mini|Seite aus gart der gesuntheit von 1485. Die Abbildung, einer von 379 Holzschnitten, zeigt eine Alraune (Mandragora). mini|„Garten der Gesundheit (Hortus Sanitatis) nach Johann Wonnecke von Cube/Cuba/Kaub“.Kräutergarten der Stadt Kaub

Johann Wonnecke von Kaub oder Johann von Cube (* um 1430 in Kaub am Rhein; † 1503/04 in Frankfurt am MainGundolf Keil: Johann Wonnecke (Dronnecke) von Kaub. In: Enzyklopädie Medizingeschichte. 2005, S. 700 f.; hier: S. 700.), auch Johann[es] Dronnecke bzw. Johannes de Cuba (er selbst nannte sich „Johan von Cube“), war ein deutscher Arzt und Botaniker. Am Mainzer Hof und in Heidelberg wirkte er als Leibarzt. Er ist der Verfasser bzw. Kompilator eines verbreiteten Kräuterbuchs, des Gart der Gesundheit.

Leben Johann Wonnecke aus Kaub, geboren am Mittelrhein, lebte gegen Ende des 15. Jahrhunderts in Augsburg, um 1484 in Frankfurt am Main. Ab dem Wintersemester 1448 war er in Köln immatrikuliert und ab 1451 in Erfurt. In Erfurt wurde er 1453 Baccalaureus artium und anschließend zum Magister der Medizin promoviert.Gundolf Keil: Johann Wonnecke (Dronnecke) von Kaub. In: Enzyklopädie Medizingeschichte. 2005, S. 700.

Am Mainzer Hof war Wonnecke in den 1460er und frühen 1470er Jahren Leibarzt hochgestellter Personen. Ab 1476 war er in Heidelberg Leibarzt des Pfalzgrafen Friedrich. Ab 1484 war er als Stadtarzt in Frankfurt tätig.Ute Obhof: Rezeptionszeugnisse des „Gart der Gesundheit“ von Johann Wonnecke in der Martinus-Bibliothek in Mainz – ein wegweisender Druck von Peter Schöffer. In: Medizinhistorische Mitteilungen. Zeitschrift für Wissenschaftsgeschichte und Fachprosaforschung. Band 36/37, 2017/2018, S. 25–38, hier: S. 28.

Er ist der 1480 von Bernhard von Breidenbach beauftragt gewesene Verfasser eines medizinischen Kräuterbuchs, das zuerst (1484) unter dem Titel „Herbarius“, später in hochdeutscher Sprache als Ortus sanitatis, auf teutsch ein gart der gesuntheit etc. in Mainz 1485,Hortus sanitatis deutsch, Mainz (bei Peter Schöffer) 1485, Neudrucke München 1924 und 1966 später auch in niederdeutscher Sprache als „Der Ghenocklicke Gharde der Suntheit“ (bzw. Gaerde der suntheit. Hortus sanitatis) 1492 in Lübeck und sogar, übersetzt von dem Lübecker Arzt Nicolaus Bulow unter dem Moskauer Großfürsten Wassili III. (1505–1533), in russischer SpracheAloys Henning: Medizinische Wissensschöpfung in Rußland vor 1800: Der Anteil deutschsprachiger Mediziner. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 23, 2004, S. 428–435; hier: S. 428. erschienen ist. Später ist das Buch in zahlreichen Auflagen und DrittredaktionenKreuterbuch ... von Adamo Lonicero, hrsg. von Peter Uffenbach, Frankfurt am Main 1557 u.ö. erschienen. Diese enthalten Mitteilungen, die Wonnecke von einem Begleiter der Breidenbachschen Expedition in den Orient in den Jahren 1483 bis 1484 erhalten hat.

Die einflussreiche Schrift, von der es bis zum Ende des Mittelalters 15 Drucke gab, ist wegen der Seltenheit entsprechender medizinischer und botanischer Werke in jener Zeit historisch von großer Bedeutung.Gundolf Keil, Christine Wolf: Das führende Kräuterbuch als transporter: Altdeutsche Fachprosa in Johann WONNECKES ‘Gart’. In: Ingrid Kästner u. a. (Hrsg.): Erkunden, Sammeln, Notieren und Vermitteln – Wissenschaft im Gepäck von Handelsleuten, Diplomaten und Missionaren. Aachen 2014 (= Europäische Wissenschaftsbeziehungen. Band 7), S. 37–74.

Werkausgaben Ortus sanitatis. Peter Schöffer, Mainz 1485; Faksimile-Nachdruck München 1966. Dit is de genochlike Garde der suntheyt. to latine Ortulus sanitatis edder Herbarius gen[oe]met dar me ynne vindet alle arth nature vñ eghenschop d ́krudere vnde der eddelen stene. Dorch welkerer krafft vñ d[oe]get de krancke gesunt vñ de ghesunde minsche vor krãkheyt bewart werdẽ mach. Jtẽ wo mẽ des minschẽ water beseen vñ recht richtẽ schal. Jtẽ yn dem̃ ende desses bokes vindestu eyn register dat dy behendichliken na wiset wor eyn yewelk krut saet sap vnde eddel steen gud edder scheddelick to ys. Lübeck 1520 () Hortus Sanitatis. Matthias Biener (Druck), Straßburg 1536 (Trustees of British Museum, London).

Ehrungen Nach Wonnecke benannt sind die Pflanzengattungen Cuba und Cubaea aus der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae).

Siehe auch Hortus sanitatis

Literatur

Gundolf Keil: Gart der Gesundheit. In: Verfasserlexikon. 2. Auflage. Band 2, 1980, Sp. 1072–1092. Gundolf Keil: ‘Gart’, ‘Herbarius’, ‘Hortus’. Anmerkungen zu den ältesten Kräuterbuch-Inkunabeln. In: Gundolf Keil (Hrsg.): gelêrter der arzenîe, ouch apotêker": Beiträge zur Wissenschaftsgeschichte. Festschrift zum 70. Geburtstag von Willem F. Daems. Pattensen bei Hannover 1982 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen. Band 24), jetzt bei Königshausen & Neumann, Würzburg, ISBN 3-921456-35-5, S. 589–635, S. 595 ff. Gundolf Keil: Wonnecke, Johann. In: Verfasserlexikon. 2. Auflage. Band 10, 1999, Sp. 1421 f. Gundolf Keil: Johann Wonnecke (Dronnecke) von Kaub (J. de Cuba) (Wonnecke, Johann, von Caub). In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 700 f. Wolf-Dieter Müller-Jahncke: Wonnecke, Johann. In: Wilhelm Kühlmann u. a. (Hrsg.): Killy Literaturlexikon. 2. Auflage. Band 12. Berlin/Boston 2011, S. 577 f. Ute Obhof: Rezeptionszeugnisse des „Gart der Gesundheit“ von Johann Wonnecke in der Martinus-Bibliothek in Mainz – ein wegweisender Druck von Peter Schöffer. In: Medizinhistorische Mitteilungen. Zeitschrift für Wissenschaftsgeschichte und Fachprosaforschung. Band 36/37, 2017/2018 (2021), S. 25–38, insbesondere S. 28.

Weblinks

Seite aus dem Ortus sanitatis Gart der Gesundheit. Basel, um 1487–1490.

Einzelnachweise Lotte Burkhardt: Verzeichnis eponymischer Pflanzennamen. Erweiterte Edition. Botanic Garden and Botanical Museum Berlin, Freie Universität Berlin, Berlin 2018.

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