mini|hochkant=2|Verbreitungsgebiete der schottischen Clans
Ein schottischer Clan ist ein traditioneller sozialer Großverband von in der Regel zumindest entfernt verwandten Personen in Schottland. Das englische Wort Clan (von schottisch-gälisch clann „Kinder, Abkömmlinge, Stamm, Familie“) bezeichnete ursprünglich eine Gruppe von Familien, die eine eng umrissene geographische Einheit bewohnten, beispielsweise ein Bergtal (Glen) oder eine Insel, und die sich auf eine gemeinsame Abstammung und Herkunft von einem Ahnherrn beriefen (meist mythischen oder sagenhaften Ursprungs). Sie alle erkannten den Clan Chief als ihren Herrn und Richter an; im Gegenzug war dieser verpflichtet, die Interessen seiner Gefolgsleute auch mit der Waffe zu verteidigen. Heute wacht der staatliche Lord Lyon King of Arms über die Rechte der Clan-Chiefs, der Clans und der Familien.
Die schottischen Clans haben ihren Ursprung im Nordwesten von Europa. Schottland besteht aus dem nördlichen Teil der größten europäischen Insel Großbritannien sowie mehreren Inselgruppen.
Innere Struktur eines schottischen Clans Chief Das Oberhaupt eines Clans ist der Clan Chief. Dieses Amt, verbunden mit den Titeln, wurde an den ältesten männlichen Nachkommen weitergegeben. Der Chief war oberster Richter bei Streitigkeiten innerhalb des Clans und dessen oberster Heerführer. Er verteilte das Land, das ursprünglich dem Clan insgesamt gehörte, aber mit dem Aufkommen des königlichen Feudalsystems als Land des Chiefs gesehen wurde, und war für die ärmsten Mitglieder des Clans verantwortlich.Fitzroy Maclean: Highlanders: A History of the Highland Clans. Adelphi, David Campbell Publishers, London 1995, ISBN 1-85715-799-0, S. 44–45.
Heute ist der Titel eines Chiefs ein vom schottischen Gesetz und vom Lord Lyon King of Arms gehütetes Rechtsgut. Der Chief ist der Inhaber der Rechte, beispielsweise eines Clanabzeichens (badge) und eines speziellen Webmusters für Stoffe (tartan). Ihm steht es zum Beispiel frei, das Tragen eines Tartans zu regeln. Als Zeichen seiner Würde trägt der Clan-Chief drei Federn an seiner Schottenmütze (bonnet).
Chieftain Der Chieftain ist das Oberhaupt einer bedeutenden Familie innerhalb eines Clans. Früher legte er Streitigkeiten innerhalb seiner Familie bei und war für den Dienst seiner Familie gegenüber dem Clan-chief verantwortlich. Er führte die Krieger seiner Familie in Kämpfen an. Der Chieftain des ältesten Familienverbandes innerhalb des Clans befehligte die rechte Flanke im Krieg. Heute sind viele Chieftains, wie die Chiefs ihres Clans, Inhaber der Rechte an Wappen, Tartan, Badge etc. Als Zeichen seiner Würde trägt der Chieftain zwei Federn am Bonnet.
Barde Jeder Chief und jeder bedeutendere Chieftain hatte an seinem Hof einen Barden, der in Friedenszeiten Erzähler und Unterhalter für den Chief war. Er verfasste Gedichte zu besonderen Anlässen, wie z. B. Hochzeiten, Geburten etc. In Kriegszeiten stimmte er den Clan auf den Kampf ein, indem er unter anderem die ruhmvolle Geschichte des jeweiligen Clans vortrug.
Piper Wie der Barde, so war auch das Amt des Pipers zweigeteilt: in Friedenszeiten für die Unterhaltung bei Festen verantwortlich und in Kriegszeiten Unterstützung für die Moral der eigenen Truppen.Fitzroy Maclean: Highlanders: A History of the Highland Clans. Adelphi, David Campbell Publishers, London 1995, ISBN 1-85715-799-0, S. ix. Oftmals hatte eine Person das Amt des Barden und das des Pipers gleichzeitig inne.
Struktur der schottischen Clans Unterschieden wird zwischen drei Kategorien von Clans:
Zur wichtigsten Gruppe gehören Clans wie die Stewart of Appin, Campbells, die MacDonalds, die MacLeods, die Gordons und vielleicht noch Clan Chattan und die MacKenzies, die über große Gebiete herrschten. Sie alle zerschlugen kleinere Clans oder übernahmen diese und deren Land mit Macht, durch Einheirat oder geschicktes politisches Agieren. Darüber hinaus hatten sie oft auch auf nationaler Ebene großen politischen Einfluss. Die zweite Kategorie mit etwas weniger Einfluss waren die McGregors, Frasers, Gunns, MacPhersons, MacLachlans, und MacLeans. Dazu gehörten ebenfalls kleine Familiengruppen wie der Kennedy-Clan. Schließlich gab es Clans, die Titel oder Namen hatten wie beispielsweise „Clan der Nacht“ (die Morrisons von Mull), „Clan der Briten“ (die Galbraith Familie von Gigha) oder der „Clan der Kinder Raigns“ (die Rankins).
Geographie und Wirtschaft der Clans Schottische Clans werden heute mit den Highlands auf dem schottischen Festland und den Inseln nordwestlich davon, speziell mit der Insel Man und den Hebriden, assoziiertFitzroy Maclean: Highlanders: A History of the Highland Clans. Adelphi, David Campbell Publishers, London 1995, ISBN 1-85715-799-0, S. 1. und nur zu einem geringeren Teil mit den Randgebieten wie zum Beispiel den Scottish Borders und Galloway. Im Zentralbereich Schottlands und im größten Teil des Flachlands sind solche Verwandtschaftsgruppen schon sehr früh durch das Feudalsystem verdrängt worden.
Die Hochlandlinie erstreckt sich diagonal vom Clyde bis nach Stonehaven an der Nordsee, südlich von Aberdeen. Nördlich davon fühlten sich die Clans an die jeweiligen Gebiete gebunden, die sie als Familienland beanspruchten. Die tiefen Täler und weiten Hochlandgebiete wurden von Clans, wie den Campbells in Argyll, den Camerons in Lochaber, den Robertsons in Rannoch, den Mackays in Sutherland bevölkert und die Inseln im Westen waren die Domäne der MacDonalds in Islay, der Macleans in Mull, Tiree und Coll, während Skye zwischen den MacDonalds, MacLeods und Mackinnons aufgeteilt war.
Die Wirtschaft in den Highlands und das Leben der Clans sollte über Jahrhunderte mehr oder weniger unverändert bleiben. Trotz des kargen Bodens waren alle Clans nahezu autark und lebten vom eigenen Ackerbau und von den Kleinrindern, die in den Bergen weideten. Auf den Inseln und an der Küste fischten die Clanmitglieder und exportierten den Fangüberschuss ins schottische Tiefland. In den Tälern hatten sie ihre Gerste zum Whiskybrauen und Hafer als Grundnahrungsmittel. Es war ein karges Leben für die Clanangehörigen. Weil das Vieh vor Diebstahl geschützt werden musste, mussten die Clans auch gelegentlich zu den Waffen greifen.Fitzroy Maclean: Highlanders: A History of the Highland Clans. Adelphi, David Campbell Publishers, London 1995, ISBN 1-85715-799-0, S. 44.
Geschichte Ursprünge bis ins 12. Jahrhundert Viele Clans führen ihre Ursprünge auf einen legendären Vorfahren zurück, von dem alle Clanmitglieder abstammen. Tatsächlich sind die meisten Clanmitglieder jedoch nicht notwendigerweise miteinander verwandt. Die heutige historische Forschung führt die Entstehung der schottischen Clans auf frühe Stammesgesellschaften zurück, wie sie auch in anderen Ländern existierten. Auch beispielsweise in den schottischen Lowlands überlebten noch Überbleibsel alter Stammesverbindungen bis ins 18. Jahrhundert, so bemühten sich die Magnaten der Lowlands darum, das Fortkommen ihrer Verwandten in Schottland, England und im britischen Weltreich zu fördern. Die schottischen Clans in den Highlands waren jedoch insofern anders, weil hier länger eine enge Verbindung zwischen Clanzugehörigkeit und militärischer Verpflichtung gegenüber dem Clan Chief bestand. Einem Clan anzugehören, hieß nicht nur, in ein soziales Netz eingebunden zu sein, sondern beinhaltete auch die Pflicht zum Kriegsdienst für den Herrn. Einzigartig ist bei schottischen Clans die Pflege von Traditionen wie Liedern, Genealogien und Geschichten, die tief in der schottischen Kultur verwurzelt ist.T.M. Devine: The Scottish Clearances: A History of the Dispossessed. Penguin, London 2018, ISBN 978-0-14-198593-0, S. 26–27.
In Schottland ist das Stammessystem, das z. B. irische Eroberer, die Scotti oder Scots, aus dem Norden Irlands mit ins frühe schottische Königreich Dalriada brachten, ein Ursprung der schottischen Clans. Andere Clans führen ihre Abstammung auf nordische Eroberer zurück, die z. B. die Hebriden besiedelten.Fitzroy Maclean: Highlanders: A History of the Highland Clans. Adelphi, David Campbell Publishers, London 1995, ISBN 1-85715-799-0, S. 3, 15.
Ein weiterer Ursprung der Clans ist das englische Feudalsystem, das sich mit anderen Traditionen mischte: Mit der Thronbesteigung 1057 von Malcolm Ceann Mor als Malcolm III., der in England aufgewachsen und die englische Prinzessin Margaret als Frau mitbrachte, fanden zunehmend englische Traditionen in Schottland Eingang. Das Machtzentrum Schottlands verschob sich mit Malcolm vom keltischen Nordwesten in den angelsächsisch beeinflussten Süden Schottlands. Auch spätere schottische Könige, Alexander und David, waren in England erzogen worden, das durch die normannische Eroberung von Wilhelm inzwischen ein anglonormannischer feudaler Staat war. David, der 1124 schottischer König wurde, teilte viele Ländereien unter seinen anglonormannischen Gefolgsleuten auf, darunter waren Walter FitzAlan, Davids High Stewart und Stammvater des späteren Hauses Stewart, und Robert de Brus, Ahn des Clan Bruce. Durch eine kluge Heiratspolitik mit schottischen Erbinnen etablierten sich diese Familien ebenfalls in Schottland, so dass vor allem in den schottischen Lowlands ein neues, feudal geprägtes System mit anglonormannischen Adeligen die alten keltischen Eliten und Traditionen ersetzte.Fitzroy Maclean: Highlanders: A History of the Highland Clans. Adelphi, David Campbell Publishers, London 1995, ISBN 1-85715-799-0, S. 7–9.
In den Highlands Schottlands blieben diese alten keltischen Traditionen im 12. Jahrhundert bestehen, und der schottische König hatte dort wenig zu sagen. Ein erster großer Konflikt zwischen dem König von Schottland als Zentralmacht und anderen Herrschern in den Highlands war die Schlacht 1130 zwischen schottischen Truppen König Davids auf der einen Seite und Truppen des bisher mehr oder weniger autonomen Reichs des Earls von Moray, dessen Familie zuvor auch schon Könige von Schottland gestellt hat. Die Schlacht wurde 1130 zugunsten des Königs entschieden, der den Sieg nutzte, um auch einige seiner anglonormannischen Gefolgsleute in Moray zu verteilen. Nach dem Tod Davids rebellierten die Kelten in Moray gegen die Königsmacht und fanden diesmal einen Unterstützer durch Somerled, der sich als Herrscher des Königreichs der Inseln positionierte, das Movern, Lochaber, Argyll und die südlichen Hebriden umfasste. Somerleds Nachkommen sollten mächtige Clans im Nordwesten auf den Inseln und auf dem Festland Schottlands werden, die MacDonalds und MacDougalls.Fitzroy Maclean: Highlanders: A History of the Highland Clans. Adelphi, David Campbell Publishers, London 1995, ISBN 1-85715-799-0, S. 9–10, 12.
13. Jahrhundert und Schottische Unabhängigkeitskriege im 14. Jahrhundert Aus dem 13. Jahrhundert stammen die ersten Hinweise, dass sich in den westlichen Highlands weitere Clans etablierten – einige Beispiele: Auf dem Festland Schottlands südlich des Kyle of Lochalsh fanden sich die Macleods, die hauptsächlich auf nordische Ursprünge zurückblickten und behaupten, über ihren Gründer Leod von Magnus, dem König der Insel Man abzustammen. Bei Kintail fanden sich die Earls of Ross und ihre Vasallen, die Mackenzies, während auf der Insel Gigha und später den Inseln Barra und Colonsay die MacNeils dominierten, die ihre Abstammungslinie auf irische Könige zurückführten. Clan Diarmid (die Campbells) beanspruchten ebenfalls eine Herkunft von Königen und Kriegshelden aus Irland und Dalriada und waren gegen Ende des 13. Jahrhunderts fest bei Lochawe im Herzen von Argyll etabliert.Fitzroy Maclean: Highlanders: A History of the Highland Clans. Adelphi, David Campbell Publishers, London 1995, ISBN 1-85715-799-0, S. 15.