mini|hochkant=2|Naturräumliche Gliederung der Ukraine.
Das Donezbecken ( ; ), kurz auch der Donbass (, ), ist ein großes Steinkohle- und Industriegebiet beiderseits der russisch-ukrainischen Grenze.
Geographie Das Donezbecken wird im Nordostteil vom namensgebenden Siwerskyj Donez (russisch Sewerski Donez, auch kurz Donez) durchflossen. Der Fluss entwässert über den Don in das Asowsche Meer. Innerhalb der Ukraine gehören der nördliche und mittlere Teil der Oblast Donezk, der südliche Teil der Oblast Luhansk und der äußerste Osten der Oblast Dnipropetrowsk zum Donezbecken, auf russischer Seite ist es der westliche Teil der Oblast Rostow. Das Zentrum des Donbass ist Donezk, die fünftgrößte Stadt der Ukraine. Größere Städte (über 100.000 Einwohner) sind außerdem Luhansk, Makijiwka, Horliwka, Kramatorsk und Slowjansk sowie Altschewsk, Sjewjerodonezk und Lyssytschansk. Das Gebiet ist kein geomorphologisches Becken und wird auch nicht vom Flüsschen Donez geprägt, es umfasst mit dem Donezrücken Landschaften mit Mittelgebirgscharakter. Namengebend ist das kohleführende Sedimentbecken, das Basis für das Bergbau- und Industrierevier ist.
Im Donezbecken herrschte 2025 akuter Wassermangel. Die frühere sowjetische Wasserversorgung dieses Steppengebietes war zerstört. Dazu hatte der Oskilsker Stausee in der Region Charkiw gehört. Ohne die Ukraine gibt es kaum eine Lösung für das Wasserproblem des Donbass.
Geologie, Kohlevorkommen und Bergbau Das Donezbecken ist ein Abschnitt eines etwa 1600 Kilometer langen, paläozoischen Grabenbruchs, vermutlich eines Aulakogens (eines intrakontinentalen Grabenbruchs als passiver Arm eines Tripelpunkts, bei dem es nicht zur Bildung ozeanischer Kruste gekommen ist). Das Becken liegt innerhalb des südwestlichen, Sarmatia genannten Kratons als eines Bestandteils des osteuropäischen Kratons, der als Teil von Baltica einen der Kerne des präkambrischen Europas bildet. Das langgestreckte, im Devon abgesunkene Paläorift wird, je nach Autoren, als Pripyat-Donez-Aulakogen oder als Pripyat-Dniepr-Donez(-Karpinsky)-Becken bezeichnet. Es trennt den sarmatischen Kraton in zwei Teilblöcke, deren südwestlicher als Ukrainischer Schild, der nordöstliche als Woronesch-Massiv bezeichnet wird. Die Sedimentfüllung des Beckens erreicht insgesamt über 20 Kilometer Mächtigkeit.R. A. Stephenson, S. M. Stovba, V. I. Starostenko: Pripyat-Dniepr-Donets Basin: implications for dynamics of rifting and the tectonic history of the northern Peri-Tethyan Platform. Chapter 11 in P. A. Ziegler, W. Cavazza, A. H. F. Robertson, S. Crasquin-Soleau (Hrsg.): Peri-Tethys Memoir 6, Peri-Tethyan Rift/Wrench Basins and Passive Margins. Mémoires du Muséum national d’histoire naturelle 186, 2001, S. 369–406. Das geologische (Dnjepr-)Donez-Becken ist etwa 60 bis 70 Kilometer breit. Es erstreckt sich von Westnordwest nach Ostsüdost, etwa mit den Städten Luhansk auf dem nordöstlichen und Donezk nahe dem südöstlichen Rand. Das Becken quert die ukrainisch-russische Grenze, sein Südostteil um die Stadt Schachty liegt in Russland. Seine heutige Gestalt geht auf sekundäre Faltungen zurück, deren Alter umstritten ist (je nach Autoren vom Perm bis zur Kreide). Dadurch sind die Sedimentschichten mit den Kohleflözen aufgefaltet und mehr oder weniger steil stehend.
Die kohleführenden Sedimente wurden im Erdzeitalter des Karbon abgelagert. Sie sind im Donezbecken bis zu 14 Kilometer mächtig, wobei fast die gesamte Sequenz flözführend ist. In den meisten Regionen existieren zwischen 10–14 und 30–40 abbauwürdige Kohleflöze. Die Flöze des Donezbeckens sind geringmächtig, aber über weite Strecken aushaltend, mit einer Durchschnittsmächtigkeit von nur je 60 Zentimeter bis zu einem Meter, nur selten und ausnahmsweise über zwei Meter. Jedes Flöz ist Bestandteil einer regelmäßigen Abfolge von festländischen und marinen Sedimenten (Zyklothemen), die vermutlich auf Meeresspiegelschwankungen durch Eisschilde der permokarbonischen Vereisung zurückgehen. Es handelt sich überwiegend um hochwertige Anthrazitkohle; geringerwertige bituminöse Steinkohle ist auf Bereiche nahe dem Nord- und Westrand des Beckens beschränkt.
Der Kohlebergbau im Gebiet begann im Zarenreich, das erste Bergwerk wurde 1796 in Lyssytschansk eröffnet. Im Jahr 1991 waren im ukrainischen Teil des Donezbeckens 202 Bergwerke in Betrieb, ihre Zahl fiel bis 2002 auf 161 ab. Im Jahre 1990 erreichte die Steinkohleförderung 164,8 Millionen Tonnen, sie fiel bis 1996 auf 71,7 Millionen Tonnen ab, um bis 2002 auf 83,4 Millionen Tonnen wieder anzusteigen. Im russischen Teil des Donezbeckens sank parallel dazu die Zahl der Bergwerke von 67 auf 18, im Jahr 2002 erreichte die Förderung 5,4 Millionen Tonnen. Der Rückgang der Förderung hängt nicht mit einer Erschöpfung der Vorräte zusammen, sie werden auf 60 Milliarden Tonnen Kohle geschätzt (davon etwa zehn Prozent im russischen Teil des Beckens), sondern mit dem Zusammenbruch der verbrauchenden Industrie nach dem Ende der Sowjetunion. Der Bergbau ist aber in erhebliche Tiefen vorgedrungen, mit durchschnittlichen Abbautiefen um 720 Meter und Maximaltiefen von 1200 Metern. Fast 40 Prozent der Bergwerke fördern schon seit Mitte 20. Jh. oder früher.
Aufgrund der geringen Investitionen und aufgeschobener Wartungsarbeiten gelten die Bergwerke des Donbass als extrem gefährlich. Die Vernachlässigung setzte dabei schon in sowjetischer Zeit ein, weil Pläne bestanden, den Bergbau mittelfristig in leichter erreichbare Lagerstätten im Osten Russlands zu verlagern. Allein in den Jahren 1991 bis 2000 kamen 3458 Bergleute bei Grubenunglücken ums Leben.V. A. Privalov, F. Sachsenhofer, E. A. Panova, V. A. Antsiferov (2004): Coal Geology of the Donets Basin (Ukraine/Russia): An Overview. BHM Berg- und Hüttenmännische Monatshefte 149 (6): S. 212–222.
Nach der von Russland gesteuerten Abtrennung von Teilen des Donbass 2014 (siehe unten) wurden Bergwerksanlagen zerlegt und verkauft, etwa im Bergwerk „Oktober“. Im Juni 2017 beschloss die Regierung der selbsternannten „Volksrepublik Donezk“, die Wasserhaltung mehrerer Bergwerke einzustellen und diese damit aufzugeben.
In der Region finden sich weitere wertvolle Bodenschätze wie Lithium, Kobalt, Titan und Seltene Erden, was als ein möglicher Aspekt für Russlands Angriffskrieg ab 2022 vermutet wird. Allein das Lithium-Vorkommen in der Ukraine wird auf etwa 500.000 Tonnen geschätzt – und wäre damit eines der größten der Welt.
Geschichte mini|Die Karte zeigt die Provinz Bachmut als Teil des Gouvernement Woronesch, einschließlich der Festung Bachmut, sowie einige andere Städte, darunter Lugan (heute Luhansk). mini|Ein Poster von 1921 preist das Donezbecken als das Herz (Sowjet-)Russlands Bevor die Region als Donbass bekannt wurde, trug sie den Namen der Provinz Bachmut nach dem Namen der Festung Bachmut (von August 2022 bis Mai 2023 durch Angriffe russischer Truppen völlig zerstört). Während einige behaupten, die Festung Bachmut sei 1701 auf Befehl von Peter I. erbaut worden, bestehen die Gegner darauf, dass der Wachposten – Bakhmutska – bereits seit 1571 existierte, um die Gebiete vor Tataren zu schützen. Eine weitere Stadt mit einer alten Geschichte ist Slowjansk, früher Tor genannt. Tor wurde in den späten 1630er Jahren häufig erwähnt. Die Biografien von prominenten Kosigen wie Iwan Bohun und Martyn Pushkar sind mit diesen Gebieten verbunden.
In den Jahren 1707–08 erhoben sich entlaufene Leibeigene, Deserteure und eingezogene Arbeiter unter Kondraty Bulawin, einem kosakischen Anführer, gegen die Bojaren und Oberhäupter, Ausländer und Steuereintreiber sowie gegen die Amtskirche.
Das Gebiet liegt am Schnittpunkt der historischen und kulturellen Regionen der Ukraine: Slobozhanshchyna, Zaporizhzhia und Pryazovia. Es wird oft auch als Don-Gebiet bezeichnet. Im Jahr 1786 (damals regierte Katharina II.) wurde unter dem Namen „Land der Donkosaken“ (Область Войска Донского Semlja Woiska Donskowo) eine russische Verwaltungseinheit gegründet.
Die Kohlevorkommen wurden Anfang des 18. Jahrhunderts entdeckt und werden seit 1770 abgebaut. Die Lagerstätten waren eine wichtige Voraussetzung für den Ausbau des russischen Eisenbahnnetzes gegen Ende des 19. Jahrhunderts.
Im 19. Jahrhundert war fast der gesamte Donbass Teil einer großen Provinz mit dem Zentrum in Katerynoslaw (heute Dnipro). Donezk wurde 1869 von dem walisischen Eisenfabrikanten John Hughes und Luhansk 1795 von dem schottischen Industriellen Charles Gascoigne gegründet.
Verschiedene Städte wurden unter Stalin nach Revolutionären und kommunistischen Parteiführern umbenannt: Jusowka (heute Donezk) wurde 1924 zu Stalino, Bachmut zu Artemiwsk; aus Luhansk wurde 1935 Woroschylowgrad, aus Mariupol 1948 Schdanow, Torezk hieß ab 1938 Dserschynsk.
Seit dem Beginn der 1930er Jahre arbeiteten in den Bergwerken des Donbass hunderte Bergleute aus dem Ruhrgebiet, die während der Weltwirtschaftskrise arbeitslos geworden waren und sich deshalb ins Donezbecken verpflichtet hatten. Fast alle diese Bergleute wurden Opfer der Stalinschen Säuberungen, soweit sie nicht bis 1935/36 nach Deutschland zurückgekehrt waren.
Nach dem Beginn des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion wurden große Industriebetriebe im Donezbecken demontiert und mit ihren Facharbeitern nach Westsibirien in das Kusbass verlegt, bevor deutsche Truppen große Teile der Ukraine besetzten. So verwandelte sich das Kusnezker Becken in eine Rüstungsschmiede der sowjetischen Armee. Omsk, Nowosibirsk, Krasnojarsk und andere Städte hinter dem Ural entwickelten sich zu wichtigen Industriezentren. Im Zweiten Weltkrieg war das Donezbecken wegen seiner reichen Kohlegruben und deren strategischer Bedeutung ein Hauptangriffsziel des Unternehmens Barbarossa. Die Wehrmacht eroberte es bereits im Frühherbst 1941, wenige Monate nach dem Beginn des Deutsch-Sowjetischen Krieges, besetzte es und beutete es aus. Bei der Durchsetzung von Zwangsarbeit verwendeten die deutschen Besatzer Methoden, die ähnlich grausam waren wie die bis 1941 praktizierten stalinistischen Methoden.Tanja Penter: Arbeiten im Donbass unter Stalin und Hitler. Perspektiven einer Erfahrungsgeschichte. In: Babette Quinkert, Jörg Morré (Hrsg.): Deutsche Besatzung in der Sowjetunion 1941–1944. Vernichtungskrieg, Reaktionen, Erinnerung. Schöningh, Paderborn 2014, S. 229–246. Die Rote Armee gewann die Donezbecken-Operation (16. August bis 22. September 1943) und eroberte es zurück.
Ab 1944 wurden deutsche Kriegsgefangene in Lagern im Donbass wie StalinoHans Horn: So lang die Flügel tragen. Norderstedt 2005, S. 207. interniert und mussten in Bergwerken arbeiten.Bericht auf der Seite Die Zahl der eingesetzten Kriegsgefangenen wird auf 200.000 geschätzt. In den Jahren 1944–1945 wurden auch Rumäniendeutsche aus Siebenbürgen und dem Banat sowie Ungarndeutsche aus Ungarn dorthin deportiert und zu ähnlichen Zwangsarbeiten gezwungen. Aus dem damaligen Jugoslawien verschleppten deutschstämmigen Zivilisten erging es in einem Lager bei Woroschilowgrad ähnlich. Viele von ihnen starben durch Arbeitsunfälle, Unterernährung und Krankheiten wie Typhus.
Ab dem Datum der Unabhängigkeit der Ukraine entwickelten sich der Donbass und weite Teile der Ukraine unterschiedlich. Ein großer Teil der Modernisierungen ging am Donbass vorbei. Durch die Großindustrie und deren auch politischen Einfluss durch Rinat Achmetow blieb die Region zwar produktiv, war aber auch Empfänger von Subventionen. Der allmähliche Niedergang förderte auch eine Sowjetnostalgie. Doch es waren die Bergleute aus dem Donbass, die 1994 vorgezogene Wahlen forderten, wodurch der erste Präsident der Ukraine, Leonid Krawtschuk von Leonid Kutschma abgelöst wurde.