200px|mini|Ukrainische Briefmarke anlässlich des 400. Geburtstags von Petro Mohyla (1996) mini|Moldawische Briefmarke zum selben Anlass (1996) Petro Symeonowytsch Mohyla oder Peter Simeonowitsch MogilaWolfram von Scheliha: Russland und die orthodoxe Universalkirche in der Patriarchatsperiode. 1589–1721. Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 2004, S. 250. (historisch auch Pjotr Mogila, zu Lebzeiten als Петръ Могила bekannt; , ; * 21. Dezember 1596 in Suceava; † 11. Januar 1647 in Kiew) war ein orthodoxer Theologe und Herausgeber moldawischer Herkunft. Er war Funktionär in Politik, Kirche und Bildungswesen, war seit 1633 Metropolit von Kiew, Galizien und der gesamten Rus. Er wird in mehreren orthodoxen Kirchen als Heiliger verehrt.

Leben

Kindheit

Petro Mohyla, Petru Movilă oder Peter Mogila entstammt einem alten und angesehenen moldawischen Geschlecht. Er wurde als Sohn Simion Movilăs, des Hospodars über das Fürstentum Walachei (und zeitweise auch des Fürstentums Moldau), und seiner Ehefrau Marghita (Margareta), einer siebenbürgischen Fürstin, geboren. Sie trat später als Nonne unter dem Namen Melania ins Kloster ein.

Im Jahre 1607 starb Simion Movilă nach Machtkämpfen. Aufgrund der Übernahme von dessen Territorien durch Kantemir Murza 1612 mussten die Fürstin Margaret und ihr Sohn Moldawien verlassen und wanderten in die ukrainischen Gebiete aus. Hier wurden sie von Verwandten – den Fürsten Samuel Korecki und Michał Wiśniowiecki – aufgenommen.

Ausbildung

Seine grundlegende pädagogische Ausbildung bekam Peter Mogila in der Lemberger Bruderschaftsschule, die 1586 zum Schutz und zur Bewahrung des orthodoxen Glaubens gegründet wurde. Die Familie Mogila war selbst orthodox und unterhielt enge Beziehungen zur Lemberger Bruderschaft, die sie durch finanzielle Zuwendungen und praktische Unterstützung beim Aufbau förderte.

Seine weitere Ausbildung erlangte Peter Mogila auf europäischen Universitäten. Manche Historiker sind der Meinung, er hätte anfänglich auf der polnischen Akademie in Zamość, danach in holländischen Institutionen und in Paris studiert.

Petro Mohyla sprach fließend Griechisch sowie Latein und machte sich schnell mit der Theologie vertraut. Zurück in Polen, ging er in den Kriegsdienst und nahm an den Schlachten von Zezor (1620) und von Chotyn (1621) teil.

Kirchliche Laufbahn

Über den Abschnitt des Lebens Mohylas, angefangen von seiner Teilnahme an der Schlacht von Chotyn bis zu seiner Weihe zum Archimandriten des Kiewer Höhlenklosters, berichten nur wenige Zeugnisse. Ersichtlich ist nur, dass Mohyla in dieser Zeit häufig Kiew besucht und aktiv in den Angelegenheiten des orthodoxen Glaubens mitgewirkt hatte. Besonders beeinflusst hatten Mogila zu dieser Zeit die vielen Zusammenkünfte mit Iow Borezkyj, der schon in der Lemberger Bruderschaftsschule sein Lehrer war. Die Gespräche mit dem Metropoliten Iow vollendeten die Ausformung von Mogilas Ansichten und waren bestimmend für seinen weiteren Lebensweg.

1625 trat Mogila als Mönch in das Kiewer Höhlenkloster ein. Nach dem Tod von Zacharias Kopystenski, dem Archimandriten der Kiewer Lawra, erhielt Peter Mogila dieses Amt. Zu diesem Zeitpunkt war er 30 Jahre alt. In diesem Alter auf eine solch hohe kirchliche Position gewählt zu werden, war keine Unmöglichkeit. Offensichtlich half hier die Unterstützung Borezkyjs und anderer einflussreicher Szlachta-Familien des orthodoxen Glaubens.

1628 bestätigte der polnische König Sigismund III. Mogila in dessen Amt. „Der neue Archimandrit“, vermerkt Mykola Kostomarow über ihn, „begann sofort mit seiner Tätigkeit zum Wohle des Klosters, indem er Aufsicht über die Kirchendiener verordnete, die Ungebildeten zu lehren und die Sturen sowie Eigenmächtigen zu bestrafen befahl. Er erneuerte die Kirche, geizte nicht an Ausgaben für die Verschönerung der Höhlen, unterstellte das Pustynno-Mykolajiwskyj Kloster der Lawra, gründete das Holosijiwska-Kloster, ließ auf eigene Kosten ein Heim für Arme vor der Lawra bauen und nahm sich vor, im Höhlenkloster eine Hochschule einzurichten“.

Tätigkeit als Herausgeber

Peter Mogila setzte alles daran, der Druckerei des Kiewer Höhlenklosters während seiner Zeit als Archimandrit eine wichtige Stellung zu verschaffen – sowohl im Vergleich zu anderen Druckereien in der Ukraine und in Weißrussland, als auch im gemeinschaftlichen Klosterleben.

Innerhalb von fünfeinhalb Jahren wurden in der Druckerei des Höhlenklosters 15 Titel herausgegeben. Darunter waren auch von Petro Mohyla selbst verfasste Bücher. 1628 wurden in der Lawra von Mohyla die aus dem Griechischen übersetzten Werke „Агапита діакона главизны поучительны“ und „Триодь цветная“ gedruckt, worin die Bedeutung und Wichtigkeit von Kirchenhymnen erläutert werden.

1629 wurde auf der Kiewer Versammlung der Druck des Buches „Liturgiarion“ von Petro Mohyla genehmigt. Bei dem „Liturgiarion“ handelt es sich um eine Dienstanleitung, welche von Mohyla nach griechischem Vorbild und seinen eigenen dogmatischen und zeremoniellen Ansichten der Liturgie angepasst wurde. Dies ist eine der bedeutendsten Arbeiten Mohylas, welche im Zeitraum von über zweihundert Jahren nichts an ihrer Bedeutung verlor. Des Weiteren erhielt sich in Mohylas persönlichen Aufzeichnungen eine Reihe Canones und Kirchenlieder, die es zum Teil in spätere lawrische Ausgaben geschafft haben: das sind der Kanon der Eucharistie der Geistlichen, der Kanon des Ausgangs der Seele, der Kanon über die Schaffung des Lichts und das Weinen der aus dem Paradies verjagten Stammeltern, der Kanon der Reue, dankbarer Gesang zu Ehren der heiligen Gottesmutter in Verbindung mit der durch sie gewirkten wundersamen Befreiung des Kiewer Höhlenklosters von der Belagerung durch ein Heer aus Ljazk (1630) u. a. Diese kleinen Werke sind verfasst in Ruthenisch-Kirchenslawisch und zeugen vom literarischen Talent Peter Mogilas.

Diplomatische Tätigkeit

Das Leben und der Kirchendienst Peter Mogilas fallen in die Zeit konfessioneller Konflikte und Umbrüche. Die Ausübung des orthodoxen Glaubens war überaus kompliziert in der Ukraine der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. 1596 wurde die Kirchenunion von Brest unterzeichnet, in deren Ergebnis die Mehrheit der orthodoxen Bischöfe die Oberhoheit des Papstes anerkannte und die orthodoxe Kirche ungesetzlich blieb.

Die Mehrheit des Volkes und der Klöster erkannten die Union nicht an. Entrechtung und Verfolgungen der Orthodoxen waren manchmal daraufhin zu beobachten. Man entband orthodoxe Geistliche von ihren Ämtern und verbot die Ausübung des Gottesdienstes und des Kirchenzeremoniells, sodass viele orthodoxe Kirchen geschlossen wurden und verkamen.

Petro Mohyla hielt es für überaus wichtig, die Unierten und die Orthodoxen miteinander zu versöhnen. Aber die öffentlichen Ansichten über alle seine Bemühungen in dieser Richtung waren geteilt. Die einen beurteilten seine Versuche als gutherzig und mutig, während andere sie für hinterlistig hielten und dem Zweck folgend, Orthodoxe mit den Unierten zu vereinen und damit den Kontakt der orthodoxen Kirche im Gebiet der heutigen Ukraine zu den östlichen Patriarchen und zu Moskau abzubrechen. Zur damaligen Zeit waren die ukrainischen Beziehungen zu Russland, und erst recht die zur russischen Kirche, minimal. Moskau waren die Kiewer Angelegenheiten zweitrangig, weil es zu der Zeit galt, die Macht des Zaren der neuen Dynastie von Michail Romanow zu beschränken. Zudem fand die Ernennung des Kiewer Metropoliten und der Bischöfe ohne Zutun der russischen Kirche statt.

Am 29. Juni 1629 wurde in Kiew eine Versammlung einberufen, deren Diskussionsgegenstand die Aussöhnung zwischen Unierten und Orthodoxen sein sollte. Sie blieb ergebnislos. Die Hoffnungen Petro Mohylas wurden auch in der Lwiwer Versammlung nicht erfüllt. Die Misserfolge in der Streitschlichtung zwischen den Kirchen riefen Enttäuschung und Hoffnungslosigkeit unter den Orthodoxen und den Griechisch-Katholiken hervor.

Der heftigste Schlag wurde Mohyla durch den Tod von Iow Borezki zugeführt. Er erhielt die Kunde vom Tod seines einstigen Lehrers bei seiner Rückkehr nach Kiew, gerade von der Einweihung der Stawropihijska-Kirche in Lwiw (16. Januar 1631) kommend. Die Kirche war von der Lwiwer Bruderschaft mit großer finanzieller Unterstützung Mohylas gebaut worden.

Dem Testament von Iow Borezkyj folgend, trat Petro Mohyla in die Kiewer Bruderschaft ein und wurde zum ältesten Bruder und Betreuer von Bruderschaft, Kloster und Schule. Diese Stellung ermöglichte ihm die Leitung der metropolitischen Kathedrale, doch das Amt des Metropoliten trug Isaja Kopinski.

Tätigkeit im Bildungswesen mini|Unterschrift von Peter Mogila Mit dem Namen Petro Mohyla verbindet man die Entfaltung des Systems der hohen und mittleren Ausbildung in der Ukraine, die nicht einfach nur die westeuropäischen Schulen kopierte, sondern auch ernsthaft mit ihnen konkurrieren konnte.

Im Frühjahr 1631 wurde die erste Schule auf dem Territorium der Kiewer Höhlenlawra geöffnet. Sie wurde von insgesamt 100 Schülern besucht. Der Unterricht in der Klosterschule wurde auf Lateinisch sowie auf Polnisch durchgeführt und nach dem Muster der damaligen polnischen Eliteschulen, den Jesuitenkollegien, ausgerichtetSerhii Plokhy: Das Tor Europas. Die Geschichte der Ukraine. Aus dem Englischen von Anselm Bühling u. a. Hoffmann und Campe, Hamburg 2022, S. 152. ISBN 978-3-455-01526-3.. Petro Mohyla wies immerzu auf die Bedeutung von Bildung für die Entwicklung der Gesellschaft und versuchte, in Kiew solche Schulen zu gründen, die die Ansprüche der Zeit erfüllen und vergleichbaren europäischen Lehranstalten in nichts nachstehen würden. Noch vor der Schulgründung kümmerte er sich um fähige Lehrer, er wählte fähige junge Leute und schickte sie auf seine Kosten ins Ausland zum Studium.

Doch der Aufbau der Schule wurde Mohyla nicht leicht gemacht. Zu Beginn äußerten sich die Geistlichen des Kiewer Höhlenklosters gegen die Einrichtung von Schulräumen. Mohyla konnte dieses Problem regeln, doch bereits als die Ausbildung begann, sahen die Gegner Mohylas in der Klosterschule eine Konkurrenz für die Kiewer Bruderschaftsschule. Daraufhin erhoben die Kiewer Bruderschaft und die Kosakenschaft die Forderung nach Vereinigung der beiden Schulen. Sie wurden auch vom neuen Metropoliten Isaja Kopynskyj unterstützt.

Petro Mohyla ging auf die Fusion unter der Bedingung ein, dass er der Wächter und Betreuer der vereinigten Institution werden sollte. So wurden die beiden Schulen 1632 unter dem Namen Kiewer Bruderschaftliches Kollegium zusammengefasst. Dies war die erste Hochschule in Osteuropa, die den Grundstein für die universitäre Ausbildung in diesem Teil des Kontinents legte.

Das Kollegium war organisiert nach Vorbild der besten Schulen der westlichen Welt. Die Studenten wurden hier in drei Sprachen unterwiesen: dem Griechischen, dem Lateinischen und dem Kirchenslawischen. Sie wurden nicht nur mit Theologie vertraut gemacht, sondern auch mit den humanitären Wissenschaften. Die Absolventen dieser Akademie stellten fast die ganze kulturelle Elite der damaligen Ukraine und Weißrusslands dar. Die Schule wurde zu einer Lebenssache Mohylas.

Für die Erhaltung des Kollegiums und des Klosters überschrieb er zwei Wolosten der Lawra und verschenkte das eigene Dorf Poznjakiwka, leistete außerdem finanzielle Hilfe sowohl dem Kollegium, als auch seinen Lehrern und Schülern. Unter seinem unermüdlichen Patronat entwickelte sich das Kollegium intensiv und erreichte bereits nach zehn Jahren ein Niveau, mit dem es die schönsten Vorzeigemodelle der unierten und katholischen Schulen übertraf.

Angesichts der stetig steigenden Schülerzahlen wurde 1634 eine Filiale des Kollegiums in Winnytsja geöffnet wurde, die später nach Goschtschi in Wolhynien verlegt wurde, wo sie bis zum Ende des 17. Jahrhunderts fortbestand. 1636 gründete Mohyla auch ein Kollegium in Kremenez.