mini|AutorenbildUrsula Peters: Das Ich im Bild: Die Figur des Autors in volkssprachigen Bilderhandschriften des 13. bis 16. Jahrhunderts, Verlag Böhlau, Köln 2008, ISBN 978-3-412-18806-1 — . in der historisierten Initialen „Q“. Chansonnier provençal „K“ aus dem 13. Jhd. BnF ms. 12473, fol. 15v.Chansonnier provençal „K“ — auf Gallica Diese verzierte Majuskel „Q“ ist der Anfangsbuchstabe des ersten Verses der canso «Q-uan vei la flor, l'erba vert e la folha» (BdT 70,42).
Bernart de Ventadorn (altokzitanisch Bernatz de Ventadorn, ; * um 1125; † um 1200) war einer der berühmtesten Trobadors.„BdT“ 70.: 460 namentlich bekannte Troubadoure sind in der Bibliographie der Troubadours (Kürzel „BdT“) alphabetisch aufgelistet und durchnummeriert. Bernart de Ventadorn trägt die Nummer 70. — Alfred Pillet, Henry Carstens: Bibliographie der Troubadours. Max Niemeyer, Halle 1933. Ristampa anastatica dell'edizione Halle (Saale), Max Niemeyer Verlag, 1933, a cura di Paolo Borso e Roberto Tagliani. Ledizioni, Mailand 2013, ISBN 978-88-95994-64-2. Er lebte in der Region Limousin, im heutigen Département Corrèze. Die namengebende Burg, le château de Ventadour (Corrèze), gehört zur Gemeinde Moustier-Ventadour.
Dem altprovenzalischen Minnesänger, dem „chantador“ Bernart, sind einige der schönsten trobadoresken Liebeslieder zu verdanken, zum Beispiel das Lerchenlied, die „canso“ «Quan vei l’alauzeta mover» (Wenn ich sehe, wie die Lerche [ihre Flügel] bewegt).BdT 70,43. — Das Lerchenlied — Altokzitanisch und Deutsch Bernhard von Ventadorn ist ein Hauptvertreter der Stilrichtung des trobar leu (), welche auf Allgemeinverständlichkeit abzielt, im Gegensatz zum trobar clus (), dem hermetischen, „dunklen“, sich an eine Elite wendenden Dichtens (Hauptvertreter: Marcabru).Dietmar Rieger: Die altprovenzalische Lyrik. In: Heinz Bergner (Hrsg.): Lyrik des Mittelalters. Reclam 7896, Stuttgart 1983, ISBN 978-3-15-007897-6, S. 232.
Leben mini|Dieses Folium der Handschrift „I“: Recueil des poésies des troubadours, contenant leurs vies, 13. Jhd., BnF ms.854, fol. 26v, überliefert in roten Schriftzügen die „VIDA“ Uc de Saint Circs, eine wichtige Quelle über das Leben Bernart de Ventadorns.Recueil des poésies des troubadours, contenant leurs vies. auf Gallica Nur zwei Quellen geben spärliche Auskunft über das Leben Bernarts, zum einen die altprovenzalischeMit „Provenzalisch“ wurde in der älteren Romanistik, aber oft auch im allgemeinen Sprachgebrauch, die Gesamtheit der okzitanischen Dialekte bezeichnet. In dieser Bedeutung wird heute die Bezeichnung „Okzitanisch“ vorgezogen.(FR) Joseph Salvat: Provençal ou occitan? In: Annales du Midi, 1954, S. 229–241: (FR) Aufsatz auf Persée, dichterisch-legendäre Lebensbeschreibung, die Vida, des Trobadors Uc de Saint Circ (BdT 457)BdT = Bibliographie des Troubadours., und zum andern die 4. Strophe des Schmähgedichts (Sirventes) Chantarai d’aquest trobadors (ich werde über jene Trobadore singen) des Troubadours Peire d’Alvernhe (BdT 323, 11).
Nach der altokzitanischenAlle Übersetzungen aus dem Altokzitanischen ins Deutsche stammen vom Hauptautor dieses Artikels. Vida des Trobadors Uc de Saint Circ aus dem 13. Jhd. war Bernart de Ventadorn nicht adeliger AbstammungRecueil des poésies des troubadours, contenant leurs vies. auf Gallica:
Von seiner Mutter ist hier nicht die Rede.
Bei der zweiten biographischen Quelle handelt es sich um sechs Verse des Sirventes «Chantarai d'aquestz trobadors»(BdT 323,11), Chantarai d'aquest trobadors — auf Corpus des troubadours des Institut d’Estudis Catalans, Barcelona, um die vierte Strophe eines Schmählieds, in dem der Trobador Peire d’Alvernhe zwölf Spielleute seiner Zeit verspottet: 01 Chantarai d’aquest trobadors 02 que chantan de manhtas colors, 03 e·l sordejor cuyda dir gen ; Ich werde von jenen Trobadoren singen, Die auf manche Art und Weise singen Und der Schlechteste hält sich noch für genial.
Nachdem Pierre d’Auvergne in den ersten drei Strophen („coblas“) dieses Sirventes seine Troubadour-Kollegen Peire Rogiers und Guiraut de Borneill verspottet hat, macht er sich in der vierten „cobla“ über « Bernatz de Ventadorn » lustig, als „den Dritten in der Reihe“ (« el ters » Vers 19), indem er dessen niedere Herkunft betont.
Bernarts Vater wird als einfacher Krieger und Bogenschütze geschildert (Verse 21/22), seine Mutter als simple Dienstmagd, welche den Backofen heizte und Reisig einsammelte (Verse 23/24). 19 E·l ters Bernatz de Ventadorn, 20 qu’es menres d’en Bornel un dorn ; 21 mas en son pair’ac bon sirven 22 per trair’ab arc manal d’alborn, 23 e sa maire calfava·l forn 24 et amassava l’issermen. Und der dritte, Bernart de Ventadorn, Steht eine Handbreit unter Guiraut de Borneill;In einer Vida wird Guiraut de Borneill « maestre dels trobadors », Meister der Troubadours, genannt. Siehe auch: Guiraut de Borneill — auf trobar.org. Aber sein Vater war ein guter Kriegsmann Der einen handgemachten Bogen aus Splintholz spannte Und seine Mutter heizte den Backofen Und sammelte Brennholz.
Die erste Quelle, die Vida des Spielmanns Uc de Saint Circs, ist ausführlicher. In der Handschrift Chansonnier provençal „N2“ umfasst diese Lebensbeschreibung Bernart de Ventadorns 53 Zeilen.Jean Boutière und Alexander Herman Schutz: Biographies des Troubadors XIV, Bernart de Ventadour. S. 26–28 Sie erzählt, Bernart habe eine Beziehung mit der Vizegräfin Marguerite de Turenne, der Ehefrau seines Lehnsherrns, des Vizegrafen Eble III von Ventadour, unterhalten. Deswegen habe sich der Vizegraf im Jahre 1153 von seiner Frau getrennt und Bernart verbannt. Daraufhin sei Bernart de Ventadorn an den normannischen Hof der okzitanischen Herzogin Eleonore von Aquitanien gezogen. Sie war eine Enkelin Wilhelms IX., des Herzogs von Aquitanien und Grafen von Poitiers, der in der Literaturgeschichte als erster Trobador gilt. Wegen der poetischen Qualität seiner Kunst habe Eleonore, die „Königin der Troubadoure“Régine Pernoud: Königin der Troubadoure. Eleonore von Aquitanien. dtv 1461, 15. Aufl. München 1979, pp. 145–160, ISBN 3-423-30042-6., Bernart mit offenen Armen in ihre Dienste aufgenommen.
Im Jahre 1152, nur acht Wochen nach der Annullierung ihrer Ehe mit dem französischen König Ludwig VII., hatte Eleonore Heinrich Plantagenet, den Herzog der Normandie geheiratet. Als ihr zweiter Ehemann kurz darauf als Heinrich II. zum König von England gekrönt werden sollte, begleitete sie ihn ins Land der Angelsachsen. Uc de Saint Circs Vida berichtet, Bernart sei in der Normandie geblieben.
Der Romanist und Herausgeber einer kritischen Ausgabe Bernart von Ventadorns Liedern, Carl Appel, kommt nach seinen StudienCarl Appel: Bernart von Ventadorn, seine Lieder, mit Einleitung und Glossar (kritische Ausgabe), Niemeyer Halle a.S. 1915, online auf Internet Archive zu einem anderen Ergebnis. Bernart de Ventadorn sei seiner Mäzenin und Muse Eleonore nach England gefolgt und habe dort 1154 der Königskrönung Heinrichs II. beigewohnt. Am anglonormannischen Königshofe habe der Trobador weiterhin in seiner okzitanischen Muttersprache dichten und singen können.Régine Pernoud: Königin der Troubadoure. Eleonore von Aquitanien. dtv 1461, 15. Aufl. München 1979, pp. 145–160, ISBN 3-423-30042-6.
Nach Gefangennahme und Einkerkerung der verschwörerischen Eleonore durch ihren Ehemann, König Heinrich II., habe der Troubadour um 1174 England verlassen und sei in den Dienst des Grafen Raimond V. von Toulouse eingetreten. 1194, nach dem Tode des Grafen habe er sich vom weltlichen Leben ins Zisterzienserkloster von Dalon zurückgezogen und habe dort sein Leben beendet.Luc de Goustine: Fou d’amour. S. 22 Im Jahre 1194 wurde der berühmte Troubadour Bertran de Born ebenfalls Mönch im Kloster Dalon.Geneviève Hasenohr, Michel Zink (Hrsg.): Dictionnaire des Lettres Françaises, Le Moyen Âge. Fayard, Paris 1964, ISBN 978-2-253-05662-1, S. 167.
Werk 45 „cansos d’amors“ Bernart de Ventadorn wird die Autorschaft von etwa 45 LiebesliedernCarl Appel: Bernart von Ventadorn, seine Lieder, mit Einleitung und Glossar (kritische Ausgabe). Niemeyer, Halle a. S. 1915, online auf Internet Archive, altokzitanisch «cansos»siehe Artikel in der französischsprachigen Wikipedia: (FR) Canso, zuerkannt.
Der Okzitanist Carl Appel hat im Rahmen der Edition seiner kritischen Ausgabe Bernart von Ventadorns Lieder Varianten aus mehr als zwanzig Handschriften akribisch miteinander verglichenCarl Appel: Bernart von Ventadorn, seine Lieder, mit Einleitung und Glossar (kritische Ausgabe), Niemeyer Halle a.S. 1915: Seite CXLIII, wobei seiner Meinung nach keinem bestimmten Manuskript eine Vorrangrolle zukomme. Carl Appels Bernart de Ventadorn-Ausgabe umfasst 45 Lieder, davon seien 41 sicherer Zuweisung und vier weitere unsicherer Zuweisung. Außerdem hat Carl Appel noch 23 Lieder anderer Trobadore in seine Edition aufgenommen, welche vereinzelt Bernart de Ventadorn zugeschrieben werden.siehe Carl Appel op. cit.: Inhaltsverzeichnis S. 403—404
„Non es meravelha s’eu chan“ In seiner Kanzone Non es meravelha s'eu chanBnF ms. 12473 Folium 16v — Diese Handschriftseite des Chansonnier provençal überliefert die canso «Non es maravelha s'eu chan».Text bei Wikisource, der canso Nr.31 in Carl Appels Edition (BdT 70,31), stellt der Dichter Bernart de Ventadorn sein Licht nicht unter den Scheffel. Er hält sich für den besten Trobador und den besten Liebhaber und drückt dies in der ersten Strophe ungewunden aus: 01 Non es meravelha s'eu chanDie Aussprache kann man der gesungenen Version des Liedes entnehmen 02 Melhs de nul autre chantador, 03 Que plus me tra.l cors vas amor 04 E melhs sui faihz a so coman. 05 Cor e cors e saber e sen 06 E fors' e poder i ai mes ; 07 Si.m tira vas amor lo fres 08 Que vas autra part no.m aten.
09 Ben es mortz qui d'amor no sen 10 Al cor cal que dousa sabor! 11 E que val viure ses amor 12 Mas per enoi far a la gen? 13 Ja Domnedeus no.m azir tan 14 Qu'eu ja pois viva jorn ni mes. 15 Pois que d'enoi serai mespres 16 Ni d'amor non aurai talan.
17 Per bona fe e ses enjan 18 Am la plus bel' e la melhor. 19 Del cor sospir e dels olhs plor, 20 Car tan l'am eu, per que i ai dan. 21 Eu que.n posc mais, s'Amors me pren, 22 E las charcers en que m'a mes, 23 No pot claus obrir mas merces, 24 E de merce no.i trop nien
25 Aquest' amors me fer tan gen 26 Al cor d'una dousa sabor: 27 Cen vetz mor lo jorn de dolor 28 E reviu de joi autras cen. 29 Ben es mos mals de bel semblan, 30 Que mais val mos mals qu'autre bes! 31 E pois mos mals aitan bos m'es, 32 Bos er lo bes apres l'afan .
33 Ai Deus car se fosson trian 34 D'entrels faus li fin amador, 35 E.lh lauzenger e.lh trichador 36 Portesson corns el fron denan 37 Tot l'aur del mon e tot l'argen 38 I volgr'aver dat, s'eu l'agues, 39 Sol que ma domna conogues 40 Aissi com eu l'am finamen.
41 Cant eu la vei, be m'es parven 42 Als olhs, al vis, a la color, 43 Car aissi tremble de paor 44 Com fa la folha contra.l ven. 45 Non ai de sen per un efan, 46 Aissi sui d'amor entrepres! 47 E d'ome qu'es aissi conques, 48 Pot domn' aver almorna gran.
49 Bona domna, re no.us deman 50 Mas que.m prendatz per servidor, 51 Qu'e.us servirai com bo senhor, 52 Cossi que del gazardo m'an. 53 Ve.us m'al vostre comandamen, 54 Francs cors umils, gais e cortes 55 Ors ni leos non etz vos ges , 56 Que.m aucizatz, s'a vos me ren.
57 A Mo Cortes, lai on ilh es, 58 Tramet lo vers, e ja no.lh pes 59 Car n'ai estat tan lonjamen. Es ist kein Wunder, wenn ich besser singeDie Übersetzung aus dem Altokzitanischen ins Deutsche stammt vom Hauptautor dieses Artikels, in Anlehnung an Luc de Goustine: Fou d’amour op. cit. S.143, an Carl Appel: Bernart de Ventadour, seine Lieder. op. cit. S. 193 und an Dietmar Rieger: Lieder der Trobadors, op.cit. S. 115. Als irgendein anderer Sänger, Zieht mich das Herz doch mehr zur Liebe hin, Und besser geschaffen bin für ihr Gebot. Herz und Körper und Wissen und Sinn Und Kraft und Können hab' ich eingesetzt, So sehr ziehen mich die Zügel hin zur Liebe,