mini|hochkant=1.9|Herrschaftsform nach Land gemäß Demokratieindex für das Jahr 2025:

Autoritarismus ( ‚Einfluss‘, ‚Geltung‘, ‚Macht‘) ist eine Herrschaftsform, bei der im Unterschied zur Demokratie die politische Macht nicht bei der gesamten Bevölkerung liegt, sondern bei einer oder wenigen Personen. Die Bürger eines autoritär regierten Staates haben also keine Möglichkeit, durch freie Wahlen die Regierung nach ihrem Wunsch zu ändern. In der Regel kommt es unter der Herrschaft von autoritären Regimen auch deutlich häufiger als in Demokratien zu Verletzungen der Menschenrechte, bspw. durch die Inhaftierung politischer Gegner.

Ein umgangssprachliches Synonym ist Diktatur, dieser Begriff wird in der Politikwissenschaft allerdings nicht verwendet, da er nicht eindeutig definiert ist.

Derzeit lebt etwa die Hälfte der Weltbevölkerung in mehr oder weniger autoritären Systemen. Der größte eindeutig autoritäre Staat ist China.

Als Extremform des Autoritarismus gilt der Totalitarismus.

Soziale und politische Basis autoritärer Systeme Autoritäre Systeme werden von bestimmten sozialen Kräften einer Gesellschaft getragen. Diese bilden gegebenenfalls ihre oligarchische Machtbasis. Diese sozialen Kräfte können in z. B. zivile und militärische Kräfte unterteilt werden. Das heißt, autoritäre Staaten können zivil, militärisch, tribal, religiös oder bürokratisch usw. gestützt sein.

Legitimationsmuster autoritärer Systeme Max Weber beschreibt drei Formen der Legitimation: traditionelle, charismatische und rationale Legitimität. In Bezug auf autoritäre Systeme sind nur die traditionelle und charismatische Legitimität von Bedeutung.

Traditionell bedeutet nach Max Weber: „die Autorität des ewig Gestrigen: der durch unvordenkliche Geltung und gewohnheitsmäßige Einstellung auf ihre Innehaltung geheiligter Sitten“ – dieses Legitimationsmuster trifft vor allem auf autoritäre Staaten zu, in denen die Religion als Legitimation für den Herrschenden gilt und das Politische nicht vom Sakralen getrennt ist. Beispiele hierfür sind Saudi-Arabien und der Iran, wobei Anklänge an dieses Muster auch in Teilen der westlichen Welt (z. B. Bible Belt), wenn auch mit beschränktem Einfluss, vorzufinden sind.

Charismatisch bedeutet nach Max Weber: „aus Begeisterung oder Not und Hoffnung geborene, gläubige, ganz persönliche Hingabe“ – dieses Legitimationsmuster trifft vor allem auf Länder zu, in denen ein politischer Führer Anerkennung in der Bevölkerung erworben und seine Herrschaft in einem autoritären System verankert hat. Als ein Beispiel hierfür kann Kuba unter Fidel Castro angesehen werden.

Strukturmuster der politischen Macht In autoritären Systemen ist die Macht in der Regel zentralisiert. Die meisten modernen autoritären Staaten sind Scheindemokratien, da laut Verfassung häufig formal demokratische Strukturen vorgeschrieben sind, diese allerdings nicht wirklich bestehen.

Vergleicht man Industrie- und Entwicklungsländer, kann ein höheres Maß an Personalisierung des Politischen festgestellt werden. Als personalistisch bezeichnet man eine Führung dann, wenn sie in einer Person konzentriert ist.

Beziehung zwischen Machthabern und Herrschaftsunterworfenen Das wesentliche Element im Verhältnis von Machthabern und Machtunterworfenen ist die Gewalt „von oben“, meist in Form einer Geheimpolizei, deren Zweck darin besteht, die politische Macht der herrschenden Klasse zu schützen und jegliche Form der Opposition zu unterdrücken. Die politische Partizipation wird von den Machthabern entweder unterbunden oder gesteuert.

Die Kommunikationsforscherin Sarah Oats bezeichnete die Rolle der Massenmedien als einen kritischen Faktor beim Abgleiten eines Staates in den Autoritarismus.Professor of Political Communication Sarah Oates: Television, Democracy and Elections in Russia. BASEES/Routledge Series on Russian and East European Studies, Routledge, 2006, ISBN 978-1-134-17847-6, S. 149: . Zur Stabilisierung eines etablierten Regimes können die verschiedenen Strategien Zensur, Selbstzensur oder Propaganda verfolgt werden.Thomas Heberer, Gunter Schubert (Hrsg.): Regime Legitimacy in Contemporary China: Institutional Change and Stability. Routledge Contemporary China Series, Routledge, 2008, ISBN 978-1-134-03630-1, S. 177. Durch die Kontrolle der großen Medien sei es nach dem Politikwissenschaftler Stephen K. Wegren annähernd ausgeschlossen, dass Medien eine Debatte auslösen können, wie dies eine Funktion von Medien in offenen politischen Systemen der Fall sei.Stephen K. Wegren: Putin's Russia: Past Imperfect, Future Uncertain. Rowman & Littlefield, 6. Ausgabe 2015, ISBN 978-1-4422-3919-7, S. 137.

Angesichts der stärker werdenden Popularität rechtspopulistischer Parteien sprechen Medien in den 2010er Jahren von einer Krise des Liberalismus. So hebt etwa der Journalist Thomas Assheuer hervor, dass der Soziologe Ralf Dahrendorf bereits in den 1990er Jahren voraussagte, dass die Globalisierung „eher autoritären als demokratischen Verfassungen Vorschub leisten“ werde. Der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier warnte 2017 mehrmals – in seiner Antrittsrede vor dem Bundestag, bei seinem ersten Auslandsbesuch in Frankreich sowie bei seiner ersten Rede im Europaparlament – vor einer neuen „Faszination des Autoritären“.

Der Herausgeber der Berliner Zeitung Michael Maier nannte wesentliche Kennzeichen, die autoritäre Systeme von einer auf Gewaltenteilung basierenden freiheitlichen Demokratie unterscheiden: „Autoritäre Systeme können über Nacht Maßnahmen verordnen. Sie können die Bürgerrechte nach Belieben einschränken. Polizei- und Überwachungsstaat ersticken Widerstand im Keim. Andersdenkende oder Kritiker werden mundtot gemacht, verschwinden von der Bildfläche – über Nacht. Denunziation ist der Kitt, der Unrechtssysteme im Innersten zusammenhält. Bürokratische Schikanen nötigen die Bürger zum Wohlverhalten. Um sich selbst nicht zu gefährden, misstrauen die Bürger einander und verraten sich gegenseitig. Mitbestimmung, Expertise und Parlamentarismus werden als Fassaden aufrechterhalten. Eine unabhängige Justiz gibt es nicht. Zensur findet statt. Die Würde des Menschen ist eine Frage von Gunst und Willkür. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Entscheidung über Krieg und Frieden ist den Interessen von kleinen Cliquen untergeordnet. Die Macht der Herrschenden ist unantastbar. Der Wille der Machthaber ist unberechenbar. Die Missachtung von kleinsten Vorschriften kann gravierende Folgen haben. Die Vorschriften ändern sich oft über Nacht, manchmal sogar im Nachhinein.“ Er betonte, es sei in Europa „viel zu verlieren“ und sprach von einer Belastungsprobe des europäischen Systems, welches – im Zuge einer schleichenden „globalen Angleichung“ – zunehmend Symptome einer „Anarchie von oben“ zeige.

Typologie autoritärer Regime nach Juan J. Linz mini|hochkant|Engelbert Dollfuß’ Diktatur in Österreich enthielt eine Vielzahl von autoritären Elementen mini|hochkant|Francisco Franco, Diktator Spaniens von 1936 bis 1975 und einer der letzten autoritären Diktatoren in Europa Folgende Typen autoritärer Regime wurden von Juan J. Linz systematisiert. Sie sind idealtypisch und nur selten deckungsgleich mit real existierenden Regimen.

Bürokratisch-militärisches Regime Merkmale: keine mobilisierungsfähige Partei Führung: a-charismatische Militärs Mentalität pragmatisch Dieser Typ folgt meist auf ein liberal-demokratisches System, das über keine Systemloyalitäten oder keine stabile Regierung verfügt hat.

Beispiele: Militärdiktaturen in Lateinamerika 1960er bis 1990er Union Myanmar Thailand Pakistan Ägypten Fidschi Türkei (1960–1961), (1971–1973), (1980–1983)

Autoritärer Korporativismus Merkmale: vom Staat verfügte Prozedur der Interessenrepräsentation zwangsadministrative Begrenzung innergesellschaftlicher Konflikte Ideologische Alternative für Gesellschaften, die infolge ihrer ökonomischen und sozialen Komplexität nicht allein mit technokratisch-autoritären Mitteln regiert werden können.

Beispiele: Austrofaschismus in Österreich (1934–1938) Estado Novo in Portugal (1933–1974) Horthy-Ungarn (1919/1920–1944)

Mobilisierende autoritäre Regime Merkmale: emotionale Legitimationsformen durch eine affektive Identifikation mit der Regierung plebiszitäre Beteiligungsformen sollen dabei helfen, die Unterstützung zu sichern.

Beispiel: Franco-Spanien (1939–1976)

Postkoloniale mobilisierende Regime Merkmale: begrenzter Pluralismus relative Autonomie der Gesellschaft Heterogene politische Tendenzen und Kräfte

Vor allem im postkolonialen Afrika ließen soziale und ökonomische Disparitäten, ethnische, linguale und religiöse Unterschiede der Bevölkerung und eine schwache Bürokratie viele Staatsführer glauben, dass nur ein autoritär geführter Staat Erfolg verheißen würde. Die meisten dieser Regime sind Militärputschen oder der Umwandlung in rein persönliche Herrschaften zum Opfer gefallen.

Beispiele: Elfenbeinküste Tansania Burkina Faso

Neopatrimoniale Regime Unter Neopatrimonialismus wird ein besonders häufig in Afrika anzutreffender Herrschaftstyp bezeichnet, der als eine Mischform aus klassisch-patrimonialer und legal-rationaler Herrschaft angesehen werden kann. Als Regimetyp ist er zwischen Autokratie und Demokratie anzusiedeln. Kennzeichnende Bestandteile des Neopatrimonialismus sind Klientelismus und politische Patronage.

Beispiele: Kamerun Kenia Indonesien Kolumbien

Rassen- oder ethnische „Demokratien“ Kennzeichnend für Rassendemokratien und Ethnokratien ist, dass bestimmte ethnische Gruppen von der politischen Partizipation ausgeschlossen werden und keine demokratischen Rechte besitzen. Es wird nicht nur Druck auf die diskriminierte, in den historischen Beispielfällen nicht-weiße Bevölkerung ausgeübt, sondern auch auf Dissidenten aus der privilegierten Schicht (historisch: Weiße), die die Trennungspolitik bekämpfen und in Frage stellen.

Beispiele: Südafrika während der Apartheid (bis 1994) Rhodesien (bis 1980)

Israel bezeichnete Linz als „multiethnische nichtkonsensuale Demokratie“, in der sich eine Entwicklung zur „Rassendemokratie“ abzeichnete.Juan José Linz: Totalitäre und autoritäre Regime (= Reihe Potsdamer Textbücher. Band 4). 2. Auflage. Berliner Debatte Wissenschaftsverlag, Berlin 2003, S. 219.

Unvollständige totalitäre und prätotalitäre Regime Merkmale: Entwicklungstendenzen zum Totalitarismus gestoppt oder verzögert

Der Prätotalitarismus bezeichnet die Übergangsphase zum Totalitarismus.

Beispiele: Spanien nach dem Bürgerkrieg (1939) Deutsches Reich kurz nach der Machtübernahme (1933)

Posttotalitäre autoritäre Regime Merkmale: Verblassen utopischer Fernziele, Ritualisierung bzw. formelhafte Erstarrung der Ideologie graduelle soziale, ökonomische und kulturelle – jedoch keine politische – Repluralisierung bürokratischer Führungsstil der politischen Eliten, Tendenz zur Verrechtlichung des Herrschaftshandelns Ritualisierung bzw. Erstarrung der gesellschaftlichen Mobilisierung, bei teilweiser Duldung oder gar Förderung der Flucht ins Privatleben

Der Posttotalitarismus bezieht sich vor allem auf die Sowjetunion und ihre osteuropäischen Satellitenstaaten seit der Entstalinisierung. Diese Kategorie enthält noch weitere Subtypen.

Subtypen: früher Posttotalitarismus: Bulgarien (1988/89) eingefrorener Posttotalitarismus: DDR (1971–1989), Tschechoslowakei (1977–1989) reifer Posttotalitarismus: Ungarn (1982–1988) Posttotalitarismus mit sultanistischen Zügen: Rumänien unter Ceaușescu Übergang vom Posttotalitarismus zum Autoritarismus: Polen (1980er Jahre)

Typologie autoritärer Regime nach Wolfgang Merkel Der deutsche Politikwissenschaftler Wolfgang Merkel definiert zehn unterschiedliche autoritäre Typologien:

Kommunistisch-autoritäres Parteienregime Merkmale: Partei als Avantgarde der Arbeiterklasse und damit einziges legitimes Machtzentrum