Das Institute of Science and Technology Austria (ISTA) ist eine postgraduale Wissenschaftseinrichtung in Österreich, die nach dem Vorbild ausländischer Einrichtungen wie dem Weizmann-Institut für Wissenschaften oder der Rockefeller University Spitzenforschung im Bereich der Grundlagenforschung betreiben soll.Bundesgesetz über das Institute of Science and Technology – Austria (IST-Austria-Gesetz – ISTAG), , Titel geändert durch Grundlage des Instituts ist ein eigenes Gesetz,Bundesgesetz über das Institute of Science and Technology - Austria das im März 2006 beschlossen wurde. Das Institute of Science and Technology Austria hat seinen Sitz in Maria Gugging, einem Stadtteil von Klosterneuburg, nördlich von Wien.
Geschichte
mini|hochkant|Umbau des Hauptgebäudes der Landesnervenklinik Gugging in das Forschungsinstitut im Jahre 2008; Totalsanierung mit thermischer Sanierung
Auf Initiative des Wiener Physiknobelpreisträgers Anton Zeilinger wurde das Konzept einer „University of Excellence“ entworfen, in der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler naturwissenschaftlich-technische Forschungen auf höchstem Niveau betreiben sollen. Im Februar 2006 entschied sich die damalige Wissenschaftsministerin Elisabeth Gehrer (ÖVP), entgegen dem Wunsch der von ihr eingesetzten Expertenkommission für den Standort Klosterneuburg-Maria Gugging. Daraufhin legte Zeilinger seine Mitarbeit an dem Projekt nieder, ebenso wie der Physiker Arnold Schmidt und der Chemiker Peter Schuster. In einer Presseaussendung begründeten sie das damit, dass durch diese Standortentscheidung eine „suboptimale Lösung“ und kein „möglichst breiter politischer Konsens“ erreicht worden sei.
Die Entscheidung für Klosterneuburg-Maria Gugging und gegen Wien wurde der höheren finanziellen Beteiligung des Landes Niederösterreich und der sofortigen Verfügbarkeit der Baulichkeiten zugeschrieben. Von Beobachtern wurde sie aber teils als politisch motiviert betrachtet, da Niederösterreich von einem ÖVP-Landeshauptmann regiert wird, Wien aber einen SPÖ-Bürgermeister hat.
Die anfänglichen Schwierigkeiten konnten durch die Erstellung eines Berichts des „International Committee“, bestehend aus Haim Harari (1988–2001 Präsident des Weizmann-Instituts, Israel), Olaf Kübler (1997–2005 Präsident der ETH Zürich) und Hubert Markl (1996–2002 Präsident der Max-Planck-Gesellschaft), überwunden werden. Kernaussagen des Berichts sind: Streben nach höchster wissenschaftlicher Qualität Fokussierung auf Grundlagenforschung Unabhängigkeit von Politik und Wirtschaft
Durch die konsequente Verfolgung dieser Pläne konnten bedeutende Wissenschaftler wie Anton Zeilinger (Nobelpreisträger für Physik 2022) oder Eric R. Kandel (Nobelpreisträger für Medizin 2000) (wieder) gewonnen werden.
Der Name wurde auf „Institute of Science and Technology Austria“ geändert. Am 29. März 2006 wurde das Projekt im Nationalrat mit den Stimmen der Regierungsparteien (ÖVP/FPÖ-BZÖ) und der damals oppositionellen SPÖ beschlossen.
Die Vorbereitungsarbeiten für das ISTA wurden im Frühjahr 2007 in den Gebäuden der früheren Landesnervenklinik Gugging aufgenommen. Die Positionen des ersten Präsidenten sowie der Professoren- und Assistant Professorenstellen wurden im Herbst 2007 ausgeschrieben.
Am 28. Juni 2008 wurde der deutsche Neurobiologe Tobias Bonhoeffer als Gründungspräsident vom Kuratorium nominiert. ORF.at Am 21. Juli 2008 verzichtete Bonhoeffer auf das Amt. Bonhoeffer verzichtet überraschend auf Chefposten Der Standard vom 21. Juli 2008 Am 4. Dezember 2008 wurde der Informatiker Thomas Henzinger als erster Präsident präsentiert. Sein Vertrag wurde 2013, 2016 und 2020 verlängert, aber Henzinger entschied sich, nicht die volle Amtszeit zu absolvieren.
2022 wurde die Abkürzung des Institutnames von „IST Austria“ auf „ISTA“ geändert.
Im Februar 2022 wurde Martin Hetzer vom Kuratorium des ISTA unter dem Vorsitz von Claus Raidl zum Präsidenten des ISTA ab dem 1. Jänner 2023 gewählt. Das Komitee für die Nachfolgersuche wurde von Kuratoriums-Mitglied Iain Mattaj geleitet, 141 Personen hatten sich für die Position beworben. Neben seiner Rolle als Präsident leitet Hetzer eine Forschungsgruppe am ISTA.
Reputation ISTA belegt den 1112. Platz von 2000 im „Center of World University Ranking“ (CWUR), den 1944. Platz im „uniRank“ Ranking und den 2755. Platz von 14131 bei „EduRank“. Im Jahr 2019 wurde das Institut im „Academic Nature Index“ (eine größengewichtete Auswertung der Publikationen in international etablierten Fachjournalen) der wissenschaftlichen Fachzeitung „Nature“ auf dem weltweit dritten Platz bewertet. Im Jahr 2022 wurde ISTA im „Academic Nature Index“ auf Platz 500 von 500 gereiht.
Evaluierungen
Erste Evaluierung Im Jänner 2011 wurde die erste Evaluierung des neuen Institutes durch ein Komitee von zwei Nobelpreisträgern (David Baltimore, Erwin Neher), dem ehemaligen Präsidenten des California Institute of Technology, sowie Professoren der Rockefeller University, des Okinawa Institute of Science and Technology und das Stanford Linear Accelerator Centers durchgeführt. Im März 2011 stellte das Gutachterkomitee dem ISTA ein hervorragendes Zeugnis aus. In einer allgemeinen Erörterung heißt es, dass das Institut auf dem Weg ist in Ausbildung wie in Forschung neue Maßstäbe zu setzen, welche nicht nur national, sondern auch europaweit und darüber hinaus von Bedeutung sein werden, und dass es auf dem besten Weg zur Exzellenz sei.
Zweite Evaluierung 2015 wurde eine zweite Evaluierung durch ein internationales Gutachtergremium unter dem Vorsitz des Nobelpreisträgers Roger Kornberg durchgeführt. Das Gremium bestand aus sechs angesehenen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, darunter drei Nobelpreisträger und ein Turing-Preisträger. Der Bericht fiel sehr positiv aus und hob hervor, dass das ISTA gut gestartet war und ein solides Fundament für seine weitere Entwicklung gelegt hatte, aber auch, dass die nächsten Jahre noch schwieriger werden würden.
Dritte Evaluierung Die dritte Evaluierung des Instituts im Jahr 2019 wurde von einer Prüfungskommission unter dem Vorsitz des Nobelpreisträgers Serge Haroche durchgeführt. Das Gremium setzte sich aus internationalen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zusammen, darunter die Nobelpreisträgerin Ada Yonath. Im Mittelpunkt der Bewertung standen die wissenschaftlichen Leistungen und die Forschungsthemen sowie die allgemeine Entwicklung des Instituts, die Graduiertenschule, die administrativen Strukturen, die Bemühungen um Technologietransfer und wissenschaftliche Bildung sowie die Pläne für die künftige Expansion. Die Evaluierung kam zu dem Schluss, dass das ISTA in den ersten zehn Jahren seines Bestehens einen positiven Kurs gefolgt war, der den von der österreichischen Regierung und dem Land Niederösterreich gesetzten Zielen entsprach. Der Bericht plädiert für ein fortgesetztes Engagement auf Bundes- und Landesebene zur Finanzierung des Instituts und zur Wahrung seiner akademischen Freiheit.
Finanzierung 2012 wurde die Finanzierung des ISTA bis 2026 gesichert. Eine Vereinbarung zwischen der Republik Österreich und dem Land Niederösterreich, die die weitere Finanzierung des Instituts von 2017 bis 2026 regelt, wurde im Juli 2012 von Parlament und Landtag verabschiedet. Der Bund investiert im Schnitt € 99 Mio. pro Jahr, ein Drittel dieses Geldes ist an die erfolgreiche Einwerbung von Drittmittel und die Erfüllung forschungsimmanenter Qualitätskriterien gebunden. Die niederösterreichische Landesregierung trägt außerdem € 368 Mio. für die Infrastruktur, die Gebäude und den Betrieb des ISTA Campus bei. Diese Finanzierung erlaubt ISTA bis 2026 auf eine Größe von circa 90 bis 100 Forschungsgruppen mit bis zu 1000 Wissenschaftlern zu wachsen.
Im Jahr 2021 unterzeichnete das ISTA die 15a-Vereinbarung mit der österreichischen Bundesregierung und dem Land Niederösterreich, die seine Finanzierung bis 2036 sichert. Der Bund wird € 2,46 Mrd. bereitstellen, wobei ein Drittel davon von der Fähigkeit des Instituts abhängt, Drittmittel einzuwerben. Das Land Niederösterreich wird € 820 Millionen bereitstellen.
Im Jahr 2022 startete das ISTA eine Fundraising-Kampagne, um finanziell unabhängiger zu werden. Die Ankerstifterin Magdalena Walz, eine Wiener Unternehmerin, vermachte dem ISTA nach ihrem Tod im Jahr 2021 € 25 Millionen.
Bis 2023 wurden 58 ERC-Stipendien des Europäischen Forschungsrats an ISTA-Fakultätsmitglieder vergeben.
Organisation Kuratorium
Das Kuratorium ist das oberste, leitende Gremium des Instituts und wird vom Bund, vom Land Niederösterreich sowie aus der wissenschaftlichen Gemeinschaft bestellt. Die Hauptaufgaben des Kuratoriums bestehen im Beschluss des Organisationsstatuts und der strategischen Ausrichtung, der Bestellung des Präsidenten, des Wissenschaftlichen Rats und des Verwaltungsdirektors sowie der Genehmigung des Verfahrens zur Berufung und Beförderung des akademischen Personals und der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.
mini|Südwestansicht des ISTA mini|Außenansicht des ISTA in Maria Gugging, links das neu errichtete Audimax
Aktuelles Kuratorium (2026):
Elisabeth Engelbrechtsmüller-Strauß (CEO/CFO, Fronius International GmbH, Pettenbach) Olaf Kübler (ehemaliger Präsident der ETH Zürich) Peter Chen (Professor, Laboratorium für Organische Chemie und ehemaliger Vizepräsident für Forschung, ETH Zürich, Schweiz) Alice Dautry (ehemalige Präsidentin des Institut Pasteur, Paris, Frankreich) Peter Fratzl (Direktor, Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung, Potsdam, Deutschland) Michaela Fritz (Vizerektorin für Forschung und Innovation, Medizinische Universität Wien) Alexander Hartig (Geschäftsführer, Constantia Beteiligungsgesellschaft Österreich, Wien) Reinhard Jahn (Direktor, Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie, Göttingen, Deutschland) Iain Mattaj (ehemaliger Direktor, Human Technopole, Mailand, Italien) Manfred Morari (Distinguished Faculty Fellow, Department of Electrical and Systems Engineering, University of Pennsylvania, Philadelphia, USA) Andrew Murray (Professor, Department of Molecular and Cell Biology, Harvard University, Cambridge, USA) Patricia Neumann (Vorstandsvorsitzende, Siemens AG Österreich) Pietro Perona (Allen E. Puckett Professor of Electrical Engineering and Computation and Neural Systems, California Institute of Technology, Pasadena, USA) Heike Riel (IBM Fellow, Head Science & Technology, Lead IBM Research Quantum Europe, Zürich, Schweiz) Elisabeth Stadler (ehemalige Generaldirektorin der Vienna Insurance Group, Wien) Stefan Szyszkowitz (Sprecher des Vorstands EVN, Maria Enzersdorf) Oliver Vitouch (ehemaliger Präsident der Österreichischen Universitätenkonferenz)
Exekutivausschuss Als Unterausschuss des Kuratoriums fungiert der aus sechs Mitgliedern bestehende Exekutivausschuss. Unter anderem obliegen dem Exekutivausschuss das Handeln im Namen des Kuratoriums in Bezug auf alle Angelegenheiten zwischen den Versammlungen des Kuratoriums und das Führen von vorbereitenden Diskussionen zu Themen, die dem Kuratorium zur Entscheidung vorgelegt werden sollen, z. B. das Jahresbudget.
Wissenschaftlicher Rat Vorschläge zur wissenschaftlichen Ausrichtung und zur Sicherung der hohen wissenschaftlichen Leistungsfähigkeit werden vom Wissenschaftlichen Rat unterbreitet. Er soll, so § 9 des Bundesgesetzes über das Institute of Science and Technology, aus zehn „international höchst anerkannten Forscherpersönlichkeiten“ sowie einem Mitglied ohne Stimmrecht bestehen, das auf Grund seiner „hervorragenden Managementerfahrung einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung der Ziele des Institute of Science and Technology leisten kann“. Alle Mitglieder sind vom Kuratorium für eine Funktionsperiode von sechs Jahren bestellt.
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