Der Kap-Blessmull, Eigentlicher Blessmull oder Kap-Mullratte (Georychus capensis) ist der einzige Vertreter der Gattung der Blessmulle (Georychus). Das Verbreitungsgebiet der Tiere ist auf Südafrika begrenzt. Wie alle Sandgräber leben sie unterirdisch und graben mit Hilfe ihrer auffälligen Schneidezähne Gangsysteme in den Boden. Sie leben im Gegensatz zu den Graumullen und dem Nacktmull nicht in Kolonien, sondern sind territoriale Einzelgänger, die sich vor allem von unterirdischen Wurzeln und Knollen ernähren.

Merkmale Allgemeine Merkmale Der Kap-Blessmulls erreicht eine Kopf-Rumpf-Länge von 8,5 bis 23,1 Zentimetern bei den Männchen und 13,1 bis 18,1 Zentimetern bei den Weibchen, das Gewicht beträgt etwa 80 bis 270 Gramm. Damit handelt es sich um eine mittelgroße bis große Art innerhalb der Sandgräber. Es ist nur ein kurzer Schwanz mit einer Länge von etwa 2 Zentimetern Länge vorhanden, und die Hinterfußlänge beträgt 25 bis 30 Millimeter. Ein Sexualdimorphismus liegt nicht vor.

Der Körper ist zylindrisch mit flachem Rücken. Er oberseits rotbraun bis braun gefärbt, die Bauchseite ist deutlich heller silbrig-grau gefärbt. Das Fell ist dicht und wollig. Der Stirnbereich und der Bereich unterhalb der Augen ist dunkelbraun bis schwarz, die Ohren und die Augen sowie die rosafarbene Nase sind von weißen Flecken umrandet, die eine auffällige Gesichtszeichnung bilden und auch die Lippen umfassen. Der Kopf ist groß und stumpf mit einer hufeisenförmigen Nase. Die Zähne sind sehr markant ausgeprägt, die Ohren bestehen nur aus einer runden Öffnung ohne Ohrmuscheln. Die Augen sind klein und schwarz mit einem großen weißen Augenring. Die Gesichtsschnurrhaare sind länger als die des Rumpfes, und kurze steife Haare entspringen vom Mund, dem kurzen Schwanz und den Außenkanten der Füße. Die Gliedmaßen sind kurz und kräftig, die Füße relativ groß mit ledrigen Sohlen. Vorderpfoten und Hinterpfoten sind in der Regel weiß. Der Schwanz ist rosa mit einer fächerförmigen Reihe von groben weißen Haaren, die von ihm ausgehen.

Die Hoden der Männchen liegen im Abdominalbereich, der Penis ist von einer Hülle umschlossen. Bei den Weibchen ist die Vagina vom Anus durch einen Y-förmige Damm getrennt. Sie besitzen drei Paar Zitzen, davon zwei Paare im Brustbereich und eines in der Leistengegend.

Schädelmerkmale

Der Schädel erreicht eine Länge von etwa 38 bis 51 Millimetern, die Breite beträgt etwa 25 bis 37 Millimeter im Bereich der Jochbögen und 15 bis 18 Millimeter im Bereich des Hirnschädels. Er ist dorsoventral abgeflacht, und ausgewachsene Tiere haben einen ausgeprägten Sagittal- und Nackenkämme. Der Jochbogen ist stark ausgezogen, das Infraorbitalfenster (Foramen infraorbitale) ist klein und abgerundet. Der Unterkiefer hat eine Länge von etwa 29 bis 42 Millimetern. Im Vergleich zu Bathyergus ist der Schädel weniger kräftig gebaut.

Die Tiere besitzen im Oberkiefer und im Unterkiefer pro Hälfte einen zu einem Nagezahn ausgebildeten Schneidezahn (Incisivus), dem eine Zahnlücke (Diastema) folgt. Hierauf folgen je ein Prämolar sowie drei Molaren. Insgesamt verfügen die Tiere damit über ein Gebiss aus 20 Zähnen. Die auffälligen Schneidezähne sind weiß und im Gegensatz zu denen verwandter Arten ungekerbt, die Zahnwurzeln reichen bis hinter die Pterygoidregion und sind entsprechend hinter den Mahlzähnen verwurzelt. Im Gegensatz zu anderen Sandgräbern besitzen Kap-Blessmulle auch als ausgewachsene Tiere molariforme Mahlzähne im Oberkiefer mit einer äußeren und einer inneren Falte; bei verwandten Arten sind diese als einfache, eiförmige Zähne vorhanden. Die Unterkiefer sind nicht ankylosiert, was die Trennung der Spitzen der Schneidezähne ermöglicht. Die Schneidezähne des Kap-Blessmulls wachsen kontinuierlich und werden abgenutzt, während das Tier sie zum Graben nutzt.

Genetische Merkmale Das Genom besteht aus einem diploiden Chromosomensatz aus 2n=54 Chromosomen (FN=104). Obwohl die Art als monotypisch betrachtet wird, also keine Unterarten unterschieden werden, deuten Unterschiede der mitochondrialen DNA und Allozym-Sequenzen auf seit längerer Zeit getrennte Populationen im Umland von Kapstadt gegenüber denen in KwaZulu-Natal oder sogar eigenständige Arten hin. Die genetischen Unterschiede der Cytochrom-b-Sequenzen zwischen den südlichen und nördlichen Populationen betragen bis 13,7 %.

Abgrenzung zu verwandten Arten In Größe und Gewicht ähnelt der Kap-Blessmull dem teilweise sympatrisch vorkommenden Damara-Graumull (Fukomys damarensis), unterscheidet sich von diesem jedoch deutlich durch die ausgeprägte Gesichtszeichnung. Zudem besitzt er keine Fühlhaare am Körper, wie diese beim Damara-Graumull vorkommen. Der Kap-Strandgräber (Bathyergus suillus) ist größer als der Kap-Blessmull und unterscheidet sich in der Färbung deutlich. Sein Fell ist zimtbraun, das häufig von einem dunklen Rückenband markiert ist. Die auffällige Gesichtszeichnung fehlt, und die Schneidezähne sind deutlich gekerbt. Der Afrikanische Graumull (Cryptomys hottentotus) ist im Vergleich deutlich kleiner und ebenfalls anders gefärbt. Bei diesem ist das Fell rehbraun bis grau.

Verbreitung Das Verbreitungsgebiet des Kap-Blessmulls ist auf das südliche Afrika beschränkt, er kommt nur in der Republik Südafrika vor: in Teilen der Provinzen Westkap und Ostkap sowie in isolierten Populationen in KwaZulu-Natal und Mpumalanga. Die Verbreitung ist auf Gebiete mit mittelfeuchten Böden und meist mit jährlichen Niederschlagsmengen über 500 Millimetern eingegrenzt; in einigen Gebieten, etwa Nieuwoudtville, Citrusdal, Moorreesburg und Worcester, kann diese jedoch niedriger sein. Das Verbreitungsgebiet reicht nach Norden bis Nieuwoudtville in der Nordkap-Provinz und nach Osten über Port Elizabeth bis Bathurst.

Durch Fossilfunde wird angenommen, dass die Art früher eine viel größere Verbreitung hatte, die sich während des Quartärs verkleinerte. Die Populationen in den Provinzen Mpumalanga und KwaZulu-Natal könnten daher geografische Relikte sein. Im südlichen KwaZulu-Natal entlang der Grenze zu Lesotho und im zentralen Mpumalanga gibt es mehrere weitere isolierte Subpopulationen der Art. Insgesamt ist die Verbreitung des Kap-Blessmulls auf einzelne lokale Regionen beschränkt, und über das Gesamtverbreitungsgebiet verteilt ist er eher selten anzutreffen. Regional kann er allerdings Populationszahlen von mehr als 30 Individuen pro Hektar erreichen, vor allem in der Region um Kapstadt.

Lebensweise mini|Darstellung des Kap-Blessmulls von 1911 Der Kap-Blessmull ist ein vor allem unterirdisch lebendes und Gänge grabendes Nagetier, das selten auch außerhalb der Baue an der Oberfläche anzutreffen ist. Die Lebensräume des Kap-Blessmulls sind semiaride Zonen in Südafrika mit bevorzugt lockerem und sandigem bis lehmigem Boden und Niederschlagsmengen von mindestens 500 Millimetern pro Jahr. Es wird angenommen, dass es sich ursprünglich um einen Habitat-Spezialisten handelt, der Gebiete mit lockerer Steppenvegetation in unmittelbarer Nähe von Flüssen benötigt und vor allem im südafrikanischen Fynbos vorkommt. Er wird heute jedoch häufig in vom Menschen veränderten und bewässerten Umgebungen wie Golfplätzen, Gärten oder auch auf dem Hauptcampus der Universität Kapstadt nachgewiesen.

Die Tiere leben im Gegensatz zu den Graumullen und dem Nacktmull nicht in Kolonien mit mehreren Tieren, sondern sind territoriale Einzelgänger, die sich vor allem von unterirdischen Wurzeln und Knollen ernähren. Sie legen ihre Baue dicht unter der Erdoberfläche an. Die Gangsysteme sind 50 bis 130 Meter lang und haben ein leicht hypoxisches (sauerstoffarmes) Mikroklima mit 20,4 % Sauerstoff, 1,2 bis 12 % Kohlendioxid und einer Feuchte von etwa 95 %. Die Tiere selbst sind homöothermisch mit einer gleichmäßig auf 36° Celsius regulierten Körpertemperatur bei einer Umgebungstemperatur von nur 12 bis 32° Celsius im Gangsystem.

Der Kap-Blessmull ist außerhalb der Paarungszeit ein territorialer Einzelgänger, der die Grenzen seines Reviers aggressiv gegen Artgenossen verteidigt. Die Kommunikation mit anderen Tieren der gleichen Art erfolgt durch Trommeln der Hinterbeine.

Grabtätigkeit Die Schneidezähne werden beim Graben im harten Boden abgenutzt und dadurch geschärft, dabei wachsen sie kontinuierlich nach. Wenn die Kiefer während des Grabens vollständig geöffnet sind, drücken steife orale Borsten Bodenpartikel zur Seite und verhindern, dass diese in den Rachen gelangen. Zwei Hautlappen hinter den Schneidezähnen verhindern das Eindringen von Erde in die Speise- und Luftröhre und damit das Ersticken. Die Krallen der Vorderpfoten lockern den Boden und schaufeln ihn rückwärts unter das Tier, um dann von den Hinterpfoten eingesammelt zu werden. Die Sohlen der Hinterfüße sind ledrig und weich mit einem Rand aus steifen Haaren an den Außenkanten. Sobald sich ein Haufen hinter einem Tier angesammelt hat, schiebt er diesen mit seinem kleinen Schwanz und dessen Fächer aus steifen Haaren rückwärts den Tunnel hinunter.

Ernährung und Wasseraufnahme Der Kap-Blessmull ist, wie alle Sandgräber, pflanzenfressend (herbivor) und seine Nahrung besteht vor allem aus unterirdischen Pflanzenteilen von Geophyten wie Wurzeln, Zwiebeln und Knollen, nur etwa 6 % der Nahrung sind oberirdisch wachsende Pflanzenteile. Zu den Pflanzen, die das Nahrungsspektrum darstellen, gehören vor allem Arten der Hyacinthaceae (Albuca, Lachenalia und Ornithogalum), der Iridaceae (Homeria, Micranthus und Romulea) und der Oxalidaceae (Oxalis). Darunter befinden sich auch Arten mit für Nutztiere und andere Herbivoren giftigen Inhaltsstoffen wie Herzglykosiden, die der Kap-Blessmull ohne Probleme aufnehmen kann. Die Tiere suchen ihre Nahrung grabend im Boden, wo sie Futtertunnel mit einem Durchmesser von 7 bis 8 Zentimetern ausheben. In eigens angelegten Vorratsräumen sammeln die Tiere zudem selektiv größere Pflanzenteile verschiedener Arten, wobei die Lager mehr als 5.000 Einzelteile beinhalten können. Die eingelagerten Pflanzen werden vor allem gefressen, wenn die Weibchen Jungtiere haben oder die Nahrungssuche aufgrund ungünstiger Umstände und Trockenheiten mit harten Böden schwierig ist.

Wasser nehmen die Tiere nicht zu sich, sämtliche benötigte Flüssigkeit beziehen sie über ihre Nahrung. Geophyten haben einen hohen Feuchtigkeitsgehalt von 70 bis 80 %. Sie besitzen in der Regel eine faserige Außenhülle, die beim Fressen entfernt werden muss. Dies geschieht, indem die Tiere die Pflanzenteile zwischen den Vorderfüßen festhalten und mit den Füßen und Zähnen die Schichten der Schale zur Spitze hin abschälen. Die Verdauung der Zellulose findet vor allem im Blind- und Enddarm statt, wo der Darm von zelluloseverdauenden Endosymbionten wie Bakterien, Protozoen und Pilzen besiedelt ist (Caecotrophie). Die so anverdauten Kotpillen werden von den Tieren ausgeschieden und durch Koprophagie wieder aufgenommen, um die Nährstoffe und Aminosäuren zu nutzen.

Fortpflanzung und Entwicklung