mini|Kloster Muri-Gries mini|hochkant|Inneres der Stiftskirche Die Abtei Muri-Gries ist eine Südtiroler Benediktinerabtei mit Sitz im Bozener Stadtteil Gries-Quirein am Grieser Platz. Sie wurde 1845 durch Ordensbrüder gegründet, die aus dem vier Jahre zuvor aufgehobenen Kloster Muri stammten. Aus diesem Grund ist die Abtei Mitglied der Schweizerischen Benediktinerkongregation. Die Klostergebäude, aus einer Burg heraus entstanden, beherbergten zuvor vom frühen 15. Jahrhundert bis zu dessen Aufhebung im Jahr 1807 ein Augustiner-Chorherrenstift. 1977 wurde die Anlage unter Denkmalschutz gestellt.
Geschichte Chorherrenstift Au bzw. Gries links|mini|hochkant=0.38|Grabplatte Mathildes von Valley in der rechten Seitenkapelle der Stiftskirche Gries, frühes 15. Jh. Um 1160 stifteten Gräfin Mathilde von Valley und ihr Ehemann Graf Arnold III. von Morit-Greifenstein ein Kanonikerstift in Bozen. Es lag in der Au (heute im Stadtviertel Don Bosco-Neugries) und wurde mit Augustiner-Chorherren besetzt. 1166 wird die Neugründung als „in loco Howe“ und 1174 als „in Owe“ (woraus der lateinische Name in Augia oder Augea entstand) in kaiserlichen und päpstlichen Bestätigungen urkundlich erstmals genannt.Franz Huter: Tiroler Urkundenbuch. Abt. I, Bd. 1, Innsbruck 1937, Nr. 311 und 336. Der Standort in den Eisackauen war nicht ideal, da es häufig zu Überschwemmungen kam. Eine besonders verheerende Überflutung zwang die Chorherren 1405 dazu, die Anlage aufzugeben; heute bestehen von ihr nur mehr die Grundmauern der Stiftskirche. Herzog Leopold IV. von Habsburg übertrug schenkungshalber 1406 den Chorherren als Ersatz die Burg Gries. Diese war zwischen 1253/66 und 1276 von Meinhard II. von Tirol errichtet worden und 1363 in den Besitz der Habsburger gelangt.Meier: Das Kloster Muri. S. 123.Walter Landi: I primordi di Castel Valer. Spunti documentari e note storico-architettoniche per una fondazione del complesso castellare nel terzo quarto dell XIII secolo. In: Roberto Pancheri (Hrsg.): Castel Valer e i conti Spaur. Comune di Tassullo, Tasullo 2012, S. 67 (Digitalisat).
Neben der ehemaligen Burg entstand bis 1416 durch Zubau die Stiftskirche St. Augustin, den Innenhof der Burg baute man zu einem Kreuzgang aus. Von 1768 bis 1770 wurde die Stiftskirche nach Plänen des Architekten Antonio Giuseppe Sartori im spätbarocken Stil neu erbaut, mit Fresken von Martin Knoller. Aus finanziellen Gründen musste die Ausstattung der Kirche mehrmals unterbrochen werden. Die josephinischen Reformen setzten das Stift zusätzlich unter Druck.
Als Folge des Friedens von Pressburg kam Tirol 1805 an Bayern. Die bayerische Regierung erklärte das Grieser Stift im September 1807 für aufgehoben. Um den Verkauf der Güter zu erschweren, unterzeichnete Propst Augustin Nagele einen Pachtvertrag. Der Friede von Schönbrunn, mit dem das Gebiet um Bozen 1809 vorübergehend an das Königreich Italien gelangte, hatte erneut die Aufhebung des Stifts zur Folge. Mehrere Wiederherstellungsgesuche der Ordensbrüder blieben wirkungslos.
Benediktinerstift Muri-Gries mini|Ausschnitt der Katastralmappe Gries von 1858, mit der um die Abtei gruppierten Grieser Ortsmitte mini|Kloster um 1950, mittig die Haltestelle der ehem. Trambahn Bozen-Gries 1841 wurde das Kloster Muri, eine Abtei der Benediktiner in der Schweiz, infolge des Aargauer Klosterstreits aufgelöst. Daraufhin mussten Abt Adalbert Regli, die 28 Priestermönche und acht Laienbrüder die Klostergebäude des Kantons Aargau sowie die im 11. Jahrhundert von den Habsburgern gegründete Abtei in Muri verlassen. Die vertriebenen Muri-Mönche konnten vorübergehend Unterkunft finden in den inkorporierten Pfarreien, in den Klöstern Einsiedeln und Engelberg, bei Verwandten, im Uttingerhof am Zuger See und vor allem in der Lateinschule Kollegium Sarnen, um dort zu unterrichten. Im Auftrag der Kantonsregierung übernahmen die Muri-Mönche im November 1841 die Leitung dieser früheren Jesuitenschule. Von hier aus pflegte Abt Adalbert jahrelang intensive Verhandlungen mit Kaiser Ferdinand von Österreich und dessen Beratern Fürst Metternich, Staatsrat Jüstel und Joseph Freiherr von Werner wegen der vorläufigen Übersiedlung in das aufgehobene Augustinerchorherrenstift Gries bei Bozen. Vor allem Klemens Wenzel Lothar von Metternich, der österreichische Staatskanzler, setzte sich für die Wiederherstellung der über Jahrzehnte leerstehenden Abtei ein. Proteste und Drohungen an die Tagsatzung und an die Regierung des Kantons Aargau blieben jedoch wirkungslos.Meier: Das Kloster Muri. S. 107.
Nachdem Metternich Abt Adalbert Regli dieses Angebot gemacht hatte, reiste dieser im Oktober 1843 erstmals nach Gries, um die Anlage zu besichtigten. Bald darauf wurde mit den Verhandlungen begonnen. Die ersten Ordensbrüder aus Muri trafen am 24. Juni 1845 in Gries ein und begründeten die Abtei Muri-Gries. Sie ist weiterhin Mitglied der Schweizerischen Benediktinerkongregation und rechtlich gesehen ein Priorat von Muri.Meier: Das Kloster Muri. S. 122. Neben der Stiftskirche wurde ein Lehrerseminar eröffnet. Vier Jahre nachdem Südtirol an Italien gelangt war, schloss die faschistische Regierung 1923 das Seminar wieder. Während der deutschen Besetzung Südtirols 1943–1945 waren Einheiten der Wehrmacht im Stift einquartiert, unter ihnen der Deutsche Luftschutz Bozen. In dem Gebäude existierte bis 1926 und wieder von 1947 bis 1962 eine landwirtschaftliche Schule. 1977 erfolgte die Renovierung der Stiftskirche.Meier: Das Kloster Muri. S. 126.
Heute unterhält die Benediktinerabtei Muri-Gries neben dem Kloster in Bozen-Gries auch ein Priorat in Sarnen und seit 1960 wieder ein Hospiz in Muri, darüber hinaus betreut sie mehrere Pfarreien.
Stiftskirche mini|hochkant|Stiftskirche Fassade Die Stiftskirche ist dem hl. Augustinus geweiht und wurde nach Plänen von Antonio Giuseppe Sartori 1769–1771 errichtet. Die schwungvoll gerundete, vertikal ausgerichtete Fassade misst mitsamt dem Kreuz nicht ganz 25 Meter in der Höhe. Sie liegt am ehemaligen Dorfplatz von Gries. Auf hohen Sockeln erheben sich mächtige Halbsäulen mit korinthischen Kapitellen, über denen ein gekrümmter und gesprengter Architrav-Aufbau die Fassade abschließt. Über dem Portal aus rotem Marmor, dessen 1867 eingesetzte Türflügel den hl. Benedikt und Wappen zeigen, ist das Wappen des Chorherrenstiftes Gries flankiert von zwei Engeln zu sehen. Ein auf dem mittleren Fenster der Fassade sitzender Engel rollt eine Widmungsschrift aus, auf der in lateinischer Sprache dem höchsten, besten Gott zu lesen ist. mini|Altar mit Tod des hl. Josef von Josef Bachlechner, Atrium (ostseitig)mini|Orgel und Orgelchor
Eingangsbereich Der flach gedeckte Eingangsbereich wird vom Kirchenschiff durch ein mit Blumen, Vasen und Vögeln geschmücktes schmiedeeisernes Gitter abgetrennt, das aus der Klosterkirche der Cölestinerinnen stammt. Die Seitenkapellen wurden 1906 errichtet. In ihnen befinden sich links die Altäre mit den Figurengruppen Christus am Kreuz und rechts mit dem Tod des hl. Josef, die beide 1908 von Josef Bachlechner im neugotischen Stil geschnitzt wurden. Die Altäre selbst sind dem Renaissancestil nachgebildet. Weitere Werke Bachlechners befinden sich in den Bogennischen über den Eingängen und als Aufsatz am Taufstein. Die barocken Weihwasserbecken und die Kniebänke wurden aus dem Dominikanerkloster in Bozen hierher versetzt. Orgelchor Am Orgelchor über dem Eingangsbereich befand sich ursprünglich ein Instrument des Orgelbauers Johann Anton Fuchs aus Innsbruck von 1787/88. Der hölzerne Orgelkasten ist noch erhalten und wurde vom Tischler Joseph Zangl aus Steinach am Brenner geschaffen. Die klassizistischen Dekorationen bestehen aus Rosetten und Blumenvasen. Die Vergoldungen wurden vom Bozner Maler Joseph Anton Cusetti dem Jüngeren angebracht, der auch die gemalte Marmorierung der Pfeiler und die Bemalung der Wandflächen im Kirchenschiff geschaffen hat. Nach mehreren Reparaturen im 19. Jahrhundert wurde die Orgel 1907 von der Firma Anton Behmann aus Schwarzach in Vorarlberg ersetzt. Die heutige Orgel stammt von der Orgelbaufirma Manfred Mathis & Co. aus dem Jahr 1971. Innenraum Das Kirchenschiff misst 25,5 × 15,3 m und ist 17,1 m hoch. Es wird von sechs Seitenaltären in nicht sehr tiefen Nischen flankiert. Zwischen ihnen gliedern hohe Pfeiler die Wände, die durch Kapitelle abgeschlossen werden, darüber verläuft ein auskragendes Gesims. Über diesem erhebt sich die Presbyteriumskuppel und das imposante Tonnengewölbe. Zwischen den jeweils zwei Pfeilern, die die Seitenkapellen voneinander trennen, sind Nischen und über diesen vier Oratorien eingebaut. Unter diesen befinden sich die kastenförmigen Beichtstühle. In dreien der Nischen stehen die Statuen der lateinischen Kirchenväter Ambrosius, Hieronymus und Gregor der Große von Caspar Schonger, in der vierten Nische befindet sich an der Nordwand die Kanzel, die 1780 von Andrea Filippini gestaltet wurde. mini|Innenraum der Stiftskirche Ebenfalls von Filippini stammen die Seitenaltäre, die er aus Altären von geschlossenen Kirchen oder abgebrochenen Altären aus dem Trentino zusammensetzte; die beiden vorderen Seitenaltäre sind im originalen Zustand wieder aufgebaut worden. Zu beiden Seiten aller Altären stehen Apostelfiguren aus Holz von Caspar Schonger aus Kaltern. Die Altarbilder schuf Martin Knoller; sie stellen die Geburt Jesu, die Anbetung der Hl. Drei Könige, die Auferstehung Christi, Christi Himmelfahrt, die Herabkunft des Hl. Geistes und das Letzte Abendmahl dar (1795–1800). Auf dem Altar mit dem Bild der Geburt Jesu, das als erstes von Knoller fertiggestellt worden war und nach einer öffentlichen Ausstellung in Mailand am 20. Oktober 1795 in die Kirche gelangte, steht in einem Glasschrein aus vergoldetem Holz das Gnadenbild Maria Keller. Diese Holzstatue aus dem 15. Jahrhundert erhielt im 18. Jahrhundert eine Krone und ein Szepter, wurde neu gefasst und um die Figur des Jesuskindes ergänzt. Sie stammt aus der alten Pfarrkirche Unsere liebe Frau in Keller. Rechts neben dem Seitenaltar mit der Darstellung der Himmelfahrt Christi wurde die Grabplatte der Gründerin von Maria in der Au, Mathilde von Valley, in die Mauer eingelassen.
Die ursprünglichen Kreuzwegbilder von Michelangelo Unterberger, die aus dem aufgelassenen Kloster der Coelestinerinnen hierher transferiert wurden, befinden sich heute im Kloster. Sie wurden um 1906 durch neue Bilder ersetzt.
Fresken mini|hochkant|Deckenfresken von Martin Knoller Die Deckenfresken der Kirche wurden 1771–1773 von Martin Knoller geschaffen und beziehen sich alle auf den hl. Augustinus, den Kirchenpatron. Über der Orgelempore ist die Bekehrung des hl. Augustinus zu sehen (1771).
Im Tonnengewölbe des Kirchenschiffs ist in vergoldetem Stuckrahmen Augustinus als Lehrer und Schriftsteller (1772) dargestellt. Die illusionistische Tiefenwirkung dieses Bildes, das in der Mitte durch die gemalte Scheinarchitektur weit nach oben weist, wird durch die nach unten, aus dem Rahmen hinaus stürzenden Häretiker, die von Blitzen aus der Feder des Heiligen getroffen werden, noch gesteigert. Die Mitte des Freskos nimmt Christus in der Herrlichkeit des Himmels ein, auf halber Höhe ist die Personifikation der Kirche mit konsekrierter Hostie in der Hand zu sehen. Die Maße des Deckenfreskos sind 23 × 9 m. Außerhalb des Stuckrahmens, aber direkt an das Mittelfresko anschließend, sind die Personifikationen der vier Kontinente Europa, Afrika, Amerika und Asien dargestellt.