mini|305px|Universitätskirche St Salvator’s Chapel
Die Universität St Andrews (; ) zählt zu den ältesten und renommiertesten Universitäten Großbritanniens. Sie wurde 1413 gegründet und ist die älteste Universität Schottlands und nach Oxford und Cambridge die drittälteste Universität in der englischsprachigen Welt und die fünfzigste in Europa.
In landesweiten Rankings zählt sie zu den führenden Universitäten des Vereinigten Königreichs. Im Herbst 2026 nahm die Universität im UK University Ranking 2027 (Times) den ersten Platz ein. Im globalen QS World University Ranking 2027 belegte die Universität Platz 115 (Oxford: Platz 4, Cambridge: Platz 6).
Motto Das Motto der Universität wird erst seit 2006 offiziell als solches genannt. Inoffiziell wird es seit mehreren hundert Jahren verwendet, wie in einem 1773 in Parliament Hall installierten Wappenschild zu sehen ist. Das Original wird heute in der King James Library ausgestellt. Das Motto ist ein Zitat aus der Ilias des Homer
Das Zitat bezieht sich auf die Vorstellung des Glaukos, einem Helden auf Seiten der Trojaner, der auf dem Schlachtfeld auf Diomedes trifft. Da ihre Großväter, Bellerophon und Oineus sich einmal Gastfreundschaft gewährt hatten, verzichten die beiden auf einen Kampf, tauschen ihre Rüstungen aus und trennen sich als Freunde auf verschiedenen Seiten des Konflikts.
Gliederung
Die einzelnen Fachbereiche gliedern sich in drei sog. Colleges – United College (bestehend aus St Salvator’s und St Leonard’s College), St Mary’s College und St Leonard’s College. Die Universität gliedert sich in vier Fakultäten (Faculty of Arts, Faculty of Divinity, Faculty of Medicine, Faculty of Science) und residiert in historischen und modernen Gebäuden in der gesamten Kleinstadt – ca. ein Drittel der Bevölkerung sind entweder Studenten oder Mitarbeiter der Universität.
Studierende Von den 10.535 Studierenden im Studienjahr 2019/20 sind 6.195 weiblich und 4.335 männlich. 8.470 arbeiteten auf ihren ersten Hochschulabschluss hin und waren damit undergraduates. 2.065 strebten einen weiteren Abschluss an. 3.090 kamen aus Schottland, 2.550 aus England, 90 aus Wales und 975 aus der EU. Die Studentenschaft 2017 bestand aus über 137 Nationalitäten, wobei ca. 45 % der Studierenden von außerhalb des Vereinigten Königreichs kamen – allein 15 % aus Nordamerika.
Geschichte St Andrews ist die älteste Universität Schottlands, die drittälteste der britischen Inseln und die 50. in Europa. Ihre Gründung wurde durch Geschehnisse weit entfernt von Schottland ausgelöst.
1378 wählten französische Kardinäle mit der Unterstützung einiger italienischer Kardinäle Papst Clemens VII als Gegenpapst zum amtieren Papst Urban VI. In diesem als abendländisches Schisma bekannten Zerrwürfnis unterstütze Schottland wie auch das in der Auld Alliance verbündete Frankreich den in Avignon ansässigen Papst Clemens. Das Bündnis mit Frankreich war auch der Grund, warum nur sehr weniger schottische Studenten in Oxford oder Cambridge studierten. Die meisten schottischen Studenten besuchten die Universitäten in Paris und Orlèans. Das abendländische Schisma führte nun dazu, dass auch diese Universitäten zunehmend schwieriges Terrain für Studierende wie Lehrende wurden. Die Unterstützung des in Avignon residierenden Benedikt XIII. und Nachfolger von Clemens schwand in der ersten Dekade des 15. Jahrhunderts auf Schottland und die spanischen Königreiche von Aragon, Kastilien und Navarra. In den späteren Jahren war Benedikt sogar gezwungen, seine Residenz nach Peñiscola zu verlegen.
1409 schließlich wandte sich die Universität Paris im Konzil von Pisa vollständig von den Gegenpäpsten in Avignon ab. 1410 gründete eine Gruppe von ehemals in Paris, Oxford und Cambridge lehrenden Augustinermönchen die Universität St Andrews. Die Mönche, darunter Lorenz von Lindores, Richard Cornwall, Archidiakon von Lothian und William Stephani, dem späteren Erzbischof von Dunblane gründeten eine gelehrte Gesellschaft, die 1411 durch Bischof Henry Wardlaw mit einer Urkunde bestätigt wurde. 1413 bestätigte der avignonsche Gegenpapst Benedikt XIII. die Gründung einer Universität mit einer päpstlichen Bulle. Die Bulle gilt heute als die Gründungsurkunde der Universität und das Jahr der Ausstellung als Gründungsdatum.
mini|College Hall
Den eigentlichen Beginn der Lehrtätigkeit setzten Augustinermönche der Andreas-Kathedrale im Jahre 1450; nach der Gründung 1453 wurden innerhalb der Universität sukzessiv das St Salvator’s College – mit St Salvator’s Chapel – (im Jahre 1450), das St Leonard’s College (im Jahre 1511), und das St Mary’s College (im Jahre 1537) für den Lehrbetrieb eröffnet. Zu diesen Zeiten war die Hochschule noch stark klerikal ausgerichtet.
Im 19. Jahrhundert wurden in Großbritannien zahlreiche neue Universitäten gegründet und die Studentenzahl in St Andrews sank teilweise unter die Zahl von 150. Das 1897 in Dundee gegründete University College (später Queen’s College) und seine erfolgreiche Medizinfakultät stärkten den Ruf der Universität St Andrews. 1967 trennt sich diese in der selbstständig erklärten Universität Dundee, und die St Andrews Bute Medical School arbeitet seither stark mit der Universität Manchester zusammen. In den letzten Jahrzehnten hat St Andrews starke überseeische Hochschulkooperationen aufgebaut (u. a. mit der University of California, Berkeley, der Emory University in Atlanta und dem College of William & Mary in Williamsburg, Virginia).
Das universitätseigene Museum beherbergt über 112.000 Artefakte und einen Überblick über die 600-jährige Geschichte der Universität.www.st-andrews.ac.uk
Ansehen Im Jahr 2019 platzierte der Guardian University Guide die Universität St Andrews auf den zweiten Rang im Vereinigten Königreich hinter der Universität Cambridge und verwies die Universität Oxford auf den dritten Platz. Im Jahr 2021 rückte St Andrews erneut auf Platz 1 vor. Im Jahr 2022 behielt St Andrews Platz 1, Oxford erreichte den zweiten Platz und Cambridge Platz 3. Die Rivalität zwischen den drei Universitäten besteht seit jeher und spiegelt sich in den wechselnden Rankingplätzen wider. In den Fächern Internationale Beziehungen, Geographie und Nachhaltige Entwicklung sowie Informatik führt die Universität regelmäßig auf Platz 1 das Ranking unter allen britischen Universitäten an – damit liegt sie hier vor den Universitäten Oxford und Cambridge.
Geschichte der Fotografie Aufgrund der Rolle des schottischen Physikers und Professors an der Universität St Andrews David Brewster (1781–1868) in der Verbreitung der Fotografie in ihren frühesten Jahren sowie der weltweit renommierten fotografischen Sammlung der Universitätsbibliothek bietet St Andrews einen eigenständigen Master in der Geschichte der Fotografie an. Dieser Studiengang trägt den Titel Master of Letters (kurz MLitt) in History of Photography.
Business and Management Studies Auch im Bereich Business and Management Studies hält St Andrews häufig vordere Ranking-Plätze.thecompleteuniversityguide.co.uk Es gelten in Business and Management Studies die schwierigsten Zugangsvoraussetzungen in ganz Großbritannien.www.thecompleteuniversityguide.co.uk
Internationale Beziehungen Der Fachbereich Internationale Beziehungen genießt einen hohen Bekanntheitsgrad nicht nur in Europa, sondern auch in Nordamerika. Die University of St Andrews bildet mit einigen wenigen nordamerikanischen Hochschulen wie Georgetown University und Harvard University die Spitze in der Terrorismus-, Sicherheits- und Konfliktforschung. Insbesondere die Verknüpfung der Internationalen Beziehungen mit dem Fachbereich der Nachhaltigen Entwicklung (Sustainable Development) einschließlich eines postgradualen Programms (Master of Science) ist darüber hinaus weltweit einzigartig. Die University of St Andrews hat in den vergangenen 15 Jahren Platz für die Forschungsvorhaben einiger führender Wissenschaftler wie Bruce Hoffman, Louise Richardson, Oliver P. Richmond, Roger Mac Ginty, Alex P. Schmid, Karin Fierke, Nick Rengger in Internationalen Beziehungen geboten. Die Universität St Andrews gehörte der Group 94 an, einem kleinen Netzwerk forschungsintensiver Universitäten, verließ diese jedoch im Oktober 2012.timeshighereducation.co.uk
Nobelpreise Die Universität hat einige Nobelpreisträger hervorgebracht, unter anderem mehrere Nobelpreisträger in Chemie, Medizin, Literatur und einen Friedensnobelpreisträger.List of Nobel laureates by university affiliation in der englischsprachigen Wikipedia
Kritik Elitarismus Der Ruf des Elitarismus an der Universität ist oftmals Gegenstand von Kritik. Die Universität verzeichnet einen hohen Anteil von Studierenden aus gesellschaftlichen Oberschichten. Der Anteil ehemaliger Schüler von Privatschulen liegt mit 40 % weit über dem britischen Durchschnitt.news.bbc.co.ukJessica Cook: , lazystudents.co.uk, 30. August 2009.extras.timesonline.co.uk (PDF-Datei) Von allen britischen Universitäten hat die University of St Andrews die wenigsten Studenten aus unteren Einkommensschichten (ca. 13 % der Studentenschaft). Die Durchschnittskosten für Studentenunterkünfte sind in St Andrews im Vergleich zu anderen Universitäten in Großbritannien am höchsten. auf theherald.co.uk
Studiengebührenerhöhung Eine Studiengebührenerhöhung 2011 hat zu öffentlichkeitswirksamer Kritik geführt, die Universität würde so für nichtschottische Briten, zusammen mit der University of Edinburgh,Zeitungsartikel zu Studiengebühren an der Universität Edinburgh. Abgerufen am 15. Januar 2012. eine der teuersten Universitäten in Großbritannien werden. Ein Studium sei dann kostspieliger als in Oxford oder Cambridge.Alan Wilson: , thecourier.co.uk, 8. September 2011.
Verbindungen zu den Vereinigten Staaten von Amerika Die Universität hat historischen Bezug zu den USA. Drei Unterzeichner der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten studierten in St Andrews bzw. ihnen wurde ein akademischer Grad verliehen: James Wilson, John Witherspoon und Benjamin Franklin.
Einige prominente schottische Einwanderer werden mit St Andrews assoziiert, insbesondere Andrew Carnegie, der zum Rektor der Universität gewählt und nach dem das Carnegie-Stipendium benannt wurde. Unter den britischen Universitäten verzeichnet die University of St Andrews die höchste Quote amerikanischer Studenten.www.guardian.co.uk
Die Universität weist in Amerika eine starke Alumnipräsenz und Kontakte zu amerikanischen Universitäten auf, sodass Absolventen oft Mitglieder von Institutionen und Vereinigungen wie dem Princeton Club of New York werden.
Traditionen Studienanfänger müssen einen Eid in Latein bei ihrer Immatrikulation leisten, die sog. Sponsio Academica
St Andrews hat wie andere alte Universitäten viele Traditionen bewahrt. Eines der weniger ernsten Ereignisse ist das jährliche, im November stattfindende „Raisin Weekend“, bei dem ältere Studenten Erstsemester als akademische Eltern adoptieren, eine riesige Schaumschlacht im St Salvator’s Quad. Die Studenten tragen dabei Kostüme, die von ihren akademischen Eltern für sie angefertigt werden.
mini|Bachelorstudenten beim traditionellen sonntäglichen Pierspaziergang im Talar
Gowns: Eine der auffälligeren Traditionen in St Andrews ist das Tragen von Talaren (engl. gowns). Diese werden zu feierlichen Anlässen, Gottesdiensten, Spaziergängen oder auch Klausuren getragen. Die Talare wurden im Jahre 1672 eingeführt, um Kontrolle über die ausschweifenden Tavernenbesuche der Studenten zu erhalten.
Alumni (Auszug) mini|Prinz William und Catherine Mountbatten-Windsor, hier mit US-Präsident Barack Obama und seiner Frau Adel Prinz William (William Mountbatten-Windsor) (Herzog von Cambridge und Prinz von Großbritannien und Irland) (* 1982), Kunstgeschichte und Geographie, 2001–2005 Catherine Mountbatten-Windsor, geb. Catherine Elizabeth „Kate“ Middleton (Herzogin von Cambridge, Ehefrau von William Mountbatten-Windsor) (* 1982), Kunstgeschichte, 2001–2005 König James II von Schottland (1430–1460)