Feh bezeichnet das für Kleidungszwecke verwendete, graue Winterfell mit weißer Bauchseite des Eichhörnchens, insbesondere das der östlichen (sibirischen) Unterart.

Felle aus anderen Gegenden mit gleichem Charakter und ähnlichem Aussehen – dichtes Fell mit grauem Rücken und weißem Bauch – werden gegenüber dem Endverbraucher meist ebenfalls als Fehpelz angeboten. Rotbraune oder sonstige abweichende Varianten sollten mit ihrer Herkommensbezeichnung genannt werden, zum Beispiel „kanadisch Feh“. Die Verarbeitung der Rückenfelle und der Bauchfelle (Wammen) erfolgt meist getrennt, sie kommen in der Regel bereits je zu Tafeln vorkonfektioniert in den Großhandel.

Felle von Eichhörnchen, insbesondere grau-weiße nordischer Länder, waren nicht nur im Mittelalter sehr geschätzte Rauchwaren. In Zeiten der Kleiderordnungen war es ein Adel und Würdenträgern vorbehaltenes Pelzwerk. Das geringe Gewicht macht es besonders zur Verwendung für Innenfutter geeignet. Im Jahr 1851 wurde das Gewicht eines aus ganzen Fellen gearbeiteten Futters mit 25 englischen Ounces angegeben (ca. 700 Gramm).J. A. N.: Leather, Saddlery and Harness, Skins, Fur, and Hair. In Great exhibition of the works of industry of all nations, 1851: official descriptive and illustrated catalogue, S. 531 (englisch). ETH-Bibliothek Zürich. Abgerufen am 22. März 2022. Bei einer Einteilung der Tierpelze in die Feinheitsklassen seidig, fein, mittelfein, gröber und hart wird das besonders weiche Fehhaar als seidig eingestuft.Paul Schöps, Kurt Häse: Die Feinheit der Behaarung – Die Feinheits-Klassen. In: Das Pelzgewerbe Jg. VI / Neue Folge, 1955 Nr. 2, Hermelin-Verlag Dr. Paul Schöps, Leipzig, Berlin, Frankfurt am Main, S. 39–40

Eichhörnchenhaare werden unter der Bezeichnung Fehhaar auch zu feinen Pinseln verarbeitet. Vorzugsweise wird der Schwanz, fachsprachlich „Schweif“, von russischen und kanadischen Eichhörnchen verwendet. Pinsel aus Fehhaar werden unter anderem als Rouge- und Puderpinsel, Aquarellpinsel oder als Anschießer zum Auftragen von Blattgold verwendet. Von Schweifdrehern zu danach üppiger aussehenden Schweifen verdrehte Fehschwänze waren einmal ein häufiger Artikel in der Pelzindustrie, aus dem von Kürschnern und darauf spezialisierten Fehschweifverarbeitern Kragen, Capes und andere Kleinteile hergestellt wurden.

rahmenlos|links|hochkant=0.1 In der Wappenkunde ist das Feh, vor Kürsch und Hermelin, die häufigste Variante heraldischen Pelzwerks – siehe dazu Feh (Heraldik).

Bezeichnung Das Wort „Feh“, früher auch „Veh“ geschrieben, geht auf mittelhochdeutsch vēch zurück, was ein buntes Pelzwerk bedeutete,Alexander Tuma: Pelz-Lexikon. Pelz- und Rauhwarenkunde. XVIII. Band. Verlag Alexander Tuma, Wien 1950. Stichwort „Feh“. vornehmlich vom Eichhörnchen, aber bis ins 17. Jh. auch vom Hermelin. Die Übertragung auf das sibirische Eichhörnchen im Besonderen ist frühmodern.Grimm, Deutsches Wörterbuch s.v. "fech": varius, bunt, ahd. fêh, mhd. vêch, "erhalten hat es sich fast nur für das bunte pelzwerk, buntwerk, das fech, schweiz. väch, fr. vair: daz (aichorn) ist rôt in etleichen landen und in andern landen ist ez praun oder grâw und wenne ez gar liehtgrâw ist, sô ist ez vêch, wan daz vêch tierl ist derselben natûr, ân daz ez ein ander varb hât, und wie ez gevar sei, doch ist ez alzeit unden weiz. Megenberg 158, 9. […] Henisch 1027 führt noch an fech, blaw eichhorn, sciurus caesius und gunterfech, wovon mehr unter kunterbunt zu sagen ist, vgl. s.v. "federbunt". dwds.de nach Pfeifer, Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, 2. Auflage (1993): "Noch im 17. Jh. ist Feh als Bezeichnung für Hermelin bezeugt; die Übertragung auf das sibirische Eichhörnchen erfolgt wohl im 18. Jh." Das Wort ist abgeleitet von dem veralteten Adjektiv fech, feh, von althochdeutsch fēh („bunt, gefleckt“). Im Altfranzösischen entspricht semantisch vair, abgeleitet von lateinisch varius („verschieden“), das mit dem deutschen Feh aber nicht etymologisch verwandt ist.

Veder bezeichnete das, worunter wir heute Pelzfutter und Pelzbesatz verstehen.Reinhold Stephan, Bochum: Zur Geschichte des Rauchwaren-Handels im Altertum und Mittelalter und die Erschließung des russisch-asiatischen Raumes vom 16.-18. Jahrhundert. Inaugural-Dissertation Universität Köln 1940, S. 67 Wenn in alten Urkunden „werk“ erwähnt wird (was eigentlich Pelzwerk überhaupt bedeutet), so sind immer die Eichhornfelle, das heißt Feh, damit gemeint. Damals unterschied man Rotwerk (Sommerfelle oder Feh mit rotbraunem Rücken), Grauwerk und Schwarzwerk (Felle mit dunkelgrauem Rücken). Wurden Rücken und Wamme (Bauchfell) in einem verarbeitet, so wurde die Bezeichnung Buntwerk gebraucht. Der Rücken allein hieß Kürsch, Grauwerk, Kleingrau oder auch Kleinspalt. Setzte man auf die Mitte der Fehwamme die Ohren auf, so trug es den Namen Schönwerk. Wurde allein von Werk gesprochen, so wurde darunter immer Eichhörnchen bzw. Feh verstanden. Die zusätzlichen Farben grün und gelb waren eher zufällig durch einen Oxydationsvorgang entstanden. Die russischen Eichhornjäger machten die Felle mit einer Kräuterbeize haltbar, die im Laufe der Zeit hellgraue Rücken grün und die weiße Wamme gelb färbte. Rotes und grünes Feh waren jahrhundertelang nur hochrangigen Personen gestattet.

Falsches Werk waren Imitationen vor allem aus weißen oder bläulichen Hermelin, im Gegensatz zum reinen Werk.

Wird heute für nichtrussische Eichhörnchenfelle im Handel die Bezeichnung Feh verwendet, sollte die Herkunft mit angegeben werden, z. B. Amerikanisch Feh für Felle des nordamerikanischen Grauhörnchens.

Geschichte mini|Kathedrale von Chartres: Der Kürschner zeigt Kunden Fehwammenfutter. (zwischen 1215 und 1240)

Eines der ältesten aufgefundenen Bekleidungsstücke überhaupt bestand aus Eichhörnchenfell. Es fand sich in der italienischen Höhle von Arene Candide. Dem als Kleiner Prinz bezeichneten Mann, der vor etwa 23.000 Jahren beigesetzt wurde, war ein Pelzumhang beigegeben worden, der aus 400 Vertikalstreifen aus Eichhörnchenfellen bestand. Die mit aufgefundenen 423 Schwanzknochen wurden dem Umhang zugeordnet.Art. Mantel, in: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde, Band 19, hier: S. 239.Catherine Panter-Brick: Hunter-Gatherers. An Interdisciplinary Perspective, Cambridge University Press 2001, S. 52.

Ein weiterer noch erhaltener Eichhornpelz fand sich, neben anderer Pelzkleidung, im zweiten Grabhügel (Kurgan) von Pazyryk im Altai aus dem 4. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung, ein Mantel, der einer skythischen Fürstin mit ins Grab gegeben wurde, als sie ihrem erschlagenen Ehemann in den Tod folgen musste.B. Brentjes: Der älteste erhaltene Stiefel aus Leopardenfell. In: Das Pelzgewerbe 1966 Nr. 4, Verlag Dr. Paul Schöps, Berlin u. a., S. 172–173.

Bereits in der arabisch-normannischen Zeit (etwa 9. bis 13. Jahrhundert) gehörte das Feh neben dem Fuchsfell zu den begehrtesten Handelsartikeln.Reinhold Stephan, Bochum: Zur Geschichte des Rauchwaren-Handels im Altertum und Mittelalter und die Erschließung des russisch-asiatischen Raumes vom 16.-18. Jahrhundert. Inaugural-Dissertation Universität Köln 1940, S. 20. Inhaltsverzeichnis. Primärquelle: Friedrich Hottenroth: Handbuch der deutschen Tracht. Stuttgart o. J., S. 161 Die Pelzjacke spielte bei den Normannen eine wesentliche Rolle. Im Altfranzösischen hieß sie „une gupe de gris“, auch „jupe de gris“, woraus später „jupon“ und bei uns „Juppe“ oder „Joppe“ (anderes Wort für Jacke) wurde. Das „de gris“ bedeutet „Grauwerk“, im heutigen Französisch „petit gris“, zu deutsch Fehfelle.Bruno Schier: Wege und Formen des ältesten Pelzhandels. Archiv für Pelzkunde Band 1, Verlag Dr. Paul Schöps, Frankfurt am Main, 1951, S. 40. Inhaltsverzeichnis.

Kleidung aus Feh diente in früherer Zeit als Statussymbol, im Mittelalter war es zeitweilig nur dem Adel und hohen Würdenträgern gestattet, Feh zu tragen (siehe auch das Cape des Stiftsherren, die Almutia). Thomas de Coucy wird von französischen Historikern zugeschrieben, dass er der Erste gewesen sei, der ein Innenfutter aus rötlichen Eichhörnchenfellen als Standeszeichen trug. Es heißt, dass er es während des Ersten Kreuzzugs von 1096 über sein Schild geworfen hatte. Viele weitere Heerführer folgten seinem Beispiel, sie zeigten Fehfell als Schildzier oder als Banner.

Philip der Lange verbrauchte allein 6364 Eichhörnchenfelle für die Verbrämung seiner Garderobe, für ein einzelnes Kleidungsstück allein 1500 graue Felle.Historisches – Mittelalter – Pelzbedarf französischer Könige. In: Das Pelzgewerbe Jg. XVI/Neue Folge 1956 Nr. 1, Hermelin-Verlag Dr. Paul Schöps, S. 12. Primärquelle: Weite Welt, Berlin Februar 1948. Welch hohen gesellschaftlichen Wert dem Fell damals beigemessen wurde, veranschaulicht der Vorwurf des Beichtvaters König Ludwig des Heiligen, Robert de Cerbon (Sorbon), und die Erwiderung des Jean de Joinville, in der er sich auf sein angestammtes Recht beruft, Fehfell zu tragen (Dialog aus den Memoiren des edlen Herrn von Joinville, Senechal der Champagne, 13. Jahrhundert):

mini|Schönwerk in der Manessischen Liederhandschrift (zwischen 1305 und 1340)

Die charakteristische Zeichnung des Buntwerks, das neben Zobel und Hermelin zu den begehrtesten Pelzwerken des Mittelalters gehörte, findet sich als meistgebrauchtes Zeichen in den Wappen der Kürschner. In den großen Städten waren die Kürschner teils spezialisiert, die Buntmacher arbeiteten Feh- und Hermelinpelze, die übrigen Kürschner nutzten die einheimischen Fellarten.

mini|links|Kürschner Kunz Kälbermayr mit Fehwammenfuttern, oben unter Verwendung der Fehohren (Hausbuch der Mendelschen Zwölfbrüderstiftung, Nürnberg 1426–1549) Die zeitweise enorme Verbreitung sieht man in der Manessischen Liederhandschrift. Sie zeigt Fehfutter, Fehbesätze, Kopfbedeckungen, sogar Kronen aus Fehfell in der Verarbeitung zu Schönwerk in den meisten Personendarstellungen der insgesamt 138 Miniaturen.

Äbtissin Herrad von Landsberg, eine Tugendwächterin des Mittelalters, führte in ihrer Liste der zur Sünde verführenden Gegenstände einen mit buntem Feh gefütterten Mantel auf, „er galt in ihren Augen als große Versuchung für Männer und Frauen, den Pfad der Tugend zu verlassen“. In einem damals viel gelesenen französischen Roman des Garin le Loherain lässt der einen Vater in das Poesiealbum seiner Tochter schreiben: „Nicht Buntwerk noch Grauwerk ist allein Reichtum. Das Menschenherz ist mehr wert als, als alles Gold eines Landes“.

Neben den gewerblichen Fallenstellern wurde in Sibirien das Fallenstellen stets in größeren Gesellschaften durchgeführt, den sogenannten „Artelj“, hauptsächlich im Winter, der für das Fell besten Jahreszeit. Zweckmäßigerweise sind dann auch die Fährten im Schnee besser zu erkennen. Auch wurde die Flinte von den Einwohnern zur Jagd benutzt. Jedoch hatte sie um 1900 bei weitem noch nicht Pfeil und Bogen verdrängt. Das lag zum Teil an den hohen Flintenpreisen, aber auch daran, dass Pfeil und Bogen in mancher Hinsicht für die Eichhörnchenjagd zweckmäßiger sind: „Diese primitiven Jagdgeräte haben abgesehen von ihrer Billigkeit als eigene Fabrikate noch den nicht zu unterschätzenden Vorteil, das die Bewohner des Waldes nicht durch Schießen erschreckt und verscheucht werden, dazu liefert, was die Hauptsache ist, der in breitem stumpfen Knopf endende Pfeil die Beute unverletzt in die Hände des Jägers, indem man durch einen sichern Schuss nach dem Kopfe das Tier betäubt und dann erschlägt.“Jos. Klein: Der sibirische Pelzhandel und seine Bedeutung für die Eroberung Sibiriens. Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde der Rheinischen Friedrich-Humboldt-Universität Bonn, 1900. S. 35–36.