Alzey ist eine verbandsfreie Stadt mit knapp 20.000 Einwohnern und Sitz der Kreisverwaltung des Landkreises Alzey-Worms in Rheinhessen im südöstlichen Rheinland-Pfalz. Alzey zählt zu den Nibelungenstädten, da die Stadt im Nibelungenlied durch Volker von Alzey erwähnt wird. Daher wird Alzey auch Volkerstadt genannt. mini|Alzey – Altstadt mit Stiftskirche von Osten mini|Raugrafenstraße mit Schloss Die Stadt war vom 3. bis 5. Juni 2016 Ausrichterin des 33. Rheinland-Pfalz-Tages.

Geographie Lage Alzey liegt am Westrand des Nordteils der Oberrheinischen Tiefebene. Es ist vom Nordteil des Alzeyer Hügellands umgeben, an das sich nördlich das Rheinhessische Hügelland und westlich das Nordpfälzer Bergland anschließt. Die Stadt befindet sich etwa 30 km südwestlich von Mainz und etwa 22 km (jeweils Luftlinie) nordwestlich von Worms. Durch Alzey fließt, teilweise unterirdisch, ein Abschnitt der Selz, ein linker Nebenfluss des Rheins.

Nachbargemeinden Nachbarorte von Alzey sind die Ortsgemeinden Albig im Norden, Framersheim im Nordosten, Gau-Heppenheim im Osten, Eppelsheim im Südosten, Kettenheim, Wahlheim und Freimersheim im Süden, Mauchenheim und Offenheim im Südwesten, Erbes-Büdesheim im Westen sowie Bornheim, Lonsheim und Bermersheim vor der Höhe im Nordwesten.

Stadtgliederung Stadtteile und zugleich Ortsbezirke von Alzey sind neben der gleichnamigen Kernstadt (alphabetisch sortiert): Dautenheim im Ostsüdosten, Heimersheim im Nordwesten, Schafhausen im Nordosten und Weinheim im Westsüdwesten.

Die weiteren Gemeindeteile sind Stadt Alzey mit Eichhof, Hof Im Kühlen Grund, Kettenheimer Weg, Rheinhessen-Fachklinik, Raumühle, Rechenmühle, Am Heimersheimer Berg, Kimbaland und Am Schützenhaus Dautenheim mit Weidasser Mühle Heimersheim mit Metzentaler Hof Schafhausen mit Pfortmühle Weinheim mit Neumühle, Birkenhof, Gutenborner Hof und Birkenhof 2

Geschichte Von der Jungsteinzeit bis zur Römerzeit Erste Besiedlungsspuren im Raum Alzey finden sich bereits ab der Jungsteinzeit. Alzey wurde als Altiaia in der römischen Provinz Germania Superior im Hinterland von Mogontiacum (Mainz) gegründet und entsprach größenmäßig einem Vicus. Auf einem römischen Weihaltar für die Nymphen wird der Ortsname erstmals erwähnt, da dort von den vicani Altiaienses (= Ortsbewohner von Altiaia) die Rede ist. Der Name Altiaia geht möglicherweise auf den Namen einer vor den Römern bestehenden keltischen Siedlung ab 400 v. Chr. zurück, der genaue Ursprung lässt sich aber nicht ermitteln.

Auf den Ruinen des um 350 zerstörten römischen Vicus wurde um 370 ein Kastell namens Alteium errichtet. welches im Codex Theodosianus in Zusammenhang mit einem Besuch des Kaisers Valentinian I. 370 belegt ist.Heinz Cüppers: Die Römer in Rheinland-Pfalz. S. 303. 406/407 überschritten die Burgunder zusammen mit den Vandalen den Rhein und ließen sich als römische Bundesgenossen in Mainz, Alzey und Worms nieder. Das Gebiet wurde ihnen vertraglich zugesichert. 436 wurde das Burgunderreich durch den weströmischen Heermeister Aëtius und hunnische Hilfstruppen zerstört. Diese Ereignisse sind im Nibelungenlied verarbeitet und bilden den Ursprung der Sagenfigur Volker von Alzey, des Spielmanns im Nibelungenlied. Nach 450 fiel Alzey durch Landnahme an die Alamannen und Franken.

Mittelalter mini|Kupferstich nach Matthäus Merian 1645 Nach dem Tod Chlodwigs I. 511 zerfiel das Frankenreich in einzelne Teilkönigreiche und Alzey wurde ein Teil von Austrasien mit der Hauptstadt Metz. Nach einer Vereinigung der fränkischen Teilkönigreiche Mitte des 8. Jahrhunderts fiel Alzey 843 mit dem Vertrag von Verdun an das Ostfrankenreich als Vorläufer des Deutschen Reiches. 897 wurde Alzey erstmals als Reichslehen erwähnt.

1156 gehörte Alzey zur Kurpfalz und Konrad von Staufen empfing in der 1118 vollendeten Reichsburg die Pfalzgrafenwürde. 1277 erhielt Alzey Stadtrechte durch Rudolf von Habsburg. 1298 lagerten vor Alzey die Truppen Albrechts von Österreich vor seinem Sieg gegen Adolf von Nassau in der Schlacht bei Göllheim. Das Kloster Otterberg war im Ort begütert.Jürgen Keddigkeit, Michael Werling, Rüdiger Schulz und Charlotte Lagemann: Otterberg, St. Maria. Zisterzienserabtei Otterburg. In: Jürgen Keddigkeit, Matthias Untermann, Sabine Klapp, Charlotte Lagemann, Hans Ammerich (Hrsg.): Pfälzisches Klosterlexikon. Handbuch der pfälzischen Klöster, Stifte und Kommenden, Band 3: M–R. Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde. Kaiserslautern 2015. ISBN 978-3-927754-78-2, S. 524–587 (538).

Von der Frühen Neuzeit bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts mini|Exekution von 350 Täufern in Alzey 1529 mini|Großherzogl[ich Hessisches] Amtsgericht im Schloss Alzey

Ludwig V. von der Pfalz ließ 1529 ohne Urteilsspruch 350 Täufer wegen ihres Glaubens in Alzey unter Leitung von Burggraf Dietrich von Schönenburg hinrichten;Ein paralleler Bericht in derselben Quelle spricht von 9 Männern und einigen Frauen; Josef Beck (Bearb.): Die Geschichtsbücher der Wiedertäufer in Österreich-Ungarn. (Österreichische Geschichtsquellen – Fontes rerum Austriacarum II, 43). Gerold, Wien 1883, S. 29 f. und S. 30 f.; Google-BooksNach Ernst Friedrich Peter Güß: Die Kurpfälzische Regierung und das Täufertum bis zum Dreißigjährigen Krieg. (Veröffentlichungen der Kommission für Geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg 12). Kohlhammer, Stuttgart 1960, S. 117, sind 14 Hinrichtungen belegt; Clausdieter Schott: Rat und Spruch der Juristenfakultät Freiburg i. Br. (Beiträge zur Freiburger Wissenschafts- und Universitätsgeschichte). Albert, Freiburg im Breisgau 1965, S. 26, 36, 146, 170, 194 und 205.2.43 Es werden bei Altzey nach des Kaisers Befehle ungefahr 350 Personen im Jahre 1529 um des Glaubens willen getotet. In: Der Märtyrerspiegel. Teil 2, Kapitel 2.43: Der blutige Schauplatz oder Märtyrer-Spiegel der Taufgesinnten oder wehrlosen Christen. maertyrerspiegel.de Abgerufen am 14. November 2024. die Männer wurden enthauptet und die Frauen in der Roßschwemme ertränkt (Märtyrer der Täuferbewegung).Christian Hege: Die Täufer in der Kurpfalz. Ein Beitrag zur badisch-pfälzischen Reformationsgeschichte. Hermann Minjon, Frankfurt am Main 1908, S. 57 und 63 f.; .

1620 zog Graf Spinola auf Seiten des katholischen Kaisers im Dreißigjährigen Krieg gegen die protestantische Kurpfalz und eroberte auch Alzey. 1689 wurden Stadt und Burg im Pfälzischen Erbfolgekrieg von den französischen Truppen einer Politik der verbrannten Erde folgend niedergebrannt, als zuvor eroberte Gebiete von den Armeen Ludwigs XIV. wieder geräumt werden mussten.

1792 wurden die Gebiete westlich des Rheins, darunter auch die bis dahin kurpfälzischen, an Frankreich angeschlossen. Verzögert durch die Koalitionskriege wurden in den nächsten zehn Jahren stufenweise die französische Verwaltung und französische Institutionen übernommen. Alzey gehörte bis 1814 zum Département du Mont-Tonnerre (Departement Donnersberg). Im Zuge der französischen Reformen wurde 1797 das Friedensgericht Alzey als Gericht erster Instanz gegründet. 1879 wurde es vom Amtsgericht Alzey abgelöst.

1799 wurde in Alzey die älteste bekannte Freiwillige Feuerwehr Deutschlands schriftlich erwähnt.Die Geschichte der Feuerwehr Alzey

1816 wurde Alzey dem Großherzogtum Hessen eingegliedert. 1909 wurde die Rebschule (geschlossen 2003 als: Landesanstalt für Rebenzüchtung) gegründet; erster Leiter war Georg Scheu, nach dem die Rebsorte Scheurebe benannt ist. Nach dem Ersten Weltkrieg war die Stadt wie Rheinhessen und die Pfalz zwölf Jahre lang französisch besetzt.

Zeit des Nationalsozialismus 1933 erfolgten Festnahmen liberaler, sozialdemokratischer und kommunistischer Personen, von denen einige ins Konzentrationslager Osthofen gebracht wurden. 1938 wurde in der Reichspogromnacht die Synagoge von Alzey zerstört und die Inneneinrichtung vor dem Gebäude verbrannt. Die Ruine wurde in den 1950er Jahren abgerissen. Eine gerettete Tora befindet sich heute im Museum. Die NS-Zeit bedeutete das Ende der alten jüdischen Gemeinde.

Am 8. Januar 1945, während des Zweiten Weltkriegs, entging die Stadt nur knapp der Zerstörung. 36 Bomber vom Typ Boeing B-17 sollten eine Eisenbahnbrücke in Alzey angreifen, warfen aber bei schlechtem Wetter wegen eines Berechnungsfehlers ihre Bomben auf den Wartberg. Daraus entstand die Legende vom Wartbergturm als „Retter Alzeys“. Sicher ist nur, dass der Turm zerstört wurde und die Stadt größtenteils von Bombenangriffen verschont blieb. Insgesamt wurden im Zweiten Weltkrieg 42 Gebäude zerstört und mehr als 180 beschädigt.Michael Huyer, Dieter Krienke: Kreis Alzey-Worms: Stadt Alzey. Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 2014. ISBN 978-3-88462-326-8, S. 46. Darunter war auch – bereits am 19. Oktober 1944 – das Empfangsgebäude des Bahnhofs.

Seit 1946 Seit 1946 ist Alzey nicht mehr hessisch, sondern Kreisstadt im Landkreis Alzey im neugebildeten Land Rheinland-Pfalz.

Seit Zusammenlegung der Kreise Alzey und Worms im Jahre 1969 ist Alzey Kreisstadt des neuen Landkreis Alzey-Worms und Sitz der Verbandsgemeinde Alzey-Land, der es selbst als verbandsfreie Stadt jedoch nicht angehört. Im Jahre 1972 wurden die Orte Weinheim, Heimersheim und Dautenheim der Stadt angegliedert. Homepage der Stadt Alzey. Abgerufen am 21. August 2015 Das Dorf Schafhausen ist bereits seit dem Mittelalter ein Stadtteil von Alzey.

Eingemeindungen Am 22. April 1972 wurden die bis dahin selbständigen Gemeinden Dautenheim, Weinheim und Heimersheim nach Alzey eingemeindet.

Einwohnerstatistik

Konfessionsstatistik Der Anteil der katholischen und evangelischen Kirchenmitglieder sinkt seit vielen Jahren in Alzey.Gemeindestatistik Stadt Alzey. In Alzey stellt mit 56 % (Stand Juni 2026) die Gruppe derjenigen die Mehrheit, die einer sonstigen oder keiner öffentlich-rechtlichen Glaubensgemeinschaft angehört.Gemeindestatistik Stadt Alzey, abgerufen am 18. Juli 2026.

Jüdische Geschichte Der Anfang der jüdischen Gemeinde der Stadt wird in das 14. Jahrhundert datiert. 1349, im Verlauf der Pest, dem Schwarzen Tod, wurden die städtischen Juden aufgrund von Verleumdung ermordet.Encyclopaedia of Jewish Communities: Alzey. Nach einigen Jahren erneuerte sich die Gemeinde und in einem Dokument von 1377 wird ein Jude namens Yitzchak von Alzey benannt, der die Stadt Worms aufgrund von Schulden, die sie bei ihm hatte, verklagte. 1389 wurde erstmals eine „Judengasse“ erwähnt und eine Art Ghetto mit einem in der Nacht verschlossenem Tor beschrieben. Danach wurden Juden in der Stadt erst wieder im Verlauf des 17. Jahrhunderts und die erste Synagoge 1791 nachgewiesen.

Mehrere Dokumente um 1670 belegen Streitigkeiten zwischen Joseph Simon Jessel, einem in Alzey lebenden Juden, und den städtischen Metzgern in Zusammenhang mit Jessels Wunsch, als Metzger zu arbeiten. Auf einen anderen Rechtsstreit zwischen ihm und einem Nachbarn, der sein Haus an Jessel verkauft hatte, sich aber weigerte es zu verlassen, weisen weitere Unterlagen hin. Das darin enthaltene Urteil tadelt beide Seiten damit, dass es „undenkbar sei, dass ein Jude einen Christen schlüge“, und den Nachbarn, dass dieser nicht zur Evakuierung des Hauses bereit sei. Nichtsdestoweniger schützte der Graf der Pfalz Juden, deren hohe Steuern ein wichtiges Element seines Einkommens darstellten. 1789 gab es 21 jüdische Haushalte in der Stadt. Während des 18. Jahrhunderts waren die meisten der städtischen Juden, wenn nicht reich, dann gut situiert.

1710 gründete ein Jude namens Simcha Deidesheimer eine große Fabrik, die Matze produzierte, bis 1925 existierte und ihre Produkte nach Frankreich und Italien exportierte. Darüber hinaus eröffneten 1770 zwei Brüder namens Levy eine Porzellanfabrik in der Stadt. Die Gemeinde besaß einen Friedhof und Alzey war die Heimatstadt der bekannten Familie Belmont.