Der Stadtpark Regensburg westlich der Altstadt von Regensburg am Platz der Einheit vor dem Jakobstor ist die älteste und mit über acht Hektar auch die größte der innerstädtischen Parkanlagen in Regensburg.Weitere Parkanlagen in Regegensburg: Thurn und Taxis-Schlosspark, Dörnbergpark, Tempe-Park, Aberdeen-Park, Hegenauer-Park, Albert-Schweitzer-Park (bis 2015: Hans Herrmann-Park), Königswiesenpark

Der flächenmäßig größte Teil der heutigen Parkanlage entstand am Beginn des 20. Jahrhunderts, jedoch gehen die Ursprünge des Stadtparks zurück auf das Jahr 1511, als im stadtnahen, östlichen Teil des Stadtparks zwischen dem heutigen Platz der Einheit und den heutigen Gebäuden der Ostdeutschen Galerie ein Lindenhain angelegt wurde. Auf diese Linden ist der heutige Name Unter den Linden für den östlichen Teil des Stadtparks zurückzuführen, während der große westliche Teil des Stadtparks nach 1910 als Wittelsbacher Park bezeichnet wurde. Vor 1910 wurde der große nordwestliche Teil ca. 400 Jahre lang als Schieß- und Festplatz und der südliche Teil sowie ein schmales Areal im äußersten Westen des heutigen Stadtparks für caritative Zwecke und für protestantische, katholische und jüdische Begräbnisse genutzt. Die ehemaligen vielfältigen Nutzungen des heutigen Stadtparkgeländes machen den Stadtpark zu einem Spiegel geschichtlicher Entwicklungen in Regensburg.

Geschichte Siechen- und Leprosenhausstiftung St. Lazarus und Hinrichtungsstätte (1300–1510) Bereits im 10. Jahrhundert, als die erste sog. Arnulfinische Stadtmauer entstand, waren Bereiche im heutigen östlichen Stadtpark zur Anlage von Steinbrüchen genutzt worden, die dann später wieder aufgefüllt werden mussten, wenn das Gelände genutzt werden sollte. Als nach 1293 der Bau der mittelalterlichen Stadtmauer begann, wurde neben einer dieser aufgefüllten Steinbruchgruben von einem „edlen Bürger ein Lazareth aus seinen eigenen Mitteln sambt einer schönen Capellen dem heiligen Lazaro zu Ehren auferbaut“. Zusätzlich errichtete dieser edle Bürger auch eine Stiftung, so dass die „Armen allen Bettelns überhebt wurden.“ Die Stiftung bot eine Grundlage zum Bau und Betrieb des Siechen- und Leprosenhauses St. Lazarus, samt einer 1299 geweihten Kapelle und einem kleinen, benachbarten Friedhof, dem 250 Jahre später nach der Reformation der viel größere, evangelische Lazarus-Friedhof angegliedert wurde. Die finanzielle Grundlage der Stiftung verbesserte sich dauerhaft, als der Regensburger Bischof Konrad V im August 1300 einen Spendenaufruf für das Leprosenhaus erließ und mit Unterstützung von zwölf weiteren Bischöfen bei der römischen Kurie die Herausgabe von Ablassbriefen erwirkte, die man mit dem Versprechen zum Sündennachlass verkaufen konnte. In den Folgejahren vermehrten auch zahlreiche weitere Schenkungen von angrenzenden Gärten und Ländereien das Vermögen der Siechen- und Leprosenhausstiftung St. Lazarus.

mini|Stadtpark-Areal um 1635 nach 30-jhrg. Krieg.Rondell Vordergrund: Köpfstatt mini|Unter den Linden, Lazarus-Friedhof, Stadtplan 1700 Nachdem Mitte des 14. Jahrhunderts der Bau der mittelalterlichen Stadtmauer abgeschlossen war, lagen das Leprosenhaus mit dem zugehörigen kleinen Friedhof außerhalb der Stadtmauer, wie es wegen der Ansteckungsgefahr für die Stadtbewohner für erforderlich gehalten wurde. Die Anlage war der neu entstandenen Toranlage des Jakobstores benachbart. Dort verliefen die belebten Ausfallstraßen nach Nürnberg und dort konnten die Bewohner des Siechen- und Leprosenhauses von den vorüberziehenden Kaufleuten Almosen erhoffen. Im Jahr 1503 wurde eine neue städtische Hinrichtungsstätte für Enthauptungen – die Köpfstatt – außerhalb der Stadtmauer vor dem Jakobstor am Beginn der heutigen Dechbettener Straße errichtet, die erst 1806 auf Anweisung von Fürstbischof Dalberg wieder abgebaut wurde. 1506 erfolgte das erste Begräbnis einer hingerichteten Person auf dem benachbarten Friedhof des Leprosenhauses.

Der Lindenpark entsteht als Vorläufer des Stadtparks (1511) Nachdem ein Orkan Schäden angerichtet hatte, wurde 1511, 5 Jahre nach der ersten Hinrichtung, das gesamte Gelände vor dem Jakobstor bis hin zum Friedhof des Siechenhauses St. Lazarus durch Anpflanzung von Linden zu einer Parkanlage aufgewertet. Der neue Park mit dem Namen Unter den Linden wurde von der Bevölkerung gut angenommen. Beim Besuch des Parks konnte auch die Grabstätte von einem der Stifter des Siechenhauses, Heinrich Zant († 1313) besucht werden.

Nutzung des Lindenparks durch Schützen und Schüler (ab 16. Jahrhundert) Seit dem 14. Jahrhundert war der Rat der Stadt daran interessiert, dass alle Bürger zu Schützen ausgebildet wurden. Ab 1599 musste jeder Bürger sogar selbst eine Waffe besitzen und zehnmal im Jahr an Schießübungen teilnehmen. Den Regensburger Schützenbruderschaften, die im 14. Jahrhundert mit einem Gelände vor der Stadtmauer im Bereich des Stadtgrabens neben dem Jakobstor zufrieden sein mussten, wurde 1514 ein großes Übungsgelände westlich des neu angelegten Lindenplatzes zur Verfügung gestellt. Dort wurden Schießstätten mit Zielständen und Kugelfängen für Armbrustschützen (Stahlschützen) eingerichtet, die später auch für die Übungen der Feuerschützen genutzt wurden und ab 1615 auch zum Einüben des Schießens mit den damals neu entwickelten Musketen.

Schießübungen der Schützen wurden häufig als Wettkämpfe zwischen Städten gestaltet. Die Wettkämpfe wurden vom Rat der Stadt und von Sponsoren finanziell unterstützt und waren gesellschaftliche Großereignisse. Das erste Fest dieser Art soll 1456 stattgefunden haben und das glanzvollste Schützenfest, mit Teilnehmern aus ganz Deutschland, fand 1589 auf dem Lindenplatz statt. 200 Jahre später wurde dort auch das Jubiläum dieses Großereignisses mit einem neuen Fest gefeiert. 400 Jahre lang wurde der Lindenplatz als Festplatz genutzt, zum Ende sogar aber auch als Militärschießplatz. Erst 1907 zogen die Schützen an den Stadtrand in den Westen der Stadt.

Auch die Schüler und ihre Lehrer nutzten den Platz im Schießgarten Unter den Linden jährlich im Frühsommer für die sogenannten Rutenfeste, die seit 1559 im Lindenpark stattfanden. Sponsoren sorgten für die Beköstigung und die Kinder zeigten Tänze und Reigen. Die Kinder waren üppig geschmückt mit Blättern und Zweigen, die sie am Ende den Lehrern für den späteren Gebrauch als Ruten überreichten. Noch 1797 gehörte das Rutenfest zum festen Bestandteil des Brauchtums in Regensburg und kam erst Mitte des 19. Jahrhunderts außer Brauch.

Der protestantische Lazarusfriedhof entsteht (ab 1527) In der Zeit der Reformation am Beginn des 16. Jahrhunderts wurden einigen Bürgern der Stadt Regensburg, die der Lehre von Martin Luther zuneigten und ihre Religion gewechselt hatten, Begräbnisse auf den katholischen Friedhöfen in der Stadt verweigert. Um den Wünschen einer wachsenden Anzahl von Bürgern entgegenzukommen, wollte der Rat der Stadt reformatorische Ansätze in der Bevölkerung nicht behindern und erlaubte protestantische Begräbnisse auf dem kleinen Friedhof beim Siechen- und Leprosenhaus am Lindenpark. Weil in den Folgejahren die Nachfrage wuchs, musste schon 1527 ein neuer, größerer Friedhof für protestantische Begräbnisse errichtet werden. Er wurde nach dem Siechen- und Leprosenhaus Lazarusfriedhof genannt. Als dann 1542 der Rat der Stadt den Entschluss fasste, dass sich Regensburg der Reformation anschließt, kam der neue Lazarusfriedhof unter die Verwaltung der Stadt Regensburg. Zusätzlich wurde schon 1543 vor dem Peterstor ein zweiter protestantischer Friedhof, der Petersfriedhof, angelegt. Beide Friedhöfe wurden im 30-jährigen Krieg völlig zerstört, danach wieder neu angelegt und bestanden bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts.

Zerstörung des Lindenparks (1632–1634) und Wiederaufbau (ab 1642) mini|Ehemals Gesellschaftshaus und Schießstand der Armbrust-SchützengesellschaftZum Großen Stahlim Stahlzwingerweg Nr. 17

Regensburg war im Dreißigjährigen Krieg vom April 1632 bis zum Juli 1634 von Besatzung und Kämpfen schwer betroffen. Dabei war neben Stadtamhof und dem Gebiet vor dem Ostentor auch das gesamte Gelände des heutigen Stadtparks eines der drei Hauptkampfgebiete. 1632/33 fielen unter Besatzung bayerischer Truppen alle Schießstände der Armbrust- und Feuerschützen, alle Gebäude der Stiftung St. Lazarus mit dem protestantischen Lazarusfriedhof und auch alle Bäume im Lindenpark den Abrissmaßnahmen zum Opfer, mit denen freies Schussfeld geschaffen werden sollte, um den erwarteten Angriff der Schweden zu stoppen. Der Angriff war trotz der Abrissmaßnahmen erfolgreich. Letzte Reste von Anlagen und Bäumen gingen dann 1634 verloren, als die Schweden hartnäckigen Widerstand leisteten bei der Rückeroberung der Stadt durch kaiserlich-bayerische Truppen. Nach Beendigung der Kämpfe wurden ab 1642 zunächst die Friedhöfe vor den Stadtmauern wieder nutzbar gemacht. Aber auch für die Armbrustschützen wurde eine neue Übungsstätte mit Zielständen und Kugelfängen errichtet, allerdings nicht auf dem unebenen und von eingestürzten Laufgräben, Schanzen und Wällen durchzogenen Gelände des zerstörten ehemaligen Lindenparks, sondern im relativ unzerstörten, ca. 10 m breiten, hier Stahlzwinger genannten Zwingerbereichs der Stadtmauer. Zusätzlich wurde in der unmittelbar östlich benachbarten Straße (heute Stahlzwingerweg) ein neues zweigeschossiges Schieß- und Gesellschaftshaus errichtet, dessen Westwand geöffnet werden konnte. Von Zuschauern auf einer Empore beobachtet konnten die Schützen aus dem Inneren des Schießhauses von zwei Ebenen aus auf die Scheibenstände im Stahlzwinger schießen. mini|Ehemaliges Schießhaus der Büchsenschützengesellschaft. Heute Verwaltungsgebäude der Ostdeutschen Galerie Bereits 1652 wurde auf dem östlichen Gelände der heutigen Ostdeutschen Galerie ein Schützenhaus für die Büchsenschützengesellschaft gebaut. Das Haus befindet sich heute gegenüber dem Eingang der Ostdeutschen Galerie. Es ist das älteste Bauwerk des Ensembles und dient der Galerie als Verwaltungsgebäude. 1654 und 1656 bis ließ das Bauamt der Stadt Regensburg junge Linden, Erlen, Nuss- und Eichbäume anpflanzen, deren Anwachsen und Pflege in den Folgejahren sorgfältig überwacht wurde. mini|Ehemaliges Schießhaus der PistolenschützenHeute Figurentheater

Pestjahr 1713 und Pistolenschützen (ab 1733) Im Pestjahr 1713 wurde der Lazarusfriedhof nochmals vergrößert. Viele Pestleichen wurden in einer gemeinsamen Pestgrube begraben. Nach dem Abklingen der Pest wurden ab 1718 weitere Linden gepflanzt. Eine berittene Bürgerkompanie, die das Pistolenschießen betrieb, begann sich auf dem Schießgelände nördlich des Lazarusfriedhofs anzusiedeln. Von den Mitgliedern wurde auf eigene Kosten 1733 ein Schießhaus für Pistolenschießen errichtet, an dessen Standort heute das Figurentheater untergebracht ist. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts erfreute sich das Parkgelände wieder eines so regen Zuspruchs der Bevölkerung, dass sich auch eine Gastwirtschaft ansiedelte. Bis zum Ende des Jahrhunderts ergaben sich mehrere Gelegenheiten zur Abhaltung von großen Jubiläums- oder Friedens-Schützenfesten.

Der katholische Lazarusfriedhof (1812) entsteht mini|Ehemalige katholische Friedhofskapelle St. Lazarus mini|Jüdischer Friedhof im westlichen Stadtpark