde, am 1. Dezember, davon 288 Evangelische, 1382 Katholiken, fünf sonstige Christen und 168 JudenKönigliches Statistisches Büro: Die Gemeinden und Gutsbezirke des preussischen Staates und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. Dezember 1871 bearbeitet und zusammengestellt. Teil IV: Die Provinz Posen. Berlin 1874; VIII. Kreis Gnesen, S. 214–215, Ziffer 4 (kpbc.umk.pl). 1885 1872 am 1. Dezember, davon 303 Evangelische, 1393 Katholiken und 176 Juden;Königliches statistisches Bureau: Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1885 und anderer amtlicher Quellen. Band V: Provinz Posen, Berlin 1888. Regierungsbezirk Bromberg, 41. Kreis Gnesen, S. 264–265, Ziffer 1 (Google Books). nach anderen Angaben 1751 Einwohner, davon 296 Evangelische und 141 Juden 1900 1723 Stadt, mit einer evangelischen und zwei katholischen Kirchen sowie einer Synagoge, am 1. Dezember, meist katholische EinwohnerLexikoneintrag zu Kletzko (Klecko), in: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage, Band 11, Leipzig/Wien 1907, S. 135 (Zeno.org). 1905 1779 am 1. Dezember, darunter 366 mit deutscher Muttersprache (341 Evangelische und 25 Katholiken) und 1336 mit polnischer Muttersprache (sämtlich Katholiken); außerdem 77 JudenKöniglich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon für die Provinz Posen. Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1905 und anderer amtlicher Quellen. Berlin 1908, 9. Kreis Gnesen, S. 32–33, Ziffer 2 (Google Books). 1910 1838 am 1. Dezember, davon 541 mit deutscher Muttersprache (413 Evangelische, 42 Katholiken und 86 Juden) und 1296 mit polnischer Muttersprache (1295 Katholiken und eine jüdische Person)Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon der Regierungsbezirke Allenstein, Danzig, Marienwerder, Posen, Bromberg und Oppeln. Auf Grund der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 und anderer amtlicher Quellen. Berlin 1912, Heft V: Regierungsbezirk Bromberg, 5. Kreis Gnesen, S. 14–15, Ziffer 2 (Google Books).

Gemeinde Zur Stadt-und-Land-Gemeinde (gmina miejsko-wiejska) Kłecko gehören die Stadt selbst und 21 Dörfer mit Schulzenämtern.

Verkehr Durch die Stadt führt die Landesstraße 190. Sie verbindet Gniezno im Süd-Osten und Wągrowiec im Nord-Westen. Der Flughafen Poznań-Ławica liegt etwa 50 Kilometer westlich.

Persönlichkeiten Clara Asch (1881–1942), Kauffrau und Opfer des Nationalsozialismus Ilona M. Otto (* 1979), polnisch-deutsche Sozialwissenschaftlerin und Hochschullehrerin

Literatur Kletzko, Stadt, zwischen zwei Seen, Kreis Gnesen, Regierungsbezirk Bromberg, Provinz Posen, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Kletzko (meyersgaz.org). Heinrich Wuttke: Städtebuch des Landes Posen. Codex diplomaticus: Allgemeine Geschichte der Städte im Lande Posen. Geschichtliche Nachrichten von 149 einzelnen Städten. Leipzig 1864, S. 333–334 (Google Books).

Weblinks

Amtsbezirk Stadt und Land Klötzen (Wartheland) (Territorial.de)

Einzelnachweise

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