Weilerswist ist eine Gemeinde im Norden des Kreises Euskirchen im Südwesten des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen. mini|Luftaufnahme von Weilerswist (2015) mini|Wohnbebauung im Süden von Weilerswist (2020)

Geografie Weilerswist liegt zwischen der Zülpicher Börde und dem Vorgebirge, am südwestlichen Rand der Ville, eines Höhenzuges der Kölner Bucht. Durch das Gemeindegebiet fließen im Osten die Swist und im Westen die Erft, die in Weilerswist von vier kleineren Nebengewässern gespeist werden. Im Norden grenzt die Gemeinde an die Städte Brühl und Erftstadt (beide im Rhein-Erft-Kreis), im Osten an die Stadt Bornheim und die Gemeinde Swisttal (beide im Rhein-Sieg-Kreis), im Süden an die Kreisstadt Euskirchen sowie im Westen an die Stadt Zülpich (ebenfalls im Kreis Euskirchen).

Gliederung

Die Gemeinde ist in sechs Ortschaften mit eigenen OrtsbürgermeisternOrtsbürgermeister, weilerswist.de und fünfzehn Ortsteile untergliedert. Ortschaften (Stand: 2016) Weilerswist Weilerswist und Neuheim Vernich Großvernich, Kleinvernich und Horchheim Metternich Metternich Müggenhausen Müggenhausen, Schwarzmaar und Neukirchen Lommersum Lommersum und Bodenheim Hausweiler-Derkum Hausweiler, Derkum, Ottenheim und Schneppenheim

Geschichte In der fruchtbaren Börde rund um die Swist und die Erft fanden bereits seit Jahrhunderten Menschen ausreichend Nahrung und siedelten sich dort an. So gibt es Siedlungsspuren von Menschen des Jungpaläolithikums, der Bandkeramiker, der Urnenfelderleute und Siedlungen aus der Latènezeit auf dem heutigen Gebiet der Gemeinde Weilerswist. Kelten und Germanen, vor allem aber Römer hinterließen ebenfalls ihre Spuren. Zahlreiche Siedlungen und Einzelhöfe (siehe Villae Rustica) bestanden. Ortsbezeichnungen wie Weiler, Vernich und Metternich weisen darauf hin, ebenso bei Ausgrabungen gefundene Fundamente, Artefakte, Reihengräber und Sarkophage.

Ein Kultzentrum befand sich auf dem Swister Berg. Bei den 1933 von Peter Anton Tholen durchgeführten Grabungen wurden Reste eines größeren Tempelbezirkes entdeckt. Dort wurden Matronen verehrt, aber auch der Göttin Diana war ein Weihestein gesetzt worden. Ebenfalls befand sich dort an der vom Kastell Bonn zum Kastell Neuss über den Swister Berg führenden Heerstraße eine Jupitersäule, deren oberer Teil ebenfalls aufgefunden wurde.

Als die Franken das Gebiet übernahmen, wurden neue Siedlungen gegründet. Dörfer wie Lommersum (Lommundesheim), Derkum (Dedinchheim), Bodenheim, Ottenheim und Schneppenheim, die auf „heim“ enden, verweisen auf eine Gründung durch einen fränkischen Sippenführer. Seit karolingischer Zeit sind Urkunden aus Orten der Gemeinde Weilerswist überliefert. Die Ersterwähnung des Ortes Weilerswist als „Wilrezwist“ stammt vom 9. Juli 1310.Peter Kraut: Weilerswist. 700 Jahre 1310–2010. Weilerswist 2010. S. 22–42 Abbildung der Urkunde des Kölner Stiftes St. Gereon mit weiteren Angaben auf S. 30, S. 70–84 und S. 222–230. Die Herrschaft Weilerswist, die 1303 von Dietrich von Kleve und dessen Ehefrau Lisa an den Kölner Erzbischof Wikbold von Holte verpfändet worden war, gelangte nach nicht erfolgter Einlösung in den Besitz des Kölner Erzstiftes.

Weilerswist gehörte zum kurkölnischen Amt Brühl, besaß jedoch ein eigenes Gericht ohne Hochgerichtsrechte. Diese wurden vom Gericht Brühl ausgeübt. Innerhalb des Gerichtsbezirkes Weilerswist lagen mehrere Hofesverbände mit Hofgerichten. Es waren die des Stiftes Sankt Andreas in Köln in Oberswist, des Stiftes Sankt Gereon in Köln in Swist und die des Hauses Kühlseggen, zu dem auch der Kaulenhofesverband gehörte. Die Hochgerichtsrechte, die sowohl Sankt Gereon als auch Haus Kühlseggen besaßen, gingen im Laufe der Jahrhunderte verloren. Im 17. Jahrhundert besaß der Landesherr, der Kurfürst von Köln, alle Hochgerichtsrechte in Weilerswist. Diese Rechtsverhältnisse blieben bis zur Neuordnung der Gebiete mit Verwaltungsumgliederungen und Gerichtsreformen unter französischer Herrschaft 1798 unverändert.

Zur Herrschaft Kerpen-Lommersum gehörte auch der Ort Lommersum. Er wurde 1710 von Graf Friedrich von Schaesberg übernommen. Bei der Schaffung neuer Verwaltungsbezirke nach französischem Vorbild unter Napoleon Bonaparte, wurden Weilerswist und Lommersum 1800 zu Mairien im Kanton Lechenich. Durch die Säkularisation der kirchlichen Güter 1802 und den in den folgenden Jahren erfolgten Verkauf änderten sich die Besitzverhältnisse in Weilerswist und Lommersum grundlegend. Die Mairien blieben auch nach der kontinentalen Neuordnung durch den Wiener Kongress 1814/15 anschließend in preußischer Zeit als Bürgermeistereien und seit 1927 als Ämter auch nach Gründung des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen 1946 bestehen. 1951 entstand das Amt Weilerswist-Lommersum, das bis 1969 bestand.

Die heutige Gemeinde Weilerswist entstand am 1. Juli 1969 durch das Gesetz zur Neugliederung des Landkreises Euskirchen, durch das die ehemaligen Gemeinden Lommersum, Metternich, Müggenhausen, Vernich und Weilerswist des ehemaligen Amtes Weilerswist-Lommersum zur Gemeinde Weilerswist zusammengeschlossen wurden. Die korrekte Silbentrennung des Gemeindenamens lautet „Wei|ler|swist“. Sie resultiert aus dem historischen Zusammenschluss der ehemaligen Dörfer Weiler und Swist.

Der deutsche Wetterdienst stellte am 31. Juli 2020 den bis dato bundesweit heißesten Tag des Jahres mit 36,9 °C in Weilerswist fest.Waldbrandgefahr steigt: Samstag könnte es bis zu 38 Grad heiß werden. aachener-zeitung.de, vom 6. August 2020 (abgerufen am 7. August 2020) Außerdem gab es hier am 8. August 2020 den heißesten Tag im Land Nordrhein-Westfalen mit 37,4 °C.37,4 Grad in Weilerswist: Das war der bislang heißeste Tag des Jahres in NRW, rp-online von 8. August 2020 (abgerufen am 8. August 2020) Im Jahr 2020 hat mit 2004 Stunden die Sonne in Weilerswist, bezogen auf ganz Nordrhein-Westfalen, am längsten geschienen.Wetter in NRW: An DIESEM Ort schien 2020 am öftesten die Sonne, derwesten.de, vom 12. Januar 2021

Von der Flutkatastrophe im Juli 2021 war auch Weilerswist durch das Überlaufen von Erft und Swist schwer betroffen. Von den Wassermassen eingeschlossene Personen mussten mithilfe von Helikoptern aus ihren Häusern evakuiert werden. Insbesondere untere Stockwerken mitsamt den darin enthaltenen privaten Besitztümern sowie zahlreiche Fahrzeuge wurden zerstört.Besuch in Bad Münstereifel Merkel: Soforthilfe soll „Sache von Tagen sein“, in: mobil.rundschau-online.de, vom 20. Juli 2021 (abgerufen am 20. Juli 2021) Zeitweilige Strom- und Mobilfunknetzausfälle waren eine weitere Folge. Die Landesstraße 181 zwischen Derkum und Lommersum wurde unbefahrbar.Fahrbahnen unterspült Diese Straßen sind im Kreis Euskirchen aktuell gesperrt, in: ksta.de, vom 20. Juli 2021 (abgerufen am 20. Juli 2021) Der Ortsteil Metternich war am schwersten von der Katastrophe betroffen.NRW-Hochwasser: Zahlreiche Einsätze für Landkreis-Feuerwehrkräfte im Kreis Euskirchen, in: landkreis-osnabrueck.de, vom 18. Juli 2021 (abgerufen am 21. Juli 2021)

Politik

Gemeinderat mini|Rathaus Weilerswist mini|Ratssaal Weilerswist Der Gemeinderat ist die kommunale Volksvertretung der Gemeinde Weilerswist. Über die Zusammensetzung entscheiden die Bürger alle fünf Jahre, zuletzt am 13. September 2020.

Bürgermeister 1999–2009: Armin Fuß (CDU) 2009–2015: Peter Schlösser (SPD) 2015–2025: Anna-Katharina Horst (parteilos) seit 2025: Dino Steuer (CDU)

Die Verwaltung der Gemeinde wird vom Bürgermeister geführt, der als kommunaler Wahlbeamter auf Zeit fungiert. 1999 erfolgte erstmals die Direktwahl des hauptamtlichen Bürgermeisters in Weilerswist durch die Bürger für eine Amtszeit von sechs Jahren. Durch das Gesetz zur Stärkung der kommunalen Demokratie von 2013 wurde die Amtszeit von sechs auf fünf Jahre verkürzt. Ab 2020 findet die Bürgermeisterwahl zeitgleich mit der Wahl des Gemeinderats statt.

Die seit 2015 amtierende Bürgermeisterin der Gemeinde Weilerswist, Anna-Katharina Horst, musste sich am 27. November 2016 einem Abwahlverfahren stellen, das von den Fraktionen der örtlichen CDU, SPD und FDP initiiert worden war. Horst, die vor ihrer Wahl zur Bürgermeisterin für die CDU kandidiert hatte und mittlerweile parteilos ist, wurde von den Bürgern jedoch mit einer deutlichen Mehrheit von 70,7 % in ihrem Amt bestätigt. Am 12. April 2018 gelang den zuvor genannten Fraktionen durch eine Änderung der Vergabe- und Zuständigkeitsordnung die faktische Entmachtung Horsts.rundschau-online.de Bei der Kommunalwahl 2020 wurde Horst als Einzelbewerberin in der Stichwahl erneut zur Bürgermeisterin gewählt.

Bei der Bürgermeisterstichwahl am 28. September 2025 wurde Dino Steuer mit 64,7 % der gültigen Stimmen zum neuen Bürgermeister gewählt. Er ist seit dem 1. November 2025 im Amt.Stichwahl des Bürgermeisters. Gemeinde Weilerswist, abgerufen am 14. November 2025.

Wappen und Banner

Der Gemeinde wurde mit Urkunde des Regierungspräsidenten in Köln vom 4. Mai 1972 das Recht zur Führung eines Wappens und einer Flagge (Banner) verliehen.

Wappen Blasonierung: „Gespalten; vorne in Schwarz ein mit einem Kreuz besteckter, zweifenstriger silberner (weißer) Turm, hinten in Silber (weiß) ein schwarzer Adler.“

Das Wappen verbindet die Symbole der ehemaligen Bürgermeistereien Weilerswist und Lommersum. Der Turm symbolisiert das „Swister Türmchen“, das Wahrzeichen von Weilerswist, der Adler entstammt dem Lommersumer Gerichtssiegel von 1675. Da die ursprünglichen Farben nicht mehr zu ermitteln waren, wurden Schwarz und Silber, die Farben des Kurfürstentums Köln verwendet, dem Weilerswist seit 1303 angehörte.

Banner Beschreibung des Banners: „Weiß-Schwarz im Verhältnis 1:1 längsgestreift mit dem Wappen der Gemeinde etwas oberhalb der Mitte.“

Gemeindepartnerschaften Die Gemeinde Weilerswist unterhält zwei Gemeindepartnerschaften. Seit 1978 besteht eine Partnerschaft mit der südfranzösischen Gemeinde Carqueiranne und seit 1989 mit der mittelenglischen Gemeinde Whitnash.

Wirtschaft Aufgrund der profitablen Verkehrsanbindung unweit des Autobahnkreuzes Bliesheim am Rand der Metropolregion Rhein-Ruhr und innerhalb der Euregio Maas-Rhein, hat sich die Gemeinde zu einem gefragten Standort für Unternehmen aus der Logistik und dem Handel entwickelt. Neben einem Fahrsicherheitszentrum des ADAC befindet sich in Weilerswist ein Verteilzentrum der Drogeriekette dm, in der rund 2000 Angestellte beschäftigt sind und der ein teilweise vom dänischen Logistikanbieter DSV unterhaltenes Verteilerzentrum für Westdeutschland angeschlossen ist. Ferner ist Weilerswist Sitz und Ursprung der Unternehmensgruppe Brock, die zu den größten Felgenherstellern in Deutschland zählt.

Darüber hinaus führen unter anderem der niederländische Edelstahlerzeuger Arcus, der Softwareentwickler Edoc, der Torantriebsspezialist Hörmann, der Fördertechnikanbieter ITFT, der Tankbauer Laudon, der amerikanische Industrieimmobilienbetreiber Prologis, der französische Baustoffproduzent Saint-Gobain und der Nutzfahrzeugspezialist Trans-Serv jeweils eigene Standorte in Weilerswist. Im Kernort prägen über dies lokale Gaststätten, Dienstleister und Einzelhandelsgeschäfte das Erscheinungsbild. Traditionell von großer Bedeutung sind außerdem die zahlreichen Landwirtschaftsbetriebe, Kiesgruben, Gestüte und Naherholungseinrichtungen.

Im Süden von Weilerswist ist geplant, den ursprünglich auf dem Stadtgebiet von Euskirchen gelegenen Industriepark am Silberberg um weitere 205 Hektar zu erweitern. Diese „Primesite Rhine Region“ ist für industrielle Großvorhaben reserviert und beherbergt bereits ein Werk des amerikanischen Konsumgüterkonzerns Procter & Gamble. Nachdem bislang erfolglos versucht wurde, unter anderem den Automobilhersteller BMW oder den Süßwarenhersteller Haribo nach Weilerswist zu holen, setzt man gegenwärtig auf eine Partnerschaft mit der Deutschen Post und das amerikanische Versandunternehmen Amazon.

Sport