Operation Sommerregen () ist der militärische Codename einer Aktion der israelischen Streitkräfte Ende Juni 2006 im Gazastreifen.

Auslöser war die Gefangennahme des 19-jährigen israelischen Soldaten Gilad Schalit. Vorangegangen war zunächst eine Intensivierung des Beschusses Südisraels mit Boden-Boden-Raketen durch militante Palästinenser aus dem Gazastreifen und die Festnahme zweier Terrorverdächtiger durch israelische Spezialkräfte.

In der Nacht zum 28. Juni 2006 drangen israelische Bodentruppen erneut in den 2005 geräumten Gazastreifen ein und besetzten ihn teilweise. Während der palästinensische Raketenbeschuss sich weiter verstärkte und auch Städte im bis dahin sicheren israelischen Hinterland traf, griff Israel Ziele im Gazastreifen aus der Luft an. Im Verlauf des am 12. Juli begonnenen Zweiten Libanonkrieges nahmen die Kampfhandlungen ab und gingen dann in die Operation Herbstwolken über, die am 26. November 2006 mit einem Waffenstillstand endete.

Vorgeschichte Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen Im August und September 2005 räumte Israel ohne Gegenleistung den seit 1967 besetzten Gazastreifen. Am 28. März 2006 schossen Militante des Islamischen Dschihad in Palästina eine 122-mm-Katjuscha-Rakete aus dem Gazastreifen auf Israel ab.BBC: Katyusha rocket fired from Gaza, 28. März 2006 Diese Raketen werden sonst regelmäßig von der Hisbollah verwendet und wurden nun erstmals aus dem Gazastreifen abgeschossen. Eine größere Zahl von Kassam-Raketen schlugen in dem westlichen Negev ein; 49 im März, 64 im April, 46 im Mai und über 83 im Juni. Vor dem Wahlsieg der Hamas wurden die meisten Raketenabschüsse durch den Islamischen Dschihad ausgeführt. Seitdem werden auch andere Gruppen bezichtigt, diese Raketen abzuschießen.

Strandzwischenfall von Bait Lahiya Die israelische Armee nahm regelmäßig Stellungen unter Beschuss, die nach ihren Angaben von militanten Palästinensern zum Abschuss von Raketen verwendet wurden.The Independent: , 11. Juni 2006Al Jazeera: , 11. Juni 2006

Am 9. Juni wurden bei einer Explosion an einem Strand in der Nähe von Bait Lahiya im Gazastreifen acht Palästinenser getötet und mindestens dreißig weitere verletzt.BBC: Hamas militants vow to end truce, 10. Juni 2006 Die US-amerikanische NGO Human Rights Watch und das palästinensische Innenministerium beschuldigen die Tzahal, den Zwischenfall durch Artilleriebeschuss verursacht zu haben. Die israelische Armee wies die Verantwortung von sich und macht eine Mine oder einen älteren, nicht explodierten Blindgänger für die Explosion verantwortlich. Hamas beendete nach dem Zwischenfall offiziell die 16-monatige Waffenruhe und übernahm die Verantwortung für auf Israel abgeschossene Kassam-Raketen.BBC: Hamas breaks truce with rockets, 10. Juni 2006

Gefangennahme von Usama und Mustafa Muamar Am frühen Morgen des 24. Juni 2006 drangen Kommandoeinheiten der israelischen Streitkräfte erstmals seit dem israelischen Abzug im Jahr 2005 wieder in den Gazastreifen ein.The Observer: World in brief : Gaza Strip arrests, 25. Juni 2006 (abgerufen am 8. Oktober 2006) Im Haus der Familie Muamar in der Nähe von Rafah, in der Ortschaft Umm al-Nasser, nahmen sie um 3:30 Uhr Ortszeit (0:30 Uhr GMT) Osama und Mustafa Muamar gefangen und schafften beide nach Israel. Den beiden wurde vorgeworfen, als Hamas-Terroristen Anschläge in Israel geplant zu haben.BBC: Israel captures pair in Gaza raid, 24. Juni 2006

Tötung zweier israelischer Soldaten und Gefangennahme von Gilad Schalit Am 25. Juni 2006 drangen Militante auf israelisches Gebiet vor. Sie benutzten für diese Aktion einen Tunnel, der zuvor in monatelanger Arbeit zum Schmuggel von Waffen gegraben worden war. Nach Überrumpelung eines Wachpostens der israelischen Armee bei Kerem Schalom wurden im Zuge des nachfolgenden Gefechts zwei israelische Soldaten getötet und der 19-jährige Korporal Gilad Schalit gefangen genommen. (Die israelische Regierung gab später an, diese Aktion sei der Anlass für den Beginn ihrer Militäroffensive im Gazastreifen gewesen. Sie berief sich aber auch darauf, den Beschuss der westlichen Negev-Wüste mit Kassam-Raketen vom Gazastreifen aus stoppen zu wollen).

Das radikalislamische Volkswiderstandskomitee, die bisher unbekannte Gruppe Armee des Islam sowie die als militärischer Arm der Hamas geltenden Izz-ad-Din-al-Qassam-Brigaden bekannten sich gleichermaßen zur Verschleppung des Soldaten und forderten für seinen Austausch die Freilassung aller weiblichen und jugendlichen palästinensischen Gefangenen.

Militärische Operation Eindringen in den südlichen Gazastreifen Am 28. Juni warf die israelische Luftwaffe (IAF) über dem Gazastreifen Flugblätter ab, um die Bevölkerung vor der bevorstehenden Militäraktion zu warnen. Anschließend griff die IAF Ziele im Gazastreifen an und zerstörte dabei unter anderem das einzige Elektrizitätswerk dort sowie mehrere Brücken. Letzteres wurde damit begründet, dass den Geiselnehmern etwaige Fluchtwege abgeschnitten werden sollten. Danach rückten 3000 israelische Soldaten bei Chan Yunis in den südlichen Gazastreifen ein. Israelische Truppen besetzten auch den internationalen Flughafen von Gaza.CNN: , 29. Juni 2006

Das Volkswiderstandskomitee reagierte auf die Kampfhandlungen mit der Bekanntgabe der Entführung des 18-jährigen Siedlers Elijahu Ascheri aus Itamar im Westjordanland. Die Organisation drohte mit der Ermordung Ascheris, falls die Invasion nicht gestoppt würde.Ynetnews: Abductors present Eliyahu Asheri’s ID card, 28. Juni 2006 (Am 29. Juni fanden Einheiten der Tzahal Ascheri erschossen in einem verlassenen Auto auf einem Feld bei Ramallah. Nach israelischen Angaben war der Student bereits kurz nach seiner Entführung am 25. Juni mit einem Kopfschuss getötet worden.BBC: Seized Israeli settler found dead, 29. Juni 2006 – Die Organisation hatte sich zu Ascheris Entführung bekannt, aber Einheiten der Tzahal nahmen später vier Verdächtige fest, die Aktivisten der zur Fatah gehörenden al-Aqsa-Märtyrerbrigaden und Angehörige palästinensischer Sicherheitseinheiten sind.Ynetnews: Ramallah: IDF encircles Asheri murderers, 3. Juli 2006)

Durch die al-Aqsa-Märtyrerbrigaden wurde später bekanntgegeben, dass sie einen weiteren Israeli entführt hätten. Noach Moskowich aus Rischon LeZion wurde allerdings in der Nähe der Stelle tot aufgefunden, an der er zuletzt gesehen worden war. Sein Tod hatte offensichtlich natürliche Ursachen.Arutz Sheva: Fatah Group Announces it Kidnapped 62-Year-Old Israeli, 28. Juni 2006Associated Press via Houston Chronicle: , 29. Juni 2006

Bei Einbruch der Nacht begannen israelische Einheiten damit, Ziele im Gazastreifen mit Mörsergranaten zu beschießen, und zerstörten israelischen Angaben zufolge zwei Lagerhäuser, in denen sich Waffen befanden.Haʾaretz: , 29. Juni 2006

Eindringen in den nördlichen Gazastreifen Am Abend des 28. Juni 2006 marschierten Panzer und Truppen der Tzahal an der nördlichen Grenze des Gazastreifens auf und nahmen strategische Positionen für die zweite Phase der Operation ein, deren Ziel nach israelischen Angaben die Abschussbasen der Kassam-Raketen waren.Haʾaretz: IDF to launch anti-Qassam operation in northern Gaza, 29. Juni 2006 Der Kassam-Raketenbeschuss wurde kontinuierlich fortgesetzt und in den frühen Morgenstunden des 29. Juni begannen israelische Kriegsschiffe damit, Mörsergranaten auf die Stellen abzufeuern, von denen Raketen aufgestiegen waren.Hanan Greenberg: Israeli navy fires shells on northern Gaza Strip, Ynetnews, 29. Juni 2006

Darstellungen von Augenzeugen zufolge wurde auch die Islamische Universität Gaza von einer Rakete getroffen.Reuters: , 29. Juni 2006 Weiter wurde berichtet, dass israelische Panzer, Truppen und Planierraupen in den nördlichen Gazastreifen eingedrungen seien. Ägypten appellierte, mehr Zeit für Verhandlungen zu ermöglichen. Daraufhin gab die israelische Armee eine Unterbrechung der zweiten Phase bekannt, um den Militanten die Herausgabe Schalits zu ermöglichen.

Gefangennahme von Mitgliedern der Hamas Am 29. Juni nahmen israelische Truppen im Westjordanland 64 führende Hamas-Mitglieder fest, unter ihnen acht Regierungsmitglieder der Palästinensischen Autonomiebehörde und bis zu zwanzig Abgeordnete des Palästinensischen Legislativrates.United Nations: Israelis, Palestinians urget to 'step back from the brink', avert full-scale conflict, as Securitz Council debates events in Gaza, 30. Juni 2006 Unter den Verhafteten waren Finanzminister Abed Rayek, Arbeitsminister Muhammad Barghuti, der Minister für religiöse Angelegenheiten Nayif ar-Radschub (sein Bruder Dschibril ar-Radschub ist Mitglied der rivalisierenden Fatah), ferner die Nummer zwei der Hamas-Wahlliste Muhammad Abu Tir und einige Vorsitzende von Regionalräten, sowie der Bürgermeister von Qalqiliya und sein Stellvertreter. In der Folge gingen Repräsentanten der Hamas in den Untergrund. Nach Aussage der Tzahal seien die gefangenen Minister kein Faustpfand für die Freilassung von Schalit, sondern einfach eine Operation gegen eine terroristische Organisation.BBC: Israel justifies Hamas detentions, 29. Juni 2006 Die israelische Armee und Regierungsmitglieder kündigten an, dass die Festgenommenen in Israel angeklagt und vor Gericht gestellt werden sollten.The Guardian: Israelis Arrest Dozens of Hamas Officials, 29. Juni 2006

Die Operation war nach Presseberichten bereits Wochen zuvor geplant und mit dem israelischen Generalstaatsanwalt Menachem Matzutz abgestimmt worden. Matzutz wolle die Verhafteten anklagen, weil sie es versäumt hatten, Terroranschläge zu verhindern und weil sie Mitglieder in einer Terrororganisation seien. Die Höchststrafe für diese Vergehen beläuft sich in Israel auf zwanzig Jahre Gefängnis und das Verfahren findet, wie bei Einwohnern des Gazastreifens und des Westjordanlands üblich, vor einem Militärgericht statt.Haʾaretz: , 29. Juni 2006 (hebräisch) – Im späteren Verlauf des Konfliktes wurde am 6. August Abd al-Aziz Duwaik, der Sprecher des Palästinensischen Legislativrates, in seinem Haus im Westjordanland unter Hausarrest gestellt.BBC: Airstrikes and artillery pound Gaza, 6. August 2006

Israelische Luftangriffe auf Gaza Am 30. Juni begann die israelische Luftwaffe im Gazastreifen mit einer Reihe von Bombenangriffen auf verschiedene Ziele. In der Nacht attackierten israelische Kampfflugzeuge unter anderem auch ein Büro der Fatah, sowie das Innenministerium in Gaza-Stadt. Die Tzahal meldete auch einen Angriff auf das Büro des Innenministers Said Sizam. Nach Ansicht der Tzahal handelte es sich bei dem Büro um einen Treffpunkt zur Planung und Steuerung von Terroraktivitäten. In einem getrennten Luftschlag trafen drei Raketen das Büro von Chalid Abu Ilal, einen Beamten des Innenministeriums, der ebenfalls einer Pro-Hamas-Miliz vorsteht.The Guardian: Israeli jets pound Gaza targets, 30. Juni 2006

In der Nacht zum 1. Juli zerstörte Israel sieben wichtige Straßen im Gazastreifen durch Luftangriffe. Das israelische Militär erklärte, so sollte die Bewegungsfreiheit der Entführer Schalits weiter eingeschränkt werden. Diese wiederum weiteten ihre Forderung nach der Freilassung aller weiblichen und jugendlichen palästinensischen Gefangenen in Israel auf alle älteren und kranken aus.

Nachdem die israelische Armee den palästinensischen Ministerpräsidenten Ismail Haniyya gewarnt hatte, er könne zu einem Angriffsziel werden, falls Schalit nicht freigelassen werdeThe Australian: Israel warns: free soldier or PM dies, 1. Juli 2006, feuerte die IAF am frühen Morgen des 2. Juli 2006 zwei Raketen auf das Büro des palästinensischen Regierungschefs.BBC: Airstrike on Palestinian PM's HQ, 2. Juli 2006

Raketenfeuer nach Israel und die israelische Reaktion