Die Gletscher-Gämswurz (Doronicum glaciale) ist eine Pflanzenart aus der der Gattung Gämswurzen (Doronicum) innerhalb der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Dieser Endemit kommt nur in den Ostalpen in zwei vikariierenden Unterarten vor.
Beschreibung mini|links|Blütenkorb mini|Illustration aus Atlas der Alpenflora
Vegetative Merkmale Die Gletscher-Gämswurz ist eine ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 0,5 bis 25 Zentimetern. Sie bildet ein kräftiges Rhizom als Überdauerungsorgan. Die aufrechten oder aufsteigenden und unverzweigten Stängel sind zumindest oben steifhaarig und drüsig. Der untere Teil ist markig, unterhalb des Blütenkopfes ist der Stängel hohl.
Alle Laubblätter sind buchtig gezähnt und mit Wimper- und Drüsenhaaren behaart, aber ohne Wollhaare. Die Grundblätter besitzen einen zwei bis fünf Zentimeter langen Stiel. Die länglich bis länglich-lanzettlich Blattspreite ist zwei bis viereinhalb Zentimeter lang, 1,2 bis 2 Zentimeter breit, verschmälert sich allmählich bis zum Blattstiel und ist stets kürzer als der Stiel. Die unteren Stängelblätter sind den Grundblättern ähnlich, nur mit kürzerem Stiel. Die oberen Stängelblätter sind elliptisch-lanzettlich, spitz und mit einem seicht herzförmigen Grund halbstängelumfassend.
Generative Merkmale Die stets einzeln stehenden Blütenkörbe haben einen Durchmesser von 3,5 bis 4,5 Zentimetern und. Die linealisch-lanzettlichen Hüllblätter besitzen Drüsenhaare und mehrzellreihige Wimperhaare und sind 8 bis 14 Millimeter lang (etwa halb so lang wie die Zungenblüten). Die Zungenblüten sind 2 bis 3 Millimeter breit und etwa 7 Millimeter lang. Alle Blüten besitzen einen Pappus.
Die Achänen sind 2 Millimeter lang, besitzen zehn Rippen und einen Pappus, der etwas länger als die Frucht ist.
Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 60.
Vorkommen Die Gletscher-Gämswurz ist in den Ostalpen östlich von Innsbruck endemisch. Es gibt nur Fundortangaben für Österreich, Deutschland (nur Berchtesgadener Alpen), Italien und Slowenien. In Österreich fehlt sie in Wien, Burgenland und in Vorarlberg.
Die Gletscher-Gämswurz wächst in Steinschuttfluren und Schneebodengesellschaften der subalpinen bis alpinen Höhenstufe auf kalkhaltigen Fein- und Grobschuttböden. Sie ist eine Charakterart des Verbands Drabion hoppeanae und kommt auch in Pflanzengesellschaften der Klasse Salicetea herbaceae vor. Sie steigt am Monte Stablel in der Adamellogruppe bis in eine Höhenlage von 2900 Meter auf.
mini|Doronicum glaciale subsp. calcareum mini|Habitus, Läubblätter und Blütenkörbe von Doronicum glaciale subsp. glaciale
Systematik Die Erstveröffentlichung erfolgte 1786 unter dem Namen (Basionym) Arnica glacialis durch Franz Xavier von Wulfen in Nicolaus Joseph von Jacquin: Collectanea ad botanicam, chemiam, ...., Band 1, Seite 230. Die Neukombination zu Doronicum glaciale wurde 1854 durch Carl Frederik Nyman in Sylloge Florae Europaeae..., Seite 1 veröffentlicht.
Je nach Autor gibt es etwa zwei Unterarten: Unterart Kalk-Gämswurz (Doronicum glaciale subsp. calcareum , Syn.: Doronicum calcareum ): Sie ist ein Endemit der nordöstlichen Kalkalpen und das Areal reicht vom Dürrenstein und dem Hochschwab ostwärts bis zum Schneeberg. Die Laubblätter besitzen am Rand keine Drüsenhaare. Korbschaft und Korbhülle sind reichlich mit 0,3 bis 0,5 Millimeter langen Drüsenhaaren und mit 0,5 bis 1 Millimeter langen drüsenlosen Haaren besetzt. Diese Unterart ist kalkstet.
Unterart Eigentliche Gletscher-Gämswurz (Doronicum glaciale subsp. glaciale): Sie hat an den Laubblatträndern 0,05 bis 0,2 Millimeter lange Drüsenhaare. Korbschaft und -hülle sind mit sitzenden bis sehr kurz gestielten Drüsen besetzt sowie mit zahlreichen 0,5 bis 1 Millimeter langen drüsenlosen Haaren. Diese Unterart wächst über Kalk- und Intermediär-Gestein. Es gibt Fundortangaben für Österreich, Deutschland, Italien und Slowenien. Sie tritt nur westlich des Hochschwab auf, vikariiert also mit der anderen Unterart. Manche Populationen in der Steiermark, so auf dem Hochschwab und im Grazer Bergland, vermitteln jedoch zwischen den beiden Unterarten.
Quellen Literatur Manfred A. Fischer, Wolfgang Adler, Karl Oswald: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 2., verbesserte und erweiterte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2005, ISBN 3-85474-140-5. Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora. 7. Auflage, Ulmer, Stuttgart 1994, ISBN 3-8252-1828-7. Siegmund Seybold (Hrsg.): Schmeil-Fitschen interaktiv (CD-Rom), Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2001/2002, ISBN 3-494-01327-6.
Einzelnachweise
Gerhard Wagenitz et al.: Familie Compositae II. In Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 2. Auflage Band VI, Teil 3, S. 722–723. Verlag Paul Parey, Berlin, Hamburg 1987, ISBN 3-489-86020-9.
Weblinks
Thomas Meyer: Gemswurz Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben).
Kategorie:Gämswurzen Kategorie:Alpenflora