mini|Schlachtsituation am 14. Oktober um 10 Uhr mini|Schlachtsituation am 14. Oktober um 14 Uhr Die Schlacht bei Jena und Auerstedt (auch Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt; bzw. Auerstädt in älteren Quellen) fand während des Vierten Koalitionskrieges am 14. Oktober 1806 in der Nähe der Orte Jena und Auerstedt statt.
Die preußische Armee erlitt eine schwere Niederlage gegen die französischen Truppen. Napoleon Bonaparte schlug am 14. Oktober 1806 mit seiner zahlenmäßig überlegenen Hauptarmee ein preußisch-sächsisches Korps bei Jena, während zur gleichen Zeit circa 25 Kilometer entfernt der französische Marschall Davout mit seinem Korps die ihm zahlenmäßig überlegene preußische Hauptarmee unter dem Herzog von Braunschweig bei Auerstedt schlagen konnte. In älteren Quellen heißt es statt „Schlacht bei Jena und Auerstedt“ auch „Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt“. Beide Begriffe lassen nicht erkennen, dass sowohl die Franzosen als auch die Preußen so gut wie keine Kenntnis von den zeitlich parallel verlaufenden Schlachten hatten. Allerdings kann keine der beiden Schlachten unter Ausschluss der anderen betrachtet werden.
Vorgeschichte Nach dem überragenden Sieg über die verbündeten Heere Russlands und Österreichs in der Schlacht bei Austerlitz am 2. Dezember 1805 diktierte Napoleon immer mehr die europäische Politik und Aufteilung.Hauptquellen für dieses Kapitel soweit nicht anders gekennzeichnet: Veit Valentin: Illustrierte Weltgeschichte; Band 3; Sonderausgabe für den Lingen Verlag Köln, 1976 | Weltgeschichte in Bildern – Band 18 – Napoleon und seine Eroberungen/Der Zusammenbruch des Reiches; Editions Rencontre Lausanne, 1970 | Günter Steiger: Die Schlacht bei Jena und Auerstedt 1806; Verlag Gerhard Seichter, 2. bearb. und erw. Aufl. 1994 | Gerd Fesser: 1806 – Die Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt; Verlag Dr. Bussert & Stadeler, 2006 | Detlef Wenzlik/Dr. Wolfgang Handrick: Die Schlacht von Auerstedt 14. Oktober 1806; VRZ Verlag, Okt. 2006 | div. Wikipedia-Artikel zur Thematik, insb. die der Querverweise Der Frieden von Pressburg am 26. Dezember 1805, den Kaiser Franz II. schließen musste, beinhaltete weite Gebietsverluste der Habsburger in Süddeutschland und in Italien zugunsten Frankreichs und seiner Verbündeten wie Bayern, Baden, Württemberg sowie des Königreichs Italien. In der Neuordnung Europas durch Napoleon wurden Bayern und Württemberg zu Königreichen aufgewertet, Baden, Hessen und Berg zu Großherzogtümern. Napoleon ließ seine Truppen in Mitteleuropa und in Italien stehen, um seine Politik mit militärischem Druck zu unterstreichen. Napoleons Brüder Joseph und Louis wurden zu Königen von Neapel (März 1806) bzw. von Holland (Mai 1806) ernannt. Napoleons Schwager Murat wurde Großherzog von Berg. Unter französischem Protektorat gründete sich dann am 26. Juli der Rheinbund durch 16 deutsche Fürstentümer, die aus dem deutschen Reich austraten. Auf Napoleons Druck hin legte am 6. August 1806 Franz II. die Kaiserwürde des Heiligen Römischen Reichs nieder. Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation hörte auf zu bestehen.
Auch auf Preußens Politik nahm Napoleon immer mehr Einfluss. Um Preußens Neutralität im Konflikt mit Großbritannien, Österreich und Russland zu erreichen, bot Napoleon das Kurfürstentum Hannover als Unterpfand an. Als das französische 1. Korps unter Marschall Jean-Baptiste Bernadotte, der seit Juni 1804 Hannover verwaltet hatte, auf dem Zug gen Süden auf Befehl Napoleons hin die Grenze der preußischen Markgrafschaft Ansbach verletzte und es durchquerte, wurde das verlassene Hannover durch die Preußen besetzt und den Russen wurde der Durchmarsch durch preußisches Gebiet gestattet.Müller-Bohn: Die Deutschen Befreiungskriege 1806–1805 (siehe Literatur-Verzeichnis) S. 15 Ursprünglich hatte Preußen an Napoleon die Forderung einer Trennung der Kronen Frankreichs und Italiens und die Anerkennung der Neutralität der Schweiz und der Niederlande stellen wollen. Der Sieg Napoleons in der Schlacht von Austerlitz veränderte jedoch die politische Lage. Der preußische Kabinettsminister Haugwitz, der zusätzlich die geheime Weisung zur Friedenshaltung durch seinen König hatteMüller-Bohn (s. Lit.-Verz.) S. 17; selbst Hardenberg erfuhr von dieser Weisung nichts, stimmte am 15. Dezember 1805 in Schönbrunn, wo Napoleon residierte, einem Bündnisvertrag mit Frankreich zu. Dieser sah auch die Übergabe preußischer Besitzungen wie die Markgrafschaft Ansbach an das mit Frankreich verbündete Bayern und das Herzogtum Kleve und das Fürstentum Neuenburg (Neuchâtel) an Frankreich vor. Im Gegenzug sollte Preußen Hannover und für Ansbach eine kleine Region bei Bayreuth erhalten.Müller-Bohn (s. Lit.-Verz.) S. 19
Der Besitz Hannovers, das eigentlich in Personalunion mit Großbritannien stand, stellte für Preußen ein Problem dar, da es dadurch in Konflikt mit dem Vereinigten Königreich geriet. Preußen versuchte den Besitz nur als vorübergehende Verwaltung bzw. Pfand darzustellen, bis es Hannover in einem Friedensvertrag wirklich erhalten könne, und wollte auch die Land-Abtretungen solange zurückgestellt wissen.Müller-Bohn (s. Lit.-Verz.) S. 22 Allerdings zwang Napoleon Preußen mit Kriegsdrohungen in einer Nachverhandlung schärfere Bedingungen auf als zuvor. Die Gebietsübergaben sollten schneller erfolgen, wobei Ansbach an Bayern ohne Gegenleistung übergeben werden sollte und die Grafschaft Valangin zusätzlich an Frankreich fiel. In diesem Vertrag von ParisMüller-Bohn (s. Lit.-Verz.) S. 26; nach Fesser 1806 – Die Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt S. 34 auch „Traktat von Paris“ genannt am 15. Februar 1806 musste Hannover mit voller Souveränität vereinnahmt werden und Preußen sollte alle Häfen für englische Schiffe sperren. Dies hatte zur Folge, dass Großbritannien und Schweden Preußen den Krieg erklärten und die preußische Handelsflotte bekämpften und vernichteten. Mit weiterem Druck schaffte es Napoleon, auch den preußischen Außenminister Hardenberg, den er für einen Gegner hielt, aus dem Amt zu drängen und ihn durch Haugwitz ersetzen zu lassen. Kurz danach forderte Napoleon für das aus den Herzogtümern Kleve und Berg neugeschaffene Großherzogtum Berg die zu Preußen gehörenden Abteien Essen, Werden und Elten und annektierte – preußischen Protest ignorierend – die Festung Wesel.Wenzlik/Handrick Die Schlacht von Auerstedt (s. Lit.-Verz.) S. 9 Als kurz darauf der Rheinbund gegründet wurde, brachte Napoleon einen Norddeutschen Bund unter Preußens Führung ins Gespräch, selbst mit Kaiserkrone für den preußischen König.Müller-Bohn (s. Lit.-Verz.) S. 32 ff. (als seine Quelle wird hier genannt: Baillen, Paul, Diplom. Korrespondenzen. Publikationen aus den königl. preuß. Staatsarchiven), die Ernsthaftigkeit des Angebotes wird allerdings in Frage gestellt; Valentin, Veit: Illustrierte Weltgeschichte (s. Lit.-Verz.) Band 3, S. 925, wobei er hier anmerkt: „Es ist sehr gut möglich, dass Napoleon eine solche Gründung geduldet haben würde, wenn sich Preußen auf ein Vasallenverhältnis eingelassen hätte.“
Nach dem Tod William Pitts, der ein entschiedener Gegner Napoleons war, übernahm der gemäßigtere Whig Charles Fox das Amt des britischen Premierministers, und Frankreich und Großbritannien traten in neue, geheime Friedensverhandlungen ein. Als Preußen erfuhr, dass Frankreich Großbritannien den Vorschlag gemacht hatte, Hannover wieder an das Vereinigte Königreich zurückzugeben, mobilisierte es Anfang August sein Militär. Preußens Ultimatum vom 26. August 1806, Napoleon solle seine Truppen bis zum 8. Oktober über den Rhein zurückführen, veranlasste diesen schließlich zum Handeln.
Gegnerische Heere im Vergleich mini|Weimarsches Büchsenschützen-Bataillon, 1806
Die preußische und die kursächsische Armee hatten sich seit den Schlesischen Kriegen nicht wesentlich weiterentwickelt. Beide hielten an der überlieferten Ordnung der Linientaktik fest, den Kampf in aufgelockerter Gefechtsformation (Tirailleurtaktik) beherrschten nur wenige Truppen. Preußen gliederte seine Verbände erst kurz vor dem Krieg in Divisionen, das Zusammenspiel zwischen modernem Generalstab und Operationsführung war kaum erprobt. Die misslichen Erfahrungen aus den Feldzügen am Rhein (1792–1795) und in Polen (1794/1795) hatten bei der überalterten preußischen Generalität zu keinem Umdenken geführt. Das preußische Offizierskorps galt aufgrund des Anciennitätsprinzips allgemein als überaltert. Die Ausrüstung war vielfach mangelhaft, da an ihr, als Folge der Kompaniewirtschaft, gespart wurde. Eine Besonderheit stellten das Büchsenschützen-Bataillon des Doppelherzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach dar. Die rund 750 Köpfe starke Scharfschützeneinheit war 1790 gebildet worden und kämpfte nach modernen Grundsätzen. Die Unteroffiziere waren meist gelernte Berufsjäger. In der Schlacht bei Auerstedt stand das Bataillon auf dem äußersten rechten Flügel. Dort deckte es mit Bravour den Rückzug des Kalckreuthschen Reserve-Korps.Claus Reuter: Die Schlacht von Jena und Auerstedt, Augenzeugen berichten, In: Thüringen, Seine Geschichte, Xinxii Publishing, 2009, ISBN 978-1-894643-39-9, S. 22 u. S. 203ff.
Das napoleonische Heer hingegen war kriegserfahren und durch die vorangegangenen Siege hoch motiviert. Es bestand aus jährlich ausgehobenen Wehrpflichtigen, obwohl Napoleon mit Rücksicht auf das französische Großbürgertum („Notabeln“), das seine Herrschaft stützte, zahlreiche Befreiungen von der Wehrpflicht gestatten musste, die an „Exemtionen“ (Herausnahmen aus der Wehrpflicht) des preußischen Kantonsystems erinnerten. Taktisch waren diese Truppen auf dem Stand ihrer Zeit, indem sie Schützentaktik (vgl. Infanterie, Salve), Kolonnentaktik und Linientaktik geschickt variierten. Ein flexibles Bagage- und Verpflegungssystem machte das französische Heer beweglicher und schneller. Freilich artete es oft in Plünderungen aus, die die Zivilbevölkerung stark belasteten. Französische Subalternoffiziere verfügten über keine Pferde; die Soldaten besaßen Wintermäntel anstelle von Zelten. Die Franzosen requirierten gegen Quittung vor Ort, die Preußen operierten mit einem Verpflegungsfuhrpark. Napoleons Soldaten waren also nicht durch einen umfangreichen Tross behindert und konnten deutlich höhere Marschgeschwindigkeiten erzielen.
Feldzug vom 8. bis 14. Oktober 1806 Napoleon stieß mit seinen Truppen vom Main aus durch Thüringen auf die preußische Hauptstadt Berlin vor. Dadurch hoffte er, die preußische Armee zu einer Schlacht zwingen zu können und gleichzeitig die Sachsen von ihren Verbindungslinien abzuschneiden. Die verbündeten Preußen und Sachsen hatten sich westlich der Saale versammelt, um flexibel auf Napoleons Angriff reagieren zu können, egal ob er östlich oder westlich des Thüringer Waldes erfolgen würde. Als sie von dem Vormarsch Napoleons aus Bayern erfuhren, entstand unter den Oberbefehlshabern ein zeitraubender Streit, ob ihre Kräfte besser westlich (Konzentration der bei Eisenach, Erfurt und Weimar stehenden Teilarmeen) oder östlich der Saale zu sammeln seien, um die Wege nach Berlin und Dresden zu decken. Die Teilarmee des Generals Ernst von Rüchel sammelte sich bei Hannover und zog sich von dort aus über Göttingen und Mühlhausen näher an die Hauptarmee heran. Prinz Louis Ferdinand von Preußen sollte mit einer Vorhutabteilung den Saaleübergang bei Saalfeld decken. Am 10. Oktober wurde dieses Korps im Gefecht bei Saalfeld aufgerieben. Der Prinz fiel in einem Reiterkampf.
Am Tag zuvor trafen bei Schleiz die Truppen von Joachim Murat auf in der Nähe lagernde preußische und sächsische Truppen, wurden aber zurückgeworfen. Erst das Eingreifen von Infanterie unter Marschall Bernadotte entschied den Kampf zu Gunsten der Franzosen. Sie verloren rund 200 Soldaten, während die Preußen 500 Mann durch Tod, Verwundung und Gefangennahme verloren. Das Gefecht bei Schleiz war das erste größere Zusammentreffen preußischer und französischer Truppen in diesem Krieg.