Clandestine-Radio bzw. Clandestine-Sender () auch Geheimsender sind Hörfunksender, die von einem heimlichen oder unbekannten Standort aus senden. Damit soll entweder der Verfolgung durch politische Gegner entgangen oder eine falsche Identität vorgetäuscht werden. Clandestine-Sender dienen der politischen oder religiösen Propaganda.

Während des Zweiten Weltkrieges und in vielen Stellvertreterkonflikten des Kalten Krieges waren Clandestine-Radiosender Teil der Agenda von politischen Gruppen um deren Machtanspruch zu untermauern. Heute existieren nur noch vereinzelt solche Sender, da durch moderne Datennetzwerke oft genauso effektive Verbreitungsmöglichkeiten für multimediale Inhalte bestehen. Das Internet erleichtert außerdem die Verschleierung der genauen Herkunft der Inhalte und verlangt nur eine minimale technische Infrastruktur. Darüber hinaus gelingt auch eine beabsichtigte Täuschung der Hörer eines Untergrundsenders über dessen Betreiber immer seltener.

Der am längsten arbeitende Clandestine war Radio España Independiente, gegründet von der spanischen Kommunistischen Partei 1941 und erst aufgegeben nach General Francos Tod 1977.

Definition und Abgrenzung In der deutschen Sprache ist auch der Begriff „Untergrundsender“ für clandestin sendende Stationen üblich. Aus der Sicht des Betreibers soll eine Clandestine-Radiostation dem Zielpublikum eine alternative Sicht des politischen Geschehens überhaupt erst ermöglichen und zusätzliche Informationen verfügbar machen – gerade dann, wenn im Zielgebiet der Ausstrahlung eine nationale Zensur herrscht und/oder ein staatlicher Rundfunk ein Meinungs- und Informationsmonopol ausübt – wie in Diktaturen üblich. Die Programme von Clandestine-Stationen verwenden bevorzugt die natürliche Sprache ihrer Zielhörerschaft, um die gewünschten politischen Inhalte zu transportieren. Andere Inhalte, insbesondere Musik, werden oft an ihre politische Mission angepasst. Allein aufgrund der Tatsache, dass der Sender aus einer verschleierten Position betrieben wird, kann nicht klar unterschieden werden, ob es sich um einen Propaganda- oder Hetz-Sender handelt oder ob tatsächlich ein legitimes Anliegen vorliegt.

Als Betreiber von „Clandestines“ kommen alle Akteure in Frage, die sich in andauernden Konflikten befinden und über ausreichende Mittel verfügen. Dies können Staaten oder Exil-Regierungen aber auch Geheimdienste, politischen Parteien, Oppositionsgruppen oder bewaffneten Rebellen sein, welche sich gegebenenfalls selbst betätigen oder Tarnorganisationen einsetzen. Je nach Zielsetzung kann sich der Betreiber offen identifizieren oder seine Rolle verschleiern oder sogar ableugnen. Dies gilt auch für den Betrieb der Sendeanlagen selbst.

Je nach Standort und Betreiber handelt es sich bei einem Clandestine-Radiosender um eine Station, die – mit oder ohne Lizenz oder Rufzeichen – vom Machthaber des Zielgebietes unerwünschte Sendungen ausstrahlt. Sender können konspirativ als Schwarzsender im Zielgebiet selbst betrieben werden, sind dann aber dem Risiko eventueller staatlicher Verfolgung durch den jeweiligen Machthaber ausgesetzt. Alternativ erfolgt die Ausstrahlung von einem benachbarten Land oder sogar aus Gebieten, welche als „Niemandsland“ keiner effektiven Kontrolle unterliegen. Dabei verschleiert man möglichst den genauen Standort, damit der Urheber nicht erkannt und Störmaßnahmen erschwert werden.

Clandestine-Radiostationen unterscheiden sich mit ihrer politischen Zielsetzung von Piratensendern („Pirate-Radio“), die in Europa vor allem in den 1960er und 1970er Jahren in der Nordsee aktiv waren, um das Radiomonopol der öffentlich-rechtlichen Sender zu umgehen und sich dabei auf den internationalen Status der Weltmeere stützten. Im Gegensatz zu Piratensendern handelt es sich bei Clandestine-Sendern vornehmlich um landgestützte Sendestationen. Der Betrieb der Clandestine-Sender erfolgte vor allem auf Kurzwelle, vereinzelt aber auch auf Mittelwelle oder anderen Wellenbereichen.

Unterteilung der Clandestine-Sender Fast von ihren frühesten Tagen an waren Radiosender Instrument von Propaganda und Gegenpropaganda, spätestens seit 1933 (Beginn der NS-Zeit) so aktiv, dass Radioausstrahlungen zum Werkzeug einer staatlichen Regierung werden konnten.Siehe auch Geschichte des Hörfunks in Deutschland, Geheimsender im Zweiten Weltkrieg. Rundfunk spielte ab diesem Zeitpunkt in jedem folgenden lokalen, bilateralen oder grenzüberschreitenden Konflikt eine massive Rolle. Clandestine-Sender werden in drei Gruppen unterteilt.

White Clandestines (klare Identifikation) „Weiße“ Clandestine-Sender sind seltene Ausnahme und daher die kleinste Gruppe. Sie „benötigen“ einen echten Krieg. Hier ist als herausragendes Beispiel die 'BBC London', also der Londoner Rundfunk als deren deutschsprachiges Anti-Hitler-Programm, in den 1940er Jahren zu nennen. Diese Station sendete legal, mit Lizenz und klarer Identifikation auf registrierten Frequenzen; was sie zu einem „White“-Clandestine machte, ist die Tatsache, dass in einem Kriegszustand mit dem Staat des Zielgebietes (Großdeutsches Reich) die Ausstrahlungen zwar sachlich, jedoch in der Auswahl der gesendeten Fakten und Kommentare doch parteiisch erfolgten. Der zweite Grund zur Kategorisierung „White“-Clandestine ist darin zu finden, dass der Empfang des Senders im Zielgebiet per Gesetz verboten war. Hingegen war die in den 1960er bis 1980er Jahren bei Journalisten und DXern bekannte Station Frieden und Fortschritt aus der Sowjetunion kein Clandestine-Sender, da der Empfang in Deutschland nicht verboten war.

Grey Clandestines (unklare Identifikation) „Graue“ Clandestine-Sender unterscheiden sich von den „weißen“ Clandestines meist durch Nichtvorliegen einer Sendeerlaubnis, alternativ durch Sendeaktivität außerhalb der Staatsgrenzen der Zielhörerschaft.

Die typische „Grey Clandestine“-Station wird betrieben von Oppositionellen im eigenen Land entweder auf Territorium des kritisierten Staates oder in einem Nachbarstaat, der die Propaganda oft sogar unterstützt (Beispiel: USA und Kuba). Diese Art von Clandestine-Sendern stellt daher die überwiegende Mehrzahl der Clandestine-Radiostationen dar. Ob es sich bei der für den Betrieb des Senders verantwortlichen Opposition um eine politische Partei, um eine Splittergruppe, um eine Resistance-Bewegung oder um bewaffnete Guerilla handelt, ist für die Zuordnung zu dieser Gruppe letztlich unerheblich. Entscheidend ist, dass es sich um einen Propaganda-Sender handelt, der mit oder ohne Frequenzregistrierung ausstrahlt – wobei eine Registrierung lediglich in einem Nachbarstaaten des Zielgebietes erfolgt. Der erste einer größeren Öffentlichkeit bekannt gewordene Grey-Clandestine-Sender startete am 9. Juni 1933 in Kuba – in der Nähe des Ortes Matranzas – und wurde von einer studentischen Revolutionsgruppe gegründet. Anlass war der spontane Ausbruch von Streiks im Lande. Die Propaganda richtete sich gegen die damalige Machado-Diktatur. Der Sender rief die kubanische Armee zur aktiven Revolte auf. Bereits nach wenigen Tagen hatte die kubanische Polizei den Sendestandort gefunden und beschlagnahmte die Sendeanlage, womit die Agitation gestoppt war. Geholfen hat diese Maßnahme dem damaligen kubanischen Präsidenten nicht mehr; schon wenige Monate später im August 1933 musste er aufgeben und ins Ausland fliehen. Diesem Beispiel folgend hat so mancher Clandestine-Sender der letzten Jahrzehnte einen erheblichen Anteil an tiefgreifenden politischen Änderungen im Zielgebiet gehabt. Demzufolge ist eine Clandestine-Station ein Mittel im Konflikt zwischen Regierung und außerparlamentarischer oder rebellierender Opposition, was in den 1970er- und 1980er-Jahren zu einem Anstieg der Anzahl von Clandestine-Radiosendern führte. Heute ist jede bewaffnete politische Auseinandersetzung innerhalb eines Landes oder einer Region fraglos begleitet von einem oder sogar mehreren Clandestine-Sendern.

Black Clandestines (gegenteilige Identifikation) „Schwarze“ Clandestine-Rundfunksender grenzen sich von den anderen dadurch ab, dass ihren Sendungen zeitnah militärische oder paramilitärische Aktionen folgen. Dabei kann es sich auch um einen Bürgerkrieg handeln. Ein weiteres Merkmal 'schwarzer' Clandestine-Sender ist die „psychologische Kriegführung“: Beispielsweise kann der Sender unter dem Namen eines anderen Sender mit gegensätzlichem Programm ausstrahlen (gängiges Beispiel: Eine durch eine subversive Clandestine-Station angegriffene Regierung eröffnet einen Sender gleichen Namens. Diese neue Sendestation gibt vor, Sendestation der Rebellen oder der Gegenseite zu sein, ist es aber nicht, und sendet leicht regierungsfreundliche Programme).

Solche Sender werden im Englischen als „PsyWar Tool“ oder „PSYOPS“ bezeichnet und sollen Verwirrung stiften. Eine bedeutende Zielgruppe sind hierbei die jeweils gegnerischen Streitkräfte. Eine kleine Zahl spezialisierter DXer hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Black-Clandestine-Sender geografisch zu lokalisieren und zu enttarnen. Besonders schwer wird dies, wenn der 'Black Clandestine' anfänglich eine regierungsfeindliche Meinung verbreitet, um dann den Inhalt der Sendungen Stück für Stück langsam in die Gegenrichtung zu verändern. Oft arbeiten Black-Clandestines auf einer direkten Nachbarfrequenz des Gegners; dieser Umstand machte es dem Publikum bei der Frequenzsuche nicht leichter. Denn in den Krisengebieten dieser Welt waren Radioempfänger mit Digitalanzeige nicht weit verbreitet, dort war und ist eher die manuelle Abstimmung auf einer Frequenzskala die Regel.

Eine eindeutige Abgrenzung zwischen „grey“ und „black“ Clandestines ist nicht in jedem Fall möglich, da sich Merkmale im Einzelfall überschneiden können:

Der „Soldatensender Calais“ (1943–1945), der nach der alliierten Invasion in der Normandie in Soldatensender West umbenannt wurde, wird allgemein als Black-Clandestine eingestuft, da er lange Zeit von vielen Deutschen als Wehrmachtsender angesehen wurde. Betrieben wurde er jedoch von Briten. Die von Nord- nach Südkorea ausgestrahlte Clandestine-Station „Voice of the National Salvation“Auf Koreanisch je nach Quelle entweder , in südkoreanischer Umschrift Gugugui sori, „Stimme der Rettung des Landes“, oder aber Gugugui soribangsong „Hörfunk der Rettung des Landes“ – der Begriff soribangsong ist allerdings nordkoreanisch und in Südkorea unüblich. Vor dem 8. August 1985 hieß der Sender kor. Tonghyeokdangui moksori bangsong; Tonghyeokdang ist die Abkürzung von Tongilhyeongmyeongdang, des damaligen Namens (August 1969 bis Juli 1985) der späteren NDFSK (2005 erneut umbenannt). meldete sich mit „der Dienst der Nationalen Demokratischen Front Südkoreas“ (NDFSK). Es wurde fälschlich suggeriert, die Sendungen kämen von südkoreanischem Boden aus, und auch offen nordkoreanische Medien behaupteten, die „NDFSK“ sei eine südkoreanische Bewegung und ihr Sender „Voice of the National Salvation“ aus Seoul,Beispiel aus dem Jahr 1999 einer dahingehenden Behauptung: um den Anschein zu erwecken oder aufrechtzuerhalten, es gebe in Südkorea eine bedeutende pro-nordkoreanische Opposition. Als eine der im Juli 2003 ausgehandelten Gegenleistungen für südkoreanisches Appeasement („Sonnenscheinpolitik“) stellte Nordkorea den Betrieb dieses „südkoreanischen“ Senders am 1. August 2003 ein und strahlte stattdessen ab dem 15. August Koreanisches Zentralfernsehen aus; NDFSK-Propaganda und -Agitation wurden indes über die sich ebenfalls als NDFSK-Organ ausweisende Website „The National Salvation Front“ Laut Website „Organ des NDFSK-Zentralkomitees“ (seit Juni 1997) fortgesetzt.

Siehe auch: Deutscher Freiheitssender 904, Deutscher Soldatensender 935, Radio Vltava, Concordia »V«: »Alte Garde Lenins«

Klassische Clandestine-Sender Afrika und Naher Osten