Das Schloss Weikersheim mit seiner Schlosskapelle ist der Stammsitz der Herren von Hohenlohe in Weikersheim. Die ursprüngliche Wasserburg im Stau der Tauber wurde ab dem Jahr 1595 als Schloss im Renaissancestil umfassend erweitert. Der dreiachsige Barockgarten aus dem frühen 18. Jahrhundert vor dem Südflügel öffnet die Anlage zu der hier weiten Landschaft des Taubertals hinaus. mini|Luftbild des Schlosses Weikersheim und des Schlossparks

Geschichte

Hoch- und Spätmittelalter Als Herren von Wighartesheim treten die Herren von Hohenlohe erstmals 1153 urkundlich auf. Der Ort selbst ist altes Reichsgut und wurde 837 in einer Urkunde des Klosters Fulda erstmals erwähnt als Besitz des Würzburger Dienstmanns Wipert von Wichhartesheim und kam durch Schenkung im 12. Jahrhundert an das Kloster Comburg. Dieses behielt das Lehen, bis es 1244 an die Herren von Hohenlohe verkauft wurde.Max Miller, Gerhard Taddey (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten Deutschlands. Band 6: Baden-Württemberg (= Kröners Taschenausgabe. Band 276). 2., verbesserte und erweiterte Auflage. A. Kröner Verlag, Stuttgart 1980, ISBN 3-520-27602-X, S. 860

Um 1153 werden erstmals die Brüder Konrad und Heinrich von „Wighartesheim“ als Herren einer Wasserburg genannt, die sie vom Kloster zu Lehen trugen. Es war eine Ringmauerburg mit einem breiten Graben und dem Bergfried neben dem Zugang vom Ort. Erbaut wurde die Burg aber wahrscheinlich schon einige Jahrzehnte früher. Konrad von Weikersheim hatte drei Söhne Albert, Konrad und Heinrich. Albert erscheint circa 1172 als „Albertus de Hohenloch“, nach der Burg Hohlach bei Uffenheim. Auch Heinrich nannte sich „von Hohenloch“; Konrad führte 1178 den Namen „von Hohenlach“ oder „Holach“, nannte sich später aber „von Weikersheim“. Möglich erscheint, dass die Burg Hohlach durch Heirat an Konrad von Weikersheim und seine Söhne kam.Hubert zu Hohenlohe-Schillingsfürst, Friedrich Karl zu Hohenlohe-Waldenburg: Hohenlohe. Bilder aus der Geschichte von Haus und Land (= Mainfränkische Hefte, Heft 44). Würzburg 1965, S. 4. Der Sohn Heinrich führte die Stammlinie der Familie Hohenlohe fort. Konrad von Weikersheim seinerseits war möglicherweise ein Sohn des 1136/1141 bezeugten edelfreien Konrad von Pfitzingen. Sein Sohn Heinrich wurde zum Stammvater der weiteren Generationen der Hohenlohe. Der Name Weikersheim verschwand als Familienname, möglicherweise weil Weikersheim vorerst nur ein Lehnsbesitz war, Hohlach aber ein Allod oder ein Stauferlehen, das nach deren Aussterben zum Reichslehen wurde. mini|Die Toilette des Grafen Wolfgang.

Renaissance mini|Rittersaal mit der um 1605 vollendeten Ausstattung Bis 1586 wurde zwar immer wieder an- und umgebaut, aber an der (inzwischen mehrfach verpfändeten) Burg änderte sich nichts Entscheidendes. Doch in diesem Jahr kam Graf Wolfgang II. von Hohenlohe-Langenburg durch Erbteilung in den Besitz von Weikersheim und verlegte seinen Wohnsitz dorthin. Der gebildete und kunstliebende Renaissance-Fürst begann nach Reisen durch Frankreich, England und Österreich eine rege Bautätigkeit in seinen hohenlohischen Besitztümern. Weikersheim bot wegen seiner Lage im Taubertal die idealen Voraussetzungen für ein ausgedehntes und repräsentatives Schloss. Unter Einbeziehung älteren Baubestandes wie des staufischen Bergfrieds, der eine barocke Haube erhielt, entstand ab dem Jahr 1595 eine erweiterte Schlossanlage, in der vor allem ein neuer Saalflügel mit der westlichen Kapelle und der östlich anschließenden Tafelstube („Rittersaal“) neue räumliche und ikonografische Maßstäbe setzte.Die These von Walter-Gerd Fleck 1952/54 eines vorangehenden Idealentwurfs in Form eines gleichseitigen Dreiecks kann nach den neusten Forschungen als überholt gelten. Siehe den Sammelband der Staatlichen Schlösser und Gärten von 2019 und darin vor allem den Aufsatz von Ziegler.

Im Jahr 1605 war der Bau im Wesentlichen vollendet. Kern und Prachtstück des Schlosses ist der Rittersaal mit seiner von Elias Gunzenhäuser geschaffenen freitragenden Dachkonstruktion mit Kassettendecke,Hasso von Poser: Die Deckenbilder im Festsaal von Schloß Weikersheim. Ein Katastrophenfall; in: Denkmalpflege in Baden-Württemberg – Nachrichtenblatt der Landesdenkmalpflege, Heft 4/1980, Stuttgart 1980, S. 160–164 die von Balthasar Katzenberger aus Würzburg bemalt worden war: In den großen sechseckigen Feldern sind Szenen der Großwildjagd dargestellt, die mit den Stuckfiguren an den Wänden korrespondieren. Die kleinen rechteckigen Felder zeigen Szenen der Jagd auf Niederwild. Der große Kamin stammt von dem Bildhauer Michael Juncker.

Im Schloss hatte der Graf auch ein alchemistisches Labor, das einen eigenen Anbau auf der Nordseite erhielt, von dem noch geringe Reste zu sehen sind. Graf Wolfgang II., der die Triebfeder der Bauarbeiten war, zog jedoch nie mit seinem Hofstaat in den Neubau um. Auch die alte Burg wurde nicht abgebrochen. Der Graf starb 1610 im Alter von 64 Jahren.

Barock mini|Der barocke Eingang zum Schloss Weikersheim mit dem mittelalterlichen Bergfried Während des Dreißigjährigen Krieges kamen die Baumaßnahmen zu einem Stillstand. 1634 wurde das Schloss durch die Truppen des Generals Johann von Werth vollständig geplündert.

Der Enkel Graf Wolfgangs, Graf Siegfried, setzte die Bautätigkeit ab 1679 fort. Der Umfang der Umbauten ist noch nicht im Detail geklärt, da man sich eng an die Formen der Renaissance anlehnte.

Als Graf Carl Ludwig 1709 die Residenz übernahm und dort über 50 Jahre wirkte, erhielten das Schloss sowie der Garten mit seinen zugehörigen Gebäuden nahezu die Gestalt, in der es noch heute erhalten ist. Zwischen etwa 1709 und 1720 wurden für die gräfliche Familie zahlreiche Appartements im ersten und zweiten Obergeschoss vor allem des Renaissancebaus neu eingerichtet. Der Flügel auf der Ostseite erhielt erst jetzt seine heutige Innenausstattung. Sowohl unter Einschluss des Gartens als auch der Stadt wurden zwei für die Barockzeit typische, großräumige topografische Achsen geschaffen, in deren Schnittpunkt sich das Schloss als Mittelpunkt der gräflichen Herrschaft erhebt.

19. Jahrhundert mini|Gemälde von Schloss Weikersheim um 1710 mini|Blick auf Schloss Weikersheim im Herbst. Da Carl Ludwig ohne Nachkommen starb, fiel das Schloss an andere hohenlohische Linien. Diese nutzten das Schloss nur zeitweilig (vor allem in den Sommermonaten), da sie eigene Residenzen in Langenburg, Neuenstein und Öhringen besaßen.

20. Jahrhundert Der Dornröschenschlaf endete nach dem Zweiten Weltkrieg, als Constantin zu Hohenlohe-Langenburg aus Böhmen nach Weikersheim kam und das Schloss wieder mit Leben erfüllte. Der kunstsinnige Hohenlohe-Langenburg (selbst bildender Künstler) richtete im Schloss eine Malschule ein und begann, die vernachlässigten Räume und den Park zu renovieren. Er wurde zum geschickten Förderer des Schlosses und führte „Internationale Sommerkurse“ für Kammermusik ein. Nach seinem Tod erwarb das Land Baden-Württemberg 1967 das Schloss für 5,5 Millionen DM und stellt seitdem die enormen finanziellen Mittel zum Erhalt des Schlosses. mini|Herkulesbrunnen im Garten von Schloss Weikersheim bei Nacht.

Schlosskapelle Das Erdgeschoss des Südflügels hatte ab 1598 in den repräsentativen und gegebenenfalls für Außenstehende zugänglichen Räumen (Kapelle und Festsaal) bei besonderer Raumhöhe auch eine beträchtliche Breite (40 württembergische Schuh ≈ 13,4 Meter) erhalten, die nur mit einem aufwändigen und innovativen Deckentragwerk zu verwirklichen war. Graf Wolfgang konnte dazu den bewährten Mitarbeiter des herzoglich-württembergischen Baumeisters Heinrich Schickhardt gewinnen: Elias Gunzenhäuser. Sein weitgespannter Hängewerk-Dachstuhl trug das Deckengewölbe der Kapelle und nebenan die sehr schwere Kassettendecke des Rittersaals mit den Jagdgemälden. Die Kapelle ist mit einer dreiseitigen Doppelempore und gegenüber vor den Westfenstern mit der Kanzel ausgestattet, der hölzerne Tischaltar mittig davor.Ulrich Zimmermann: Die Predigtkirche und die Querkirche. Protestantischer Kirchenbau in Württemberg. Eine Studie zur Geschichte und Theologie des Kirchenraums und zur Entstehung zweier Kirchenbautypen. Ubstadt 2025, S. 176, 245, 329 – ISBN 978-3-95505-592-9. Die Ostempore trägt die Orgel und – mit Direktzugang von den Privatgemächern – den Fürstenstand. Die künstlerische Schlichtheit der Kapelle hat ihren Grund. Graf Wolfgang war ein streng gläubiger Protestant und stand daher Bildern im Kirchenraum ablehnend gegenüber. Die Emporenbrüstungen tragen dennoch zehn große, figurenreiche Stuckreliefs. Der „Kalkschneider“ und Stuckbildhauer Gerhard Schmidtsiehe auch Stadtkirche Freudenstadt und Marienkirche Ehningen. stellt hier auf zehn doppelten Feldern biblische Geschichten aus dem Alten und dem Neuen Testament einander gegenüber. In einem Raum nahe der Schlosskapelle ist das steinerne Hochgrab, die Tumba des Grafen Wolfgang II., deponiert, mit zwölf Alabastersäulchen und mit den Familienwappen gestaltet von Michael Kern aus Forchtenberg. Es stand bis 1934 zentral in der Stadtkirche Weikersheim.Schloss Weikersheim, Tumba des Grafen Wolfgang II. Die Schlosskapelle wird nach wie vor für besondere Gottesdienste und für musikalische Angebote genutzt.Ulrich Bernecker, Regine Burdinski: Unsere Kirchen. Ein Führer zu den Gotteshäusern des evangelischen Kirchenbezirks Weikersheim. (Hrsg.) Evangelisches Dekanat Weikersheim 2003, Seite 121 f.

Schloss Weikersheim heute

mini|Herkulesbrunnen im Schlosspark Schloss Weikersheim zählt zu den landeseigenen Monumenten und wird von den Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg betreut. Es ist für Besichtigungen geöffnet. Die original ausgestatteten barocken Wohngemächer sind als Schlossmuseum zugänglich.

mini|Blick zur Orangerie und auf die Steinriegel des Taubertals In den Räumen der ehemaligen Schlossküche befindet sich eine Dauerausstellung zum Thema Alchemie. Im März 2007 wurde die Dauerausstellung „Allerhand Zierrathen – Barocke Kostbarkeiten in Schloss Weikersheim“ eröffnet, die wertvolle und einzigartige Ausstattungsstücke aus den barocken Schlossräumen präsentiert.

Seit 2015 wurde das eindrucksvolle Spiegelkabinett renoviert und ist seit 2017 im Schloss zugänglich.

Der Schlossgarten zeigt sich seit seiner umfassenden Instandsetzung in den 1990ern wieder in barocker Pracht. Dem Schloss gegenüber wurde die zweiflügelige Orangerie wiederhergestellt. Als architektonischer Höhepunkt des Gartens dient sie heute Hochzeiten und anderen großen Festen sowie Konzerten als beliebtes Ambiente. Über die Zentralachse des Parks hinweg bietet sich ein Blick auf die typischen Steinriegelhänge des Taubertals. mini|Der Trommler in der Zwergengalerie. Den Schlossgarten, der von Kastanienalleen eingerahmt wird, bevölkert ein Figurenprogramm von rund 100 steinernen Statuen. Darunter mehrere Reihen damals geschätzter zwergwüchsiger Skulpturen. Hier wirkte zum größten Teil die Künzelsauer Bildhauerfamilie Sommer. Der Garten soll eine Allegorie der gräflichen Herrschaft darstellen, wohlgeordnet und ganz im Sinne der Zeit streng gegliedert. Es gibt Bildnisse der Winde, Elemente, Erdteile, Jahreszeiten, Planeten, antiker Götter und Helden. Hier gibt es mit der Zwergengalerie das einzige vollständig erhaltene Ensemble eines barocken Zwergengartens.

Die Jeunesses Musicales Deutschland hat im Schloss ihren Sitz und betreibt im Prinzessinnenbau seit 1963 die Internationale Musikakademie Schloss Weikersheim. Außerdem betreibt sie ganzjährig Konzerte und zweijährig Opernaufführungen im Schlosshof (im Juli und August). Das Schloss flankierend wurden das Gewehrhaus und das Gärtnerhaus als Veranstaltungs- und Konzerträume (für Klassik, Jazz und Neue Musik) ausgebaut.

Jedes Jahr in der Weihnachtszeit fand bis 2019 im inneren Schlosshof und auf der Terrasse mit Blick über den Park ein Weihnachtsmarkt statt, der einen beliebten Anziehungspunkt für Besucher aus der Region Hohenlohe darstellte.