Emeric Pressburger (* 5. Dezember 1902 in Miskolc, Österreich-Ungarn; † 5. Februar 1988 in Saxstead, Suffolk, Großbritannien; eigentlich Imre József Pressburger) war ein ungarisch-britischer Drehbuchautor, Filmregisseur und Filmproduzent. In seiner langjährigen Partnerschaft mit dem Filmregisseur Michael Powell entstanden einflussreiche Filmklassiker wie Leben und Sterben des Colonel Blimp, Irrtum im Jenseits und Die roten Schuhe.
Leben mini|Gedenkplakette für Powell und Pressburger bei ihrem alten Büro Imre József Pressburger wurde als einziges Kind eines jüdischen Gutsverwalters in Ungarn geboren. Er studierte zunächst Mathematik und Ingenieurwesen an den Universitäten Prag und Stuttgart, musste das Studium jedoch nach dem Tod seines Vaters aufgeben. Pressburger begann stattdessen als Journalist zu arbeiten, bevor er sich Ende der 1920er-Jahre als Drehbuchautor für die UFA in Berlin betätigte.
Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung floh Pressburger zunächst nach Paris, später in Richtung London. Der Filmproduzent Alexander Korda verschaffte ihm Arbeit als Drehbuchautor. Bei der Zusammenarbeit an dem Film Der Spion in Schwarz (1939) lernte Pressburger den Filmregisseur Michael Powell kennen. Die beiden gründeten die Produktionsgesellschaft The Archers und produzierten in den folgenden gut 20 Jahren 19 Filme zusammen. Da das Gespann Powell-Pressburger dabei stets als Regisseure, Drehbuchautoren und Produzenten in Personalunion wirkten, waren sie einige der wenigen Vertreter des Autorenfilms, auf die dieser Begriff auch wirklich zutrifft.
Pressburger verfasste daneben noch eine Reihe kürzerer Erzählungen sowie die Romane Killing a Mouse on Sunday (1961; dt. Komm nicht nach Pamplona, 1963) und The Glass Pearls (1966).
Emeric Pressburger war von 1938 bis zur Scheidung im Jahr 1941 mit Agí Donáth verheiratet und von 1947 bis 1971 in zweiter Ehe mit der Engländerin Wendy Orme. Aus dieser Ehe, die ebenfalls geschieden wurde, gingen zwei Kinder hervor. Pressburgs Enkel sind Andrew Macdonald (* 1966) und Kevin Macdonald (* 1967), ihres Zeichens ebenfalls Filmschaffende.
Auszeichnungen 1943 Academy Award für die beste Originalgeschichte für 49th Parallel (1941), sowie für diesen Film zusätzlich Nominierung für das beste Drehbuch nach einer Vorlage 1949 Academy-Award-Nominierungen als Produzent für den Besten Film und für die beste Originalgeschichte für Die roten Schuhe (The Red Shoes, 1948)
Filmografie 1930: Die große Sehnsucht – Drehbuch 1930: Abschied – Drehbuch 1931: Dann schon lieber Lebertran (Kurzfilm) – Drehbuch 1931: Der kleine Seitensprung – Drehbuch 1931: Ronny – Drehbuch 1931: Das Ekel – Drehbuch 1931: Der kleine Seitensprung – Drehbuch 1931: Emil und die Detektive – Drehbuch 1931: Dann schon lieber Lebertran – Geschichte 1932: Held wider Willen – Drehbuch 1932: La Belle aventure – Drehbuch 1932: Le petit écart – Drehbuch 1932: Lumpenkavaliere – Drehbuch 1932: Das schöne Abenteuer – Drehbuch 1932: Wer zahlt heute noch? – Drehbuch 1932: Sehnsucht 202 – Drehbuch 1932: Une jeune fille et un million (französische Version von Sehnsucht 202) – Drehbuch 1932: A Vén gazember – Drehbuch 1933: Une femme au volant – Drehbuch 1933: Incognito – Drehbuch 1934: Mein Herz ruft nach dir – Drehbuch 1935: Monsieur Sans-Gêne – Vorlage Der Satyr und Drehbuch 1936: La vie parisienne – Drehbuch 1936: One Rainy Afternoon – Vorlage 1939: Der Spion in Schwarz (The Spy in Black) – Drehbuch 1940: Spy for a Day – Drehbuch 1940: Contraband – Vorlage 1941: Atlantic Ferry – Drehbuch 1941: 49th Parallel – Vorlage und Drehbuch 1942: Breach of Promise – Vorlage Victorious Defeat und Drehbuch 1942: One of Our Aircraft Is Missing – Regie, Produktion und Drehbuch 1943: Squadron Leader X – Vorlage Four Days in a Hero's Life und Drehbuch 1943: The Silver Fleet – Vorlage Remember Jan de Wit, Drehbuch und Produktion 1943: Leben und Sterben des Colonel Blimp (The Life and Death of Colonel Blimp) – Regie, Produktion und Drehbuch 1943: The Volunteer – Regie, Produktion und Drehbuch 1944: A Canterbury Tale – Regie, Produktion und Drehbuch 1945: Ich weiß wohin ich gehe (I Know Where I’m Going!) – Regie, Produktion und Drehbuch 1946: Das dämonische Ich (Wanted for Murder) – Drehbuch 1946: Irrtum im Jenseits (A Matter of Life and Death) – Regie, Produktion und Drehbuch 1947: Die schwarze Narzisse (Black Narcissus) – Regie, Produktion und Drehbuch 1947: Abenteuer in Brasilien (The End of the River) – Produktion und Drehbuch 1948: Die roten Schuhe (The Red Shoes) – Regie, Produktion und Drehbuch 1949: Experten aus dem Hinterzimmer (The Small Back Room) – Regie, Produktion und Drehbuch 1950: Das dunkelrote Siegel (The Elusive Pimpernel) – Regie, Produktion und Drehbuch 1950: Die schwarze Füchsin (Gone to Earth) – Regie, Produktion und Drehbuch 1951: Hoffmanns Erzählungen (The Tales of Hoffmann) – Regie, Produktion und Drehbuch 1952: The Wild Heart – Regie, Produktion und Drehbuch 1953: Twice Upon a Time – Regie, Produktion und Drehbuch 1955: Fledermaus 1955 (Oh, Rosalinda!) – Regie, Produktion und Drehbuch 1956: Panzerschiff Graf Spee (The Battle of the River Plate) – Regie, Produktion und Drehbuch 1957: Men Against Britannia – Drehbuch 1957: Ill Met by Moonlight – Regie, Produktion und Drehbuch 1957: Eine Braut in jeder Straße (Miracle in Soho) – Produktion, Drehbuch und Romanvorlage The Miracle of St. Anthony’s Lane 1963: Deine Zeit ist um (Behold a Pale Horse) – Romanvorlage Killing a Mouse on Sunday 1965: Geheimaktion Crossbow (Operation Crossbow) – Drehbuch 1966: They’re a Weird Mob – Drehbuch 1972: Der gelbe Junge (The Boy Who Turned Yellow) – Produktion, Vorlage und Drehbuch
Schriften Killing a mouse on Sunday, London : Collins, 1961 Komm nicht nach Pamplona, aus dem Amerikanischen übersetzt von Günther Huster, Hamburg : Krüger, 1963 The glass pearls; introduction by Anthony Quinn, London : faber, 2022, ISBN 978-0-571-37104-4
Literatur Hans-Michael Bock, Rainer Rother: Emmerich Pressburger. In: Hans-Michael Bock (Hrsg.): CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film. LG. 27. edition text + kritik, München 1996, B 1-6, F 1-20. Ian Christie: Arrows of Desire. The Films of Michael Powell and Emeric Pressburger. Waterstone, London 1985. Roland Cosandey: Rétrospective Powell & Pressburger. 35ème Festival international du film de Locarno 1982. Editions du Festival, Locarno 1982. Fritz Göttler (Hrsg.): Living Cinema: Powell & Pressburger. München 1982.
Kevin Macdonald: Emeric Pressburger. The Life and Death of a Screenwriter. Vorwort von Billy Wilder. Faber and Faber, London 1994, ISBN 0-571-16853-1 Kay Weniger: 'Es wird im Leben dir mehr genommen als gegeben …'. Lexikon der aus Deutschland und Österreich emigrierten Filmschaffenden 1933 bis 1945. Eine Gesamtübersicht. S. 401 f., ACABUS-Verlag, Hamburg 2011, ISBN 978-3-86282-049-8 Ina Habermann: The Pressburger Touch. Ein ungarischer Jude im britischen Filmgeschäft, in: Konrad J. Kuhn, Katrin Sontag, Walter Leimgruber (Hrsg.): Lebenskunst : Erkundungen zu Biographie, Lebenswelt und Erinnerung : Festschrift für Jacques Picard. Köln : Böhlau, 2017, ISBN 978-3-412-50755-8, S. 133–142
Filmdokumentationen The Making of an Englishman, TV-Dokumentation von Kevin Macdonald, Großbritannien 1995 A Matter of Michael & Emeric, TV-Dokumentation von Dario Poloni, Großbritannien 1997 Made in England: The Films of Powell and Pressburger, Dokumentarfilm von David Hinton, Großbritannien 2024
Weblinks
Powell & Pressburger Pages (englisch)
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