Als Bootleg wird im Bereich des Medienrechts eine Tonaufnahme oder ein Film bezeichnet, deren Vertrieb vom Rechtsinhaber nicht autorisiert wurde. Meist handelt es sich um Mitschnitte, die bei Konzerten entstanden sind – auch unautorisierte Kompilationen werden als Bootlegs vertrieben. Bootlegs sind Werke, die gelegentlich mit Schwarzpressungen verwechselt werden – Kopien, die in die Bereiche Produktpiraterie und Raubkopie fallen. Bootlegs sind überwiegend nicht autorisiert, jedoch gibt es auch autorisierte Mitschnitte. Sehr viele Bootlegs finden sich heute im Internet (z. B. bei YouTube), ohne dass die Urheber Einspruch einlegen.

Begriffe Das Wort Bootleg leitet sich von - Stiefelschaft ab. Im Stiefelschaft wurden während der Prohibition in den Vereinigten Staaten Alkoholflaschen über die Grenze geschmuggelt, woraus die Zweitbedeutung - schmuggeln entstand.Webster’s New Universal Unabridged Dictionary. New York 2003. ISBN 0-7607-4975-2

Im Gegensatz zu selbstgebrannten CDs oder aus dem Internet heruntergeladenen Audiodateien ist ein Bootleg im eigentlichen Sinne ein industriell hergestellter Tonträger, der öffentlich verkauft wird, oder ein Konzertmitschnitt, der mit anderen Sammlern ausgetauscht wird.

Das Feld der sogenannten Schwarzpressungen ist sehr weitläufig und aufgrund der noch immer nicht ganz eindeutigen Rechtslage nicht einfach zu definieren. Man unterscheidet allgemein zwischen Bootleg, Counterfeit und Pirate Pressing. Beim Counterfeit handelt es sich um die rechtswidrige Kopie einer offiziell erschienenen Platte, wie zum Beispiel Снова в СССР, eine LP von Paul McCartney, die zunächst in der Sowjetunion erschien. Pirates sind ebenfalls Nachpressungen offiziell erschienener Platten, bei denen jedoch kein Wert auf ein originalgetreues Erscheinungsbild gelegt wird, wie es zum Beispiel bei einigen Jimi-Hendrix-LPs vorkam.edto.net: (englisch) Seit dem Beginn der 1990er Jahre bezeichnet man als Schutzlückenbootleg vor allem Live- und Studioveröffentlichungen, die durch Gesetzeslücken an den Plattenfirmen und Künstlern vorbei bei voller Zahlung der Lizenzen an die Gema auf den Markt gebracht wurden, beispielsweise die Beatles-Box von TchiboTchibo-Beatles-Vol. 1Tchibo-Beatles-Vol. 2Tchibo-Beatles-Vol. 3Tchibo-Beatles-Vol. 4 oder die Live & Alive beziehungsweise Live-USA-Veröffentlichungen von Imtrat.Kurzinfo über Imtrat und deren Veröffentlichungen und die Anklage von Phil Collins gegen Imtrat (englisch) Auf dem Rechtsweg konnte die Industrie erste Erfolge erzielen, als zwei Interpreten, Phil Collins und Cliff Richard, klagten, weil ihnen bei diesen Veröffentlichungen kein Mitspracherecht eingeräumt worden war. Die in Osteuropa und in Südostasien auftauchenden, oftmals nachlässig produzierten Versionen lassen sich nur schwer in das Raster einfügen, da sie gewöhnlich lizenziert sind.

Auch das Akronym RoIO, wahlweise für Recording of Indeterminate / Independent / IllegitimatePF-RoIO-Datenbank Origin, wird verwendet. In der Szene der elektronischen Tanzmusik wird als Bootleg ein Remix bezeichnet, der ohne Genehmigung und Lizenzierung erstellt wurde. Als eindeutige Urheberrechtsverletzung können diese nicht legal gekauft oder verkauft werden.

Motivation

Seit es die Möglichkeit gibt, CDs selbst zu brennen, haben Bootlegs und die dahinter stehende Industrie an Bedeutung verloren, jedoch werden seit einigen Jahren wieder vermehrt Bootleg-CDs und LPs angeboten. Besonders aktiv ist seit 2013 das französische Bootleg-Label Verne Records, das bis 2017 rund 60 verschiedene Bootleg-LPs herausbrachte.https://www.discogs.com/de/label/624709-Verne-Records

Geschichte Bereits mit dem Aufkommen der Phonographenwalze als Aufnahmemedium begann auch die Geschichte der unautorisierten Aufnahmen. Das kanadische Magazin Hot Wacks nennt in der Ergänzungsausgabe 7 (Supplement 7) auf Seite 3 in dem Artikel A History Of Bootleg Recordings den Bibliothekar der Metropolitan Opera, Lionel Mapleson, als ungewollten Urheber des Bootlegs. Thomas Alva Edison, mit dem er befreundet war, schenkte ihm einen der von ihm erfundenen Phonographen. Trotz großer Beschränkungen des Gerätes (abgesehen vom enormen Abstand zur Bühne) liefen die Zylinder nur ein paar Minuten, was die Aufnahmen ganzer Arien praktisch unmöglich machte. In der Zeit von 1901 bis 1903 schaffte es der Opernfan, eine erstaunliche Anzahl einzigartiger historischer Aufnahmen zusammenzustellen, darunter Künstler, von denen sonst keine Tonaufnahmen erhalten sind, etwa Jean de Reszke. Auch die umfangreichen Begleittexte zu den Platten (englisch: Liner Notes) erschienen zuerst auf Bootlegs.

Im Jahr 1969 begann man zunächst Blues- und Jazz-Musiker in kleinen Clubs aufzunehmen und diese Aufnahmen als Bootlegs zu vertreiben, doch nur mit mäßigem Erfolg, das erhoffte große Geschäft mit den Bootlegs blieb aus. Erst mit dem Aufkommen der Rockmusik begann die große Zeit der Bootlegs. Das erste nennenswerte Bootleg war Great White Wonder, das Aufnahmen von Bob Dylan vom Dezember 1961 (Minnesota Tapes) und April 1967 (Basement Tapes) enthielt und im Juli 1969 erschien. Von diesem Bootleg wird behauptet, dass es über 350.000 verkaufte Exemplare gab. Columbia Records veröffentlichte 1975 eine remasterte Version des Bootlegs, die Teile der Basement Tapes enthielt, um das Bootlegging dieser Aufnahmen einzudämmen.Kurt Glemster – Editor of HOT WAX – Books I thru XI. In: Hot Wacks Boot, Supplement 7 (A History Of Bootleg), 1985 Im Jahr 1971 kamen die ersten Bootleg Label in Amerika auf den Markt, Dittolino Disk (USA 1971–1973) und Kink Kong Records (USA 1971–1974); ihnen folgten die Europäischen Labels Fruit End Production (Deutschland 1976–1978), Stoned Records (Schweden 1977) und die japanischen Labels OG Records (1975) und LLX (1976).Andreas Voigts: Voigts New Collector’s Price Guide for Bootlegs. S. 14–26 Bald darauf tauchten einige hundert Labels auf, die sich mehr oder weniger lange in der Szene hielten. Nur wenige davon hatten später einen gewissen Namen unter Sammlern.

In der Regel lag die Auflagenstärke der Bootlegs in den USA bei 1000 Stück, in Europa 500 bis 1000 Stück und bei einigen hundert Stück in Japan.Hot Wacks Book, Supplement 7, S. 4 Es gab aber auch limitierte Auflagen von 30 bis 500 Stück, die oft nur als mehrfarbige Vinylschallplatte herausgebracht wurden oder die den Zweck besaßen, den Sammlerwert zu steigern. Ein Teil dieser Auflagen besitzt heute tatsächlich einen hohen Sammlerwert. 1988 erschienen die ersten Bootleg-CDs, von denen die Ultra Rare Trax Volume 1–6 von The Beatles (Swingin’ Pig) und Dallas ‘75 Volume 1&2 von Led Zeppelin (TWR Toasted/Condor) besondere Beachtung fanden. Aufmachung und Tonqualität der CDs entsprachen denen regulär erhältlicher Compact Discs.Hot Wacks Boot, Supplement 7, S, 5 1990 erschien die dreifach-LP/-CD-Box Atlantic City ’89 von den Rolling Stones. Hierbei handelte es sich um einen digitalen Mitschnitt eines Livekonzertes der Rolling Stones, der bei einer Satellitenübertragung aufgenommen wurde.Musik-Kritik und Hintergründe zu Rolling Stones – Atlantic City ’89. Stereoplay Die Aufmachung der LP-/CD-Box und die digitale Aufnahme der Compact Discs in DDD-Qualität empfand man als sensationell. Mit über 70.000 Exemplaren ist es eines der meistverkauften Bootlegs der Welt.Hot Wacks Book. Supplement 5, S. 24 1995 erschien das Vier-CD-Box-Set Handsome Girls, das die gesamte Show der Rolling Stones in Fort Worth 1978 in bestmöglicher Qualität enthielt. Dabei nutzte man originale Mischpult-Masterbänder aus den King Biscuit Flower Hour Studios, die nochmals digital abgemischt wurden. Bis heute gibt es kaum eine vergleichbare Vier-CD-Box-Set Bootleg-CD in dieser Klangqualität.Hot Wacks Book, Supplement 5, S. 24–25 In den folgenden Jahren verschwanden die Bootleg-LPs fast vollständig vom Markt, und es wurden nun überwiegend CDs angeboten, die fast ausschließlich einen hervorragenden Klang hatten. Man ging dazu über, Radio- oder Fernseh-Liveübertragungen mitzuschneiden oder direkt das Mischpult bei einem Livekonzert anzuzapfen. Ältere Bootlegaufnahmen wurden remastert, dabei bediente man sich u. a. des NoNoise-Verfahrens von Sonic Solutions, das Audio-Artefakte wie Brummen, Kratzer und Rauschen entfernte.

Rockmusik und Bootlegs Gegen Ende der 1960er Jahre blühte die Rockmusik auf und entwickelte sich von der reinen Unterhaltungsware zur ernsthaften Kunstform. Die neuen Idole wie Bob Dylan, The Rolling Stones, The Doors und Led Zeppelin wurden vor allem durch ihre Konzerttourneen bekannt. Platten mit Konzertmitschnitten gab es kaum; deshalb entstand bei den Fans der Wunsch, Live- und Demoaufnahmen ihrer Idole zu besitzen. Das erste bedeutende Bootleg enthielt jedoch noch ausschließlich Studioaufnahmen. Zwei junge Männer aus Kalifornien produzierten 1969 das erste Rock-Bootleg Great White Wonder mit Aufnahmen, die Bob Dylan nicht offiziell erscheinen lassen wollte. Es enthielt Ausschnitte aus den sogenannten Basement Tapes. Das Cover war weiß, ebenso die Label des Doppelalbums. Obwohl die Musikindustrie schließlich Gegenmaßnahmen ergriff (das Album hatte inzwischen mehrere Privatauflagen erlebt), war die Produktion weiterer Schwarzpressungen nicht mehr zu stoppen, wenngleich Bootlegs aufgrund ihrer oftmals mäßigen Tonqualität und Produktion anfangs vornehmlich nur auf einen elitäreren Sammlerkreis abzielten.

Doch bald entstand im Untergrund eine regelrechte Industrie. Waren Bootlegs in Europa und Japan zu Beginn eher sporadische Produkte und wohl kaum kommerziell ausgerichtet, brachten US-Bootleg-Firmen wie Trademark of Quality, The Amazing Kornyphone Record Label und Contraband ganze Serien von Konzertmitschnitten auf Schallplatten heraus. Dabei erschienen zahlreiche Vinyl-Bootlegs bei verschiedenen Labels unter jeweils unterschiedlichen Titeln, vornehmlich um der Nachfrage der Sammler gerecht zu werden beziehungsweise den unbedarften Fans ein neues Bootleg zu verkaufen.

Der Grundstein für eine Kommerzialisierung war damit gelegt, doch geschah diese kurioserweise in Europa. Bootlegs zielten bald auf Masse ab, wobei allerdings darauf geachtet wurde, dass die Tonqualität stimmte und auch die Produktion. In den 1980er und 1990er Jahren ging man so weit, sich an streng limitierten Radioproduktionen wie King Biscuit Flower Hour und BBC Rock Hour aus den USA zu vergreifen, die seit Beginn der 1970er Jahre komplette Mitschnitte von Konzerten auf streng limitierten Tonträgern herausbrachten, die eine Auflage von 250 bis 300 Stück hatten. So kamen zum Beispiel unter dem Namen BBC Transcription Services damals ganze Konzertmitschnitte auf den Markt, die dem Käufer vorgaukelten, es handele sich um BBC-Promotionschallplatten. Die Qualität der Aufmachung war so gut, dass es die LPs in ganz normalen Schallplattenläden zu kaufen gab. Es gab aber auch Bootlegs von bekannten Künstlern, die Aufnahmen enthielten, die nicht das Geringste mit den Künstlern gemeinsam hatten, außer dass deren Songs von irgendwelchen Garagenbands „zusammengeschrammelt“ wurden, wie es bei den LPs Live Experience ’70 und Jimi Hendrix, Live Experience 70 (Tribute to Jimi Hendrix Vol. V) vorkam, die als Bootleg von Jimi Hendrix angeboten wurden.

Die Zahl der Titel wuchs stetig an, obwohl die Plattenindustrie Bootlegger strafrechtlich verfolgen ließ. Die Tonqualität der Raubpressungen reichte von exzellent bis schauderhaft, aber das Gerücht, wonach diese Platten ausschließlich katastrophale Aufnahmen enthalten würden, entsprang wohl eher dem Wunschdenken der Industrie.

Klangeinstellung Für Bootlegsammler gehört häufig ein Equalizer zur Grundausstattung. Mit Hilfe von Referenzwerten aus Büchern und Zeitschriften, die sich mit Bootlegs befassen, wie zum Beispiel die Hot Wacks Books, kann man so die optimale Klangeinstellung für bestimmte Bootlegs vornehmen. Als Beispiele sind folgende drei aufgeführt:

Strafrechtliche Verfolgung