Die Beziehungen zwischen den heutigen Staaten China und Russland überspannen mehrere hundert Jahre und verschiedene Regierungssysteme in beiden Ländern. Während zu Beginn der chinesisch-russischen Beziehungen das zaristische Russland dem chinesischen Kaiserreich gegenüberstand, hatte nach der Oktoberrevolution die Sowjetunion zuerst die Republik China und ab 1949 die Volksrepublik China zum Nachbarn. Seit der Auflösung der Sowjetunion und der Gründung der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten im Dezember 1991 übt die Russische SFSR die völkerrechtlichen Rechte und Pflichten der UdSSR aus.

Seitdem ist die Russische Föderation der nördliche Anrainer der Volksrepublik China.

Geschichte Beginn der Beziehungen Im Zuge der im 15. Jahrhundert begonnenen russischen Expansion nach Osten wurde die Grenze des russischen Reiches immer weiter in den asiatischen Raum verlagert und stieß dort auf die Einflusssphäre des China der Qing-Dynastie. Die dabei entstandenen Konflikte wurden 1689 im Vertrag von Nertschinsk beigelegt, in welchem die gegenseitigen Gebietsansprüche abgesteckt wurden. Russland wurde hierbei zu einem teilweisen Rückzug aus der Mandschurei gezwungen, erhielt dafür aber weitreichende Rechte eingeräumt, mit China Handel zu treiben. Der Vertrag stellt das erste bilaterale Abkommen eines chinesischen Kaisers mit einem westlichen Staat dar. In der Folgezeit wurde die Übereinkunft noch weiter ergänzt. Im 19. Jahrhundert wurden im Vertrag von Aigun (1858) und der Pekinger Konvention (1860) die damals getroffenen territorialen Regelungen zu Gunsten Russlands revidiert.

Zeitalter des Imperialismus Als China nach dem Zweiten Opiumkrieg (1856 bis 1860) immer weiter unter den Einfluss der europäischen Kolonialmächte geriet, versuchte auch Russland, seine Interessen in China geltend zu machen. So unterstützte es beispielsweise islamische und mongolische Unabhängigkeitsbestrebungen, um die verworrene, von Aufständen gekennzeichnete Lage im Norden Chinas weiter zu destabilisieren. Bei der Niederschlagung des Boxeraufstandes im Jahre 1900 beteiligte sich Zar Nikolaus II. im Russisch-Chinesischen Krieg mit dem Einsatz von Truppen und besetzte gleichzeitig mit 200.000 Mann die Mandschurei unter dem Vorwand, dort Boxer bekämpfen zu wollen.

Im Februar 1901 wurde vertraglich vereinbart, dass China das Gebiet zurückerhielt und dass Russland zum Schutz der dortigen Bahnstrecken dort Truppen stationieren durfte. Russland errichtete de facto ein Protektorat über die Mandschurei und festigte den Eindruck auf chinesischer Seite, einer der schlimmsten imperialen Aggressoren zu sein.

Gründung der Sowjetunion und der Republik China Auch nach Ende des von 1914 bis 1918 dauernden Ersten Weltkrieges, in den die Republik China auf Seiten der Alliierten eingetreten war, besserte sich ihre Lage nicht. Weiterhin stand das Land unter starkem Einfluss der ausländischen Kräfte und war den Expansionsbestrebungen Japans ausgesetzt.

Russland zählte allerdings nicht mehr zu diesen, da es seit der Oktoberrevolution von den Kommunisten regiert wurde, die die imperialistische Politik des Zaren verurteilten. Sie erklärten der chinesischen Republik, die zu dieser Zeit de facto von Warlords kontrolliert wurde (siehe Nördliche Militaristen), dass sie alle Ansprüche auf chinesisches Gebiet, die das Zarenreich erhoben hatte, fallen ließen. Des Weiteren unterstützte Lenin über die Komintern sowohl die Nationalisten um Sun Yat-sen und später Chiang Kai-shek (die Guomindang) als auch die 1921 gegründete Kommunistische Partei Chinas, die beide nach dem Vorbild Lenins als Kaderparteien aufgebaut waren. Beide erhielten logistische Unterstützung sowie ideologische und militärische Berater, wodurch sich die SU einen gewissen Einfluss verschaffen konnte: So kam es z. B. 1923 auf ihr Drängen zur Bildung der Ersten Einheitsfront, in der die zwei rivalisierenden Parteien gemeinsam gegen die Warlords kämpften. Im Zuge der sowjetisch-chinesischen Zusammenarbeit gingen außerdem viele Kader zum Studium nach Russland und trugen so zu einem kulturellen Austausch innerhalb der Eliten bei.

1943–1949: China im Bürgerkrieg Das „Reich der Mitte“ stand mitten im Chinesischen Bürgerkrieg zwischen den Kommunisten unter der Führung von Mao Zedong und den Nationalisten unter Chiang. Der Kriegsausgang war lange ungewiss. Die Mandschurei war seit längerem von den Japanern besetzt. Mit der Zeit kristallisierte sich heraus, dass sich die Kommunisten an der Sowjetunion orientierten, die Nationalisten an den USA. Von großer Bedeutung war, dass Stalin die Kommunisten in China nicht substanziell unterstützte, sondern eher die Kuomintang mit Kriegsressourcen unterstützte, da er die Nationalisten als zuverlässigere und vertrauenswürdigere Partner ansah. Denn die KPCh sparte Material und Truppen für den Bürgerkrieg nach der Beendigung der japanischen Expansions Chinas. Dies hatte hauptsächlich zwei Gründe: Erstens war die Mandschurei seit 1945 von der Sowjetunion besetzt, der es gelungen war, die Japaner innerhalb von neun Tagen aus dem Gebiet zu vertreiben. Moskau sicherte sich in der Region Sonderrechte an Eisenbahnen und insbesondere an eisfreien Häfen. Diese Rechte konnten formal jedoch nur von den Nationalisten anerkannt werden – Stalin hielt lange an seiner Prognose eines nationalistischen Sieges fest. Zweitens versuchte er beide Gegner gegeneinander auszuspielen, um die Sowjetunion als die dominante Kraft zu etablieren.

1946 erfolgte der Rückzug der sowjetischen Truppen aus der Mandschurei. Die Kommunisten konnten das damalige industrielle Zentrum Chinas erst 1948 vollständig erobern. Dies war ein wichtiger Schritt zum endgültigen Sieg der Kommunisten und der Ausrufung der Volksrepublik China 1949 durch Mao. Die Nationalisten flohen als Verlierer des Bürgerkrieges nach Taiwan und führten dort bis heute die Republik China fort.

Unter diesen Gesichtspunkten erscheint die sowjetisch-chinesische Allianz ab 1950 eher als ein Mangel an Alternativen, denn als ein natürliches Bündnis.

1950–1956: Bündnis Im Jahr 1950 schlossen China und die Sowjetunion einen Freundschaftsvertrag. Er sah ein Bündnis im Falle einer japanischen (oder mit Japan verbündeter Staaten; gemeint waren die USA) Aggression vor; Stalin musste die Sonderrechte in der Mandschurei aufgeben. Es wurden weiterhin gemeinsame Wirtschaftsprojekte gestartet und eine Wirtschaftshilfe für China eingeleitet. Der Vertrag hat einen sehr ungewöhnlichen Charakter und weist auf die chinesische Selbstständigkeit hin. Auch nach dem Tod Stalins 1953 änderte sich nichts an der Allianz – unter Chruschtschow kam es 1954 zu einem ähnlichen, erweiterten Vertrag. Wesentliches Motiv für den Vertrag war auf beiden Seiten, ein Gegengewicht zur Dominanz der USA zu schaffen. China benötigte zudem die technologische Expertise der sowjetischen Fachkräfte.

1956–1959: Erste Brüche in der Koalition

Erste Brüche der Allianz zeigten sich auf dem 20. Parteitag 1956 in Moskau. Chruschtschow leitete erstens das Prinzip der friedlichen Koexistenz ein. Mao vertrat stattdessen einen aggressiveren Kurs und konnte das neue Konzept nur vordergründig akzeptieren. Zweitens eröffnete Chruschtschow die große Kritik an Stalin (Entstalinisierung) und damit verbunden, die Kritik am Personenkult, die indirekt auch Mao traf, da dieser um sich ebenfalls einen Personenkult betrieb.

Des Weiteren wichen die Chinesen immer mehr vom wirtschaftspolitischen Kurs des Vorbildes ab, der den verstärkten Aufbau von Schwerindustrie vorsah, hinter dem andere Wirtschaftsbereiche weniger wichtig waren. Mao und seine Anhänger gingen jedoch davon aus, dass der Aufbau der Landwirtschaft und zugehöriger Leichtindustrie Priorität besitze. Allgemein lassen sich diese Gründe für den Bruch zwischen beiden Staaten also als ideologische Konflikte beschreiben, die sich aus den Gegensätzen der Politik Chruschtschows und dem Maoismus ergaben.

Weiterhin forderte China Unterstützung seitens der Sowjetunion in drei Punkten. Die gesamten 1950er Jahre wurde über die Lieferung der Atomtechnik nach China verhandelt, Moskau lieferte jedoch nichts Substanzielles. Weiterhin hatte China Grenzstreitigkeiten mit Indien. Die Sowjetunion unterstützte China hier wiederum nicht, weil sie unter anderem selbst Waffen nach Indien exportierte. Schließlich scheute Moskau den Konflikt mit den USA allein wegen der Taiwan-Frage und unterstützte die VR deswegen nicht bei den Bombardements von Quemoy.

1960–1985: Offener Bruch 1960 zog Chruschtschow alle Experten aus China ab. Dies war der endgültige, bildhafte Ausstieg aus der Allianz. In Folge brach das bilaterale Handelsvolumen kräftig ein. Die Regierungen begannen sich nun offen gegenseitig zu kritisieren. Vorzugsweise griff man die andere Seite an, indem man die Politik Sofias oder Tiranas kritisierte. Sofia (Bulgarien) war Moskau zugewandt, Tirana (Albanien) hingegen wechselte 1961 die Fronten und war von da an pro-chinesisch, d. h. beide Staaten verfolgten den gleichen Kurs wie ihre großen Brüder.

Eine neue Qualität der gegenseitigen Spannungen wurde mit dem Doppelschlag von 1962 erreicht. Ein neuer chinesisch-indischer Grenzkonflikt veranlasste die Sowjetunion, harsche Kritik am aggressiven Stil der VR China auszuüben. Die Sowjetunion fürchtete, dass Neutrale (in dem Fall Indien) ins westliche Lager vertrieben werden konnten. Verschärft wurde der Konflikt noch dadurch, dass die Sowjetunion Waffen nach Indien lieferte. Die VR China kritisierte ihrerseits die Politik Chruschtschows in der Kuba-Krise als Zeichen der Schwäche und des Nachgebens. Die Spannungen waren auch durch ideologische Konflikte gekennzeichnet: Es ging um den weiteren Kurs gegenüber dem imperialistischen Lager, um den Personenkult und allgemein um die Frage, welche Partei den ideologischen Führungsanspruch im Weltkommunismus einnehmen sollte.

Höhepunkt der Konfrontation war ein Grenzkonflikt 1969 am Fluss Ussuri. Der Konflikt wurde von beiden Seiten begrenzt, doch kämpften zum ersten Mal offizielle kommunistische Truppen gegeneinander, zudem noch die zweier Atommächte (China konnte ohne russische Hilfe 1964 seine erste Atombombe zünden).

Die Konfliktlage änderte sich allerdings langsam, als China den Kontakt zu den USA suchte. Dies hatte Erfolg – 1971 bekam die VR China den Sitz im UN-Sicherheitsrat zugesprochen und 1972 folgte der offizielle Staatsbesuch des US-amerikanischen Präsidenten Richard Nixon in Peking. Da der erste direkte, persönliche Kontakt beider Regierungen ein Geheimbesuch des damaligen US-Außenministers Henry Kissinger war, den er absolvierte, während die amerikanische Tischtennismannschaft in China war, spricht man heute noch von der Ping-Pong-Diplomatie Nixons.

Moskau antwortete auf diesen neuen Kontext mit einer Doppelstrategie: Einerseits wurde versucht, jegliche weitere Annäherungen der USA mit China zu verhindern, andererseits signalisierte man Entspannungsbereitschaft gegenüber Peking. Doch China forderte vor Aufnahme jeglicher Gespräche die Verringerung der Truppenpräsenz an der gemeinsamen Grenze, worauf die Sowjetunion nicht einging.

Eine Annäherung zwischen der Sowjetunion und China gelang jedoch auch nach dem Tod von Breschnew 1982 oder dem Mao Zedongs 1976 nicht. Dessen Nachfolger Deng Xiaoping war zwar bei weitem nicht so ideologisch ausgerichtet wie er, aber realpolitisch gab es seiner Meinung nach noch die „drei Hindernisse“:

Die militärische Präsenz der Sowjetunion in Afghanistan (siehe Sowjetisch-Afghanischer Krieg). Das sowjetische Engagement in Indochina (Die moskautreue Volksrepublik Vietnam hatte das pekingtreue Kambodscha besetzt, um die Roten Khmer abzusetzen). Abbau der Militärpräsenz an der Grenze: An der gemeinsamen Grenze waren immense Truppenkontingente stationiert.

1985–1990: Wiederannäherung und Normalisierung